No Sex, please

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 25. Februar 2014

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Noch niemals zuvor war Sex so allgegenwärtig wie heute. Und niemals zuvor war in den Betten so wenig los. Für die Wissenschaft ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil.

Saturo Kishino ist 31 Jahre und hatte noch niemals Sex. Geht es nach ihm, soll das auch weiterhin so bleiben. Aufgewachsen hinter einer selbst errichteten Mauer aus Videospielen, Internetpornos und virtuellen Chaträumen hat er es nie geschafft, zu Frauen aus Fleisch und Blut erotische Beziehungen aufzubauen. Erstaunlicherweise geht ihm das überhaupt nicht ab. Er fühlt sich vielmehr befreit – auch vom anstrengenden Dating-Zirkus.

Kishino ist einer von vielen. Unter jungen Japanern ist das Desinteresse an Sex inzwischen derart groß geworden, dass es für sie bereits einen Namen gibt: „soshoku danshi“ – die Pflanzenfresser.

Japan ist nur die Spitze des Eisberges. In der gesamten westlichen Welt macht sich zunehmend vollkommene Lustlosigkeit breit. Nach deutschen Untersuchungen etwa gaben jede dritte Frau und jeder vierte Mann an, mit ihrem Sexleben unzufrieden zu sein. 47 Prozent der deutschen Paare haben nur dreimal im Monat Geschlechtsverkehr, fast die Hälfte aller Paare lebt gleich wochenlang vollkommen sexfrei. Amerikanische Forscher gehen inzwischen davon aus, dass jede zweite Frau zwischen 18 und 59 Jahren an einer Störung namens Hypoactive Sexual Desire Disorder (Mangel an sexueller Lust) leidet.

Sexuelle Magersucht

Auf den ersten Blick überrascht die Flaute in den Betten. Denn noch nie zuvor wurde so offen über Sex gesprochen und geschrieben wie heute. Kaum eine Zeitschrift, in der sich keine Sexthemen finden, kaum ein Buchladen ohne Erotikratgeber; und die Mode zeigt längst mehr, als sie verbirgt. Von der Werbung über Filme bis hin zu Musikvideos – von allen Seiten wird man mit sexuellen Reizen bombardiert. Seit ein Internetzugang zu Hause ausreicht, ist selbst Hardcore-Pornographie zu einem Massenphänomen geworden – Gewaltszenen und Gangbangs inklusive.

Diese Allgegenwärtigkeit führte allerdings keineswegs zu einer lustvolleren Gesellschaft. Im Gegenteil: Der Anspruch an das, was guter Sex ist, ist so gestiegen, dass er gar nicht mehr erfüllbar ist. Zudem hat das Dauerfeuer an Reizen in Werbung und Medien dazu geführt, dass unsere Sinne abgestumpft sind. Die Bilderflut an perfekten Photoshop-Körpern hat auch unser Schönheitsideal nachhaltig verändert. Inzwischen legen sich nicht nur Frauen für ihre Schönheit unters Messer, auch Männer versuchen mit Fettabsaugung, Penisvergrößerung und Faltenreduktion dem vorgegebenen Bild zu genügen.

Die Modelkörper in den Köpfen haben auch nachhaltige Auswirkungen auf die Beziehungen. Forscher wissen, dass Männer, die zuvor Fotos von sehr attraktiven Frauen betrachtet haben, ihre Partnerinnen danach als weniger attraktiv bewerten, sich selbst als weniger zufrieden mit ihrer Beziehung und als weniger eng an ihre Partnerin gebunden fühlen.

Diese Kluft zwischen der unendlich hohen Erwartungshaltung an das eigene Sexleben und dem, wie es tatsächlich ist, nennt die Wissenschaft heute „sexuelle Anorexie“: Man betet nicht länger um das tägliche Brot, sondern um den Hunger.

Nivellierung der Geschlechter

Die fehlende Spannung zwischen den Geschlechtern hat aber auch eine weitere, politisch höchst unkorrekte Ursache: Durch den Siegeszug des Feminismus haben sich Geschlechterrollen weitestgehend angeglichen. Die Frau macht Karriere, der Mann wickelt die Kinder. Dies mag gesellschaftspolitisch erstrebenswert sein, allein unseren evolutionsgeprägten Genen passt das gar nicht. Die ständigen Abmachungen, wer in einer Beziehung für was verantwortlich ist, haben sich auch ins Schlafzimmer eingeschlichen. Sex wurde zu einer Regelung, die für animalische Unbändigkeit keinen Platz mehr lässt.

