Über Aufreißer und Aufschneider

Man kann es schon länger schmecken. In der Gastronomie werden die Köche reihenweise abserviert. Im einstigen Königreich des Gastes regieren Maschinen und Convenience Food. Besonders betroffen ist die Hotellerie. Sogar die gehobene.

Exklusive Spezialitäten aus der Fertigpackung

Nach jahrzehntelanger Erfahrung in Hotels gibt man es irgendwie auf: Die Chance, wirklich gut zu essen, ist selbst in den besten Häusern oft gering. Da kann man auch gar nicht böse sein. Das liegt in der Natur der Sache. Die besten Restaurants in freier Wildbahn bewirten durchschnittlich zwischen 40 und 50 Personen pro Sitzung. Und in der Küche stehen da mindestens zehn sehr gut ausgebildete Köche. Wie soll das in Hotels für eine Anzahl von bis zu 200 Gästen gelingen? Noch dazu in einer Zeit, in der im Großhandel so viele Halbfertig- und Fertiggerichte erhältlich sind, dass in der Gastronomie die Köche regelrecht abserviert oder neue erst gar nicht aufgenommen werden. Stichwort Fachkräftemangel.

Wobei die Begriffe Halbfertig- und Fertiggerichte jetzt bitte nicht negativ rüberkommen sollen. Sie werden nicht glauben, welch exklusive Angebote von Spezialisten heutzutage schon erstellt werden. Ein Angebot, das wie maßgeschneidert ist für Aufschneider und Aufreißer, die nur auftauen und portionieren müssen. Nehmen wir nur einmal ein Gericht, das zweifellos auf Haubenniveau ist: eine Felice-Gänseleber und Confit vom Duroc-Schwein. Die Anleitung wird vom Produzenten mitgeliefert: Der Felice-Riegel lässt sich je nach Anwendungsbereich als Quader, Würfel oder dreieckiges Tortenstück portionieren. Oder wie wäre es mit einer Roulade vom Hirschkalb mit Cranberry im Spitzkohlmantel? Hier ist der Schwierigkeitsgrad schon etwas gestiegen: Die 200 g schweren Rouladen werden zu 40 Stück tiefgekühlt geliefert, müssen nur noch gewürzt und im vorgeheizten Kombidämpfer für 35 bis 40 Minuten gegart werden. Achten Sie also immer auf Wörter wie „ofenfrisch“ und „hausgemacht“. Diese bedeuten nicht mehr und nicht weniger, als dass Ihr Gericht aus dem Ofen kommt und in einem Haus und nicht im Freien gemacht worden ist.

Delikates aus den Labors der Nahrungsmittelindustrie: Stangeneier, Rührei im Tetrapack, Kartoffelsalat im Großkübel, Texturmasse für die Molekularküche und knapp 30 Tage haltbares Vollei im Kanister.

Jede Menge faule Eier

Auch dem Herausgeber des RELAX Guide, Christian Werner, kamen ähnliche Methoden bereits vor einigen Jahren spanisch vor. Ihm fiel auf, dass in der Hotellerie die Wahrscheinlichkeit, ein einwandfrei produziertes Frühstücksei serviert zu bekommen, immer geringer wird, je luxuriöser der Betrieb ist. Das war – kurz zusammengefasst – das Ergebnis seiner Recherche, die er in seinem Guide veröffentlichte. Nach Veröffentlichung dieses Ergebnisses dürften die Hotelmanager in diesen Häusern so aufgeschreckt gewesen sein wie – entschuldigen Sie bitte den Kalauer – Hühner. Was Werner nämlich am allermeisten gestört hat, ist die offensichtlich absichtlich gestreute Desinformation in manchen dieser Häuser. „Die Herrschaften gehen sogar davon aus, dass ihre Gäste keine Ahnung haben“, sagte er den Salzburger Nachrichten. Wie sonst sei es zu erklären, dass sogar der paradoxe Hinweis „Qualitätseier aus Bodenhaltung“ zu finden war. Was entlarvend ist: Denn in der Luxuskategorie dürfe sich der Gast bei bisweilen astronomischen Frühstückspreisen zumindest Eier aus Freilandhaltung oder im Optimalfall aus der biologischen Landwirtschaft erwarten.

