Ist Gold richtig?

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 4. März 2013

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Um sein Geld zu retten, sollte man Gold und Silber horten, raten Experten. Ist das verrückt?

Die Hyperinflation in der Weimarer Republik hat deutlich gemacht, wie schnell es auch mit der härtesten Währung vorbei sein kann. Um den Einsatz im Ersten Weltkrieg zu finanzieren, überschuldete sich Deutschland derart, dass es nur ein Sieg hätte retten können. Doch mit der Niederlage war alles aus. Um die Schulden zurückzuzahlen, warf die Regierung die Notenpressen an und druckte wie wild geworden Geldscheine.

Die Folge? Am 3. November 1923 war die ehemalige Hartwährung derart wertlos, dass man 420.000.000.000 Mark für einen einzigen Dollar hinlegen musste. Mit der darauf folgenden Währungsreform war zwar der Staat seine Schulden los, doch die Bürger hatten alles ersparte Geld verloren.

Die Parallelen zu heute sind erstaunlich. Um ihre exorbitanten Schuldenberge abzubauen, setzen die Staaten wieder auf genau das, was noch niemals funktioniert hat: Sie drucken Geld. Mit dem vielen Papier gibt es aber wesentlich mehr Geld, als Waren oder Dienstleistungen vorhanden sind – ein Großteil ist damit wertlos. „Das ist so, als würden in einer Kantine, die 400 Mahlzeiten zubereitet, 4.000 Essensmarken ausgegeben“, erklärt der deutsche Krisenvorsorge-Experte Gerhard Spannbauer.

Verglichen mit der Weimarer Republik ist die gegenwärtige Situation sogar wesentlich gefährlicher: Denn dieses Mal ist nicht ein einzelnes Land betroffen, es droht ein globaler Crash. Denn bislang ist von einem Aufschwung nichts zu sehen – im Gegenteil. „Auch wenn uns Politiker und deren ‚unabhängige Experten‘ allerorten versichern, dass es spätestens 2013 wieder aufwärts gehen wird, glaube ich überhaupt nicht daran. Sie haben schließlich schon im Vorjahr von einer Aufwärtsentwicklung gesprochen. Nach oben gegangen sind aber nur Inflation und Verschuldung“, kritisiert der langjährige ORF-Wirtschaftsexperte und Autor Walter Sonnleitner.

Sonnleitner zufolge wird sich die Lage sogar weiter verschlimmern: „Es scheint mir eher so, als würde EU-Europa wirtschaftlich direkt gegen die Wand fahren. Da wird einerseits bei den Staatsausgaben rücksichtslos gespart – eine höchst wirksame Wachstumsbremse – und andererseits werden den Staaten, die gerade noch leistungsfähig und kreditwürdig genug sind, um für die südeuropäischen Schuldenmeister zu bürgen, enorme Haftungen aufgebürdet.“

Für Sonnleitner ist ein Zusammenbruch des Euro denkbar: „Das ist nicht so abwegig. Die wenigen noch verbliebenen Euroländer mit einigermaßen gesunden Märkten haben die Wahl: Weiterhin für die ständig anwachsenden Schulden im Süden zu haften – und damit selber in die Krise zu schlittern. Oder sich einfach – wenn auch mit einigen schmerzhaften Folgen – aus dem Schuldenjoch der anderen zu befreien. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“

Wie ein „Ende mit Schrecken“ aussehen könnte, ist umstritten. Schon deshalb, weil es eine derart große, globale Wirtschaftskrise noch niemals gegeben hat. Walter Sonnleitner sieht einen Crash aber nicht nur negativ: „Natürlich würde sich das für die starken Länder und deren Exportwirtschaft zunächst leidvoll bemerkbar machen. Im Fall von Österreich würde eine neue, eigene Währung dann gute 30 bis 40 Prozent mehr wert sein als der Euro. Aber das muss nicht auf Dauer nur negativ sein, da sich im gleichen Ausmaß auch die Importe verbilligen.“

Gerhard Spannbauer sieht die Situation noch bedrohlicher. Das EU-Finanzsystem stehe trotz der vorläufigen Rettung von Griechenland weiter auf der Kippe. Länder wie Portugal, Belgien, Spanien oder Italien rutschen wirtschaftlich immer weiter ab. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich eines der großen Länder nicht mehr selbst finanzieren kann. Für eine Rettung in dieser Größenordnung steht aber kein Geld zur Verfügung. Und dann droht der Kollaps“, warnt der Experte.

