Erfolgreicher mit Charme und Stil

RELAX Magazin von Redaktion RELAX Magazin 8. März 2012

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Ein neuer Faktor für den Erfolg eines Menschen wurde vor kurzem definiert: das „erotische Kapital“. In dieses sollte investieren, wer beruflich vorwärtskommen will.

lächelnde Frau steht im Vordergrund, Mann im Hintergrund
Foto: © Julian Rupp / Westend61 / Corbis

Barbara wurde befördert. Sie war ebenso lange in der Firma wie ihr Kollege Oliver. Im Büro fragen sich alle, was für diese Entscheidung den Ausschlag gegeben hat. Warum Barbara und nicht Oliver? Die Kollegen munkeln, können aber nur mutmaßen. Auffällig ist, dass sich Barbara vor kurzem verändert hat, und zwar just zu dem Zeitpunkt, als der Termin für das Gespräch mit dem Geschäftsführer feststand. Sie nahm ein wenig ab, wirkte durch das viele Joggen, von dem sie immer wieder erzählte, straffer und präsenter. Von zu knappen Jeans wechselte sie zu perfekt sitzenden Hosenanzügen, ihre neue Frisur verlieh ihr zusätzliche Ausstrahlung.

Sie denken, dieser Zusammenhang sei banal? Sie meinen, dass betriebliche Entscheidungen nicht auf Äußerlichkeiten basieren dürften, weil es doch um die berufliche Kompetenz geht?

Nach den Thesen der britischen Soziologin Catherine Hakim wurde der übergangene Oliver absolut fair behandelt. Barbara hat ihm lediglich eines voraus: Sie machte von einem der wertvollsten Güter des Menschen Gebrauch – dem erotischen Kapital!

Damit ist aber nicht etwa ein wogendes Dekolleté oder der Einsatz eines Minirocks gemeint. In ihrem Buch „Erotisches Kapital. Das Geheimnis erfolgreicher Menschen“ beschreibt die Wissenschafterin das erotische Kapital als „Mischung aus Charme, Stil, Lebendigkeit und sozialer Attraktivität“, was auch die Fähigkeit, sich beliebt zu machen, weiters Humor und Vitalität miteinschließt. Nach Auswertung zahlreicher Studien steht für sie fest: Das erotische Kapital ist die vierte Säule für den Erfolg eines Menschen. Die ersten drei, nämlich ökonomisches Kapital (Geld), humanes Kapital (Intelligenz, Bildung und Ausbildung) sowie soziales Kapital (Kontakte, Netzwerk) wurden bereits vor knapp 30 Jahren definiert – von Pierre Bourdieu, einem französischen Soziologen.

Jeder, so Hakim, verfügt über mehr oder weniger erotisches Kapital. Es lässt sich, wie die anderen drei auch, steigern und vergrößern – etwa durch Körperpflege, stilvolle Kleidung oder häufige Friseurbesuche. Man muss nur das Beste aus sich herausholen.

Um eines klarzustellen: Intelligenz, Bildung und Ausbildung sind die bei weitem besten Voraussetzungen auf dem Weg zu beruflichem Erfolg. Gut ausgebildete Menschen, die weiter denken können, werden wohl immer die besseren Jobs bekommen – zumindest in den meisten Organisationsstrukturen. Doch ebenfalls bedeutsam ist auch das erotische Kapital.

Unternehmen haben das längst verstanden: Bei gleicher Qualifikation wird der attraktiver aussehende Kandidat für den Job engagiert. Personalchefs machen das erotische Kapital zur Prämisse, können sie doch davon ausgehen, dass attraktive Menschen besser verkaufen. Dafür braucht man in der Privatwirtschaft keine Wissenschaft, das ist eine Sache der Erfahrung.

Dagegen scheute die Wissenschaft bislang offenbar den Blick auf die Realität. Nur so ist es zu erklären, dass sie der Wirkung des Äußeren bisher kaum Beachtung schenkte. Aus der Psychologie ist lediglich der Halo-Effekt bekannt: Er beschreibt, dass attraktiven Menschen eine höhere Intelligenz, mehr Leistungsfähigkeit und eine bessere soziale Kompetenz zugeschrieben werden als unattraktiven. Allerdings nur vermeintlich. Weil die Verpackung sohin wichtiger wird als der Inhalt, galt der Halo-Effekt als Wahrnehmungsfehler – ein Umstand, den es nun gründlich zu überdenken gilt.

Erotisches Kapital bringt beide Geschlechter beruflich voran. Aber noch ziehen Männer wesentlich mehr Vorteile daraus: Sind sie groß gewachsen, gepflegt und charmant, dann befinden sie sich in höheren Positionen als ihre äußerlich unscheinbaren Konkurrenten. Und sie verdienen auch besser: je nach Branche bis zu 20 Prozent mehr, wie Catherine Hakim herausgefunden hat. Attraktive Männer sind aber nicht nur erfolgreicher als ihre weniger attraktiven Kollegen, sondern auch erfolgreicher als gutaussehende Frauen mit gleicher Qualifikation, wenn diese ihr erotisches Kapital nicht einsetzen – und das tun die wenigsten. Dabei könnten Frauen von ihrem erotischen Kapital sogar deutlich mehr profitieren als Männer. Warum?

Laut Hakim liegt das am „Sexdefizit“ der Männer. Sie wollen stets mehr Sex als Frauen – und das in jedem Alter und quer durch alle Kulturen. Daher sind Männer auch bereit, sich für Sex anzustrengen. Machten sich mehr Frauen diesen Umstand zunutze, dann erhielten sie größere Macht.

