Das Winter-Wunderland

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 9. April 2019

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Lappland - Foto: Visit Finnland

Schnee in Hülle und Fülle, endlose Wälder und eine Luft so klar wie Champagner. Lappland ist ein magisches Paradies im Norden, das uns daran erinnert, wie sich Winter einmal anfühlte. Was für ein verrücktes Urlaubsziel: 25 Grad minus, wenig Sonne, kein Strand und ein gewöhnungsbedürftiger Name: Kittilä.

Es ist kurz vor sechs Uhr abends und stockdunkel, als unsere Maschine auf der verschneiten Piste eines kleinen Flughafens in nördlicher Wildnis aufsetzt. Er heißt tatsächlich Kittilä und liegt in einem Landstrich, der etwas größer als Österreich ist, aber nur 190.000 Einwohner hat. Wir sind ganz im Norden Europas, in Lappland. Für alle, die damals in Geographie gerade gefehlt haben: Lappland ist der nördlichste Zipfel Finnlands, der ein Drittel dieses skandinavischen Landes umfasst, in dem aber nur drei Prozent der finnischen Gesamtbevölkerung leben.

Lappland verzaubert die meisten Besucher sofort. Und nicht nur, wenn man das seltsame Gefühl hat, mitten in einem Weihnachtskalender gelandet zu sein. Im Sommer ist es das Land der magischen Mitternachtssonne, die die Nacht zum Tag macht. Im Herbst taucht der „Indian Summer“ Lapplands die endlosen Wälder in prachtvolle Herbstfarben aus Braun, Gelb und Rot. Die Finnen nennen dieses kurze Spektakel, das nur zwei Wochen dauert, „ruska“. Und dann kommt ein Winter, wie ihn die meisten Europäer nur aus dem Bilderbuch oder aus den Bergen kennen: ein halber Meter Schnee auf den Dächern, Weiß, wohin das Auge blickt. Der Himmel über Lappland ist dann voller Magie: Geheimnisvolle Nordlichter verzaubern den Nachthimmel.


Lappland - Foto: Visit Finnland

Das bekannteste Ziel von Lapplandbesuchern heißt Rovaniemi


Früher verschlug es nur Holzfäller, Pelztierjäger und abenteuerlustige Goldsucher in dieses einst winzige Dörfchen. Heute lebt ein Drittel der Bevölkerung Lapplands in Rovaniemi, und vor allem in der Vorweihnachtssaison landen hier große Chartermaschinen mit Massen von Touristen. Früher waren es vor allem Briten, jetzt sind es besonders viele Chinesen.

Warum das so ist? Weil hier der Weihnachtsmann wohnt! 1925 klärte eine beliebte Kindersendung im finnischen Radio die Welt auf, dass die Heimat des Weihnachtsmannes mitnichten am Nordpol liege, wie häufig von Unkundigen gemunkelt wurde, sondern am Polarkreis im Norden Finnlands bei einem geheimnisvollen Berg namens Korvatunturi. Der ist wie ein großes Hasenohr geformt und deshalb kann der Weihnachtsmann allen Kinderwünschen aus der ganzen Welt lauschen.

Die Finnen haben diese Kindergeschichten dann ab 1985 systematisch als Marketing-Rezept verwendet. Ein Weihnachtsmanndorf wurde gebaut, aus einem Berg wurde eine künstliche Höhle für eine Kinderbahn herausgesprengt, die Touristen können mit Huskys und Rentieren fahren, und der Weihnachtsmann hat auch ein eigenes Postamt. Dieser Santa-Claus-Zauber wirkt von London bis Peking. Allein in der Vorweihnachtszeit, der Hauptsaison in Lappland, landen auf den drei nördlichsten Flughäfen Finnlands (Rovaniemi, Enontekiö und Kittilä) an die 600 Charterflieger.


