Die Faszination des Draußen

Lebenvon Christian Werner 1. Juni 2006

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Woran liegt es, dass Essen unter freiem Himmel oder an ungewöhnlichen Orten doppelt so gut schmeckt? Wie kommt es, dass selbst kleine Balkone unzähmbare Neidgefühle auslösen können? Archaische Gelüste scheinen uns anzutreiben, das gesamte Spektrum des freien Raumes ausnützen zu wollen.

Alles Picknick oder was?

Erinnerungen an lukullische Genüsse im Freien können einen Bogen erstaunlichen Ausmaßes spannen. Von Ameisenstraßen quer durch das Himbeertiramisu über Tante Gerdas Jammereien um ihr überfordertes Sitzfleisch auf dem buckeligen Baumstumpf bis hin zu unvergesslichen Wasserbombenschlachten mit schokoladeverschmierten Gesichtern. Selbst Erinnerungen an Survival-Picknicks im verschneiten Garten mit Punsch und Lagerfeuern in blechernen Mistkübeln sind im kollektiven Gedächtnis einer unbeharrlich unter freien Himmel strebenden Gesellschaft zu finden.



Ob Decke, Baumstamm oder Kühlerhaube …

... picknicken lässt es sich sowohl spontan als auch genüsslich geplant. Gerade das Improvisieren macht das Essen in „Freiheit” erst so richtig charakterstark. Geeignete Plätze finden sich vielerorts: Am Strand, am Waldrand, im Park oder auf einem Boot, überall lässt sich schnell eine Decke auflegen, lassen sich ein paar mehr oder weniger improvisierte Sitzgelegenheiten verteilen, egal ob Getränkekisten oder Campinghocker. Vom Notkauf an der Tankstelle bis zum professionellen Catering, von matschigen Tramezzini bis hin zum Strawberry Daiquiri reichen die kulinarischen Genüsse, die eines gemeinsam haben: sie munden unter freiem Himmel um ein Vielfaches mehr.
Sie müssen nicht gleich wie Jamie Oliver ein halbes Schwein an den Strand schleppen und aus scharfkantigen alten Alukanistern einen abenteuerlichen Grillapparat basteln. Auch mit kleinerem Aufwand kann man unvergessliche Picknicks veranstalten, die mit ein wenig Schützenhilfe seitens des Wettergottes jede Einladung zuhause um Längen schlagen.

Geschüttelt oder geführt?



Die Wahl des Ortes grenzt automatisch die mögliche Verpflegung ein. Wenn es erlaubt ist, ein Feuer zu machen, lassen sich Früchte in Alufolie backen, Maiskolben in ihren eigenen Blättern garen oder dünne Schnitzel auf heißen Steinen braten. Tupperware & Co sei Dank können wir Salate und Saucen vorbereiten und Gemüse oder Fleisch zum Grillen vormarinieren. Zu bedenken sind stets die Möglichkeiten der Müllentsorgung sowie die verfügbaren Transportmittel. Begibt man sich etwa auf dem Rücken eines Drahtesels zum Ort des Genusses, ist es ratsam, schüttelfeste Dinge wie Miniquiches oder Kekse vorzusehen. Shaking Salad mag ein gutgehendes Konzept einer Fastfoodkette sein, ein schlecht verschlossenes Gefäß mit Kürbiscremesuppe, das sich im rüttelnden Fahrradkorb über die Pfirsichtörtchen ergießt, gehört mit Sicherheit zu den weniger angenehmen Erfahrungen bei einem Picknick. Wird die Landpartie mit dem Auto unternommen, sind hingegen auch Suppen in Flaschen oder eine leichte Mousse möglich, wenn man für geeignete Gefäße wie Plastikschüsseln oder auch gewaschene größere Blätter, die man vor Ort weiß, sorgt. Essbare Behälter wie Eisbecher aus Hippenmasse oder Teller aus Maisteig sind immer öfter zu finden und tragen dem charmant unkomplizierten Charakter eines Picknicks Rechnung.

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