Kollaps möglich, Folgen ungewiss

Über die Kollapsfolgen kann auch Spannbauer nur spekulieren. Für den extremsten Fall zeichnet er ein Horrorszenario: Die Wirtschaft, wie wir sie heute kennen, bricht völlig zusammen. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, die Menschen akzeptieren Geldscheine nicht mehr, und Geld-gegen-Ware-Geschäfte kommen zum Erliegen. Die Regale in den Supermärkten sind leer, und die Versorgung sowie die öffentliche Ordnung geraten für eine Zeit ins Wanken. Zusätzlich sind etwaige Sparguthaben durch Hyperinflation wertlos geworden, und Millionen von Menschen stehen über Nacht ohne Altersvorsorge da.

Angesicht der unsicheren Aussicht tauchen unweigerlich neue Fragen auf: „Wie kann ich vorsorgen?“ und „Wie rette ich mein Geld?“ Fachleuten zufolge ist das Vermögen gerade dort am unsichersten, wo man es am sichersten wähnt: auf dem Sparbuch der Bank. Nicht nur, dass eine Inflation bzw. Hyperinflation die gesparte Summe schnell schrumpfen lässt. Es ist nicht einmal gesichert, dass man sein Geld überhaupt bekommt. Die Institute haben es nämlich zumeist gar nicht.

Denn Banken der Eurozone müssen lediglich zwei Prozent an Eigenkapital hinterlegen. Käme es im Krisenfall nun zu einem Ansturm von besorgten Sparern auf die Banken, wäre das vorhandene Geld schnell weg. In der Regel rufen die Institute dann einen „Bank Holiday“ aus – und schließen einfach ihre Schalter für einige Tage. Auch dem Kauf von Aktien stehen die Vorsorger angesichts der großen Unsicherheit skeptisch gegenüber.

Die meisten Experten raten dagegen, einen Teil des Vermögens in Gold und Silber zu investieren, auch wenn es derzeit sehr teuer ist. Im Gegensatz zu Papiergeld haben Edelmetalle nämlich einen entscheidenden Vorteil: Selbst nach einem Euro-Crash würden sie als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Walter Sonnleitner: „Erfahrungsgemäß dauert es etwa sechs Wochen, bis ein neues Ersatzgeld in Umlauf ist. Tatsächlich wird man für diese Zeitspanne Tauschmittel brauchen, die überall genommen werden. Und da sind kleine Goldmünzen durchaus ganz gut für kleine und mittlere Geschäfte geeignet. Wenn Sie natürlich mit einem Ein-Kilo-Barren um 44.000 Euro zum Bäcker kommen, wird es Probleme mit dem Wechselgeld geben!“

Kein Vertrauen in Banken und Regierung

Mehr als den Sechs-Wochen-Familien-Geldbedarf sollte man aber nicht in kleine Goldmünzen investieren, da kleine Einheiten wegen der Prägekosten viel teurer sind. „Daneben wäre es jedoch für mittelgroße Ausgaben ganz nützlich, wenn Sie auch größere Goldbarren halten könnten. Denn bis zu einer endgültigen Regelung mit einer ganz neuen offiziellen Währung dauert es erfahrungsgemäß sechs Monate“, weiß Ex-ORF-Mann Sonnleitner.

Auch für Gerhard Spannbauer sind Edelmetalle bei der Vorsorge die klare Nummer eins. „Allerdings empfiehlt es sich, nicht alles auf eine Karte zu setzen und nur Gold und Silber zu kaufen. Man kann empfehlen, circa 30 bis 50 Prozent in Edelmetalle anzulegen. Mein Ratschlag lautet: ein Drittel Gold und zwei Drittel Silber“, so der Experte. Im Gegensatz zu vielen anderen Spezialisten rät Spannbauer sogar davon ab, in Immobilien zu investieren: „Sie sind aus einigen konkreten Gründen nicht zu empfehlen. Die Gefahr eines staatlichen Zugriffs mittels einer Zwangshypothek wie nach dem Zweiten Weltkrieg droht mehr denn je. Der Staat verdient selbst kein Geld und muss sich wieder refinanzieren. Immobilien sind eben nicht mobil, die Eigentümer können sie vor dem Zugriff des Staates niemals schützen. Die Datenerhebung durch die Zensus-Befragung gibt den Behörden die Basis für solch eine Maßnahme. Es könnte passieren, dass der Staat auf jede Immobilie und jedes Grundstück eine Hypothek einträgt, die der Eigentümer danach abtragen muss.“

Die Gefahr eines staatlichen Zugriffes ist auch bei Edelmetallen nicht undenkbar. In den USA wurde 1933 der private Goldbesitz etwa generell verboten – bei Androhung von zehn Jahren Zuchthaus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg forderten die Alliierten die Ablieferung des privaten Goldbesitzes.

