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Permanent Record

Wissenvon Christian Werner 2. Dezember 2019

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Ein 29-Jähriger schockiert die Welt: Als Datenspezialist und Geheimnisträger für die US Geheimdienste CIA und NSA deckt Edward Snowden 2013 auf, dass die US-Regierung heimlich die ganze Welt bespitzelt. In einem Ausmaß, das selbst die gewagtesten Verschwörungstheorien bei Weitem übertrifft.

Snowden beweist, dass die Amerikaner in großem Stil Datenströme aus Unterseekabeln abgegriffen und sich in den Datenverkehr zwischen Internetkonzernen wie Google und Yahoo eingeklinkt hatten, dass sie weltweit hunderttausende Computer gehackt und Ortungsdaten, Adressbücher sowie SMS abgesaugt hatten, dass sie die elektronische Kommunikation von Firmen, Ministerien ebenso wie jene von internationalen Organisationen und internationalen Spitzenpolitikern – darunter etwa auch Angela Merkel – ausspioniert hatten.

Nach sechs Jahren legt Snowden nun seine Autobiografie vor. Überaus fesselnd erzählt er seine Geschichte. Details aus der Kindheit in einer Familie, die seit Generationen im Militärdienst beschäftigt war. Selbst ausgesucht peinliche Episoden aus seinem Leben verschweigt er nicht. Er erklärt, warum er sich als Freiwilliger zum Einsatz im Irak-Krieg gemeldet hat. Wie er dann bei den Geheimdiensten landet, die Idee einer Massenbespitzelung zunächst noch für unvorstellbar hält, allmählich jedoch gegenüber seiner Arbeit Skepsis entwickelt. Warum er sich schließlich dazu durchringt, ein „Verbrechen zu begehen, um ein noch viel größeres offenzulegen“, auch wenn er weiß, dass er dadurch sein ganzes bisheriges Leben opfert. Nicht nur seine Liebe, sondern freilich auch die Option, dass er mit seinen Fähigkeiten als Programmierer im Silicon Valley einst als reicher Mann in den Ruhestand treten könnte. Spannend wie ein guter Kriminalroman lesen sich die Einzelheiten seines Datendiebstahls, verstörend hingegen die Umstände: Es gibt für ihn kein „normales“ Verfahren vor einem Geschworenen-Gericht, es droht die Todesstrafe für ihn, und dennoch gewährt ihm, der die anlasslose Massenbespitzelung im öffentlichen Interesse der ganzen Welt publik gemacht hat, keine einzige westliche Demokratie Asyl.

Snowden zeigt auch, warum das System der Massenüberwachung unsere Freiheit gefährdet, und wie gefährlich es werden kann, wenn Regierungen oder Einzelpersonen die Spionagedaten missbrauchen, um etwa Kritiker mundtot zu machen. Fazit: Ein tolles Buch zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit. Es verwundert nicht: Zurzeit das weltweit am meisten gekaufte Buch!

Edward Snowden: Permanent Record. Meine Geschichte. Fischer, 22 Euro.

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