Eine Untersuchung im Fachjournal „American Sociological Review“ zeigt dies drastisch. Das Fazit: Die Aufteilung der Hausarbeit kann die sexuelle Aktivität verheirateter Paare verringern. Die bisherige Annahme, dass mehr männliches Engagement im Haushalt von der Frau mit mehr Sex belohnt wird, wurde als Wunschvorstellung entlarvt.
Die Forscher um Sabino Kornrich vom Juan-March-Institut in Madrid werteten eine Befragung von 4.500 heterosexuellen, verheirateten US-amerikanischen Paaren aus. Durchschnittlich verbrachten die Paare 34 Stunden pro Woche mit traditionell weiblichen Haushaltstätigkeiten wie Kochen, Putzen und Einkaufen. 17 Stunden gingen für „männliche“ Tätigkeiten wie Gartenarbeit und die Autopflege drauf. Dabei halfen Männer bei rund einem Fünftel der „weiblichen“ Aufgaben, Frauen etwa bei der Hälfte der männlichen Tätigkeiten. Im Schnitt gaben die Paare an, fünfmal im Monat Sex zu haben.

Auffällig: Paare, bei denen die Frau alle typisch weiblichen Haushaltstätigkeiten erledigte, hatten um 60 Prozent mehr Sex als Paare, bei denen der Mann den kompletten Haushalt erledigte.

Gerade in Langzeitbeziehungen arbeiten unsere Gene generell gegen uns: Der Rausch der neuen Liebe ist nur für maximal 36 Monate vorgesehen. Da es keinerlei äußere Erkennungsmerkmale gibt, ob eine Frau gerade empfängnisbereit ist, sorgt die Natur durch einen Rausch von Hormonen dafür, dass ein Paar in dieser Zeit möglichst oft Sex hat. Nach etwa einem Jahr geht unser biologisches Programm aber davon aus, dass die Zeugung geklappt hat, und stellt seinen Ausnahmezustand wieder ein. Anstelle von wilden Lusthormonen werden nun häusliche Kuschelhormone produziert. Sie sollen verhindern, dass der Mann die unbeschützte Frau mit dem Kind sitzen lässt. Nach vier Jahren ist aber auch damit Schluss: Für die Natur ist der Nachwuchs nun überlebensfähig, das Paar hat seine Arbeit getan. Aus evolutionsbiologischer Perspektive hat ein Zusammenbleiben der Eltern keinerlei Sinn mehr. Vor allem für den Mann würde es nun mehr Sinn machen, neue Partnerinnen zu finden, um seine Gene möglichst weit über den Erdball zu verbreiten.

Dornröschen besorgt es sich heute selbst

So schlüssig evolutionsbiologische Erklärungen auch erscheinen, sie vernachlässigen, dass sich auch der jeweils vorherrschende gesellschaftliche Rahmen auswirkt. So macht es einen großen Unterschied, ob man in einem puritanisch-religiösen oder hochsexualisierten Umfeld lebt. Diesen mächtigen Einfluss dokumentiert die Soziologin Iris Osswald-Rinner in ihrem Buch „Oversexed and Underfucked“, in dem sie unter anderem die Sexratgeber seit den 1950er Jahren miteinander vergleicht.

So sind die ersten Bücher noch Eheratgeber, war doch Sex außerhalb der Ehe damals noch undenkbar. Im Fokus standen richtige Partnerwahl, Familienplanung, die Aufklärung der Kinder sowie Themen wie Brautstand, Jungfernhäutchen und Hochzeitsnacht. Bei Ausführungen zum ehelichen Akt legten die Autoren großen Wert darauf, ihren Lesern zu erklären, was „normal“ ist und von welchen Praktiken man besser die Finger lassen sollte.

