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Sozialmissbrauch als TV-Spitzenreiter

Lebenvon Christian Werner 3. März 2014

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Im britischen Sender Channel 4 lief vor kurzem die TV-Reality-Serie „Benefits Street“. Sie spielte in einer Straße in Birmingham, in der 90 Prozent der Bewohner von Sozialhilfe („Benefits“) leben. Ein Jahr wurde gedreht, die Szenen zeigen Afrikaner, Jamaikaner und englische Loser. Menschen, die ihr Leben auf dem Sofa verbringen. Man sieht, wie eine 12-köpfige Romafamilie aus Rumänien einzieht und es zu Streit mit den alteingesessenen Bewohnern kommt. Wie Ladendieb Danny gestohlene Waren präpariert, um aus dem Kaufhaus zu gelangen, ohne den Alarm auszulösen. Die Kamera ist auch dabei, wenn Drogenabhängige Autos aufbrechen, um das Navi zu stehlen, wenn Alkoholiker stolz erklären, wie man sich Sozialleistungen erschummelt.

„Benefits Street“ brachte Channel 4 die höchsten Einschaltquoten seit 18 Monaten – und führte zu heftigen Reaktionen: Twitter-Nutzer forderten, den „Abschaum“ zu verbrennen oder zu erschießen, die Polizei erhielt empörte Aufforderungen, „diese Asozialen“ zu verhaften. Ein Kommentator schrieb in der Daily Mail, dass die Serie die „zerstörerische Sozialstaatskultur“, die keinen Ehrgeiz vom Einzelnen einfordere, beleuchte. Ein konservativer Parlamentarier wies darauf hin, dass es so eine Straße in jedem Wahlkreis gibt – tatsächlich zahlte England im vergangenen Jahr umgerechnet 190 Milliarden Euro an Sozialhilfe aus.

Kritiker hingegen schäumten: Skandal! Sie sammelten Unterschriften, sprachen von nichtrepräsentativem „Armutsporno“ und davon, dass man schwache Menschen wie in einem Zoo präsentiere und als dumm hinstelle.

Doch der wahre Skandal ist ein anderer. Dass nämlich die zur Schau gestellten Personen nicht dumm sind, sondern durchaus rational handeln, weil es das System zulässt. Würden sie arbeiten, wären sie schlechter dran. Am Beispiel von Frau Dee aus „Benefits Street“: Arbeitete sie als Putzfrau, so blieben ihr im Monat nur etwa 100 Euro mehr. Und selbst wenn sie einen guten Job bekäme (28.000 Euro Jahreslohn), hätte sie pro Monat nur knapp 600 Euro mehr als jetzt. Wozu also arbeiten?

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