Der Paradeiserkaiser

Kochenvon Anna Neustein 1. September 2011

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Erich Stekovics ist streng. Der Paradeiserzüchter (sprich: Tomatenzüchter, aber Erich Stekovics sieht sich nun einmal als Paradeiserzüchter) aus dem burgenländischen Frauenkirchen ist der einzige, der seine Pflanzen nicht gießt – außer einmal bei der Aussaat. Und eben das predigt er seinen Kunden eindringlich. Predigen kann er, der Stekovics. Muss er können, schließlich ist er eigentlich Theologe. Zu den Paradeisern ist er über einen Krebskranken gekommen, der ihn gefragt hat, was er rückblickend an seinem Leben ändern würde. „Ich hätte mehr gegärtnert”, sagte Erich Stekovics, und der Gedanke ließ ihn nicht mehr los.

Mittlerweile ist er Herr über unglaubliche 3.200 Paradeisersorten, steht in Kontakt mit amerikanischen Samenbanken, ist selbst ein begehrter Lieferant seltener Sorten und hat nun auch ein aufwendiges Nachschlagewerk herausgebracht, ein erweitertes Kochbuch, eben den „Atlas der erlesenen Paradeiser (und was man alles mit ihnen anstellen kann)”.

Erich Stekovics verkauft seine Früchte nicht nur an die besten Restaurants Österreichs, sondern auch ab Hof. Und dort, am Hof in Frauenkirchen, bekommt man die Paradeiserpflanzen, die man nicht gießen darf. Da blitzt wieder der Theologe in Stekovics auf, wenn er erzählt, dass er jede Pflanze zwei Nahtoderfahrungen aussetzt: Einmal lässt er sie fast erfrieren, einmal fast verdursten. Und dann seien die Paradeiserpflanzen gewappnet für alles, ist seine Überzeugung. Wasser bekommen sie eben nur, wenn es regnet, „das haben die Pflanzen schon von ihrer Großmutter gelernt, die haushalten einfach ganz anders und gedeihen trotzdem”. Er möchte eben keine Weicheier heranziehen. Weicheier, diese Sorte gibt es selbst bei ihm nicht, Eierparadeiser freilich schon.

Dieses Buch ist ein wunderschönes, großformatiges Nachschlagewerk zum Thema Paradeiser. Nicht nur werden ausgewählte Sorten wie die Azoychka Russian, die Justus Zuckersüß oder die Peruanische Wildtomate samt Foto vorgestellt, es fallen von A bis Z auch Stichworte wie Bazooka-Kaugummi-Staub (Paradeiser können sogar danach schmecken) oder Damenstrümpfe (zum Aufbewahren von Samen). Und nachdem Erich Stekovics bei den besten Köchen Österreichs mit seinen Paradeisern stets einen Fuß in der Tür hat, war es auch nicht schwer, diese für spannende Paradeiserrezepte zu gewinnen.

Thomas Dorfer, Schwiegersohn von Haubenköchin Lisl Wagner-Bacher, steuert da etwa eine Weiße Mandeleiscreme mit eingelegten Paradeisern und geliertem Anis-Minz-Tee bei, Josef Floh verrät sein Rezept für Kaninchen-Paradeiser-Fleisch, ein Ragout, das mit gehobeltem Parmesan serviert wird, und auch der gegenwärtig beste Koch Österreichs, Heinz Reitbauer vom Wiener „Steirereck”, ist mit Rezepten dabei, etwa mit einer kalten „gegrillten” Paradeisersuppe mit Kräutereistee und Schnittlauchbrot.

Rezepte im PDF Format:
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Erich Stekovics, Julia Kospach, Peter Angerer:
Atlas der erlesenen Paradeiser (und was man alles mit ihnen anstellen kann)

Loewenzahn Verlag, 264 Seiten
59,90 Euro


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