Jenseits der Pforte des Todes

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 25. Februar 2014

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Bereits 50 Millionen Menschen weltweit haben sogenannte Nahtoderfahrungen gemacht. Während ihr Gehirn alle seine Funktionen eingestellt hatte, erlebten sie mystische Visionen, für die es keine Erklärung gibt. Nach erdrückenden Beweisen ist die trotzige Abwehrposition der Schulmedizin nicht länger haltbar.

Heute ist Pim van Lommel gläubig. Doch die meiste Zeit während seiner Karriere als Kardiologe stand der Niederländer mit den dichten weißen Haaren und dem sanften Buddha-Lächeln allem, was nicht seinem naturwissenschaftlichen Weltbild entsprach, mit größter Skepsis gegenüber. Auch die seit den 1970er Jahren kursierenden Berichte über spektakuläre außerkörperliche Erfahrungen von Menschen, die über kurze Zeit hinweg klinisch tot gewesen sind, wies der Mediziner als Humbug zurück. „Wie meine Kollegen ging auch ich davon aus, dass sie auf Sauerstoffmangel im Gehirn zurückzuführen waren“, erzählt van Lommel.
Dennoch ließ ihn das Thema nicht mehr los, er las Bücher und befragte während seiner Ausbildung zum Spitalskardiologen Patienten, die von ihm wiederbelebt worden sind, ob und welche Wahrnehmungen sie an der Schwelle zum Tode gemacht hatten. Die Antworten blieben aber vage. Auch die beschriebenen Fälle in der Literatur hatten einen entscheidenden Makel: Es meldeten sich immer Personen zu Wort, die zwar glaubhaft über ihre Erfahrungen erzählten, doch es gab keine handfesten medizinischen Fakten darüber, ob diese Personen auch tatsächlich klinisch tot gewesen waren.

Bahnbrechend: Studie an Akutpatienten

Irgendwann beschließt van Lommel, dem Phänomen selbst auf den Grund zu gehen und die erste große prospektive Studie über Nahtoderlebnisse durchzuführen. In Zusammenarbeit mit 10 weiteren Herzstationen werden dabei 344 Patienten befragt, die nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall reanimiert wurden. Bei allen Probanden hatten Puls, Atem sowie Gehirnaktivität nachweislich ausgesetzt. Ohne Wiederbelebung wären sie binnen weniger Minuten am Zerfall der Hirnzellen gestorben.

Das Ergebnis, das 2001 in dem renommierten Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wird, ist spektakulär. Jeder Fünfte der Befragten berichtet über unglaubliche Erlebnisse wie das Verlassen des Körpers, Begegnung mit Verstorbenen, einer Lebensrückschau oder von einem Licht, das als liebevolle Heimat erkannt wurde. Die Wahrnehmungen sind umso bemerkenswerter, da die Patienten zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hirnfunktion mehr hatten – und daher laut Schulmedizin auch kein Bewusstsein mehr haben durften.

„Die Theorie einer physiologischen Ursache muss ausgeschlossen werden, das ist der einzige Schluss, zu dem man kommen muss, wenn man auf unsere Ergebnisse schaut“, lautet das Fazit des Mediziners. Die bisherige Annahme, dass Bewusstsein und Erinnerungen nichts mehr als das Produkt des Gehirns sind, sei angesichts der Datenlage nicht länger haltbar.

In der Fachwelt sorgt die Studie einmal mehr für ungläubiges Kopfschütteln. Wie bereits den Pionieren der Nahtodforschung wird auch van Lommel vorgeworfen, ein Quacksalber zu sein und seine Ergebnisse irgendwie manipuliert zu haben. Doch van Lommel lässt sich davon nicht beirren und unterstreicht in zahllosen Interviews, dass seine Studie wissenschaftlichen Standards mehr als gerecht werde.


Foto: Getty Images/Mark Mawson

Was passiert, wenn man stirbt?

