Heilen mit Düften

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 8. März 2012

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Sie reinigen die Raumluft, heben die Stimmung und heilen sogar Krankheiten. Und sie riechen gut: Ätherische Öle wirken – vorausgesetzt, sie sind auch wirklich echt.

Lavendel von der französischen Mittelmeerküste, Orangen und Zitronen aus dem Herzen von Italien, Eukalyptus aus dem Norden Australiens oder Zimt, Kardamom, Anis und Nelken, wie sie in den Souks von Marrakesch feilgeboten werden. All diese herrlichen Düfte kann man sich heutzutage leicht und schnell ins Wohnzimmer holen: mit ätherischen Ölen. Und die können was! Vorausgesetzt, sie sind echt. Dann helfen sie uns zu entspannen, sie heben unsere Stimmung, regen uns an oder verhelfen uns zu gutem Schlaf. Energetiker sehen in den ätherischen Ölen die Persönlichkeit, die Energie und die Seele der Pflanzen. Und jede Pflanze und somit das daraus gewonnene ätherische Öl hat eine eigene Wirkung. Sei es für die Heilung und Linderung von körperlichen Beschwerden, die Veränderung der persönlichen Stimmung oder die Reinigung der Luft von Bakterien.

Ätherische Öle gelten als Signalstoffe und spielen in der Pflanzenwelt eine bedeutende Rolle. Beispielsweise benützen Pflanzen die speziellen Düfte, um Schädlinge fernzuhalten. So dienen sie als natürlicher Holzschutz – zum Beispiel ist Zedernholz gegen Schädlinge nahezu resistent. Uns Menschen hilft das ätherische Öl der Zeder nachgewiesenermaßen gegen Akne, Juckreiz, Nervosität sowie gegen die Frühjahrsmüdigkeit.

Die Tradition der Verwendung ätherischer Öle zu Heilzwecken reicht mehr als 5.000 Jahre zurück. Bereits die Indianer Nordamerikas haben sich die Kraft der Pflanzen zunutze gemacht und zum Beispiel den Gelben Jasmin gegen Kopfschmerzen und auch gegen Fieber eingesetzt. „Nicht selten könnte man durch den gezielten Einsatz von ätherischen Ölen auch den Antibiotikaverbrauch reduzieren“, weiß der Wiener Facharzt für Lungenheilkunde am Otto-Wagner-Spital, Dr. Wolfgang Steflitsch, der auch medizinischer Aromatherapeut ist – einer von gegenwärtig etwa zehn in Österreich.

Getrieben durch die Defizite einer kalten Apparatemedizin sind heute immer mehr Menschen bereit, dem Trend der sanften Medizin zu folgen, getreu dem Motto „nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Allein in Österreich werden jährlich circa 41 Millionen Euro mit Homöopathika umgesetzt, Tendenz stark steigend. Auch die Nachfrage nach ätherischen Ölen nimmt stetig zu. Weltweit werden mit insgesamt rund 120 verschiedenen Ölen über 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Bedarf beläuft sich auf 50.000 bis 60.000 Tonnen pro Jahr, davon sind rund ein Drittel Zitrusöle.

Tagtäglich kommen wir auch unbewusst mit ätherischen Ölen in Kontakt. Etwa beim Kochen, wenn wir frische Zwiebeln aufschneiden. Verursacht durch die ätherischen Öle, die an der Schnittstelle der Zwiebel freigesetzt werden, beginnen unsere Augen zu tränen. Dies hat man früher regelmäßig und erfolgreich genutzt, um Erkältungen zu heilen, heute ist dieses effektive Hausmittel nur mehr wenigen Leuten bekannt und wird vor allem Kindern in Form eines Brustwickels mit Zwiebeln verabreicht. Dabei werden einige gehackte Zwiebeln auf ein feucht-warmes Tuch gegeben und auf der Brust fixiert. Die ätherischen Öle werden über die Haut aufgenommen und helfen so beim Überwinden der Erkrankung. Ausprobieren lohnt sich: Bereits am nächsten Morgen können die Kleinen schon deutlich leichter durchatmen!

