Amüsant: die britische Küche des Jamie Oliver

Kochenvon Anna Neustein 1. Februar 2012

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Sarah Wiener, die personifizierte Selbstüberschätzung (kennen Sie eigentlich jemanden, der die Frau gut findet? Zweckdienliche Hinweise werden gern entgegengenommen), startete während Dreharbeiten für ihre Sendung in Cornwall den Versuch der Provokation, als sie einen britischen Kochkollegen fragte: „Britische Küche, gibt’s die überhaupt?“ Schon hier zeigt sich, dass Sarah Wiener nicht so viel von Essen versteht, wie sie glaubt: Natürlich gibt es eine britische Küche. Bloß weil wir sie nicht zu unseren Lieblingsküchen zählen, bloß weil sie jahrzehntelang einen schlechten Ruf hatte, heißt das nicht, dass die Rezepte des britischen Königreichs keinen erkennbaren Gesamtcharakter haben.

Vielleicht müsste einfach mal Jamie Oliver ausrücken, um Fernsehköchin Wiener da aufzuklären. Der Fernsehkoch schlechthin hat nämlich jüngst ein Kochbuch herausgebracht, das sich, nach zahllosen Ausflügen in fremde Küchen, endlich der seiner Heimat widmet. „Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen“, sagt er. „Allerdings habe ich lange gebraucht, bis ich es endlich geschrieben habe. Ich musste mich jahrelang durch die Küchen der Welt kochen, bevor ich verstand, wie großartig unsere eigene Küchentradition ist.“

Jamie Oliver wuchs in einem Pub auf und kam daher schon früh mit britischer „Wirtshausküche“ in Berührung. Die Leser nimmt er mit auf eine kulinarische Reise durch das Königreich Großbritannien. Erste Station: Frühstück. Und schon hier zeigt sich, dass die britische Küche auch für Wortkundler interessant ist. Die Namen der Gerichte sind mitunter sehr komisch. Was würden Sie hinter Bubble & Squeak vermuten? Was hinter Toad-in-the-Hole (Kröte im Loch)? Ersteres ist eine Art knuspriger Fladen aus flachgedrückten Kartoffeln, Gemüse- und Bratenresten, den man gern als erste Mahlzeit des Tages serviert. Zweiteres ist Yorkshirepudding samt mitgebackenen Würsten – nicht gerade ein Schlankmacher.

Jamie Oliver zeigt mit seinen Rezepten, dass das Gros der britischen Rezepte durchaus deftig ist: Schwarten-Cracker mit Bier, Happy-Fish-Pie, Steak-und-Nierenpudding. Wichtig für ein vollständiges Bild der Insel-Kochtradition sind aber auch die Rezepte aus den ehemaligen Kolonien wie Indien. Empire-Curryhuhn mit Bombay-Kartoffeln ist da etwa das Ergebnis oder Ofengemüse Vindaloo.

Fazit: ein grundsympathisches, auch optisch ausgezeichnet gestaltetes Kochbuch, das eine manchmal skurrile Küche präsentiert, die hierzulande viel zu lange nichts galt.

Rezepte im PDF Format:
Rezepte 1
Rezepte 2
Rezepte 3

Jamie Oliver:
Zu Gast bei Jamie. Die besten Rezepte aus dem Königreich.

Dorling Kindersley, 407 Seiten
24,95 Euro

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