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Die Frau am Herd

Kochenvon Anna Neustein 1. Jänner 2008

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Mit Sarah Wiener ist es so wie mit Marzipan, Anis oder Sardellen: Man liebt sie oder man hasst sie. Manche Journalisten und Medienkonsumenten können nicht genug von ihr bekommen – „Meine Trauminterviewpartnerin? Sarah Wiener!“ –, andere hingegen monieren etwa, dass die omnipräsente Selfmade-Frau „außer ihrer Schönheit nichts zur Weiterentwicklung der Küche beigetragen hat“.
Sarah Wieners neues Buch, vor kurzem bei Knaur erschienen, ist wie geschaffen dafür, die kulinarisch interessierten Geister erneut zu spalten: Die Rezepte können aufgrund ihrer Beliebigkeit bei kritischen Kochbuchliebhabern schon ein wenig anecken. Stimmig erscheint die Auswahl der Speisen höchstens dadurch, dass eben alles die Marke „Sarah Wiener“ repräsentiert. Die österreichische Herkunft der TV-Köchin darf offensichtlich als biographisches Detail nicht fehlen (Kärntner Kasnudeln sind ein Beispiel dafür), ebenso legitim erschien es Sarah Wiener (und ihren Beratern?) aber, typisch deutsche Gerichte wie Königsberger Klopse ins Buch aufzunehmen. Exotische Einsprengsel, die die kulinarische Weltgewandtheit der strittigen Köchin beweisen sollen, etwa ein Tunfischsalat aus Sri Lanka oder ein Fischcurry aus Indien, machen das Sammelsurium komplett. Unklar bleibt bei dieser thematischen Inhomogenität, zu welchem Anlass man das Buch aus dem Regal ziehen soll. Natürlich kann oder soll ein persönlicher Küchenstil aus Elementen unterschiedlicher Kulturen inspiriert sein, in diesem Buch allerdings werden Gerichte aus diversen Ländern unabgewandelt und somit ohne persönlichen Touch aneinandergereiht, etwa die französische Fischsuppe Boullabaisse und Zimtsterne aus der Küche unserer Großmütter. Das macht das Kompendium mehr zu einer Dokumentation über Sarah Wieners kulinarische Offenheit als zu einem nützlichen Kochbuch.
Was erfreut, ist hingegen die optische Aufmachung: Die Fotos sind farblich gelungen, das Layout der Rezepte ist übersichtlich. Besonders fein finden wir die charmanten Collagen von Irma Schick, für die Schnipsel von Lebensmitteletiketten, Fotos von Zutaten, gestempelte Tierschablonen oder Buntstiftzeichnungen kombiniert wurden – wirklich gelungen!
Fazit: Das neue Kochbuch von Sarah Wiener festigt eher ihr Image als reiselustige, telegene Frau als den Ruf einer inputgebenden, ernstzunehmenden Köchin. Ein Buch für Fans.

Rezepte (im PDF Format):
Download

Sarah Wiener:
Das große Sarah Wiener Kochbuch

Knaur, 272 Seiten
24,95 Euro


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