Lappland - Foto: Visit Finnland

Wintersportort Levi


Auch wir sind gelandet, aber eben in Kittilä und außerhalb der Saison, und es ist unwirklich schön. Kein Weihnachtsmann wartet mehr, es ist Ende Jänner, und bislang haben wir auch noch keinen Chinesen gesichtet. Es ist eine ruhige Fahrt durch die dunkle Nacht und einen dichten verschneiten Wald, der strahlend weiß leuchtet. Sie führt uns zu unserem eigentlichen Ziel: zum Wintersportort Levi. Hier wird es für läppische Verhältnisse geradezu hochalpin. Bis zu 530 m hohe Berge, „Fjälls“, ragen aus den endlosen Wäldern. Aber es kommt ja nicht immer auf die Länge an. Mögen die Pisten auch kürzer sein als in den Alpen, so gilt der Schnee in Levi als allerfeinst. Kein Vergleich mit schnödem Kunstschnee. Deshalb finden in Levi auch Weltcup-Slalomrennen statt, und Marcel Hirscher besitzt hier ein Rentier.

Es gibt insgesamt 43 präparierte Pisten und 28 Lifte. Wer sportlich ist, kommt in Levi auf seine Kosten. Man kann mit Schneeschuhen durch die Gegend stapfen, mit dickbereiften Fahrrädern, sogenannten Fatbikes, relativ sicher über Eis und Schnee kurven, man kann Husky- oder Rentiersafaris unternehmen, durch ein Eisloch Fische fangen oder mit dem Motorschlitten nachts Polarlichtern hinterherjagen. Letzteres ist übrigens ganz schön anstrengend, weil Eisrinnen auf den Wegen kraftvolles Lenken erfordern. In zwei Stunden legt man ungefähr 30 Kilometer zurück, dick eingepackt in einem Thermooverall mit Helm, Handschuhen und speziell isolierten Winterschuhen.

Waren es einst die Schi, so sind die Motorschlitten heute das bevorzugte winterliche Fortbewegungsmittel der Ureinwohner Lapplands, der Sámi, die übrigens bereits vor 4.500 Jahren die Schi erfunden haben. Rund 140.000 Sámi gibt es noch im Norden Europas und ihr Siedlungsgebiet zieht sich über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Beim Sámimuseum in Levi bin ich mit Ante Aikio verabredet, einem jungen Sámi, der schon mehrere Bücher über sein Volk geschrieben hat. Seine Familie besitzt mehrere hundert Rentiere. Wie viele genau, ist ein Geheimnis. „Kein Sámi sagt, wie viele Rentiere er hat“, lächelt Ante. „Das wäre so, wie den Bankkontostand zu nennen. Aber man braucht mindestens 400 Tiere, wenn man davon leben will.“ Ein Kilo Rentierfleisch kostet rund 12 Euro.


Lappland - Foto: Visit Finnland

Das Leben der Sámi hat sich geändert


„Meine Eltern wuchsen in Zelten auf und zogen als Nomaden durchs Land“, erzählt der Schriftsteller. „In den 1960er Jahren wurden die Sámi dann langsam sesshaft, heute leben wir in Häusern.“ Rentiere haben übrigens keine Namen. „Einem Wesen, das man isst, sollte man keinen Namen geben“, meint Ante und deutet auf ein Tier, das uns andächtig zuhört: „Psst, es könnte uns verstehen.“

Meine nächste Fahrt durchs winterliche Lappland gilt Stefano, einem Italiener. Und Tieren, die sich voller Kraft und Freude in der Kälte bewegen: den Huskys. Sie sind freundlich, zäh, stark und scheinbar völlig unempfindlich gegen Kälte. Das liegt an ihrem besonderen Fell. Es hat zwei Schichten: Die oberen Haare sind wasserabweisend und dick, die unteren fein wie Wolle. Huskys sind seit Jahrhunderten treue Begleiter der Urvölker in Sibirien, aber auch der Sámi im Norden Europas.