Dass in der Gastrobranche aber noch jede Menge fauler Eier zu finden sind, darüber besteht laut Werner nicht der geringste Zweifel. „Wir haben nur Frühstückseier getestet. Nicht aber die Eier, die vielfach in Hotelküchen eingesetzt werden.“ Dort komme natürlich – auch das ist kein großes Geheimnis – häufig Flüssigei aus Kanistern zum Einsatz. Das werde bei Fertiggerichten, Backwaren oder Nudeln verwendet. Flüssigei hat keine Kennzeichnungspflicht.

Von Tetrapack bis Großkübel

Wer sich im Gastrogroßhandel umsieht, der weiß dann auch, wie das Essen in vielen vornehmen Hotels aussieht. Da finden sich in mit Gasen in Plastiksäcken verpackte geschälte und vorgegarte Erdäpfel, Ardenner Birnenpastete vakuumverpackt, Hummerschwänze in Plastik, aus Eiermasse geformte „Stangeneier“, Kartoffelsalat im Großkübel, fixfertige Preiselbeeren-Leberpâté oder Rührei aus dem Tetrapack. Sollten Sie am Wort „Stangeneier“ hängen geblieben sein: Dabei handelt es sich um zylinderförmig pochierte und neu zusammengebaute Frankenstein-Eier mit einer Länge von 30 Zentimetern. Diese werden in asiatischen und deutschen Betrieben produziert. Der – sagen wir einmal – wenig ambitionierte Koch schätzt laut Erzeuger dieses Produkt wegen seiner „langen Haltbarkeit“ von 30 Tagen, des „natürlichen Eigengeschmacks“, des „hohen Convenience-Grades“, der „gleichmäßigen Form“, der „Ersparnis des Eierschälens“ sowie der „gleichmäßigen Dottergröße“ und „der gleichbleibenden Farbe“. Ich würde dieses seltsame Produkt nicht erwähnen, hätte ich nicht selbst einen Koch in einem Wellnesshotel in seiner Schauküche damit hantieren sehen. Wohlgemerkt: in einer Schauküche. Da vergeht einem zwar der Appetit, aber man hat daheim immerhin etwas zu erzählen.

Wer sich im Gastrogroßhandel umsieht, der weiß dann auch, wie das Essen in vielen vornehmen Hotels aussieht.

Die Inszinierung macht’s!

Da war jetzt allerhand Unappetitliches dabei, nicht wahr? Hier soll aber nicht nur gemosert werden, ein paar Ratschläge erteilen wir auch noch gern. In Hotels kann man sich gegen Essen, dessen Zutaten eigentlich wegen Körperverletzung angezeigt werden müssten, nicht wehren. Aber Wellnesshotels sollten Mindeststandards erfüllen. Da geht es gar nicht um Sterneküche oder Ähnliches. Im Urlaub mögen es die Menschen eh gern unkompliziert. Oft ist auch die Inszenierung wichtiger als das Essen selbst. Soll heißen: Über dem Lagerfeuer gebratene Käsekrainer oder Bratäpfel bereiten meistens mehr Freude als ein Hummerhäppchen beim Galaabend.

Oder ist es unvergesslich, wenn man ein bescheidenes Mahl mit einem besonderen Menschen teilen kann? „Das kommt schon eher hin“, sagt auch Walter Eselböck. Er gilt – obwohl seit Jahren im Ruhestand – noch immer als der große Lebenskünstler unter Österreichs Köchen. Eselböck meint, man müsse bei der Auswahl des Ortes, wo gegessen wird, einfach viel kreativer werden. Mit Luxus hätten die perfekten Orte nur in den seltensten Fällen zu tun. Zu dieser Theorie gibt es auch ein zauberhaftes Beispiel, von dem der Gourmetkritiker Maurice- Edmond Sailland (1872–1956) berichtet. Er veröffentlichte unter seinem Künstlernamen Curnonsky legendäre Gourmetreportagen. Weiters war er Mitbegründer des Mythos, der den „Guide Michelin“ bis heute umweht. Einmal erinnerte er sich daran, wie er Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Maler und in der Begleitung zweier Damen aus der Pariser Varietészene mit der Kutsche an die Küste der Normandie reiste. Sie hatten handverlesenen Proviant dabei, eine Kiste Wein und – einen Kormoran. Diesen Vogel hatte Henri de Toulouse-Lautrec, so hieß der Maler, zum Fischfang abgerichtet. Am Strand wurde mit Porzellan ein Tisch eingedeckt, während der Kormoran lautlos über dem Meer seine Runden zog. Schon ein paar Minuten später habe er Lautrec einen Fisch vor die Füße gelegt. Der Fisch wurde ausgenommen, gesäubert, mit Meeresalgen gewürzt und über offenem Feuer gegrillt. So etwas vergisst man nie.


