Kombinationsschule

Kochenvon Anna Neustein 29. November 2011

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Unaufgeregtheit ist bekanntlich nicht unbedingt ein Attribut, das man mit TV-Köchen verbindet. Jamie Oliver nuschelte uns in der Originalversion seiner ersten Show nieder, während er zwischen seinem fehlkonstruierten Kühlschrank und der Arbeitsplatte hin- und hereilte, Tim Mälzer wird nicht umsonst Rockstar unter den deutschen Fernsehköchen genannt, Sarah Wieners Eitelkeit mit affektierten Schönbrunner-Deutsch-Einsprengseln ist bereits legendär. Dementsprechend sehen meist die Kochbücher dieser TV-Vorkocher aus: bunt, mit möglichst vielen Bildern, auf denen die Protagonisten zu sehen sind. Und nein, die Protagonisten sind nicht die Gerichte, wie es bei Kochbüchern zu erwarten – und wohl auch sinnvoll – wäre.

Anders verhält es sich im Falle der Kochbücher von Alexander Hermann. Der großgewachsene Deutsche gilt als ruhiger, angenehmer Gast in Shows wie „Lanz kocht“, und auch in seinem zweiten „Küchen IQ“-Buch lässt er anderen den Vortritt: seinen schlichten Gerichten.

Der erste Band seiner Kochschule in ungewöhnlichem, großem Querformat – beide sind in der Collection Rolf Heyne erschienen, ein dritter Band soll im Jänner 2012 folgen – widmete sich eher Basic-Rezepten, der zweite Band, der kürzlich erschien, soll lehren, wie man ein Menü zusammenstellt. Alexander Herrmann möchte Hobbyköche dazu bringen, selbst kombinieren zu lernen, sobald man einzelne Elemente von Gerichten beherrscht. Dass das dringend notwendig ist, zeigt die Unsicherheit, die in Kochkursen oder bei halbprivaten Kochsessions häufig zum Vorschein kommt: Viele trauen sich nicht zu, Komponenten eigenständig zu kombinieren, zu oft schwingt die Angst mit, „passt denn das zusammen?“. Und auch gängeübergreifend herrscht Ungeschicktheit vor, innerhalb eines Menüs wird allzu ignorant gemixt: Da wird etwa zuerst eine klare thailändische Suppe serviert, dann folgt eine Hühnerbrust Caprese und dann ein Schokoküchlein. Dass in Südostasien weder Milchprodukte noch Schokolade zu den gängigen Zutaten gehören, somit vielleicht eine andere Suppe für ein harmonisches Menü angebracht wäre, scheint unwichtig, Hauptsache, man bekommt überhaupt irgendwie drei Gänge zusammen.

Alexander Hermann möchte hier Abhilfe schaffen und setzt Vorspeisen in Beziehung mit Hauptspeisen und Desserts. Worauf liegt der Fokus bei jedem Gang, was wäre ein sinnvoller Nachfolger als weiterer Gang?
Fazit: Eine gelungene Kochbuchreihe, in der Aufmachung herrlich unaufgeregt und inhaltlich schwer notwendig.

Rezepte im PDF Format:
Download

Alexander Herrmann:
AHIQ – KÜCHEN IQ Band 2: Menü
224 Seiten
35 Euro

Weiterführende Links: Gourmet & Spa Hotels



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