Doch was erleben nun Personen, die an der Schwelle des Todes stehen? Als ein prominentes Beispiel dient etwa der ehemalige österreichische Vizekanzler und FPÖ-Politiker Herbert Haupt, ein gelernter Tierarzt. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Apa erzählte er von seinen Erfahrungen, als er nach einem Unfall im Spital acht Minuten lang reanimiert worden ist. „Ich habe erlebt, wie ich aus meinem Körper ausgetreten bin. Ich habe mich plötzlich selbst von oben gesehen, umringt von Ärzten, die ich teilweise kannte. Es gab einen Tunnel und auch die Erfahrung von Licht. Ich habe heute absolut keine Angst mehr vor dem Tod.“

Das Nahtoderlebnis (NTE) von Haupt ist eines von Tausenden, die von Forschern gesammelt wurden. Man schätzt, dass weltweit 50 Millionen Menschen ein NTE hatten. Die größte Auswertung derartiger Erlebnisse führte der amerikanische Radiologe Jeffrey Long durch. In seiner Studie sammelte und analysierte der Wissenschaftler 1.600 NTEs aus aller Welt. Das Ergebnis: Ein NTE geschieht in etwa immer in derselben Abfolge, egal welche Rasse, Religion oder Lebensanschauung ein Mensch hat. Grob kann man ein Nahtoderlebnis in 12 Elemente einteilen (die Beispiele zu den folgenden Punkten stammen allesamt von van Lommels Interviews mit seinen Patienten).

Das Unaussprechliche Da das Erlebnis für die Betroffenen völlig fremdartig und unbeschreiblich ist, haben sie im Nachhinein große Probleme damit, es in Worte zu fassen. So berichtet ein Betroffener: „Ich war dort, ich war auf der anderen Seite. Mir schießen heute noch die Tränen in die Augen, wenn ich an das Erlebnis denke. Es war zu viel, einfach zu viel, um es in menschliche Worte zu fassen. Die andere Dimension, in der es keinen Unterschied zwischen Gut und Böse, in der es weder Zeit noch Raum gibt. Und eine unermessliche, intensive, reine Liebe, die die Liebe in unserer heutigen, menschlichen Dimension verblassen lässt.“

Das Gefühl des Friedens und der Ruhe An die Stelle von Todesangst und Schmerzen etwa bei einem Herzinfarkt treten plötzlich überwältigende Gefühle von Friede, Freude und Glückseligkeit. „Und der Schmerz, den ich empfunden habe, besonders der Druck auf meine Lunge, war verschwunden. Die ganze Atmosphäre vermittelte mir ein völlig entspanntes Gefühl. Ich habe mich noch nie so glücklich gefühlt.“

Die Erkenntnis, tot zu sein Die Person wird von den Ärzten für tot erklärt. Für den Betroffenen ist dies ziemlich verwirrend, weil er sich noch immer als lebendig wahrnimmt. „Es ist seltsam, dass ich überhaupt nicht überrascht war und auch sonst kein Gefühl hatte. Ganz nüchtern dachte ich: So, jetzt bin ich tot. Das ist es also, was wir Tod nennen.“

Das Verlassen des Körpers Hier wird es für die Betroffenen nun endgültig sehr sonderbar. Viele Patienten berichteten davon, wie sie ihren Körper wie einen alten Mantel abstreiften, aus ihm heraustraten und eine Position oberhalb ihres Körpers einnahmen. Zu ihrem Erstaunen waren allerdings die eigene Identität, ihre Wahrnehmungsfähigkeit und ein sehr klares Bewusstsein weiterhin vorhanden. Die Betroffenen konnten im Nachhinein meist klar beschreiben, was in den jeweiligen Räumen gesprochen wurde und wer anwesend gewesen ist. Ein Patient sagte dem Pflegepersonal sogar, in welcher Lade im Operationsraum sich sein während der Reanimation verloren gegangenes Gebiss befand. Ähnlich wunderten sich Blinde, dass sie mit ihrem neuen Körper plötzlich wieder sehen, Gehörlose, dass sie wieder hören konnten.

„Mir wurde auf einmal bewusst, dass ich über dem Fußende des Operationstisches schwebte und auf das hektische Treiben um den Körper unter mir herabsah. Noch seltsamer war, dass ich sie nicht nur reden hörte, ich kannte auch die Gedanken aller Menschen, die da herumliefen. Ich hörte den Arzt auch sagen, er denke, dass ich schon tot sei. Später bestätigte er mir, dass er davon gesprochen hat, und er war völlig perplex.“

Das Tunnelerlebnis Das Tunnelerlebnis ist wohl so etwas wie der Klassiker einer Nahtoderfahrung. Die Personen finden sich plötzlich in einem dunklen Raum wieder, in dem ein kleiner Lichtfleck erscheint, der sie mit unglaublicher Geschwindigkeit anzieht. Sie bewegen sich begleitet von sichtbaren und unsichtbaren Wesen wie in einem Tunnel auf das Licht zu, das immer intensiver wird, aber niemals blendet. Zuletzt werden sie von diesem Licht völlig eingehüllt und fühlen sich geborgen wie niemals zuvor, einhergehend mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl und dem Wissen um bedingungslose Liebe und Akzeptanz. Die Patienten sprachen von einem Übergang von unserer Welt in eine andere Dimension.