Qualität und Reinheit sind die wichtigsten Grundlagen für die Wirksamkeit ätherischer Öle. Natürliche ätherische Öle haben eine tiefe Wirkung auf unsere physische und psychische Balance. Sie können oral eingenommen werden (dabei gelangen die Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt oder über die Mundschleimhäute in den Blutkreislauf), über das Auftragen auf die Haut (durch die kleine Molekularstruktur gelangen sie in den Körper und beeinflussen auf diese Weise den gesamten Organismus) oder durch Luftzerstäubung (durch die Nase gelangen die Stoffe in das vegetative Nervensystem). Die gebräuchlichste Verwendung der Luftverstäubung sind Duftlampen. Ätherische Öle wie zum Beispiel Bergamotte, Lavendel, Melisse oder Weihrauch können olfaktorisch gegen Stress, Schlafstörungen oder Angstzustände wirken. Mit ihrer Fähigkeit, die Haut zu durchdringen, helfen unter anderem Minze, Kampfer, Eukalyptus und Rosmarin speziell bei Muskel- und Gelenksschmerzen, während etwa Rose, Thymian und Muskatellersalbei bei Kopfschmerzen heilsam wirken.

Ätherische Öle werden auf drei Arten hergestellt: durch Wasserdampfdestillation, durch Kaltpressung oder Extraktion. Beim Destillieren treibt Wasserdampf das ätherische Öl aus der Pflanze. Mittels Kondensation über einem gekühlten Rohr wird das Öl anschließend vom Wasser getrennt. Bei der Kaltpressung wird das Öl aus der Schale gepresst, dieses Verfahren wird vor allem bei Zitrusölen angewendet. Extraktion hingegen kommt bei Blütenölen zum Einsatz. Dabei werden der Pflanze mit einem Lösungsmittel alle löslichen Aromastoffe entzogen, anschließend wird das Lösungsmittel abdestilliert, die Reste werden mit Alkohol extrahiert. Zurück bleibt das reine ätherische Öl.

Doch Achtung: Nicht überall, wo „ätherisches Öl“ drauf steht, ist auch 100 Prozent Natur drin. Da der Begriff „ätherisch“ lediglich vom griechischen „aither“ („Element des Lebens“) abgeleitet wird und nur aussagt, dass es sich um eine flüchtige, nicht erfassbare Substanz handelt, kann der Begriff „ätherisches Öl“ nicht geschützt werden. Dies nutzt die Industrie weidlich aus und verwendet in der Werbung „ätherisches Öl“ auch für rein synthetische Produkte, die man unbedingt vermeiden sollte.

Zur Unterscheidung werden ätherische Öle in drei Gruppen eingeteilt: 100 Prozent natürlich, naturident und synthetisch. Naturreine Öle werden zu 100 Prozent aus Pflanzen gewonnen, auf den Fläschchen sind sie mit „g&a“ gekennzeichnet – genuin (unverändert) und authentisch. Natürliche Öle können aber auch aus mehreren verschiedenen 100-prozentig natürlichen Komponenten zusammengesetzt werden, wobei sich im Produkt dann eben nicht ausschließlich die namensgebende Pflanze befindet. Eine Mischung natürlicher Öle mit synthetischen Zusätzen bezeichnet man als natürlich/naturident (N/NI), wobei naturident nichts anderes heißt, als dass sie künstlich hergestellt sind. Dank EU ist diese Art der Konsumententäuschung auch wie bei Aromen möglich – und völlig legal! Auf den Fläschchen findet man hier oft die Abkürzung EuAB (Europäisches Apothekerbuch), was aber über die absolute Natürlichkeit des Produkts nichts aussagt. Zu guter Letzt gibt es rein synthetische Öle, in denen – wie der Name schon verrät – absolut keine Natur steckt. Sie werden zur Gänze chemisch hergestellt, trotzdem ist es erlaubt, sie als ätherische Öle zu kennzeichnen. Von ihnen darf man sich keinesfalls positive Wirkungen wie Heilung, Wohlbefinden oder Gesundheitsförderung erwarten. Selbst zum Beduften von Räumen sollte man sie nicht verwenden, da sie unsere natürliche Geruchsempfindung gleichsam „verstellen“ und bei Kindern die Entwicklung des Geruchssinns behindern können.

Der Geruchssinn ist einer der sechs Sinne des Menschen und gleichbedeutend mit Hören und Sehen. Obwohl die Wirkungen von Gerüchen bisher nur in Ansätzen wissenschaftlich erforscht sind, sagen Ärzte wie Dr. Wolfgang Steflitsch, dass sie keinesfalls zu bestreiten sind.

