Die Trauminseln der Piraten

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 7. Februar 2017

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Es gibt viele Traumdestinationen, aber nirgendwo ist das Meer so schön blau, nirgendwo wiegen sich die Palmen so romantisch wie in der Karibik. Unser Autor folgte dem schönen Piraten Jack Sparrow alias Johnny Depp zu atemberaubenden karibischen Verstecken.

Irgendwo auf dem offenen karibischen Meer treibt ein junger Mann im Wasser. Sieht schlecht aus. Doch Rettung naht in Form eines großen englischen Segelschiffs, das den Schiffbrüchigen rettet. Er wird nach Port Royal auf Jamaika gebracht, wo sich umgehend die Tochter des Gouverneurs in ihn verliebt. Sie ist natürlich bildhübsch, es gibt aber ein Problem. Willkommen in Hollywood, pardon, in der Karibik natürlich.

Der gerettete Jüngling, gespielt von Frauenschwarm Orlando Bloom, trägt ein Piratenmedaillon um den Hals, und wenn das entdeckt wird, wartet der Galgen. Doch die Schöne rettet ihn natürlich und versteckt das verräterische Schmuckstück. Der exzentrische Pirat Jack Sparrow, Kapitän der Black Pearl, kommt dann später nach Port Royal auf der Suche nach ebendiesem Medaillon, auf dem ein Fluch lastet. So beginnt die nach „James Bond“ erfolgreichste Filmserie aller Zeiten, der „Fluch der Karibik“. Ein inspirierender Mix aus Hollywood und karibischer Piratentraumwelt. Der fünfte Teil der Geschichte kommt im Herbst in die Kinos, dann mit dem Ex-Bond-Bösewicht Javier Bardem als Gegenspieler von Johnny Depp, der für kolportierte 208 Millionen Dollar Gage den wilden Piraten gibt. Piraten seien die Rockstars des 17. Jahrhunderts gewesen, sagte Johnny Depp in einem Interview, und der größte Rockstar sei Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards, den immer eine Aura aus Alkohol, Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll umgebe. Deshalb spiele er den Oberpiraten Jack Sparrow wie eine Inkarnation von Keith Richards: leicht lallend, über den Dingen stehend, immer mit einem Touch Sünde. Letzterer wird von weiblichen Zuschauern besonders geschätzt.

Aber bevor wir uns auf die Suche nach den Drehorten des „Fluchs der Karibik“ machen, blicken wir auf das sagenhafte Port Royal zurück, das eine zentrale Rolle im Film spielt und einst tatsächlich so etwas wie ein Utopia für Piraten war. Ein Sodom und Gomorra auf Erden, das fürchterlich enden sollte. Im 16. und 17. Jahrhundert wimmelte die Karibik von Piraten und Bukanieren. Tortuga auf der Insel Hispaniola und das nahe dem heutigen Hafen von Kingston auf Jamaika gelegene Port Royal galten als die berüchtigtsten Piratennester. Bukaniere waren eine spezielle, großteils französischstämmige Spezies von Piraten. Sie hatten als Siedler begonnen, machten dann zur Aufbesserung ihres kärglichen Daseins Jagd auf verwilderte Schweine und Rinder und verlegten sich schließlich auf das Plündern von Handelsschiffen. In der Karibik gab es viel zu holen, denn es wimmelte nicht nur von Seeräubern, sondern auch von gierigen Kolonialherren. Spanien, England, Frankreich, die Niederlande, ja sogar Schweden, das über hundert Jahre lang die Insel Saint-Barthélemy als Kolonie besaß, hatten sich in der Karibik eingenistet. Besonders spanische Galeonen waren von den Raubüberfällen betroffen. Zum einen, weil sie – oft vollbeladen mit Schätzen aus Südamerika – reiche Beute versprachen, aber auch, weil Piratenüberfälle auf spanische Schiffe für die Briten eine preiswerte Methode waren, gegen die Spanier Krieg zu führen. Im Gegenzug erhielten die Piraten einen Freibrief, der sie berechtigte, einen Teil der Beute legal zu behalten und sich in englisch kontrollierten Gefilden wie Port Royal niederzulassen.


