Raus aus dem Burnout

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 8. März 2012

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Weil die Versorgung Betroffener über die Krankenkasse denkbar schlecht ist, gibt es neuerdings private Kuren gegen das Burnout-Syndrom. Ein Kurhotel in der Nähe von Wien hat hier die Nase vorn. Und zeigt, wie man dem Teufelskreis der Krankheit entrinnt.

Mann schwebt in der Luft
Foto: © Liam Norris / cultura / Corbis

„Die Depression bedroht die westlichen Demokratien“, schrieb der US-Ökonom Paul Krugmann vor kurzem. Während damit natürlich die Folgen von krisenhaften Entwicklungen auf der Ebene der Volkswirtschaft gemeint waren, ist uns die Depression vor allem als psychisches Phänomen bekannt. Aber auch dieses ist bedrohlich, ist es doch im Vormarsch. Fast scheint es sogar, als wäre die gesamte Industriezivilisation auf dem Weg in die Psychiatrie: Bereits mehr als elf Prozent der Bevölkerung sind vom Burnout-Syndrom betroffen – Tendenz stark steigend.

Weil die Versorgung Betroffener über die Krankenkasse so unsäglich schlecht ist, haben sich mittlerweile auch private Kuranbieter des Themas angenommen, das renommierte Kurhotel Pirawarth in der Nähe von Wien war übrigens einer der Ersten.

„Burnout“, sagt Dr. Regina Hochmair, Ärztin und Leiterin der Burnout-Programme im Kurhotel Pirawarth, „verläuft in mehreren Phasen, also als Prozess mit steigender Intensität, der sich im fortgeschrittenen Stadium durch hochgradige emotionale Erschöpfung im Verbund mit körperlicher Schwäche und reduzierter Leistungsfähigkeit bemerkbar macht“.

Je nach wissenschaftlicher Lesart werden bis zu zwölf Krankheitsstadien unterschieden, von denen die ersten drei wohl besonders gefährlich sind, weil die Symptome völlig harmlos erscheinen. Denn in ihnen erlebt man sich als kraftvoll und energiegeladen, viele Menschen arbeiten dann immer mehr, bis spät in die Nacht hinein, und sie sind stolz auf ihre Erfolge. Verleugnen sie dabei aber ihre eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse, dann kommt ihnen schrittweise auch die Fähigkeit, sich zu entspannen und zu erholen, abhanden. Das allmähliche Abgleiten in die nächsten Stadien folgt: Konflikte werden verdrängt, Probleme in immer stärkerem Ausmaß geleugnet, es kommt zu Frustration, Leistungsabbau und stetiger Verflachung des seelischen und sozialen Erlebens. Am Ende warten innere Leere, Depressionen – und die völlige Erschöpfung.

In den meisten Fällen, so Dr. Hochmair weiter, gibt es einen Krankheitsauslöser im Berufsleben. Vorwiegend handelt es sich dabei um Menschen, die „brennen“ – und daher auch ausbrennen! – können. Solche, die sich mit überdurchschnittlich viel Idealismus, Ehrgeiz und Perfektionismus in die Arbeit stürzen. Strukturen, wie man sie häufig in „Corporate Jobs“, also in den Bürokratien multinationaler Konzerne findet, tun ein Übriges dazu: unklare Hierarchien, unfaire oder schlecht qualifizierte Vorgesetzte, eine Hire-and-Fire-Praxis und nicht zuletzt eine so extreme Arbeitsteilung, bei der man nicht selten gar nicht mehr weiß, wofür man einen Arbeitsschritt macht und welche Rolle er überhaupt für das Produkt oder im Unternehmen spielt, wodurch einem der Sinn der eigenen Arbeit unweigerlich aus den Augen geraten kann.

Weil diese Verhältnisse kaum veränderbar sind – schon gar nicht kurzfristig –, müssen die zentralen Fragen im therapeutischen Ansatz lauten: Wie kann ich meine psychische Gesundheit und meine Arbeitsfähigkeit erhalten, wie kann ich erlernen, mich vom Stress nicht mehr stressen zu lassen? Dr. Regina Hochmair: „Es geht darum, bei den Betroffenen das psychische Selbstmanagement in Gang zu bringen, das ihnen ermöglicht, jene Kräfte zu entwickeln, die sie brauchen, um für die immer größeren Anforderungen der Berufswelt gerüstet zu sein.“

Charakteristisch für Burnout-Patienten ist, dass sie sich ihrer eigenen Situation kaum bis gar nicht bewusst sind und daher in einem Teufelskreis stecken. Diesem aus eigener Kraft zu entrinnen, ist schwierig bis unmöglich, professionelle Hilfe wird unumgänglich. Gefragt sind effiziente Therapiekonzepte, und zwar in einem möglichst frühen Stadium. Deswegen wurden im Kurhotel Pirawarth Kurzzeitprogramme entwickelt, die im Regelfall sieben Tage dauern und bei Bedarf verlängert werden können.

Mann streckt sich und genießt
Foto: iStockphoto

Die Wichtigsten von ihnen heißen Pirafit-Kraftkur und Pirafit-Auszeitkur und sind hochwirksame Programme, mit denen schon in kurzer Zeit viel erreicht werden kann. Sie umfassen die fachärztliche Abklärung von möglichen körperlichen Ursachen ebenso wie Entspannung, Training für den Körper sowie eine Art von mentalem „Reset“-Programm.

Auch genussvolles Essen darf nicht zu kurz kommen – und das hat medizinischen Hintergrund! Dr. Hochmair: „Unter Stress geht die Fähigkeit zu genießen verloren, Essen wird, ebenso wie Alkohol oder Nikotin, nur noch zur Stressreduktion genützt. Burnout-Betroffene essen entweder viel zu viel oder fast gar nichts mehr, und sie vernachlässigen die soziale Funktion der Mahlzeiten.“ Auch in diesem Bereich setzt die Pirafit-Kur an.

Während die Kraftkur für jene maßgeschneidert ist, die einen besseren Umgang mit Stress erlernen wollen, und daher vorbeugenden Charakter hat, wendet sich die Auszeitkur an Menschen, die sich bereits in einem der insgesamt 12 Stadien befinden.

Die Kuren wirken: Der Schlaf wird erholsamer, die Konzentration verbessert sich. Die subjektiv empfundene Belastung wird geringer – und die schon verloren geglaubte Kraft kehrt zurück.

Weiterführende Links: Special Burnout

Mehr Info: Fon +43-(0)2574-29160-0, www.burnout-hilfe.at und relax-guide.com

© Coverbild: © Liam Norris / cultura / Corbis

SYMPTOME VON BURNOUT

























Sozialverhalten Gedankenverlorenheit, Kontaktvermeidung, Zuhörschwierigkeiten, Desinteresse, Verständnislosigkeit
Mentale Leistungsfähigkeit Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Entscheidungsunfähigkeit
Emotionale Reaktionen Angst und Nervosität, Schuldgefühle, Schuldzuweisung, reduzierte Selbstachtung, Gefühl von Unzulänglichkeit, Humorlosigkeit, Gleichgültigkeit
Psychosomatik Schlafstörungen, sexuelle Probleme, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust
Körperliche Reaktionen Kopfschmerzen, häufige Erkältungen, Ekzeme, Allergien, Magen- und Verdauungsbeschwerden, Atembeschwerden, Muskelverspannungen

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