„Ich fühlte, dass ich ganz weit weg, in ein anderes Bewusstsein, versank. Ich wurde gleichsam weggezogen. Ich gelangte in einen tiefdunklen, schmalen, spiralförmigen Tunnel, was mir zunächst beängstigend, aber nicht unbekannt vorkam. Ich schwebte wahnsinnig schnell durch diesen Trichter, und je weiter und höher ich kam, desto mehr ging die Dunkelheit in Licht über. Über mir sah ich ein ungeheuer gleißendes, strahlendes, weißliches Licht. Ich wirbelte und schwebte darauf zu.“

Doch nicht alle schaffen offenbar den Weg ins Licht. Ein bis zwei Prozent berichteten davon, in dem dunklen Raum stecken geblieben oder – noch schlimmer – in niedrigere Sphären hinabgezogen geworden zu sein. Anstatt mit liebevollem Licht wurden die armen Seelen mit einer Höllendarstellung wie aus Dantes Göttlicher Komödie konfrontiert. „All diese Tausende von Menschen waren anscheinend nicht mehr körperlich. Und sie waren die enttäuschtesten, ärgerlichsten und rundum miserabelsten Wesen, die ich jemals gesehen habe. Diese Kreaturen schienen an Gewohnheiten der Sinne und Gefühle von Hass, Lust und zerstörerischen Gedanken gebunden zu sein. Noch scheußlicher als die Bisse und Tritte, die sie einander verpassten, waren die sexuellen Misshandlungen, die viele von ihnen in fieberhafter Pantomime zur Schau trugen“, berichtete ein Mann von seiner Höllenfahrt. Allerdings sei keines von den Wesen vom Guten verlassen worden. „Jemand war neben ihnen, achtete auf sie und diente ihnen. Und genauso sichtbar war die Tatsache, dass keiner von ihnen es wusste.“

Einblick in jenseitige Welten Für die Licht-Gruppe geht die Reise ins Jenseits aber erfreulich weiter. Viele befinden sich plötzlich in einer prachtvollen Landschaft mit herrlichen Farben, Blumen und einer ungewöhnlich schönen Musik. Manchmal sehen sie ganze Städte oder Prachtbauten. „Was ich zu sehen bekam, war unsagbar schön: Ich sah eine wunderschöne Landschaft voller Blumen und Pflanzen, die ich nicht näher benennen konnte. Alles schien Hunderte von Kilometern entfernt, und doch konnte ich alles bis ins kleinste Detail erkennen, obwohl ich im normalen Leben schlecht sehe. Am treffendsten lässt es sich wohl mit den Worten himmlische Szenerie beschreiben.“

Begegnung und Kommunikation mit Verstorbenen Während eines NTE treffen einige Menschen auf verstorbene Angehörige oder Bekannte – manchmal sogar auf Personen, von deren Tod sie gar nichts wussten. „Als ich während meines Herzstillstandes ein NTE hatte, sah ich nicht nur meine Großmutter, sondern auch einen Mann, der mich liebevoll anschaute, den ich aber nicht erkannte. Etwa zehn Jahre später erzählte mir meine Mutter, dass ich aus einer außerehelichen Beziehung hervorgegangen sei. Mein biologischer Vater war ein Jude, den man im Zweiten Weltkrieg umgebracht hatte. Meine Mutter zeigte mir sein Foto. Der unbekannte Mann, den ich gesehen hatte, war offenbar mein biologischer Vater.“

Begegnung mit dem Licht Das Licht, das mit seinen Strahlen alles durchdringt, wird als hell, aber nicht blendend beschrieben. Einige erlebten das Licht auch als Wesen, religiöse Menschen bezeichneten es als Jesus oder Engel. In und um dieses Licht erfährt man nicht nur absolute, bedingungslose Liebe und vollkommene Akzeptanz, sondern hat auch Zugang zu tiefem Wissen. Die Kommunikation mit dem Licht geschieht auf rein gedanklicher Ebene.