Foto: Sandals Royal Bahamian Spa Resorts
Ungefähr so klein wie Petit Tabac, das unbewohnte Eiland am Rand der Tobago Cays, auf dem die Piraten der Black Pearl ihren Anführer Jack Sparrow aussetzten: Discovery Island, eine von 700 Inseln der Bahamas. Das romantische Inselchen ist heute ein Teil des Sandals Royal Bahamian Spa Resorts in Nassau und mittels kostenlosen Shuttle-Boots zu erreichen. www.sandals.de

So wurde das Nest auf Jamaika bald zur größten Stadt der Karibik und zu einer der reichsten der Welt, in der mehr Bargeld in Umlauf war als in London. Piraten aus der ganzen Welt, sogar aus dem fernen Madagaskar, kamen hierher, um Dublonen rollen zu lassen. Historiker fanden heraus, dass jedes vierte Haus in Port Royal entweder eine auf Rum spezialisierte Taverne oder ein Bordell war. Die Einwohner bestanden zu 95 Prozent aus Piraten, Mördern, Räubern, Zuhältern und Huren. In Port Royal also verzechten die Piraten ihre Vermögen. Doch dann ging das Sündenbabel buchstäblich unter – eine Strafe Gottes, wie die katholische Kirche sogleich verkündete.

Am 7. Juni 1692 um 11.43 Uhr ließen ein Erdbeben und ein anschließender Tsunami die auf einer sandigen Landzunge angelegte Piratenstadt binnen Minuten im Treibsand verschwinden. Jetzt liegt das verwunschene Piratennest am Grund des Meeres nahe dem Hafen von Kingston. Die genaue Uhrzeit des Untergangs weiß man übrigens deshalb, weil Taucher eine Taschenuhr bargen, die den Zeitpunkt der Katastrophe genau festhielt.

Da das alte Port Royal versunken ist, mussten die „Fluch der Karibik“-Macher ein neues suchen. Sie fanden es 2.000 Kilometer entfernt. Der Regisseur des ersten Teils, Gore Verbinski, wollte den Film unbedingt wirklich in der Karibik drehen und klapperte 20 Inseln ab – auf der Suche nach einer üppigen, tiefeingeschnittenen Bucht, in der kein Hotel in der Mitte liegen durfte. Er fand seine Traum-Location in der Wallilabou Bay auf der kleinen Insel St. Vincent, die für ihre dichten Regenwälder und Wasserfälle bekannt ist. Dort baute die Filmcrew ein neues Port Royal auf, alles Kulissen freilich. Und sie fanden weitere ideale, menschenleere Drehorte wie die nahen Tobago Cays und kleine Inselchen wie Union Island und Petit Tabac, wo Captain Sparrow im Film von seiner Mannschaft ausgesetzt wird mit nichts als einer Pistole und einer Kugel. So hat man das im 17. Jahrhundert tatsächlich beim sogenannten Marooning, dem strafweisen Aussetzen von Matrosen, gemacht.
Der zweite Teil der Piratensaga mit dem Untertitel „Des toten Mannes Kiste“ entstand zu großen Teilen auf einer der unberührtesten Inseln der Karibik: auf Dominica, die zu den Kleinen Antillen gehört und fast unbewohnt ist. Sie heißt übrigens so, weil Christoph Columbus sie an einem Sonntag entdeckte. Dominica begeisterte die Filmleute wegen ihrer wilden, zerklüfteten Küste und pittoresken Schluchten im Inselinneren, im Morne Trois Pitons National Park. Die titelgebende Schatzkiste liegt aber dann ganz woanders, auf den Bahamas nämlich. Im Film ist eben alles möglich.

Fast nirgendwo auf der Welt ist das Meer so strahlend schön wie auf den Bahamas, diesem Archipel mit 700 Eilanden und 2.400 Korallenriffen. Das liegt an den seichten Gewässern, dem weißen Sand am Grund und der Sonne, die zusammen einen wundersamen türkisblauen Paradiesblick zaubern. Baja Mar nannten die spanischen Eroberer die Gegend: flaches Meer. Doch das Wunder in Türkisblau entpuppte sich für viele Handelsschiffe als tückisch, denn jahrhundertelang waren auch die Bahamas eine Piratenhochburg. Mit falschen Leuchtturmsignalen und trickreichen Verfolgungsjagden lockten Captain Blackbeard und andere Spießgesellen die reichbeladenen Segelschiffe in seichte Gewässer, wo diese auf Grund liefen und geplündert wurden.

Gedreht wurde in einem besonders schönen Teil der Bahamas, in den Exumas. Die gesuchte Schatzkiste lag bei einem Korallen-Eiland namens Sandy Cay. Johnny Depp gefielen die Bahamas-Inseln so gut, dass er sich gleich eine kaufte. Sie heißt Little Hall’s Pond und kostete 3,5 Millionen Dollar. Der verführerischen Schönheit der Karibik konnte auch Johnny Depp nicht widerstehen. Oder war es doch Captain Sparrow?

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