Essbare Stadt

Kochenvon Anna Neustein 27. Mai 2015

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Sie heißen „Mundraub“, „Stadtfrucht“ oder „Linz pflückt“: Jene jungen Initiativen, die kostenloses Obst im öffentlichen Raum – zumeist dem urbanen – für möglichst viele Nutzer zugänglich machen wollen. Auf interaktiven Online-Karten sind innerstädtische Holunderbüsche verzeichnet, Wildkirschbäume am Rand von Kinderspielplätzen, Nussbäume entlang von U-Bahn-Trassen. Lebende Lebensmittelspender also, die langfristig dabei helfen sollen, Überproduktion zu vermeiden und ein wenig Unabhängigkeit von den versorgenden globalen Marktketten zu erlangen.

In der Stadt wächst weitaus mehr, als man glaubt. Man muss nur die Augen aufmachen, den Blick vom Glitzerwelt-Schaufenster Richtung verwilderten Hinterhof richten.

Die Frage nach etwaiger Verschmutzung wird übrigens anders beantwortet, als man glaubt: Klar, in einer Hundezone sollte man Vogelmiere oder Brennnesseln vielleicht nicht gerade pflücken, und die verlockenden Hopfensprossen direkt neben der Autobahn gilt es auch eher zu vermeiden. Wildpflanzen in der Stadt sind aber meist ungespritzt. Anders als am Land, wo giftiger Sprühnebel vom Wind weit neben das eigentlich zu bearbeitende Feld getrieben wird und bisweilen Kilometer weiter auf scheinbar sauberen Schlehenbüschen am Wegrand landet. Die verhältnismäßig große Sauberkeit von Pflanzen in der Stadt bestätigen übrigens auch die immer zahlreicher werdenden urbanen Imker: Stadthonig ist weniger giftstoffbelastet als so mancher Honig aus scheinbar sauberen, aber dennoch höchst pestizidbelasteten ländlichen Gegenden.

Der Trend, sich in der Natur in der Stadt zu bedienen, hat im Buch „Essbare Stadt“ Niederschlag gefunden. Autor Maurice Maggi, der sich selbst als Linkshänder und Fußgeher bezeichnet, war vor allem in Zürich unterwegs. Und hat im urbanen Raum eine Vielfalt an Pflanzen gefunden, die er zu ungewöhnlichen Gerichten verkocht. Etwa Baumschösslinge, also ganz junge Blätter etwa von Linde, Ahorn oder Buche, die er in ein Risotto mit Blauschimmelkäse einflicht. Aus Brennesseln und Leinsamen werden knusprige Kugeln, die Maggi mit sautierten Sprossen vom japanischen Knöterich serviert – einer Pflanze, die zu googeln sich lohnt, Sie kennen bestimmt ein Exemplar in Ihrer Nähe! Löwenzahn kombiniert der kulinarisch aktive Stadtstreicher mit Sobanudeln, Hopfenschösslingen und einem Miso-Ingwer-Dressing, Wildrosenblätter kommen in ein Taboulé mit Vanilletomaten, und aus Lärchenzapfen, Holunderblüten und Schlüsselblumen wird Schnaps, Essig und Wein angesetzt.

Das Buch ist, eine logische Entscheidung, in Jahreszeiten gegliedert, die einzelnen Wildpflanzen sind genau erklärt und illustriert. Und der ungewöhnlich massive rohe Kartonumschlag erinnert ein wenig an die Mauern, zwischen denen eine bisweilen erstaunlich üppige und entdeckenswerte Stadtflora wuchert.

Rezepte im PDF Format:
Blütenrisotto
Löwenzahnsalat mit Tortilla
Melonensüppchen mit Wegwarte
Moos in Gurkenkaltschale

Maurice Maggi:
Essbare Stadt

AT Verlag, 320 Seiten
39,90 Euro


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