Ist teuer auch gut?

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 4. März 2013

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One & Only Reethi Rah und Four Seasons Kuda Huraa zählen zu den teuersten Resorts auf den Malediven. Hier gibt man pro Person locker 1.000 Euro pro Tag aus. Doch was bekommt man dafür? Wir zeigen beide Häuser in einem kritischen Vergleichstest.

Das Four Seasons Resort auf Kuda Huraa liegt etwa eineinhalb Bootsstunden nördlich von der Hauptinsel Male entfernt und ist eine vergleichsweise kleine, überschaubare Anlage mit 180 Betten, ein Teil der Villas ist auf Stelzen über dem Wasser gebaut. Wir entscheiden uns für einen 63 m2 großen Strandbungalow mit Pool, Terrasse und kleinem Garten. Der Zimmerpreis mit Frühstück: rund 1.450 Euro pro Nacht.

Das mit seinen 280 Betten viel größere One & Only Reethi Rah liegt ebenfalls im Nord-Male-Atoll, und zwar auf einer deutlich größeren Insel als das Four Seasons. Die Bungalows stehen hier wesentlich weiter auseinander, was außerordentlich viel Privacy bedeutet, gleichzeitig aber auch, dass man, um etwa in das Spa oder ins Restaurant zu gelangen, größere Wegstrecken zurücklegen muss. Dies geschieht entweder mit dem Fahrrad oder man lässt sich in einem Elektro-Wägelchen abholen. Auch im Reethi Rah steht ein Teil der Bungalows direkt über dem Wasser, um die Sache vergleichbar zu machen, wählen wir dennoch die günstigste Kategorie, nämlich eine der 54 Beach Villas ohne Pool, deren Größe von 79 m2 ein sehr entspanntes Wohngefühl aufkommen lässt. Der Zimmerpreis mit Frühstück: etwas teurer als im Four Seasons, nämlich rund 1.500 Euro pro Nacht.

Im Folgenden nun die kommentierte Wertung, für jede der sieben Kategorien sind 10 Punkte das Maximum.

Die Lage

Kuda Huraa ist ein schmaler Inselstreifen, die Bungalows liegen mit ein paar Metern Abstand auf beiden Seiten und praktisch alle direkt am weißen Strand, man kann zwischen Morgensonne und Abendsonne wählen. Als Sichtschutz dient eine mannshohe Hecke, die durch einen kleinen Durchgang Ausblick auf den Indischen Ozean bietet. Lärmbeeinträchtigung gibt es absolut keine. Daher nahezu die volle Punkteanzahl: 9.

Auch im Reethi Rah befinden sich alle Bungalows direkt am Strand, insgesamt gibt es wesentlich größere Strandabschnitte, das heißt, man muss seinen Strandbereich kaum mit jemandem anderen teilen. Lärm gab es nur von den Wasserflugzeugen, die vornehmlich russischen Gästen als Flughafen-Shuttle dienen, dies erleben wir bei etwa 20 Landungen und Starts an einem Tag als außerordentlich nervig. Laut Angabe des Hotels soll es sich dabei aber um eine saisonale Ausnahmesituation handeln, trotzdem muss es dafür einen Abzug geben: 8 Punkte.

Die Zimmer

Unser Bungalow im Four Seasons präsentiert sich blitzsauber, mit viel dunklem Holz sehr geschmackvoll und wunderbar wohnlich gestaltet und verfügt über ein geräumiges Badezimmer mit zusätzlicher Duschmöglichkeit im Freien (herrlich!), die mit wenigen Schritten erreichbar ist. Die Ausstattung: großer Schreibtisch, riesiger TV-Schirm, iPod-Docking-Station und W-Lan (mit schwacher Leistung). Kleiner Pool, der regelmäßig gereinigt wird. Feines großes Day Bed mit Überdachung im Freien, nachmittägliche Ameisenparaden auf der Terrasse, einige Gelsen während der Nacht – man lernt, darauf zu achten, das Moskitonetz über dem Bett gut zu schließen. Das Housekeeping ist engagiert und stets sehr freundlich. 9 Punkte!