„Ich sah in der Ferne ein Licht, wie ich es auf Erden noch nie gesehen hatte. So rein, so intensiv, so vollkommen. Ich wusste, dies war ein Wesen, zu dem ich gehen musste. Ich weiß nicht, wie es geschah. Ich brauchte nicht zu denken, ich wusste alles. Meine Bewegungen waren nicht eingeschränkt. Ich hatte keinen Körper mehr, dieser Ballast war von mir abgefallen. Ich bewegte mich durch alles hindurch. Mir war plötzlich klar: Zeit und Raum gibt es gar nicht. Alles war immer gegenwärtig. Und das gab mir ein unbeschreiblich friedliches Gefühl. Das erlebte ich gleichzeitig mit dem Licht, das die Krönung allen Seins war, aller Energie und Liebe und vor allem Wärme und Schönheit.“

Lebensrückschau In Anwesenheit des Lichtes erfuhren die meisten Betroffenen eine Lebensrückschau. Man erlebt noch einmal sein ganzes Leben, von der Geburt bis hin zum – vorläufigen – Tod. Wie bei einem extrem schnell ablaufenden Film sieht man nicht nur jede Handlung, sondern auch jeden Gedanken, den man jemals gehabt hat. Gleichzeitig erkennt man, welche Konsequenzen diese Handlungen und Gedanken auf andere hatten. In tiefer Verbundenheit spürt man die Trauer, die Aggression, aber auch die Freude genauso intensiv, als wären es die eigenen Gefühle. Die Personen bezeichneten es als eine Art von „kosmischem“ Gesetz: Alles, was man bei anderen bewirkt, erfährt man letztlich auch selbst, und das betrifft sowohl Liebe und Zuwendung als auch Hass, Gewalt und Aggression. Alles und jeder Mensch scheinen zeitlos miteinander verbunden zu sein.

„Mein ganzes Leben bis zum heutigen Tag schien sich in einer Art panoramaartigem dreidimensionalen Rückblick vor mir auszubreiten. Jedes Ereignis wurde von einem Wissen über Gut und Böse oder der Einsicht in seine Ursachen und Folgen begleitet. Ich betrachtete alles nicht nur ausschließlich aus meiner Warte, sondern kannte auch die Gedanken aller anderen, als wären ihre Gedanken in mir. Ich konnte nicht nur sehen, was ich getan und gedacht hatte, sondern sogar, wie mein Handeln andere beeinflusst hat – als sähe ich mit allwissenden Augen. Und immerfort wurde die Bedeutung der Liebe bezeugt. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, wie lange dieser Lebensrückblick gedauert hat. Es kann eine ganze Weile gewesen sein, denn jeder Punkt wurde berührt. Andererseits erschien es mir nur wie der Bruchteil einer Sekunde, da ich alles gleichzeitig wahrnahm. Zeit und Distanz waren scheinbar nicht mehr existent.“

Ausblick auf die Zukunft In einem NTE gewinnt man nicht nur einen Rückblick auf sein Leben, sondern auch einen Blick in die Zukunft. „Und blitzartig sah ich, wie mein Leben weitergehen würde. Ich überblickte einen Großteil meines Lebens, der noch vor mir lag. Ich sah den Tod meiner Frau und das Sterben meiner Mutter vorher. Irgendwann schrieb ich alles, was ich damals vorhergesehen hatte, auf. Im Laufe der Jahre konnte ich es dann einfach abhaken. So hatte ich auch meine Frau auf ihrem Sterbebett mit einem weißen Tuch gesehen, und genau so ein Tuch bekam sie kurz vor ihrem Tod von ihren Freundinnen.“

Wahrnehmen einer Grenze Schließlich treffen die Betroffenen auf eine klar wahrnehmbare Grenze wie dichten Nebel, ein Tal, einen Fluss oder eine Pforte. Sie wissen innerlich, dass es kein Zurück in den eigenen Körper mehr gibt, sobald diese Grenze überschritten ist. Auf telepathischem Weg erfährt man hier, dass man noch eine Aufgabe auf der Welt hat.

