Far from this world

Lebenvon Christian Werner 1. April 2005

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Eines der schönsten Ayurveda-Resorts der Erde liegt direkt an der Quelle: In Indien, am Fuße des Himalaya.



Ayurveda im Westen ist eine heikle Sache. Einmal zur Mode geworden, sprießen auch Trittbrettfahrer und Etikettenschwindel. Ein Schnellsiedekurs und ein Kochbuch sind bei weitem zu wenig, um dieses hochkomplexe, in Jahrhunderten gewachsene Medizinsystem auch nur einigermaßen erfassen zu können, und selbst wenn die „Technik“ etwa der zahlreichen Ölmassagen gründlich erlernt worden ist – der Geist dahinter bleibt nur allzuoft der gehabte, materielle, der die Seelen-Seite von Ayurveda nicht berührt.



Umso beruhigender, daß es das Original noch gibt – unverfälscht und von höchstem Wissen getragen. Wer das erleben möchte, der sollte zu den Wurzeln; der sollte Indien selbst bereisen, genauer in den Nordosten nach Uttaranchal, dem jüngsten indischen Bundesstaat. Dort, am Fuße des Himalaya, hoch über dem Ganges und der uralten Pilgerstadt Rishikesh, in der schon Mia Farrows und weiland die Beatles spirituelle Schlüsselerfahrungen machten, liegt das „Ananda in the Himalayas“, eines der schönsten Ayurveda-Spa-Resorts der Erde.

Ananda bedeutet Glückseligkeit, das tiefe Einssein mit der innersten Wahrheit unseres Wesens, und nicht weniger als das kann hier zur Erfahrung werden. Die Anreise in den Nordenosten Indiens gestaltet sich übrigens denkbar streßfrei: Mit dem Flugzeug nach Neu Dehli, danach mit dem für indische Verhältnisse geradezu luxuriösen Shadhabdi-Expreß nach Havidwar – am Bahnhof empfangen Elend, Schmutz und Bettelei. Aber auch der Wagen vom Ananda. Nun geht es eine gute Stunde lang aufwärts – durch die Wälder, die Paßstraße hoch, bis auf rund 1.100 m Seehöhe, um dann, weit abseits jeder anderen Behausung, den Palast des Maharadjas von Tehri-Garhwal zu erreichen. In seinem weiten, rundum von schier unendlichen Urwäldern umsäumten Park erstreckt sich das Resort: 70 Luxuszimmer und fünf noch exquisitere Suiten – eine Welt außerhalb der Welt, unberührt von allem, was nicht sublim ist.

Die Lage ist atemberaubend: Auf der einen Seite der Blick hinauf zu den manchmal nebelverschleierten Himalayas, auf der anderen Seite hinunter zum sanft sich dahinschlängelnden heiligen Fluß Ganges. Die Anlage: Jedes Gebäude in Harmonie zum Ort und zum Ganzen gesetzt. Der Palast als Rückgrat; ein Spa wie aus 1001 Nacht; ein sagenhafter Workout-Bereich; unzählige liebevoll gestaltete Details – etwa der Yoga- und Musiktempel mit Blick ins Tal, hin zur aufgehenden Sonne.



Im Ananda wird Ayurveda nicht „gemacht“, hier „ist“ es. Von der ersten Begrüßung an ist das zu spüren: Der ungeheure Respekt, die Achtung vor dem Menschen als einer Erscheinungsform Gottes, die nur noch nicht weiß, daß sie Er ist. Dr. Vikas Gupta, der Arzt, der die Anamnese aufnimmt und die Diagnose nach der individuellen Gewichtung der drei Doshas, Vata, Pitta und Kapha stellt, hat jenen Blick, der erahnen läßt, daß er viel tiefer in uns hineinblickt als wir selbst. Und auch, wenn der Verstand es nicht versteht – etwas in uns atmet auf, weil es sich gesehen fühlt. Diese Art von Intuition ist kein Widerspruch zum Wissen: Vikas Gupta kennt weit über 5.000 Kräutersorten. Ein Großteil davon wächst hier, in den Bergen rund um das Resort.

Das komplette Repertoire der ayurvedischen Behandlungsformen, die im Ananda geboten werden, aufzuzählen wäre müßig: Es gibt sie alle, jede an ihrem richtigen Platz, das muß reichen. Die eigentliche Sensation ist das Bewußtsein, mit dem sie gegeben werden. Da erzählt ein Masseur, daß er früher Bettler war und daß ihm das Mitgefühl eines Zeitgenossen die Schulung hier ermöglicht hat. „Was macht diese Schulung aus?“, wollen wir wissen. „Im Ananda massiert man nicht mit den Händen, sondern mit dem Herzen.“



Diese Herzensbildung übt jeder Mitarbeiter, vom Butler über die Köchin bis hin zur Therapeutin. Die Achtsamkeit, mit welcher der Gast nach der Massage zum Ruheraum geleitet wird oder mit der ihm Tee geboten wird, ist nicht bloß höfliche Form. Sie kommt von innen. In gleicher Weise wird gekocht – oder auf Wunsch das Kochen auch gelehrt. So, als wäre jeder Bissen für den Gott Krishna selbst. Und die Art, wie jeder Gast von einem eingeweihten Yogalehrer einzeln unterwiesen wird – das Heilige eben, nicht oben in irgendeinem Himmel, sondern hier, in uns, in Körper, Seele und Geist. Ohne dieses Heilige, so hören wir, ohne dieses Bewußtsein von etwas Größerem, in das wir eingebunden sind und das uns den Gesetzesrahmen vorgibt, ist Ayurveda nicht vollständig, ja weniger noch: Es fehlt ihm die wahre Quelle seiner Kraft und Wirksamkeit.

Sätze wie dieser kommen wie ganz nebenbei. Die lebendige Stille in dem weitläufigen Park erklärt von selbst, was gemeint ist, zudem laden zahlreiche Möglichkeiten zur Vertiefung dieser Erfahrung ein: Abends etwa auf der Terrasse zu sitzen und die Stimmen des Urwaldes zu erfahren. Im Pavillion der heilenden indischen Musik zu lauschen. Oder am Ufer des Ganges zu sitzen und Aarti, den hinduistischen Lichtergottesdienst zu Sonnenuntergang, mitzuerleben. In wunderbar belebender Luft und mit herrlich freiem Blick in das Tal.



Vom Ananda kann man übrigens zu zahlreichen Exkursionen und Tagesausflügen aufbrechen – vom Rafting über Shoppen in Dehra Dun bis zur Safari im Rajaji National Park ist das nicht nur Abenteuer, sondern irgendwie auch eine Art Test: Haben wir die innere Stille schon so sehr inne, daß sie auch hier im Trubel „hält“?



Weitere Informationen erhalten Sie direkt unter der Telefonnummer
+49-(0)6102-501 453
(Unique Experiences Touristik GmbH, Deutschland)
sowie im Internet unter www.anandaspa.com

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