Osswald-Rinner nennt diese Phase „Dornröschenskript“. Um Sex haben zu können, musste der Mensch damals überhaupt einmal einen Partner haben, der auch noch zu heiraten war. Uneingeschränkter Mittelpunkt allen sexuellen Treibens war der Geschlechtsverkehr, war doch der vornehmliche Grund der Paarung, Nachwuchs zu zeugen. Die Frau wurde dabei als grundsätzlich passives Wesen beschrieben, das anfangs weder eine wache noch eine anwesende Sexualität hat: „Dornröschen ist das Instrument des Mannes und muss von ihm geweckt, gestimmt und bespielt werden.“ Sie verfügt außerdem über große Empfindlichkeit der Gefühls- und Gemütsreize, ist anfällig für schnelle Stimmungswechsel und eher nachgiebig. Um überhaupt sexuelle Empfindungen zu haben, muss sie für den Mann tiefe Liebe verspüren.

Beim Sex selbst sollte die Ehefrau ihrem Mann das Ruder überlassen, eigene Aktivitäten waren nicht nur nicht erforderlich, sondern könnten sogar die Gesundheit des Mannes stören. Um erfüllenden Sex erleben zu können, war es am wichtigsten, die Leidenschaft des Mannes zu wecken. Dabei wurde der Frau sogar dazu geraten, ihre Erregung nur vorzuspielen, um damit das Begehren des Gatten weiter anzustacheln.

In den 1970er Jahren verändert sich nicht zuletzt durch die gesellschaftspolitischen Umwälzungen auch das Sexskript. Die neue „Barbie-und-Ken-Ken“-Norm gründet sich nicht mehr auf die Darstellung davon, was normal ist, sondern setzt auf das Ideal des orgastisch potenten Menschen. Es setzt sich nicht nur die Herauslösung der Sexualität aus der Ehe, sondern aus der Monogamie überhaupt durch. Anstatt im Ehebett finden sich Barbie und Ken in Gruppensexorgien und im Swingerclub wieder. Der eigene Körper und die Orgasmusfähigkeit werden alles: „Insgesamt tendieren die Ratgeber dieser Zeit dazu, zum einen dem Körper, vornehmlich den Genitalien, und zum anderen dem Selbstwertgefühl bzw. Selbstvertrauen große Aufmerksamkeit zu schenken. Funktionierende Sexualität ist Kennzeichen von Vollwertigkeit einer Person, der Orgasmus wiederum gilt als Kennzeichen der funktionierenden Sexualität“, schreibt Osswald-Rinner.

Waren Dornröschen und ihr Prinz noch damit beschäftigt, ein normales Paar zu werden, sollten Ken und Barbie aus allen Vorgaben befreit werden und sich auf den Weg machen, ihre einzigartige und persönliche Sexualität und individuelle Moral zu finden. Um dieser Mission gerecht zu werden, benötigten die Aktionisten viel Zeit, einiges an Therapie und einen gesunden, leistungsfähigen und vor allem sehr beweglichen Körper.

Mit dem Aufkommen von Aids in den 1980er Jahren ist es mit den Ausschweifungen vorbei, schnell geht es in den Ratgebern wieder um die Beziehung – Barbie und Ken werden zu Adam und Eva, Sinnlichkeit und Intimität zu neuen Modewörtern. Behandelt werden sinnliche Berührungen, Oralverkehr und erfüllender Geschlechtsverkehr ebenso wie Liebe und Romantik, Beziehungskonflikte und Kommunikation, Treue, Safer Sex sowie die Erneuerung von Liebesbeziehungen. Sexualität soll nun eine Partnerschaft zusammenhalten und die Menschen seelisch und körperlich befriedigen. Das Ziel: die anfängliche Verliebtheit in eine dauerhafte Liebe zu transformieren. „Sexualität“, schreibt Osswald-Rinner, „wandelt sich jetzt vom sportlichen Spiel zur spirituellen Erfahrung zweier Menschen höchster Intensität.“

Um das Jahr 2000 ändert sich das Skript erneut. Im Fahrwasser von Erfolgsserien wie „Sex and the City“ rücken die Ratgeber vor allem die sexuelle Freiheit der Frauen in den Mittelpunkt. Sie ist nicht länger Dornröschen, Barbie oder Eva, sie ist Ich. „Das Ich-und-Ich-Skript erhebt den Anspruch, eine realistische Form der Sexualität zu sein. Allem voran steht, dass es keine richtige Methode für Sex gibt und jeder seinen eigenen Weg finden muss“, so die Soziologin.