„Es war wie eine Heimkehr nach einer langen, anstrengenden Reise. Es war ein Zustand, der bei mir vollkommene Ruhe auslöste. Für mich war das der Höhepunkt der Erfahrung. Eine Gestalt ermutigte mich wortlos, mich zu entscheiden, ob ich in diesem Zustand bleiben oder in meinen leblosen Körper zurückkehren wolle, den ich plötzlich unter mir spürte. Ich hatte das Gefühl, der Weg durch die Pforte würde meinen endgültigen körperlichen Tod bedeuten. Im Bewusstsein, nun die Chance zu haben, mit der Einsicht zurückzukehren, dass dieser Seinszustand eine Realität ist, die realer erlebt wird als alles, was wir hier darunter verstehen, und mit dem Gedanken an meine junge Frau und meine drei kleinen Kinder entschloss ich mich zurückzukehren.“

Die bewusste Rückkehr in den Körper Die Rückkehr geschieht vollkommen plötzlich. Manche fühlen sich von einer großen Kraft in den Körper zurückgezogen. Einige schilderten, wie sie durch ihren Schädel in ihren Körper zurückgedrängt wurden. Diese Erfahrung ist keineswegs erfreulich. Die Betroffenen empfinden eine herbe Enttäuschung darüber, von der wunderbaren, liebevollen Welt in ihren schmerzenden und lädierten Körper zurückkehren zu müssen.

„Bevor ich mich umdrehen und in das himmlische Licht eintauchen kann, sehe ich rechts auf meinem Rücken eine schlanke Hand, die mich von der Schulter bis zur Taille fasst. Kräftig, aber dennoch liebevoll drückt mich diese Hand zurück in meinen Körper. Und ich merke, wie ich wieder in meinem Körper lande. Wieder bei dem Schmerz, dem ohrenbetäubenden Geschrei und den Ohrfeigen des Arztes. Ich bin wütend, unsagbar wütend.“

Schulmedizin: Alles nur Halluzinationen

Die Berichte von Menschen, die ein NTE durchlebt haben, sind derart phantastisch, dass sie von Außenstehenden kaum nachvollzogen werden können. Viele der Betroffenen haben es auch vorgezogen, niemandem von ihren Erlebnissen zu erzählen, um nicht als Spinner abgestempelt zu werden. Besonders feindlich stand und steht den Nahtoderfahrungen die Schulmedizin gegenüber. Als der amerikanische Psychiater Raymond Moody 1975 das Buch „Leben nach dem Tod“ veröffentlichte, in dem er die Erlebnisse von 150 Personen, die klinisch tot gewesen waren, wiedergab, landete er zwar einen Bestseller, in der Fachwelt wurde das Werk indes bestenfalls belächelt. Selbst die hochangesehene Gründerin der Hospizbewegung Elisabeth Kübler-Ross wurde in dem Moment mit einer regelrechten Schmutzkübelkampagne überschüttet, als sie von erdrückenden Beweisen für ein Fortleben nach dem Tod sprach.

Erst nachdem die Zahl der Berichte derart überhandgenommen hatte, dass sie einfach nicht mehr weggeleugnet werden konnten, begann sich die Medizin dem Phänomen zu stellen und eine wissenschaftlich-rationale Erklärung dafür zu suchen. Und obwohl diese bis heute nicht gefunden worden ist, ist der Großteil der Wissenschaftler weiterhin überzeugt, dass es sich bei NTEs um Halluzinationen handelt, die den Sterbeprozess erleichtern. Dabei drängt sich allerdings die Frage auf, warum die Natur dafür ein Spektakel aus außerkörperlichen Erfahrungen samt Treffen mit Verstorbenen und einem allmächtigen, liebenden Licht veranstalten muss? Würde es nicht reichen, den Sterbenden in eine Art Runner’s High zu versetzen, damit er sich seinem Schicksal leichter ergeben kann?

Allerdings ist die Skepsis der Wissenschaft verständlich, geht doch die gängige Lehrmeinung davon aus, dass das Bewusstsein ein Produkt des Gehirns ist. Mit dem Absterben des Gehirns müsste daher zwangsläufig auch das Bewusstsein erlöschen. Nahtoderlebnisse stellen diese Hypothese vollkommen auf den Kopf: Sie legen nahe, dass es ein Bewusstsein jenseits des Körpers gibt. Würde das stimmen, müssten sämtliche Lehrbücher freilich grundlegend umgeschrieben werden.

Doch was spricht denn nun dagegen, dass NTEs nichts mehr sind als Halluzinationen? Zum einen sind Halluzinationen vollkommen individuell, es gibt dabei keine immer wiederkehrenden Gemeinsamkeiten wie bei Nahtoderfahrungen. Halluzinationen haben auch keinerlei Bezug zur realen Welt. Patienten, die während ihrer Reanimation den Körper verlassen haben, konnten aber mehrfach nachweisbar beobachten, was in den Behandlungsräumen vorgegangen ist. Auch das Treffen von Verstorbenen spricht gegen eine reine Einbildung. Besonders beeindruckend unterstreichen dies Berichte von Kindern. Man würde annehmen, dass sich Kinder in einer derart beängstigenden Situation jene Personen herbeiimaginieren, die ihnen am vertrautesten sind: nämlich ihre Eltern. Dafür gibt es allerdings keine Fallbeispiele. Sofern ein Elternteil nicht selbst bereits tot war, trafen die Kinder stets auf verstorbene Verwandte wie Großeltern, Tanten oder Geschwister.

