Essen nach Maß

Lebenvon Christian Werner 1. Jänner 2007

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Metabolic Typing, ein Ernährungskonzept nach dem Stoffwechseltyp, liefert individuelle Empfehlungen und zeigt, dass wir einfach mehr auf unseren Körper hören sollten.

Über Essen und Trinken zu reden gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen vieler, sowohl von Ernährungsbewussten als auch von Genussmenschen, die nach dem leicht makabren hedonistischen Prinzip „Abnehmen kann ich, wenn ich tot bin“ leben. Nicht nur werden „richtige“ Zubereitungsmethoden diskutiert und das einzig wahre Olivenöl gepriesen, sondern auch die eigenen Essgewohnheiten penibel ausgeschlachtet: wie man seinen Kaffee trinkt, ob Brokkoli ein Übel ist oder ein Segen, wie dick man sein Brot mit Käse belegt, ob man sein Steak gerne blutig isst oder eher der „Ich esse nur helles Fleisch“-Fraktion angehört.
Diese Gewohnheiten und Vorlieben sind freilich häufig von den Empfehlungen diverser Experten sowie von „hochaktuellen wissenschaftlichen Studien“ geprägt – „Fett ist Gift“, „Zuviel Schokolade macht Pickel“ und ähnliches. Dennoch wird eines klar: Wir alle haben von Natur aus völlig unterschiedliche Bedürfnisse, was die Nahrungsaufnahme angeht. Eine Tatsache, die von den meisten „Diät-Erfindern“ missachtet wird. Deren Erkenntnisse sollen oft für alle gelten – ungeachtet unserer so individuellen Stoffwechsel. Alternativen boten lange Zeit nur Diäten aus der eher fragwürdigen Ecke, wie etwa „Abnehmen mit der Kraft der Gottesmutter“ oder „Schlank werden nach dem Venus-Prinzip“.

Jeder isst anders

Was also für unsere Haare oder unsere Haut schon lange gilt – Individualität in der Zusammensetzung erfordert eben unterschiedliche Nährstoffe –, das wird häufig nicht beachtet, wenn es um Ernährungsempfehlungen geht. Im Gegenteil: „Fett ist schlecht und tierisches sowieso“, um nur ein Beispiel dieser über einen Kamm geschorenen Devisen zu nennen, ist schon in allzu vielen Köpfen verankert. Dass gewisse Diäten bei manchen einfach nicht funktionieren wollen, ist dabei kein Wunder. Lucretius, der römische Heiler und Philosoph, sagte schon vor gut 2000 Jahren: „Was den einen nährt, bringt den anderen um.“

Die drei Ess-Typen

Dass es auch anders geht, zeigt eine Methode, die die Nährstoffbedürfnisse jedes Einzelnen analysiert und dementsprechend den Ess-Typ bestimmt: Metabolic Typing. Dieses Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass körperliche Balance erst durch einen gesunden Stoffwechsel entstehen kann – dieser ist freilich von der richtigen Ernährung abhängig. Nicht Pauschal-Tipps sind das Ziel, sondern individuelle Empfehlungen. Nach Metabolic Typing gibt es drei Ernährungstypen, in die sich jeder einzelne mehr oder weniger genau einordnen lässt: den Fett-Eiweiß-Typ, den Kohlenhydrat-Typ oder den Misch-Typ.

Was Heißhunger verrät

Die Methode setzt darauf, dass der Körper uns ohnedies sagt, was er braucht – bloß: Wir vertrauen ihm nicht mehr, sondern folgen lieber Empfehlungen wie eben „kein Fett!“, die längst Allgemeingut geworden sind. Ein ausführlicher Metabolic-Typing-Test versucht hingegen mit Fragen wie „Wenn Sie nur noch eine Mahlzeit hätten, was würden Sie essen wollen?“ unsere wahren Gelüste und somit Bedürfnisse herauszufinden. Auch Heißhunger verrät nämlich nur allzu oft, woran es dem Körper mangelt. Andere Fragen dieses Tests sind z.B. die nach unserem Salz-Bedürfnis – der Fett-Eiweiß-Typ etwa braucht mehr davon – oder nach unserer Einstellung zum Essen: Wer dem Kohlenhydrat-Typ entspricht, für den hat Essen in seinem Leben häufig einen nicht so großen Stellenwert wie für die anderen Typen. Wir müssen nicht in jedem Punkt in den Typ-Raster passen, ist doch der Test so ausführlich, dass die Summe der Antworten, die einen Typ bestimmen, ein seriöses Ergebnis zulässt.
Dass Diät-Empfehlungen anderer Methoden von Metabolic Typing oft erfolgreich widerlegt werden können, zeigt das Beispiel des Fett-Eiweiß-Typs. Dieser legt beispielsweise eher dann an Gewicht zu, wenn er auf Eiweiß, also etwa Käse oder Fleisch, verzichtet und sich dafür hauptsächlich von Nudeln und Brot ernährt. Nach der Weight-Watchers-Methode z.B. werden diese als Satt-Macher empfohlen, was sich für den Eiweiß-Typ als äußerst kontraproduktiv erweist. Müdigkeit nach einem Teller Spaghetti oder ständiger Hunger und Missmut, obwohl man doch dauernd Brot isst, können die Folge einer solchen fehlgerichteten Ernährung sein. Warum? Der Körper bekommt zwar Nährstoffe in Form von Kohlenhydraten, da diese jedoch nicht seinem Stoffwechseltyp entsprechen, kann er sie nicht nutzen. Er lagert sie ab, etwa in den Oberschenkeln, und hofft mithilfe von Hungergefühl auf die richtigen Nährstoffe. Analog dazu sind die Auswirkungen bei den beiden anderen Typen zu sehen.

Wir haben’s getestet

Eine Redakteurin vom kritischen Wellnesshotelführer RELAX Guide hat Metabolic Typing ausprobiert: Der Test ergab, dass sie ein Fett-Eiweiß-Typ ist, und zwar nicht nur knapp, sondern mit einer überraschenden Eindeutigkeit. Diese Zuordnung entsprach dann auch ihren tatsächlichen Vorlieben, die sie aber lange unterdrückte – im falschen Vertrauen auf die schon erwähnten pauschalen Ernährungsempfehlungen: Sie liebt Käse über alles, ebenso Wild und Innereien, und sie könnte jeden Tag locker einen Liter Milch trinken. Salat konnte sie schon vor dem Test nicht wirklich leiden, und von Süßem hat sie meist nach wenigen Bissen genug. Eine auf den Metabolic-Typing-Test folgende Ernährungsumstellung hatte sowohl Gewichtsreduktion ohne Hungergefühle zur Folge als auch mehr Leistungsfähigkeit nach dem Essen und generell eine größere innere Zufriedenheit. Unsere Redakteurin isst nun, was sie im Grunde schon immer essen wollte – und das ist richtig so. Also: Hören wir doch einfach mehr auf unseren Körper.

Essen, was mein Körper braucht

Der Trumpf des Buches zum Thema ist – ungeachtet seines biederen Äußeren – der ausführliche Fragebogen, mithilfe dessen jeder sofort seinen Esstyp bestimmen kann. Andere Werke hingegen verweisen nur auf Institute, die kostenpflichtige Tests durchführen.

William L. Wolcott, Trish Fahey:
Essen, was mein Körper braucht
VAK-Verlag, 304 Seiten
19,90 Euro

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