Koche lieber leidenschaftlich!

Kochenvon Anna Neustein 1. November 2008

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Das Kochbuch für Leute mit Geschmack. Sagt der Untertitel des neuen Werks der Vier-Hauben-Brüder Obauer aus dem salzburgerischen Werfen. Das könnte man jetzt so stehen lassen, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung hinterherschicken und die Rezension hiermit beenden. Denn dieses Buch ist einfach gut.

Damit Sie es aber auch wirklich kaufen, schießen wir noch ein paar Begründungen nach: Karl und Rudi Obauer sind wirklich Köche. Keine Selbstvermarkter, die auf sämtlichen Gurkenhobeltauschbörsen antanzen und für Produkte mit ihrem Namen werben. Sondern Köche, die als solche einfach kochen. Köche, die sich charmant enttäuscht zeigen, wenn man nach vielen Gängen einfach nicht mehr kann. „Seid ihr nicht zum Essen gekommen?“ Die beiden sind einfach sympathisch.

Was sich in „Koche lieber leidenschaftlich!“ niederschlägt: Die Texte heben sich wohltuend von den üblichen Genussschwelgereien ab, pseudointellektuelles Gourmet-Geschwafel ist der Brüder Sache nicht. Die Texte – und auch die Rezepte! – lesen sich wunderbar ironisch und pointiert. Etwa wenn Trüffeln „zwecks besonderer kulinarischer Erbauung und sinnvoller Verwertung überschüssiger Finanzmittel“ über eine Kartoffeltorte gehobelt werden. Wenn von „Hobbykochpersonen“ mit dem geklammerten Nachsatz „geschlechtsneutrale, diskriminierungsfreie Ausdrucksform“ die Rede ist. Oder wenn Karl und Rudi Obauer den Brauch kommentieren, Mürbteig zum Blindbacken mit Hülsenfrüchten zu beschweren, „weil er sonst Blasen wirft oder sonst was Unziemliches tut“.

Die Gerichte der Brüder Obauer sind nicht einfach solche. Es sind modernisierte Miniaturen der österreichischen Kochtradition, Stückchen von kunstvoller Einfachheit. Bevor die Obauers einen Speisenentwurf mit ihrem typischen Augenzwinkern beenden, wird vorher noch kräftig links und rechts in die internationalen Abzweigungen geschielt, der österreichische Weg aber nicht verlassen. Was dann dazu führt, dass ein Kapitel zwar „Fernöstliches“ heißt, für Fischtempura aber der heimische Waller verwendet wird. Und der Blutwurst im Backteig mit Kernölmayonnaise eine Auster zur Seite gestellt wird, während die Kalbsstelze mit Kokos, Vanille und Grießknödel daherkommt. Dass sich Karl und Rudi Obauer mit ihrer Art zu kochen immer schon dem Vorwurf der Beliebigkeit und des Tappens in die Fusionsküchen-Falle ausgesetzt haben, ist ihnen indes egal: Ihre Standardparade: „Wenn es aber doch schmeckt…“ Recht haben sie.

Rezepte im PDF Format (Fotos © Herbert Lehmann/Knaur):
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Karl und Rudolf Obauer:
Koche lieber leidenschaftlich!

Knaur, 224 Seiten
29,00 Euro


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