Zum Autor: Peter S. Gnaiger leitet bei den Salzburger Nachrichten das Ressort Kulinarik, zu seinen Kolumnen zählt die „Teufelsküche“, der er 2019 ein gleichnamiges Buch gewidmet hat. Das Entzaubern gängiger Praktiken mit bissigem Humor und Lügengebäude zum Einsturz zu bringen gelten als Markenzeichen des Autors. Wieser Verlag, ISBN 978-3-99029-369-0

Ei aus dem Kanister? Nein danke! Mit seinen Kolumnen ist Peter S. Gnaiger bei den Salzburger Nachrichten im Ressort Kulinarik bekannt, sein gleichnamiges Buch erschien 2019 (rechts).

Folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Die schönsten Instagram-Spots in Südtirol

Traumhafte Ausblicke auf Berge und Obstgärten, wunderschöne Außenpools sowie viele Sonnenstunden erwarten Sie in einem Wellnessurlaub in Südtirol. Das sind nicht nur ideale Voraussetzungen für eine erholsame Auszeit, sondern auch für beeindruckende Fotos auf Instagram.

Jetzt mitmachen: Die RELAX Guide Instagram Foto Challenge #relaxbestpic

Posten Sie Ihr bestes Urlaubsfoto in Ihren Instagram Feed mit #relaxbestpic und markieren Sie @relaxguide und das Lilien-Hotel, wo das Foto entstanden ist. Die schönsten Bilder gewinnen einen Kurzurlaub für zwei.

Die Top 5 der schönsten Instagram-Spots in Südtiroler Lilien-Hotels

Sky Pool mit Traumpanorama

Inmitten von Weingärten und Apfelhainen liegt das Luxushotel Giardino Marling. Highlight des Hauses ist zweifelsohne der wunderschöne Ausblick auf Meran und ins Etschtal. Diesen genießt man am besten auf der Dachterrasse mit Skypool, edlen Liegen und Sonnenschirmen – ein Foto vor dieser Traumkulisse ist definitiv ein Hingucker. Weitere schöne Motive für Erinnerungsbilder findet man im schönen Garten mit weißen Hortensien und Rosen, auf der Restaurantterrasse oder in den elegant eingerichteten Zimmern.


Liegeinseln im Badeteich

Umgeben von Bergen und Natur, direkt am Golfplatz befindet sich die luxuriöse Andreus Golf Lodge im Passeiertal. Der Außenbereich erfreut mit Steinsäulen, Palmen, Springbrunnen und Liegeinseln direkt am beziehungsweise im Badeteich – nicht nur tagsüber die perfekte Kulisse für ein sommerliches Erinnerungsfoto, abends wird die Anlage mit Feuerstellen romantisch in Szene gesetzt. Den Blick aufs Wasser genießt man übrigens auch von der stylischen Restaurantterrasse aus.

Andreus Golf Lodge


Schwebeliegen mit Blick auf Meran

Im stylischen Lifestyle Resort Lindenhof in Naturns ist der Wellnessbereich das absolute Highlight. Auf mehreren Ebenen befinden sich Innen- und Außenpools sowie unterschiedliche temperierte Saunen und feine Ruhezonen. Im 5. Stock findet man runde Schwebeliegen hinter großen Glasfronten, die einen freien Blick auf den Vinschgau bieten. Am Ende des Gangs gelangt man zu einem weiteren Instagram-Spot des Hauses, nämlich der Dachterrasse mit Feuerstelle und einem traumhaften Panorama.