Im Polar Lights Camp, rund 10 Kilometer von Levi entfernt, warten 210 Huskys freudig darauf, Schlitten mit jeweils zwei Touristen in einem Höllentempo durch den Wald zu ziehen. Stefano kommt vom Gardasee, hat Wirtschaft studiert, aber gute Jobs für junge Leute sind zurzeit in Italien rar. Und so unterrichtet der junge Italiener im Sommer in Spanien Englisch und verbringt jeden Winter in Lappland auf der Husky-Farm. Stefano scheint alles über seine Vierbeiner zu wissen. „Wir mischen unsere Gespanne meist. Die Alaska-Huskys geben ein unheimliches Tempo vor, ermüden aber leichter, während die sibirischen Huskys die Sache gemächlicher angehen, dafür aber stärker und ausdauernder sind“, erzählt Stefano. „Und die Leithunde ziehen fast nicht, dafür verstehen sie einige Worte, wie etwa Links und Rechts.“ Tja, wer schlau ist, muss eben weniger arbeiten.

Nach einem gegenseitigen Beschnuppern von Fahrern und Hunden setzen sich die Schlitten in Bewegung. Das löst bei den anderen Huskys, die in ihren Gehegen zurückbleiben müssen, empörtes, eifersüchtiges Geheule aus.

So eine Fahrt macht schon müde, und wo könnte man sich besser entspannen als im luxuriösesten, außergewöhnlichsten Hotel von Levi. Es liegt an der Rückseite des Levi-Fjälls, nennt sich Golden Crown Iglu Hotel und verspricht eine unvergessliche arktische Nacht. Auf jeden Fall aber hat diese ungewöhnliche Herberge, die mich ein wenig an Jules-Verne-Romane erinnert, eine ungewöhnliche Geschichte, die mir Kristiina Kylmälahti, eine ehemalige Lufthansa-Stewardess, erzählt.

Es ist die Geschichte eines alten Hühnerfarmers, der sich langweilt und ein schönes Stück Land auf einem Hügel im Wald besitzt. Mit 74 beschließt der Mann, der sein Leben lang nur Geflügel gezüchtet hat, vier Hotel-„Iglus“ aus Glas in seinen Wald zu bauen. Alle vier Töchter versuchen aus Leibeskräften, ihm die Sache auszureden. Sie wollten kein Hotel führen, es sei sinnlose Geldverschwendung, und am Ende würde kein Mensch jemals in den Iglus wohnen wollen. Ein langes Lamento setzt ein, aber Kristiinas Vater bleibt stur.

Zu guter Letzt ließ sich doch noch eine Tochter, nämlich Kristiina, überreden, das Projekt des betagten Vaters zu übernehmen. Das hat sich gelohnt. Denn heute besteht die Anlage aus 24 Luxusiglus und dem Gourmetrestaurant Aurora Sky, das mit erstklassiger Küche und viel Liebe zu Details überrascht. Man kann zum Beispiel während des Essens die Lehnen der italienischen Designersessel mit einem Griff flach umlegen, um so den Himmel zu bestaunen, wenn plötzlich die magischen Nordlichter auftauchen sollten. Noch bequemer ist es freilich in den komfortablen, hochwertig eingerichteten Iglu-Suiten selbst, das Spiel der gespenstischen Lichter am Sternenhimmel zu beobachten. Besonders im Dezember ist das Glas-Iglu-Hotel bei Preisen von 830 bis zu 1.500 Euro pro Nacht und Iglu komplett ausgebucht. Nur einen erfreut das nicht gerade ungemein: Kristiinas Vater. Mittlerweile in seinen 80ern, beklagt er sich, er könne sein Lieblingsiglu viel zu selten selbst genießen – weil der Laden so brummt!


Reisetipp: primareisen.com offeriert Charterflüge nach Kittilä. Eine Woche arktischer Winter inkl. Motorschlittenfahrt, Huskyschlittentour und Icekarting ab 1.549 Euro. Info: leviniglut.net

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