Die Beach Villa im Reethi Rah ist größer, erscheint zunächst großartig, beim genaueren Hinsehen zeigen sich aber planerische Lieblosigkeiten (u. a. Bett neben der Eingangstüre), Sauberkeitsmängel (dicker Staub, Fingertapper) und Instandhaltungsdefizite (abgescheuerte Möbel), das Finish der Toilettenverfliesung entspricht in etwa dem Standard, wie er auf Tankstellen in Moldawien noch zu sehen ist. Großer Flatscreen-TV, iPod-Docking-Station, das W-Lan funktioniert nicht rasend schnell, aber immerhin besser als im Four Seasons. Die beigestellten Fahrräder sind in trostlosem Zustand, verrostet und teilweise defekt. Die Zimmerreinigung lässt zu wünschen übrig, mit dem Housekeeping gibt es unüberwindbare Sprachbarrieren, einmal kommen die Bettdecken erst nach mehrmaligem Anrufen (unser „24-Stunden“-Privatbutler ist nicht zu erreichen) – um 23 Uhr! Allein der große Strandbereich reißt die Bewertung heraus: 7 Punkte.

Das Frühstück

Im Four Seasons sitzt man nett mit Ausblick aufs Meer, die Auswahl am Buffet ist reichhaltig, kann aber mit österreichischen Spitzenhäusern (Der Steirerhof, Hochschober, Ronacher …) nicht mithalten. Alles ist appetitlich präsentiert und wird fortwährend nachgelegt. Auf Wunsch erhält man auch das, was die Einheimischen essen – in ausgezeichneter Qualität. Die Mitarbeiter reagieren schnell, es dauert nur wenige Minuten, bis Kaffee, Tee und Brot am Tisch stehen. 8 Punkte.

Im One & Only sitzt man ebenfalls mit Ausblick auf den Ozean, allerdings ist man hier stellenweise starkem Wind ausgesetzt, weshalb transparente Plastikvorhänge heruntergelassen werden, diese sind jedoch blind und komplett verdreckt, das ergibt null Ausblick und ungute Vibes – unfasslich! Das Buffet befindet sich in einem engen Raum mit Glaswänden, die man besser bereits vor Wochen hätte putzen sollen. Die Auswahl ist etwa so wie im Four Seasons, allerdings gibt es mehr Säfte und auch mehr Obstsorten. Die Marmeladen sind billige Massenware, der Toast wird gebracht – jeden Tag völlig verbrannt, den Tischnachbarn ergeht es nicht anders. An zwei Tagen wird Kaffee angeboten, aber erst, als wir mit dem Frühstück schon fertig sind. 4 Punkte!

Fotos: Archiv
Zur Massage geht es im Four Seasons mit dem Fährmann übers Meer
Fotos: Archiv


Fotos: Archiv
One & Only: schmutzige Glasflächen im Buffet-Raum

Die Küche

Fast alle Zutaten müssen importiert werden, vieles kommt tiefgefroren aus Thailand oder aus Vietnam (sogar Seafood) – das merkt man auch im Four Seasons. Kulinarische Spitzenklöppelkünste wie etwa im Salzburgerhof (Zell am See) darf man sich trotz des hohen Preises jedenfalls nicht erwarten. Zur Auswahl stehen das Hauptrestaurant, ein Grillrestaurant, ein Inder sowie ein Italiener, überall sitzt man sehr schön mit Ausblick, die Bedienung ist stets flink und aufmerksam. Am besten schmeckt es beim Inder – nicht nur das Lamm begeistert. Die große Flasche San Pellegrino schlägt mit umgerechnet etwa 14 Euro zu Buche, eine Dose Bier mit 11 Euro. Der Vorspeisenteller beim Italiener ist um 50 Euro zu haben, das Kalbsschnitzel kostet 62 Euro. Küchenwertung im Schnitt: befriedigend. 5 Punkte.

Im Reethi Rah stehen Hauptrestaurant, Bistro, ein Japaner sowie ein wunderschön exotisch gestaltetes Open-Air-Restaurant mit vornehmlich mediterraner Küche zur Auswahl. In diesem buchen wir an einem Abend ein Malediven-Buffet und finden ein herrlich arrangiertes Setting bei Sonnenuntergang. Nur: Das Essen ist nicht zu genießen, die zahlreichen Beilagen allesamt geschmacklos, der Fisch verkohlt, das Fleisch halb roh und jedenfalls so, dass uns schlecht wird – zum Preis von 208 Euro pro Person! Den Japaner suchen wir deshalb gar nicht mehr auf. Generell ist das Service durchwachsen, im Bistro dauert es trotz schwacher Auslastung einmal 40 Minuten, bis sich der erste Kellner um uns zu kümmern beginnt. Küchenwertung im Schnitt: weniger als genügend. 2 Punkte.

