Jeder Zentimeter zählt!

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 28. Februar 2018

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Wie man preisgünstig einen Platz in der Business-Class ergattert und welche Airlines die besten „Premium Economy“-Angebote haben. Unsere Fluchthilfe aus der Holzklasse.

Nein, es ist nicht nur so ein Gefühl. Fliegen war wirklich früher einmal schöner. Der Sitzabstand in der normalen Economy-Klasse, die auf Englisch auch „Cattle Class“ genannt wird, schrumpft und schrumpft. Die Sessel werden immer enger, die Abstände dramatisch kürzer, das Essen ist oft nur mehr ein Fraß – oder kostenpflichtig.
In den 1950er Jahren hatten Economy-Passagiere im Schnitt 12 cm mehr Beinfreiheit als heute. Der Abstand betrug damals zumeist 91 cm, heute sind es bei Europaflügen kaum 76. Selbst auf Langstrecken bietet etwa die Lufthansa nur mehr knappe 79 cm. 1992 waren es noch 81, in den 1970ern 86 cm. Während die Business- und First-Class-Abteile stets luxuriöser werden und flache Betten Standard wurden, muss sich das einfache Volk zusammendrängen.
Economy-Flüge auf der Langstrecke gleichen einer Lotterie: Sitzt man neben einem zierlichen Model, hat man Glück gehabt, ist man im Mittelsitz zwischen zwei Sumoringern eingeklemmt, wird der Langstreckenflug zum Alptraum.

FlughafenIllustration: Paul Umfahrer-Vass

Zur Überraschung vieler Airline-Manager, die seit Jahren nur auf Kostensenkung setzen, um mit den Billig-Carriern mithalten zu können, sind immer mehr Menschen bereit, für besseren Sitzkomfort auch mehr zu bezahlen, insbesondere auf der Langstrecke. So wurde die sogenannte Premium Economy, die 1991 von der taiwanesischen Eva Air erfunden wurde, in den letzten Jahren zu einem großen Erfolg. 52 von den rund 700 Fluggesellschaften, die es weltweit gibt, haben sie inzwischen eingebaut. Für alle, für die ein normales Business-
Ticket unerschwinglich ist, öffnet sich damit eine leistbare Alternative zur Holzklasse. Eigentlich ist Premium Economy eine versteckte Rückkehr zum Flugkomfort und zu den Tarifen der 1970er Jahre. Im Schnitt kostet Premium Economy rund 85 Prozent mehr als das Economy-Ticket. Sie bietet neben mehr Sitzkomfort auch manche Extras, etwa mehr Gepäck, mitunter Zugang zu Lounges (bei der Lufthansa ist das möglich, gegen 25 Euro Aufpreis) und auch Priority-Boarding. Unter Premium Economy verstehen die Fluggesellschaften allerdings höchst Unterschiedliches.

Kriterien, auf die man achten sollte

  • Wie groß ist der Sitzabstand in der Premium Economy? Klassenbester ist hier Air New Zealand mit 116 cm Sitzabstand, aber auch Eurowings bietet auf der Langstrecke 115 cm. Sehr gut auch Air France mit 102 cm, AUA und SAS liegen mit 97 cm im guten Mittelfeld, Condor offeriert nur 91 cm (der Premium-Preisaufschlag ist dafür moderat). Sitzabstand bedeutet übrigens nicht Beinfreiheit, sondern darunter versteht man den Abstand vom hinteren Kufenrand (am Boden) des Sitzes bis zum hinteren Rand des vorderen Sitzes.

  • Wie breit ist der Premium-Sitz? Klassenbeste sind hier Virgin Airlines und Asiana Airlines mit 53 cm, sehr gut ist auch Aeroflot mit 51 cm. Gut auch die japanische ANA mit 49, Air France mit 48 und auch die AUA mit 48 cm. Schlusslicht ist wieder Condor mit nur 43 cm, was in etwa so eng ist wie in vielen US-Airlines in dieser Klasse.

