Süßes aus dem Dreiländereck

Kochenvon Anna Neustein 3. Dezember 2012

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Ländergrenzen sind kulinarisch immer hochinteressant. Wenn eine Landesküche Merkmale einer anderen annimmt, entstehen mitunter kuriose, immer aber spannende Gerichte. In Südtirol etwa ist das so, wo die jahrhundertealte Bergküche, die überhaupt nicht italienisch, sondern mit Knödeln und Speck durchaus alpin-rustikal anmutet, sich im 20. Jahrhundert mit der mediterranen Küche zusammentat. Einerseits dank der Arbeiter, die Mussolini aus Neapel und dem restlichen Süden Italiens nach Norden schickte – sie brachten etwa Tomatengerichte mit –, andererseits dank der Touristen aus Nord- und Westeuropa, die typisch italienische Küche forderten, sobald sie im Urlaub die Landesgrenzen nach Italien überschritten hatten und in Südtirol angekommen waren.

Eine ähnlich spannende Regions-Küche, die sich heute sogar über drei Länder erstreckt, ist jene aus Kärnten, dem Friaul und Slowenien. Hier stoßen sogar drei Kulturen aufeinander: die germanische, die slawische und die romanische. Journalist Werner Ringhofer und Koch Willi Tschemernjak haben für ihr Kochbuch „Süße Küche“ diese Region nun näher untersucht. Herausgekommen ist ein sehr empfehlenswertes Kochbuch, das wirklich eine Bereicherung für jene Kochbuchregale ist, die bisher nur mit flott dahergeschriebenen Büchern von deutschen TV-Rockstarköchen bestückt sind, in denen die x-te halbwitzige Abwandlung von Chili con Carne zu finden ist.

In einem Glossar lernt man Begriffe wie Grantn (Preiselbeeren), Hetschepetsch (Hagebutten), Woaz (Weizen) oder Blattlan (Laibchen) – allein diese Wörter machen schon Lust aufs Weiterblättern. Es folgen süße Rezepte, die mitunter gar nicht so süß sind (den berühmten Kärntner Reindling isst man zu Ostern mit Beinschinken!), geordnet nach Ländern. Aus Kärnten stammen etwa die gefüllten Dörrzwetschken- bzw. Kletzennudeln mit Zitronenmelissenbutter und Mohn, Walnusskipferl oder „Hadnstraubn“ mit Schwarzbeersauce, ein frittiertes Gebäck aus Buchweizenmehl (Hadnmehl). Aus dem Friaul haben die Autoren Rezepte wie Gebackene Ricottatorte, Befana-Pinze oder Polenta-Mohn-Nocken zusammengetragen. Im Slowenien-Kapitel finden sich etwa ein Grammel-Nuss-Strudel, Grießstrukl in Butterbröseln oder eine Mandelpotize.

Fazit: Ein wichtiges und empfehlenswertes Kochbuch, das zwar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen wird, aber sich in übersichtlicher Form des kulinarischen Erbes einer Dreiländerregion annimmt und zahlreiche unbekannte Rezepte liefert.

Rezepte im PDF Format:
Befana-Pinze
Germnocken
Panforte Weinachtskuchen
Walnussschmarren

Willi Tschemernjak und Werner Ringhofer:
Süße Küche. Die 100 besten Rezepte aus Kärnten, Friaul & Slowenien

Pichler Verlag, 189 Seiten
24,99 Euro



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