Fotos: Archiv
Grandioses Inselfeeling im Reethi Rah: Viel Platz, viel Strand, das punktet


Fotos: Archiv
Billige Marmeladen, jeden Morgen völlig verbrannter Toast


Das Spa

Das kleine Spa des Four Seasons Resorts befindet sich auf einer winzigen vorgelagerten Insel, auf die man mit einem Fährmann übersetzt, was ein gewisses Quäntchen an sympathischer Romantik in sich birgt. Das Ambiente ist angenehm, die Behandlungsräume bieten Ausblick auf den Ozean, die Treatments sind gut. Ein ordentliches Fitnessstudio ist auch zu haben, Sauna und Dampfbad sucht man vergeblich. Wunderbar: die Yoga-Sessions am Holzdeck über dem Meer – bei Sonnenaufgang. 7 Punkte.

Deutlich größer als im Four Seasons ist der Wellnessbereich des One & Only Resorts, laut Conde Nast Traveller zählt er zu den 20 besten Spas der Welt – wer einmal Österreichs Top-Ligisten, etwa das Reiters Supreme, besucht hat, wird über diese Auszeichnung schmunzeln. Wohl ist das Ambiente außerordentlich exklusiv und geradezu prunkvoll arrangiert, allein die von uns gebuchte balinesische Massage hat es in sich. Sie wird zwar von einer Dame aus Bali durchgeführt, hat aber mit einem klassischen Bali-Treatment nichts gemein. Überwiegend gibt es lange Streichungen mit der Handfläche, dies mit billigem Öl, für diese 60-Minuten-„Behandlung“ zahlen wir rund 190 Euro. Die Behandlungsräume sind unangenehm klimatisiert, das ist vorteilhaft für die Masseurin, erzeugt aber Gänsehaut beim Gast. Fazit: schöner Schein, aber nicht mehr als 5 Punkte.

Fotos: Archiv
Weniger fein zum Entspannen: Lärm durch Wasserflugzeuge


Fotos: Archiv
Yoga-Session bei Sonnenaufgang: am Holzdeck über dem Meer

Die Freundlichkeit

Die Mitarbeiter im Four Seasons zeigen sich praktisch ausnahmslos freundlich und gut gelaunt, so können sich auch immer wieder nette Gespräche entwickeln. Nach insgesamt 10 Tagen fällt der Abschied schwer, einige Crew-Mitglieder stehen an der Hafenmole und winken uns nach. 10 Punkte.

Unser Private Butler im Reethi Rah ist aufmerksam und nett, ein Verhalten, das wir uns auch von so manchem Mitarbeiter in den Restaurants wünschen würden, allerdings nicht wirklich zu bekommen ist. Immer wieder treffen wir auch auf Personal, das die Nase ein bisserl zu hoch trägt. Und auch dass das Reethi Rah das beste Resort auf den Malediven sei, bekommen wir von Mitarbeitern auffallend oft zu hören. 4 Punkte.

Fotos: Archiv
Freundlich und gut gelaunt: die Crew auf Kuda Huraa


Fotos: Archiv
Kein Luxus: Fahrräder im Reethi Rah - defekt und völlig verrostet

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Look & Feel

Sowohl das Four Seasons als auch das One & Only präsentieren gekonnt optisch atmosphärische Exotik, die im Four Seasons etwas mehr down to earth ausfällt als im Reethi Rah, das vordergründig auf eindrucksvolle optische Reize abzielt und insgesamt tatsächlich ein noch exklusiveres Setting bietet. Beeindruckend ebendort sind beispielsweise die vielen Kilometer Sandstraßen, die Strände und sogar das Hafenbecken: Trotz üppiger tropischer Pflanzenwelt ringsum wird man kein einziges abgefallenes Blatt hier finden – die Außenanlagen zeigen sich wie aus dem Ei gepellt –, die Frage ist nur, ob das so wichtig ist. Als angenehm erleben wir die Gäste im Four Seasons Kuda Huraa, sie kommen aus aller Herren Länder, sehr viele auch aus Europa. Genau das Gegenteil empfinden wir während unseres Aufenthaltes von den Gästen im Reethi Rah: sehr viele Russen von jenen Typ, bei dem man gar nicht wissen will, wo der sein Geld (und seine Begleiterin) her hat. Die Wertung in dieser Sparte: Four Seasons Kuda Huraa 10 Punkte, One & Only Reethi Rah 7 Punkte. Fazit: Testsieger ist das Four Seasons Kuda Huraa!

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