Der neueste Trend

Lebenvon Christian Werner 1. September 2008

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Die Trendforscher haben ausgedient: Wegen nicht erfüllter Versprechen wird diese Zunft von Wirtschaft und Politik immer weniger nachgefragt. Denn zu viele Trendforscher liefern zu viele Aussagen, das vernebelt den Blick. Die Zukunft verliert an Kontur und wird unbeschreibbar.
Doch nicht nur die Prognosen sind ungenau, bereits die Gegenwart bereitet den meisten Forschern zunehmend Schwierigkeiten. Es gibt nicht mehr nur eine Moderne, sondern Hunderte von parallel auftretenden Phänomenen, die einander zudem noch häufig widersprechen.

Längst sind im Internet Trend-Reports aus aller Welt zu haben – kostenlos. Oder, für einen kleinen Aufpreis, als fertige Powerpoint-Präsentation zum Herunterladen. Der Marktführer Trendwatching.com zum Beispiel bietet wochenfrische Newsletter, vollgepackt mit Bildern und den üblichen Wort-Kombis wie „Youniversal Branding“, „Trysumers“ oder „Curated Consumption“.

Die Formel war simpel: Man kombiniert zwei bekannte Begriffe so miteinander, dass sie einen semantischen Bastard bilden. Wenn das Wort irgendwie plausibel erscheint, war das schon was. Ein Trend eben. So gibt es „Ich-AGs“, „Schwarmintelligenzen“, „Health-Styles“ und neuerdings sogar den „Karma-Kapitalismus“.

Das meiste eignet sich vielleicht für den Abwurf von beeindruckend coolen Trendbomben in Meetings und Gesprächen, hat aber mit dem Report von Zukunft nicht viel gemeinsam. Ein schönes Beispiel sind die „Silverkids“, also die Generation 55plus, die Trendforscher knapp nach der Jahrtausendschwelle als starke Zielgruppe für den Wellnesstourismus des kommenden Jahrzehnts zu erkannt zu haben glaubten. Die Wirklichkeit sah völlig anders aus: Die „Wellnesser“ wurden und werden immer jünger.

Fazit: Die Zukunft verabschiedet sich aus der Trendforschung. Und sogar der Erfinder der „Megatrends“ – darunter Globalisierung, Individualisierung, Urbanisierung –, John Naisbitt, empfiehlt in seinem neuen Buch „Mind Set!“ das Kuscheln mit der Gegenwart: „Eilen Sie der Parade nicht so weit voraus, dass die Menschen nicht mehr erkennen, dass Sie dazugehören.“

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