  • Wie weit lässt sich der Sitz zurückklappen? Klassensieger sind hier Virgin Airlines, Air New Zealand und Air France. Die AUA fliegt im Mittelfeld, am wenigsten bequem: Condor.

  • Wie gut ist das Essen? Premium Economy bedeutet nicht automatisch besseres Essen. Meistens bekommt man das gleiche Menü wie in der Economy, mitunter mit wunderlichen Variationen. Bei der Lufthansa wird das Economy-Essen auf Porzellan serviert. Bei der ANA erhält man zusätzlich zum Economy-Mahl ein Dessert aus der Business. Unser Gourmetsieger ist Air France – mit eigenem, recht gutem Premium-Economy-Menü plus Champagner. Auch bei Singapore und British Airways gibt es eine größere Menüauswahl auf Porzellan.

Aber da wäre noch ein weiterer Fluchthelfer aus dem unwürdig engen Economy-Kabinchen. Das Zauberwort heißt „Auctioning“: Feine Sitze, die leer bleiben, werden versteigert. Wer also kostengünstig bequemer fliegen möchte, hat bei einer Reihe von Airlines (mehr als 30 sind es inzwischen) die Möglichkeit, sowohl Tickets für die Premium Economy als auch für die Business-Class zu ersteigern. Das funktioniert so: Man kauft ein normales Economy-Ticket, und ab einem gewissen Zeitpunkt darf man auf der Website der Airline für die Business- oder auch Premium-Economy-Class bieten. Bei der AUA heißt das System zum Beispiel Smart Upgrade – ab 72 Stunden vor Abflug kann man innerhalb eines vorgegebenen Rahmens per Mausklick und Kreditkarte ein Angebot abgeben. So kann man unter Umständen für nur 250 Euro Aufpreis in der Business-Klasse nach New York fliegen.

Der Grund, warum viele Airlines dieses System eingeführt haben, ist simpel. Im weltweiten Schnitt sind Flugzeuge nur zu 80 Prozent ausgelastet. Leere Sitze in höheren Kategorien sind für Fluggesellschaften verlorenes Geld, deswegen gibt es das Angebot, sich den Zugang zur Business-High-Society zu ersteigern. Auch wenn das Ticket so nur zu einem Schleuderpreis weggeht, verdient die Fluggesellschaft trotzdem mehr als mit einem leeren Sitz. Warum aber ersteigern dann nicht alle Business-Kunden ihre Tickets? Ganz einfach, weil es keine Garantie für einen Schnäppchenplatz gibt. Ist die Business-Class voll oder haben andere Passagiere mehr geboten, geht man leer aus und fliegt ungebremst beschwerlich in der Holzklasse.

Gibt es noch andere Tipps? Ja. Wenn man flexibel ist, sind Feiertage ideal, Montage und Freitage hingegen sehr schlecht, weil da viele Geschäftsleute Business fliegen. Manche Vielflieger schwören beim Angebot auf diese Formel: Business-Class-Tarif minus Economy-Preis, davon 20 bis 40 Prozent bieten. Und niemals nur das Minimum bieten, weil die meisten hoffnungsfrohen Holzklassepassagiere genau darauf setzen.

All Nippon AirwaysDie taiwanesische Eva Air hat’s erfunden, 52 Airlines bieten es schon an: „Premium Economy“-Sitze – im Bild von All Nippon Airways, besser bekannt als ANA.
Foto: All Nippon Airways

Im Übrigen gibt es immer noch die Möglichkeit, vor dem Abflug beim Einchecken nach einem Upgrade-Angebot der Airline für die Premium- oder die Business-Class zu fragen. Manchmal gibt es da echte Schnäppchen.

Wer aber am Ende doch zwischen zwei Sumoringern in der Holzklasse ans andere Ende der Welt fliegen muss, darf sich mit einem Plus an Sicherheit trösten. Laut langjährigen Statistiken lag die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Absturz im hinteren Teil des Fliegers bei 70 Prozent und ganz vorne bei 49 Prozent. Bei so unerfreulichen Daten kann ein Business-Class-Genießer nur eines tun: sich einen weiteren Champagner kommen lassen. Prost!

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