Schrankbetten & Erlebnis-Pissoirs

Lebenvon Christian Werner 1. November 2005

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Erlebnisse eines Hoteltesters

Rund 2.000 Hotels – nämlich alle in Deutschland und Österreich – haben die Tester des einzigen kritischen Wellnesshotelführers RELAX Guide (Ausgaben 2006 soeben erschienen, im Buchhandel um 17,90 Euro) anonym besucht. Neben Hotels, die wegen ihres qualitativ hochwertigen Angebots mit dem Gütesiegel der Lilien ausgezeichnet wurden – Top-Betriebe erhielten maximal vier Lilien – fanden die Testgäste allerdings auch zahlreiche Betriebe, die weniger Erfreuliches boten. Eine schlechte Küche, miefige Zimmer oder Mitarbeiter, die sich gut verstecken, gehörten dabei zum Standard des Erlebten. Nicht selten wurden aber auch skurrile Umstände vorgefunden. Das Spektrum reicht von Schrankbetten über Zimmer am Friedhof bis hin zu Erlebnispissoirs – dabei verrichtet man sein „Geschäft“ direkt auf eingeschaltete Fernsehbildschirme.

Traumhaft – nur in der Werbung



Auch zum Thema „Wellnepp“ fanden die Tester reichlich Beweise. „Es beginnt“, so Wellnessexperte und Herausgeber des RELAX Guide, Christian Werner, „mit Werbung, die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt“. Beispielsweise werbe, so Werner weiter, ein Viersternhaus in Kaprun mit dem Slogan „Traumhafter kann ein Hotel nicht liegen“. Beim Besuch zeigte sich dann allerdings eine zentrale Ortslage an der Hauptverkehrsader. Ohne Parkplatz, dafür aber mit teurer Garage.

Enttäuschend: Wasserhotel ohne Schwimmbad

Eines von vielen weiteren Beispielen werblicher Wellness-Poesie beschreibt Christian Werner im RELAX Guide so: „Vom klingenden Namen <Wasserhotel> angelockt, erwarteten wir hier einen Badestrand, Springbrunnen auf allen Zimmern und rauschende Quellkaskaden an der Fassade. Zumindest aber ein Thermalfreibecken. Oder wenigstens ein Hallenbad. Naja, eine klitzekleine Badewanne tät’s auch. Enttäuschung. Überwiegend nur Duschen, plus ein einziger mikroskopisch kleiner Whirlpool – zur gemeinsamen Nutzung für alle.“

Unliebsame Überraschungen

Versteckte Aufpreise können ebenfalls für unliebsame Überraschungen sorgen: Darunter etwa das TV-Gerät für 2,20 Euro pro Tag, der Leihbademantel um 8,– Euro, der Saunaeintritt um 9,– Euro oder 10,50 Euro für das Schwimmbad – selbst wenn man es gar nicht benützt! Den Nepp-Vogel abgeschossen hat jedoch jenes Hotel in Baden-Württemberg, das für Auskünfte, Anfragen und Buchungen am Telefon tatsächlich 12 Cent pro Minute verrechnet.
Richtiggehend enttäuschend wurde von den Testern des RELAX Guide auch das Angebot eines Hotels in Wilgartswiesen erlebt: Hinter einer als „Erotik-Treatment“ angebotenen Behandlung offenbarte sich nicht etwa ein geheimnisvolles Tantra-Ritual, sondern vielmehr ein höchst banales Wannenbad mit Peeling – in der vollmundig als „Energie-Paradies“ bezeichneten Wellnesszone des Hauses – um 58,– Euro.

Pfirsich-Popo-Kur & Schoko-Therapie

Als seltsame Blüten des Angebots vermerkten die Tester etwa die viertägige „Pfirsich-Popo-Kur“ (469,– Euro). Oder die „Schokotherapie“ im Schlosshotel Lerbach: die Massage mit Zartbitterschokolade, danach ein Körperpeeling mit Kaffeepulver, anschließend ein Sahnebad, zum Abschluss die Körperpackung mit Mousse au Chocolat (246,– Euro).

Skurriles auf allen Ebenen

Skurriles zeigte sich auch auf anderen Ebenen – und wurde penibel notiert. Christian Werner: „Wir fanden insgesamt sieben Hotels, bei denen die Straße mittendurch geht, rund 15 mit Schrankbetten, einige mit Zimmern im Kellergeschoß sowie rund 20 mit Standesamt. Aber konsequenter Weise auch eines mit einem Scheidungsanwalt im Haus“. Übrigens: auch ein Wellnesshotel mit KFZ-Werkstätte und zwei mit Tankstelle sind im neuen RELAX Guide 2006 enthalten. Genauso wie jene Spa-Oase, die ihren Gästen „einmal pro Woche den Spaziergang zum Kuhstall“ im Package offeriert.

Zimmer am Friedhof

In der Steiermark wunderten sich die Tester über Erlebnispissoirs sowie über ein Hotel, das auch Zimmer direkt am Friedhof anbietet. Und über jenes Haus, das im neuen RELAX Guide folgendermaßen kommentiert wird: „Beim Einchecken fanden wir übrigens auch ein Sackerl mit angeblich erotischen Spielsachen, unter anderem mit essbaren Unterhosen, Handfesseln und einem Vibrator von unaufdringlicher Größe. Besonders Letzterer zeigt: Hier denkt man mit – Thermalwasser macht ja bekanntlich auch Starke müde. Damit aber nicht genug, die erregenden Handlungen im Whirlpool können dank eingebauter Videokamera gleich auf DVD gebrannt werden – zur Erinnerung!“

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