Heute heißt das Lösungskonzept Eigenliebe. Alles soll dem eigenen Glück und der eigenen Befriedigung dienen. Sexualität wird zum Selbstsex, sogar dann, wenn er mit einem oder mehreren anderen stattfindet. Aus Lebensabschnittspartnern werden Episodenbeziehungen, die bestenfalls über ein Jahr gehen sollen, da in dieser Zeit der Sex am intensivsten ist. Vor einer tiefen Partnerschaft wird geradezu gewarnt. Wenn man sich versehentlich in ein anderes Ich verlieben sollte, dürfe man sich keineswegs von diesen Gefühlen blenden lassen: „Ich und Ich müssen sich einfach damit abfinden, kein Gold gefunden zu haben und auch niemals welches zu finden.“

Zum Ausleben der Sexualität braucht das Ich eigentlich niemand anderen mehr. Masturbation wird in den Büchern sogar als überlegen dargestellt: Wer dem Geschlechtsverkehr den Rücken kehrt, komme zu längeren, genießerischen Liebesspielen und mit viel weniger Aufwand zum Orgasmus. Das finale „Ich-und-Ich“-Skript hat freilich einen unheimlichen Beigeschmack. Denn eine Gesellschaft, in der die Menschen nur mehr bindungslose Sexkontakte haben, um ihr Spaßbedürfnis zu befriedigen, wurde bereits einmal beschrieben: in der düsteren Zukunftsvision „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley.

Reizüberflutung, Stress, Chemikalien

Nicht nur die eingangs erwähnte Reizüberflutung, auch Stress ist ein maßgeblicher Faktor für die Flaute im Bett: Viele haben nach einem Arbeitstag, nach Hektik und Ärger, schlechthin keine Kraft mehr und spielen lieber anstrengungslos mit der Fernbedienung als mit dem Partner. Jedenfalls bezeichnen 70 Prozent der Deutschen Stress als Sexbremse, und jeder Dritte verliert unter Stress generell die Lust auf Sex. Therapeuten raten Paaren inzwischen zu zwei-, dreimal pro Woche 15 Minuten: für „Beschäftigung mit dem anderen, bei dem es nicht unbedingt zum Sex kommen muss“.

Auch von Biologen wurde Stress bereits als Lustkiller identifiziert: Das Nervensystem aktiviert bei extremer Belastung alle Flucht- und Kampfimpulse, die Nebennieren produzieren Stresshormone. Muskeln und Gehirn werden dadurch vermehrt mit Blut versorgt – allerdings auf Kosten von Verdauung und Sexualorganen. Um in Stimmung zu kommen, braucht es in der Regel genau die gegensätzlichen Voraussetzungen: eine entspannte Atmosphäre und ausreichend Zeit. Für die meisten Paare gibt es das aber – wenn überhaupt – nur am Wochenende oder im Urlaub.

Sogar die Ernährung kann über ein erfülltes Sexualleben entscheiden. So führt etwa Zinkmangel bei Männern dazu, dass der Körper weibliche Hormone als „Ersatz“ produziert und in Folge der Testosteronspiegel stark sinkt. Ein derart „verweiblichter“ Mann wird jedenfalls kaum Verlangen nach dem anderen Geschlecht entwickeln.

Mangelnde Lust kann aber auch hormonellen Ursprungs sein. In einer ganzen Vielzahl von Alltagsprodukten sind hormonell wirksame Chemikalien zu finden, die sich nachweislich auf die Sexualität auswirken. Diese Stoffe werden mit gesundheitlichen Problemen wie reduzierter Spermienqualität und Unfruchtbarkeit, verfrühter Pubertät bei Mädchen und bestimmten hormonbedingten Krebsarten wie Brustkrebs und Hodenkrebs in Verbindung gebracht. Besonders verbreitet sind diese Substanzen in Kosmetikprodukten. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat vor kurzem rund 400 in Österreich erhältliche Bodylotions, Zahnpasten und Aftershaves anhand der deklarierten Inhaltsstoffe auf das Vorhandensein hormonell wirksamer Chemikalien untersucht. Das Ergebnis: Etwa jede zweite Bodylotion, jedes zweite Aftershave sowie jede fünfte Zahnpasta enthielten hormonell wirksame Stoffe, überwiegend handelte es sich um Konservierungsmittel aus der Gruppe der Parabene und chemische UV-Filter. Frei von hormonellen Schadstoffen waren die 38 stichprobenartig mituntersuchten Naturkosmetikprodukte.