In der kalten Jahreszeit lassen sich durch Verwendung von ätherischen Ölen wie beispielsweise Eukalyptus, Latschenkiefer oder Fichte Halskratzen, virale Infekte und Entzündungen lindern. „In der Lungenheilkunde ist die Behandlung mit ätherischen Ölen sicher und zuverlässig, und zwar sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von bronchopulmonalen Krankheitsbildern“, resümiert Lungenfacharzt Steflitsch. Auch die Raumluft lässt sich mithilfe von ätherischen Ölen leicht reinigen. Gerade im Winter verbringen wir bis zu 80 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen, die wir zudem meist nur unzureichend lüften. Litsea oder Zeder reinigen mit ihren bakterien-, hefe-, schimmel- und milbentötenden Eigenschaften rasch die Raumluft. Und sie halten Allergieauslöser und Infektionsquellen fern. Zudem steigern sie unser Wohlbefinden und wirken sich positiv auf Gedächtnis, Motivation und Stimmung aus. Wunderbar!


Abnehmen, Appetitzügler, FastenkurenWacholder
Angst, Pessimismus und NervositätLavendel, Melisse, Orange, Weihrauch, Ylang Ylang, Zeder, Zitrone, Zypresse
Antriebslosigkeit, Arbeitsscheu,Desinteresse, mangelnde LebensfreudeBergamotte, Eukalyptus, Kampfer, Kanuka, Lavendel, Melisse, Rose, Rosmarin, Schafgarbe, Ylang Ylang, Zirbe, Zypresse
BurnoutIngwer, Kardamom, Zitronengras, Orange, Rosmarin, Zitrone
DarmkrankheitenBasilikum, Ingwer, Lavendel, Myrte, Nelke, Thymian, Wacholder, Zimt
Depressive Verstimmung, Schock,seelischer Schmerz, Eifersucht, TrauerArnika, Bergamotte, Lavendel, Melisse, Rose, Ylang Ylang, Zirbelkiefer
Duft FrühlingCitronella, Krauseminze, Zitronengras, Pfefferminze, Zitrone, Zitronenmelisse
Duft SommerBlutorange, Grapefruit, Lavendel, Limette, Lindenblüte, Rose
Duft HerbstKiefer, Latschenkiefer, Rosenholz, Rosmarin
Duft WinterFichtennadel, Geranium, Latschenkiefer, Mandarine, Nelke, Orange, Rosenholz, Sternanis, Zedernblätter, Zimt
EinschlafstörungenKamille, Majoran, Lavendel, Melisse, Orange, Rosenholz, Sandelholz, Scharfgarbe
Erkältung, Infekte, FrierenCajeput, Eukalyptus, Fichte, Kampfer, Latschenkiefer, Limette, Myrrhe, Myrte, Rosmarin, Sandelholz, Ysop, Zimt
Erschöpfung, schwere GliederBergamotte, Fichte, Koriander, Mandarine, Rose, Thymian, Wacholder, Zeder, Zirbe
FieberBergamotte, Eukalyptus, Ingwer, Kamille, Kampfer, Lavendel, Zitronengras, Orange, Rose, Zitrone
HalsschmerzenBergamotte, Cajeput, Niaouli, Sandelholz, Zitrone
ImmunsystemstärkungMinze, Rosmarin, Zitrone
KopfschmerzenIngwer, Lavendel, Melisse, Minze, Muskatellersalbei, Rose, Thymian
Kreuzschmerzen, MuskelschmerzenCajeput, Eukalyptus, Fichte, Kampfer, Minze, Niaouli, Rosmarin, Wacholder, Zirbe
Lernstress, GedächtnisstärkungNelke, Niaouli, Rosmarin
MorgenmuffelBergamotte, Lavendel, Melisse, Rose, Rosmarin, Ylang Ylang, Zirbe, Zitrone
OhrenschmerzenCajeput, Lavendel, Niaouli
RaucherentwöhnungRosmarin, Sassafras, Schafgarbe, Zirbe
SchlaflosigkeitBaldrian, Hopfen, Jasmin, Kampfer, Neroli, Orange, Rosenholz, Sandelholz, Thymian,Wacholder, Ylang Ylang

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