„Genau deshalb würde ich niemandem ernsthaft raten, sein Gold bei der Bank einzulagern. Dort ist es dem Zugriff des Staates schutzlos ausgesetzt. Unter uns: Ich würde es in der Nacht im Garten vergraben, aber nur dann, wenn kein Nachbar zuschaut. Spaß beiseite: Wenn der Staat für Haftungen einstehen muss, die er uns für die Schulden anderen Länder aufgehalst hat, dann wird er alles zusammenkratzen müssen, was uns gehört. Es sind ja schließlich auch dann unsere Schulden“, warnt Walter Sonnleitner.

Auch Gerhard Spannbauer traut den Banken nicht:„Ich rate dazu, Edelmetalle bis zu einem Betrag von maximal 30.000 Euro im eigenen Heim aufzubewahren. Befindet sich mehr in Ihrem Besitz, empfiehlt es sich, die darüberliegende Menge an anderen Plätze aufzuteilen oder sie in einem Schließfach in der Schweiz oder Liechtenstein zu deponieren.“

Bleibt nur mehr die Frage, wo und wie man seine Edelmetalle am besten verstecken kann. „Von einem Safe ist eher abzuraten, außer Sie haben die Voraussetzungen, um einen Tresor der höchsten Sicherheitsklasse einzubauen. Alle anderen laden Ganoven eher ein und stellen für diese kein wirkliches Hindernis dar“, meint Spannbauer. Besser sei es, die Edelmetalle an verschiedenen Stellen in der Wohnung oder im Haus zu deponieren. „Kein Dieb wird alle Verstecke finden, so viel Zeit haben sie nicht“, ist sich der Experte sicher.

Schweigen ist Gold

Um sich vor einem etwaigen Einsatz von Metalldetektoren zu schützen, sollte man zudem darauf achten, dass andere Metallquellen wie etwa Stromleitungen, Rohre, Heizungen oder Lampen in der unmittelbaren Nähe sind. „Goldmünzen oder Barren sind klein und daher überall zu verstecken. Silber ist größer und man benötigt etwas mehr Platz, aber auch dafür bietet jede Wohnung und vor allem jedes Haus genügend unscheinbare Plätze.“

Das letzte und wichtigste Gebot der sicheren Edelmetallverwahrung ist schließlich bedingungsloses Schweigen. „Verraten Sie niemandem, dass Sie Gold und Silber besitzen und es zuhause aufbewahren. Weder den Familienmitgliedern noch Freunden, der Putzfrau, dem Kindermädchen usw. Man weiß nie, wie sich Beziehungen entwickeln und wer es künftig anderen Personen weitersagt. Behalten Sie es hundertprozentig für sich, denn schon der Volksmund sagt: ‚Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß‘.“

Natürlich sollte man sich die Verstecke irgendwo notieren, da man sie im Laufe der Jahre einfach vergessen könnte. Bei Ableben würde niemand wissen, wo der Schatz vergraben ist. Spannbauer: „Hinterlegen Sie diese Notizen in einem Schließfach oder in einem verschlossenen Briefumschlag bei einer Person Ihres Vertrauens.“ Falls es die dann noch gibt.

Prof. Dr. Dkfm. Walter Hermann Sonnleitner, Jahrgang 1947, studierte Welthandel und war mehr als drei Jahrzehnte im aktuellen Dienst des ORF tätig. Das Gründungsmitglied des Magazins Schilling ist TV-Sehern als „Dr. Wirtschaft“ noch bestens bekannt. Nach seiner Pensionierung verfasste Sonnleitner mehrere Fachbücher. Darin vertritt er nun Positionen, die er, laut eigener Angabe, im ORF niemals hätte einnehmen dürfen.

Zum Weiterlesen: Walter Sonnleitner: „Retten Sie Ihr Geld – Und gewinnen Sie in der Krise“; Galila Verlag, 21,90 Euro. Gerhard Spannbauer: „Finanzcrash – Die umfassende Krisenvorsorge“; Kopp Verlag, 19,95 Euro.

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