Bergbauernküche

Kochenvon Anna Neustein 1. Juni 2012

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Bei diesem Kochbuch merkt man, wie sehr Inhalt und Form ineinander fließen können: deftig die Rezepte, bisweilen bis zum Überdruss körnig die Bilder, rau das Papier. Hochglanz wäre hier völlig fehl am Platz gewesen. Mali Höllers Kochbuch zur Südtiroler Bergbauernküche ist in seiner Robustheit ein stimmiges Ganzes.

Nachvollziehbar schreibt die Fotografin im Vorwort: „Südtirol hat mich etwas verwirrt. Ich wusste nie so genau, wo ich war: Italien, Österreich, Deutschland? Deutsch sprechende Menschen in blauen Schürzen, die ihren Kaffee nicht mit Kaffeefiltermaschinen, sondern mit Espressomaschinen zubereiten und dieses nicht tun, weil es wie in Deutschland modern ist, sondern weil wir hier in Italien sind.“ Diese mediterran-alpine Ambivalenz, die Südtirol so eigen ist, ist allerdings in den Rezepten nicht so deutlich spürbar. Südliches Flair findet man wenig, dafür umso mehr heimisches Back-to-the-roots-Gefühl. Rezepte wie eine schlichte Brotsuppe, die mit Ei und Butter angereichert ist, oder die Brennsuppe, die nur aus Wasser, Butter, Mehl und Gewürzen besteht, sind in heutigen Kochbüchern selten.

Auch die Bilder geben Gerichten Raum, die man üblicherweise nur in fertig gekochtem Zustand kennt, etwa wenn bei der Zubereitung der Milzschnitten auch die rohe, blutige Milz in den Mittelpunkt rückt. „So sieht das also aus“, ist man versucht zu denken. Und herrlich die Konsequenz, vier Liter Blut als Zutat zu nennen: Wie bitte soll man denn sonst Blunzen machen?

Rezepte für Schlutzkrapfen oder Spinatknödel sind in einem Buch zur Südtiroler Küche ganz selbstverständlich, direkt berührend hier der Hinweis, mit dem man für die „Schlutzer“ Werbung macht: „Sogar Babys können Schlutzer mit Olivenöl klein zerdrückt essen.“ Damit ja keiner auf sie verzichten muss. Im Kapitel Nachspeisen wird vor vorauseilendem Höflichkeitsgehorsam gewarnt: „Strauben, Kniekiachl, Apfelkiachl, Brotkiachl, Hollerkiachl und Salbeikiachl isst man mit den Händen! Also kein Besteck reichen!“

Fazit: Ein grundsympathisches Buch, das perfekt zum Regionalitätszeitgeist passt.

Rezepte im PDF Format:
Rezepte

Mali Höller:
Echt Südtirol! 85 Rezepte aus der Bergbauernküche

Christian Verlag, 223 Seiten
24,95 Euro



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