Auch die Sauerstoffmangel-Erklärung ist bei genauerer Betrachtung nicht ausreichend. Zwar stimmt es, dass durch Sauerstoffmangel im Gehirn Endorphine freigesetzt werden, was Halluzinationen und ein friedliches Gefühl auslösen kann. NTEs haben allerdings nicht den Charakter einer Halluzination. Zudem wurden die Phänomene auch beobachtet, wenn gar kein Sauerstoffmangel vorhanden war, etwa bei einem drohenden Verkehrsunfall oder einer tiefen Depression. Zu guter Letzt kam es bei den beobachteten Personen in der Studie von van Lommel nachweislich zu einem Totalausfall des Gehirns. Dabei dürfte man eigentlich gar keine Wahrnehmungen mehr haben – also auch keine Halluzinationen.

Der Einfluss von Endorphinen muss ebenfalls ausgeschlossen werden. Jeder, der Sport betreibt, kennt das wohlige Gefühl, das diese Glücksstoffe auslösen, es hält in der Regel mehrere Stunden an. Bei Patienten mit NTEs setzt das friedliche Gefühl aber bereits nach wenigen Minuten wieder vollkommen aus, sobald sie sich in ihrem Körper wiederfinden. Auch andere Erklärungsmodelle erwiesen sich bisher als nicht wirklich schlüssig. Zwar konnte man durch verschiedene Chemikalien oder Reizungen von Gehirnarealen gewisse „mystische“ Erfahrungen produzieren, aber niemals eine echte Nahtoderfahrung.

Unendliches Bewusstsein

Es gibt nach derzeitigem Erkenntnisstand nur eine einzige nachvollziehbare Erklärung für Nahtoderlebnisse – und diese ist ebenso tröstlich wie unglaublich: Unser Bewusstsein ist nicht Produkt unseres Gehirns, sondern von spiritueller Natur. Van Lommel kam etwa zu dem Schluss, dass die Aufgabe des Gehirns lediglich darin besteht, das uns umgebende unendliche Bewusstsein anzuzapfen.

„In dem Raum, in dem Sie jetzt sind, befinden sich elektromagnetische Wellen von tausenden Telefonanrufen von Mobiltelefonen und von hunderten Fernsehprogrammen. Wenn Sie nun einen bestimmten Empfänger anschalten wie etwa Ihr Handy, können Sie nur eine dieser informativen Wellen empfangen. Wenn Sie den Empfänger wieder abschalten, dann nehmen Sie nicht mehr wahr, dass alle diese Informationen um Sie herum sind. Aber sie sind immer noch da. Das Fernsehprogramm ist auch nicht im Fernseher, sondern wird vom Fernseher nur empfangen. Das Gehirn empfängt das Bewusstsein. Wenn jedoch das Gehirn nicht mehr funktioniert, besteht die Möglichkeit, dass das Selbstbewusstsein zusammen mit dem Bewusstsein und den Erinnerungen außerhalb des Gehirns existiert.“

In seinem Buch „Endloses Bewusstsein“ untermauert van Lommel seine These gleich seitenweise mit Phänomenen der Quantenphysik, die Erklärungen für Erfahrungen an der Pforte des Todes liefern könnten. So seien wir eingebettet in ein allumfassendes, ewig präsentes, liebendes Bewusstsein, das weder Zeit noch Raum kennt und in dem sämtliche Informationen über Vergangenheit und Zukunft gespeichert sind. Im Augenblick unseres Todes haben wir wieder Zugang dazu. Mystiker nennen dieses Bewusstsein übrigens Gott.

Zum Weiterlesen: Pim van Lommel: „Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung“; Patmos, 16,95 Euro. Jeffrey Long: „Beweise für ein Leben nach dem Tod“; Goldmann, 8,95 Euro. Bernhard Jakoby: „Auch Du lebst ewig“; Langen Müller, 19,90 Euro. R. A. Moody: „Leben nach dem Tod. Die Erforschung einer unerklärlichen Erfahrung“; rororo, 8,99 Euro.

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