Kaufen kaufen kaufen

Lebenvon Christian Werner 1. Dezember 2006

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kaufen hat sich vom Besorgen des Notwendigen zur Freizeitaktivität gewandelt, die besorgniserregende Ausmaße annimmt.

Der Satz „Ein Kilogramm Mehl bitte“ ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Bestand vor wenigen Jahrzehnten der Sinn des Einkaufens noch darin, kurz zum Greißler ums Eck zu gehen, drängen sich heute die Menschen im Shoppingcenter. Homeshopping-Kanäle versuchen uns zum Kauf von Dingen zu bewegen, von denen niemand jemals wissen wird, wofür wir sie brauchen. Dennoch kaufen wir sie.

Zweifelhafte amerikanische Fitnessgeräte strapazieren mit tragikomischen Vorher-Nachher-Bildern unsere Aufmerksamkeit – und wer kennt schließlich nicht Horst und den „Deutschen V-Hobel“? „Kein Drücken und Quetschen mehr! Scheiben, Streifen, Würfel, alles perfekt!“ Blinkende Zahlen in der Bildschirmecke suggerieren uns, dass nur mehr wenige Exemplare der höchst nützlichen Künstlerpuppe vorhanden sind – „mit echten Wimpern, liebe Damen, und sehen Sie die süßen Grübchen in der Wange! “ – schlagen Sie zu, bevor es jemand anderer tut! Limitierte Editionen von Parfums oder Modeschmuck buhlen mithilfe des Mehrwertes der Exklusivität um unsere Gunst – Madonna trägt diese trendigen Armbänder rund um die Uhr! Familienpackungen mit von Antibiotika vollgepumptem Hühnerfleisch lassen selbst den vegetarischen Single schwach werden, schließlich klebt ja ein nicht zu übersehener Kleber darauf: Aktion, verbilligt!

Samstagnachmittag: Shoppen – was sonst?

Einkaufen ist längst ein beliebtes Hobby, besonders junge Frauen sind vom Shoppingfieber befallen. Man trifft sich am Wochenende nicht mehr gemütlich im Kaffeehaus, sondern leert hastig seinen Café Latte auf den unbequemen Stühlen irgendwelcher Fastfoodketten im Einkaufszentrum – der Winterschlussverkauf wartet schließlich!
Viele versuchen ihre Shoppingtouren damit zu begründen, dass sie sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche „etwas gönnen“ wollen. Spätestens an der dritten Kasse, an der sich die Warteschlange schon viermal windet, verpufft der Zauber des Einkaufens dann allerdings rasch, wir wollen nur mehr nach Hause. Vorher heißt es aber noch das Auto unter tausenden wiederzufinden, die prallen Tragtaschen unter sämtliche vorhandenen Arme zu klemmen und sich nach Hause zu bewegen. Dort stellen wir dann fest, dass der Verkäufer vergessen hat, die Diebstahlsicherung von der Hose abzunehmen, also nochmal hin – wenigstens scheint sie kaputt zu sein und wir haben uns misstrauische Blicke am Ausgang erspart.

Süchtig nach Kaufen

Immer öfter wird beim Shoppen das gesunde Maß überschritten: In Österreich ist breits rund ein Viertel der Bevölkerung kaufsuchtgefährdet. Die Betroffenen verlieren beim Einkaufen die Kontrolle über ihre Bedürfnisse und auch über ihre finanziellen Grenzen. Immer mehr Menschen, darunter vermehrt Jugendliche, sind verschuldet, das bargeldlose Zahlen treibt diese Entwicklung zusätzlich voran: Man hat keinen Überblick mehr über sein Geld. Kaufsüchtige brauchen auch, so die Wiener Psychologin Dr. Barbara Griesser, eine ständige Dosissteigerung, anderenfalls drohen Entzugserscheinungen. Frustkäufe sind für sie der Versuch, mangelnde Selbstwertgefühle und fehlende Erfolgserlebnisse in anderen Bereichen zu kompensieren. Die Produkte werden nicht wegen ihres Gebrauchswertes gekauft, sondern um Unlustgefühle aus dem Weg zu räumen. Wer nicht weiß, was er in seiner Freizeit anfangen soll, geht eben shoppen, blättert in Versandhauskatalogen oder lässt sich von den telegenen Verkäuferinnen der Homeshoppingkanäle zum fünften Messerset überreden.

Tipps für bewussteres Einkaufen

Wie können wir also unsere Abwehrkräfte gegen das Shoppingfieber stärken?
Dr. Barbara Griesser rät, möglichst mit Bargeld zu bezahlen, um die Kontrolle über die Finanzen zu behalten, und den Schlussverkauf zu meiden. Langfristig sollten wir allerdings andere Befriedigungsmöglichkeiten als das Kaufen finden: Regelmäßige Auszeiten und Entspannungsrituale wirken sich positiv auf die innere Stärke aus und genau diese brauchen wir, um dem Konsumwahn entgegenzutreten.

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