Frauen und Macht? Das sah die Männerwelt in der Vergangenheit nicht gern, deswegen wurde das erotische Kapital der Frauen seit Jahrhunderten im Zaum gehalten: vor allem durch Kleidungsvorschriften und züchtige Verhaltensregeln. Nur so konnten die Männer die Macht für sich sichern, ja es sogar so weit bringen, dass die Frauen ihr erotisches Kapital als etwas Schlechtes, Verwerfliches zu begreifen begannen.

Paradebeispiele dafür sind heute die islamischen Staaten: von Kopf bis Fuß verhüllte Frauen, strengste moralische Regeln im Zusammenleben der Geschlechter.

In den westlichen Industriestaaten ist heute die Vorherrschaft der Männer erodiert, so aufgeweicht wie noch nie zuvor. Wieso aber klappt dann das mit dem erotischen Kapital bei den meisten Frauen noch immer nicht? Die Antwort ist ebenso kurz wie irritierend: Schuld ist der moderne (angelsächsische) Feminismus.

Er schlägt nämlich seltsamerweise in dieselbe Kerbe wie das Patriarchat und verkennt die Macht, die Frauen durch ihr erotisches Kapital haben könnten. Der Grundgedanke des Feminismus ist die absolute Gleichheit zwischen Mann und Frau. Daher muss eine Frau dieselben Werkzeuge in die Hand nehmen wie ein Mann, um erfolgreich zu sein. Das Ergebnis sind die berühmten „Karrierefrauen“, die männlicher wirken als so mancher Mann.

Die Feministinnen verkennen aber zwei Tatsachen: Erstens ist das erotische Kapital ein Werkzeug der Männer. Zweitens sind Männer und Frauen überhaupt nicht gleich gestrickt, wie ja beispielsweise auch das männliche „Sexdefizit“ zeigt.

Seit der Veröffentlichung ihrer Arbeit muss sich Catherine Hakim, die im Übrigen als Expertin für Frauen in der Arbeitswelt gilt, gegen aufgebrachte Feministinnen wehren. Sie werfen ihr vor, alte Geschlechterrollen zu zementieren – à la „Männer sind triebgesteuert, Frauen müssen gefallen“.

Weitaus interessanter ist aber ein Ergebnis Hakims, das in der öffentlichen Debatte mehr oder weniger untergeht. Die Soziologin sieht ein „generelles Muster, dass die Privatwirtschaft mehr attraktive Menschen anzieht als der öffentliche Sektor“. Auf den Punkt gebracht: Die Hässlichen arbeiten beim Staat!

Mag sein, dass die Aussage gewagt ist. Aber die These, so erfrischend politisch unkorrekt sie auch klingen mag, leuchtet auf den zweiten Blick ein. Denn wo keine Konkurrenz herrscht, wo der Job auf Lebenszeit erhalten bleibt, ohne dass man täglich um ihn kämpfen muss, dort läuft man Gefahr, sich gehen zu lassen. Da spielen dann auch Übergewicht, geschmacklose Farbkombinationen bei der Kleidung oder eine lockere Einstellung zur Körperpflege keine Rolle mehr.

Nun mal ganz unter uns: Haben Sie noch nie mit einem Beamten, etwa am Finanzamt, Magistrat oder im Schulwesen, zu tun gehabt, dessen Kleidungsstil oder Auftreten wohlwollend als „eigentümlich“ bezeichnet werden konnte? Eben. Die Charaktere der ORF-Comedy-Serie MA 24/12 waren uns nicht fremd, sondern bestens vertraut, auch wenn sie vornehmlich am Wiener Verkehrsamt der späten 1980er Jahre ihre Anleihe nahmen. Jedenfalls kennt jeder mindestens einen Staatsbeamten, auf den Hakims These perfekt passt.

Brisant ist auch ein weiteres Studienergebnis von Catherine Hakim, die übrigens selbst einige Jahre Beamtin war: 85 Prozent der Teilnehmer, egal aus welcher sozialen Schicht oder welchem Kulturkreis sie auch stammen, stimmen darin überein, was attraktiv oder weniger attraktiv ist. Die Eckdaten in aller Kürze: symmetrische Gesichtszüge, ebenmäßiger Teint, harmonischer Körperbau. Das gilt für den Europäer ebenso wie den Asiaten, für die Lehrerin ebenso wie für die Punkerin. „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, heißt es – der Volksmund hat leider nicht immer Recht.

Egal, was man von Catherine Hakims Thesen halten mag: Gänzlich von der Hand zu weisen ist die Wirkung einer gepflegten, charmanten und stilvoll gekleideten Person nicht. Umso schwerer verständlich ist die Tatsache, dass so wenige Menschen auf ihr Äußeres achten. Auch Hakim fragt sich: „Wir gehen zwölf Jahre lang in die Schule, kaufen Bücher und verbringen viel Zeit damit, sie zu lesen. Wieso kümmern wir uns nicht etwas mehr um unsere Frisur oder um die Schuhe?“ Mit Anstrengung und persönlichem Einsatz könne, so Hakim, das erotische Kapital vergrößert werden: „Jeder hat etwas, was ihn attraktiv macht.“

Weiterführende Links: Romantik Wellness

Zum Weiterlesen: Catherine Hakim: Erotisches Kapital. Das Geheimnis erfolgreicher Menschen. Campus, 19,99 Euro

© Coverbild: © Julian Rupp / Westend61 / Corbis

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