Lindenhof


Ein Garten wie aus dem Bilderbuch

Die Besonderheit des kleinen und äußerst eleganten Hotels Fayn Garden Retreat ist der traumhafte Garten. Hier erfreuen lauschige Ruheplätze zwischen Granatapfelbäumen, Ringlotten, Olivenbäumen, Oleanderbüschen, Palmen und Zypressen sowie der prächtige Ausblick auf Meran. Eine ganz besondere Stimmung verströmt das tiefe Blau des mit Steinfliesen ausgekleideten Pools mit angrenzendem Whirlpool und luftigen, weißen Himmelbetten.

Fayn Garden Retreat ****s


Dachterrasse mit sagenhaftem Ausblick

Oberhalb von Meran liegt das Genuss- und Aktivhotel La Maiena Meran Resort. Im Wellnessbereich erfreut besonders der äußerst gepflegte Garten mit Olivenbäumen, gemütlichen Lounges und Pools, unser Lieblings-Fotoplatz befindet sich aber ein paar Etagen höher auf der Sky Terrasse der Meran Lodge. Zwei Whirlpools und zahlreiche Daybeds laden dort zum Entspannen ein, während man eine herrliche Aussicht auf Meran genießt.


Für mehr Tipps und Infos zur Challenge folgen Sie uns auf Instagram & Facebook.

Die schönsten Instagram-Spots in Deutschland

Gräflicher Park

Manche Urlaubserinnerungen möchte man am liebsten für immer festhalten. Vor allem, wenn die Kulissen so schön sind, wie in unseren Lilien-Hotels. Wir verraten euch die besten Plätze für das perfekte Instagram-Foto.

Jetzt mitmachen: Die RELAX Guide Instagram Foto Challenge #relaxbestpic

Posten Sie Ihr bestes Urlaubsfoto in Ihren Instagram Feed mit #relaxbestpic und markieren Sie @relaxguide und das Lilien-Hotel, wo das Foto entstanden ist. Die schönsten Bilder gewinnen einen Kurzurlaub für zwei.

Die Top 5 der schönsten Instagram-Spots in deutschen Lilien-Hotels

Stimmungsvoll beleuchtetes Wahrzeichen

Modern, hell und einnehmend großzügig zeigt sich der Öschberghof zwischen Schwarzwald und Bodensee. Das Wahrzeichen des Hauses, das „Ö“ befindet sich direkt am Haupteingang und bietet mit dem Resort im Hintergrund die perfekte Kulisse für ein Erinnerungsfoto. Abends ist die Szenerie stimmungsvoll beleuchtet. Beliebte Foto-Spots sind zudem das Sternerestaurant, das mit beleuchteten Glaskugeln an der Decke für spezielle Lichteffekte sorgt, sowie die Terrasse mit Ausblick auf den 45-Loch-Golfplatz.

Öschberghof


Außenpool im Gräflichen Park

Umgeben von einem prachtvollen Landschaftspark mit exotischen Bäumen und Blumen, einer romantischen Brücke sowie kunstvollen Bänken bietet das Gräflicher Park Health & Balance Resort in Nordrhein-Westfalen zauberhafte Fotoplätze an beinahe jeder Ecke. Nicht weniger prächtig ist das Haus selbst – aus historischen Gebäuden und einem architektonisch beeindruckenden Neubau. Für Erinnerungsfotos bieten sich etwa die Sonnenterrasse, die Brunnenallee oder die lichtdurchflutete Lobby im Stil einer Orangerie an. Unser Lieblingsplatz im Sommer ist allerdings der wunderschön angelegte, 25 Meter lange Außenpool umringt von Sonnenliegen und -schirmen.

Gräflicher Park


Kraftplatz mit Blick aufs Wasser in der Seezeitlodge

Auf einer Anhöhe über dem Bostalsee befindet sich auf einem Kraftplatz inmitten der Natur des Saarlands die Seezeitlodge. Das Panorama mit See und Wäldern ist zu jeder Tageszeit ein Foto wert. Abends herrscht an der Feuerstelle eine ganz besondere Stimmung: nicht nur der perfekte Platz für einen Cocktail nach keltischem Geheimrezept, sondern auch für ein Erinnerungsfoto zur goldenen Stunde. Weitere Foto-Spots findet man etwa in der hellen Lobby oder auf den Terrassen und Balkonen mit Seeblick. Das Spa ist übrigens der puren Entspannung vorbehalten und handyfreie Zone.

