Wortgewaltig kochen

Kochenvon Anna Neustein 3. Jänner 2017

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„Wir sind nicht sehr lange auf dieser Welt. Da sollten wir uns zumindest etwas Gutes zu essen machen.“ Ein Satz, der vorderhand gar nicht so optimistisch klingt, der aber alles Negative verliert, wenn man sich ansieht, was der Urheber sonst noch so zu sagen hat: Nigel Slaters Worte – er ist ohne Zweifel einer der besten Kulinarikschreiber der Welt – sind eine Liebeserklärung an Lebensmittel schlechthin. Karfiol beziehungsweise Blumenkohl etwa, den er wie so vieles andere in seinem Küchengarten im Norden Londons anbaut, beschreibt er als ein Gemüse, „von Frieden und Schönheit erfüllt“, mit „Blättern wie Hasenohren“ – und das, wo das Kohlgewächs nicht unbedingt zu seinen Lieblingen zählt.

Slaters Bücher wie „Tender. Gemüse“ oder „Tender. Obst“ bestechen durch ihre Sprache (und hier gilt es auch der großartigen Übersetzerin Sofia Blind Blumen zu streuen): in höchstem Maß respektvoll vor dem, was die Erde hervorzubringen mag, aber stets mit einer guten Prise hintergründigen Humors, mit Worten, die trotz ihrer Schlichtheit enorm bildhafte Assoziationen wachrufen. Da ist von „spülwassergrauem Himmel“ die Rede, unter dem „ein knallrosa Chutney“ aus Rhabarber zu gegrilltem Schwein entsteht, „etwas Fruchtiges, mit dem man sich zu dem herrlichen Schweinefett den Mund verschmieren kann“. Von „blass elfenbeinfarbenem“ Schwarzwurzelpüree, von einem „frischkäsegesättigten Stück vom Himmel. Für diejenigen, die verstehen.“

Nigel Slater ist ein Verfechter der Alltagsküche. „Etwas, das man lieber still genießt, als es auf ein Podest zu stellen und zu verehren“, notiert er und fügt hinzu: „Bei dem Begriff ,Feinschmecker’ läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.“ Slaters Buch „Ein Jahr lang gut essen“, bei Dumont erschienen, ist nun eine Art Küchenkalender für den Alltag. Zu Neujahr etwa beschließt Slater, statt eines Brotlaibs einen Stapel Knäckebrot zu backen. „Statt mit rituellem Brotbacken werde ich den ersten Tag des neuen Jahres mit dem Rascheln eines neues, besseren Knäckebrots feiern“, schreibt er und liefert sein Rezept mit Mohn gleich mit.

Am 7. März erwacht der Autor in Kyoto, kommt vom Frühstücksbuffet mit einem Teller gedämpften Grünzeugs zu Tisch, mit „smaragdgrün glänzendem Lebenselixier“, und notiert später ein Rezept für gegrillten Fisch mit Soja und Sesam (so weit, so logisch) und Espresso-Schokoladesplitter-Eiscreme, einfach, weil diese Idee in Japan geboren wurde. Der 2. Juni ist der Tag von grünem Spargel und blauem Käse, es gibt Grünspargel-Roquefort-Tarte, der 3. September ist mit einer Apfel-Ahornsirup-Focaccia dem Apfel gewidmet. Und angesichts von Formulierungen wie „einen anonymen Bequemlichkeitsapfel, den ich beim Staubsaugen esse“ würde man den Mann gern für sämtliche Literaturpreise vorschlagen.

Rezepte im PDF Format:
Blutwurst, Kohl und Senf
Nudeln mit Garnelen
Schnelle Fischsuppe

Nigel Slater
Ein Jahr lang gut essen

Dumont, 560 Seiten
39 Euro


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