„Das Ergebnis ist so besorgniserregend, weil es sich bei den gefundenen Substanzen um Chemikalien handelt, deren hormonell schädigendes Potenzial an Tieren klar belegt ist“, erklärt Dr. Helmut Burtscher, Biochemiker bei Global 2000. „Mit der Anwendung der Kosmetikprodukte gelangen diese Stoffe in den Körper, können dort das hormonelle Gleichgewicht stören und irreversible Gesundheitsschäden auslösen.“

Professor Dr. Andreas Lischka, langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing, erläutert: „Hormonelle Schadstoffe werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, die seit einigen Jahrzehnten in der industrialisierten Welt auf dem Vormarsch sind. Am besten belegt sind Beeinträchtigungen des Fortpflanzungssystems, hormonassoziierte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, verfrühte Pubertät bei Mädchen sowie Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Besonders heikel sind Störungen der hormonell regulierten Entwicklungsprozesse beim heranreifenden Fötus und beim Säugling. Denn während des sogenannten entwicklungskritischen Zeitfensters vor und kurz nach der Geburt können bereits kleinste Mengen von hormonell wirksamen Chemikalien irreversible Schäden verursachen. Solche Chemikalien aus Kosmetika sind auch im Blut von Neugeborenen und in der Muttermilch zu finden.“ Nachdem die Politik nichts gegen derartige Substanzen in Körperpflegeprodukten unternimmt, sollte man übrigens selbst aktiv werden: Auf www.global2000.at/kosmetikcheck kann man den Inhalt seines Badezimmerschranks überprüfen.

Kann Distanz helfen?

Es scheint, als wäre die klassische Paarbeziehung sexuell gescheitert. Doch was kann man tun, wenn man nicht als gestresstes, hormonell verseuchtes, anonymes, sexuell abgestumpftes Ich vor dem Computer masturbieren will? Die Therapeutin Felicitas Heyne hat sich in ihrem Buch „Fremdenverkehr – Warum wir so viel über Sex reden und trotzdem keinen mehr haben“ mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Zuallererst: Perfekter Sex ist eine Erfindung von Ratgebern, Medien und Werbung, in der Realität hat Ihr Nachbar wahrscheinlich noch weniger Sex als Sie. Heyne: „Wichtig ist, Sex wieder als etwas Spielerisches, Vergnügliches zu betrachten: Ziehen Sie Lose, die darüber entscheiden, wer heute Abend wem zu Diensten ist oder welche Praktik Sie heute einmal ausprobieren wollen. Besuchen Sie gemeinsam eine Burlesque-Show oder experimentieren Sie mit wechselnden Sexspielzeugen. Und streichen Sie die Gleichung Sex ist gleich Geschlechtsverkehr ein für alle Mal aus Ihrem Kopf – Sie haben doch so viel mehr Möglichkeiten, Spaß mit- und aneinander zu haben.“

Häufig kann auch mehr Distanz helfen. Zu viel Intimität, Harmonie und Nähe sind Erotikkiller, weil sexuelle Spannung von Begehren, Distanz und Unbekanntheit lebt. Mehr Distanz erreicht man beispielsweise dadurch, indem man ein Hobby ohne den anderen anfängt oder ein paar Tage ohne Partner verreist. Gemeinsame Aktivitäten sollten spannend sein – etwa Wochenendtrips in unbekannte Städte. Das dabei ausgeschüttete Adrenalin sorgt automatisch für mehr erotische Spannung und lässt auch den Partner wieder anziehender wirken.

Zudem sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, Sex könne nur dann stattfinden, wenn beide Partner Lust darauf haben. „Das Warten auf den perfekten Zeitpunkt, an dem die Lust zwei Menschen übermannt, ist nichts anderes als eine heimliche Vermeidungsstrategie. Sobald Sie sich das eingestanden haben, eröffnen sich jede Menge neuer Möglichkeiten für ein erfülltes Sexualleben“, so Heyne. Feste Paarzeiten im Terminkalender seien ein guter erster Schritt, gezielte Ankündigungen von sexuellen Begegnungen ein guter zweiter.

Zum Weiterlesen: Iris Osswald-Rinner: „Oversexed and underfucked – Über die gesellschaftliche Konstruktion der Lust“; VS, 34,99 Euro. Felicitas Heyne: „Fremdenverkehr –Warum wir so viel über Sex reden und trotzdem keinen mehr haben“; Goldmann, 8,99 Euro. Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“, Fischer, 7,95 Euro.

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