Seezeitlodge


Ruheraum mit Bergpanorama im Klosterhof

Auf einem Logenplatz inmitten der Natur erfreut das Alpine Hideaway Klosterhof mit einem herrlichen Blick auf die oberbayerischen Voralpen. Aus den Zimmern auf der Südseite blickt man aus großen Glasfronten auf die Berge, von den Spa-Lofts aus genießt man den Ausblick beim Entspannen im privaten Whirlpool. Auch im Spa ist der freie Blick in die Natur allgegenwärtig, wie etwa in der Panoramasauna oder im Außenpool. Für schön belichtete Fotos bietet sich besonders der gemütliche Panorama-Ruheraum an.

Klosterhof


Schaumbad in der Suite im Zum Bräu

Es muss nicht immer der Pool oder die spektakuläre Aussicht sein. Dass man auch Indoor tolle Bilder machen kann, zeigt das Bayerische Adults-only-Hotel Zum Bräu. Die modernen Suiten mit eigener Sauna und freistehender Badewanne sind die perfekte Kulisse für das etwas andere Urlaubsbild. Einen Infinity-Außenpool mit Ausblick auf die Berge des Bayerischen Walds gibt es freilich auch. Weitere fotogene Ecken findet man in der stylischen Lobby und in der Hotelbar mit dem passenden Namen Lieblingsplatzerl.

Zum Bräu


Für mehr Tipps und Infos zur Challenge folgen Sie uns auf Instagram & Facebook.

Zurück zum kulinarischen Ursprung

Feuerberg Mountain Resort ****

Das Küchenteam des Vier-Lilien-Resorts Feuerberg hat sich zum Ziel gesetzt, ausnahmslos auf Regionalität umzustellen. „Geschmacksarchäologe“ Lojze Wieser begleitet das Projekt, alte Rezepturen mit regionalen Lebensmitteln auf den Tellern der Gäste wiederzubeleben.

Einzigartiger Weitblick

Das mit der Höchstnote von vier Lilien und 20 Punkten ausgezeichnete Feuerberg Mountain Resort auf der Kärntner Gerlitzen Alpe ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Ein Highlight des familienfreundlichen Hauses auf 1.800 Metern ist das spektakuläre Panorama über halb Kärnten. Weitblick beweist auch Gastgeber Erwin Berger, wenn es um die stetige Weiterentwicklung des Familienbetriebs geht. Vor fünf Jahren hat sich die Küche zum Ziel gesetzt, radikal auf regionale Lebensmittel umzustellen, heute stammen über 80 Prozent der verwendeten Produkte aus der Umgebung. Der visionäre Hotelier möchte aber noch einen Schritt weiter gehen und hat für die Umsetzung des Projekts Verleger und „Geschmacksarchäologen“ Lojze Wieser an Board geholt.

Regional und gesund kochen mit Pfiff

So lautet das Leitmotiv der Feuerberg-Küche. Den „Pfiff“ erhalten die Gerichte durch die Weckung des ursprünglichen Geschmacks mit heute vorhandenen Zutaten. Food-Experte Wieser unterstützt den Küchenchef Kevin Granegger samt Team mit seinem jahrelang angesammelten Wissen samt Rezepturen der Alpen-Adria-Region. Alte, vergessene Rezepte werden erforscht, verfeinert und den heutigen Geschmacksgewohnheiten angepasst.

Feuerberg Mountain Resort ****

Einblicke in die Experimentierküche

Im März dieses Jahres erfolgte die Erprobung der Rezepturen. Aus biologischen Lebensmitteln von Produzenten aus Kärnten sowie den Nachbarregionen Slowenien, Friaul, Kroatien und der Steiermark entstand eine aromatische Vielfalt an Geschmäckern, die beinahe vergessen waren. Gekocht und verköstigt wurden etwa überbackener Fenchel und Sellerie, zubereitet nach einem jüdischen Rezept, das im Mittelalter in den alpen-adriatischen Raum gelangt ist, Rolotto – ein slowenisches Rollgerstenrisotto und ein Orangensalat nach einem alten sizilianischen Rezept.

Die Wiederbelebung vergangener Kochtraditionen ist eine echte Alternative zur zunehmenden Geschmackseinfalt der Lebensmittelindustrie und sorgt für außergewöhnliche Geschmackserlebnisse bei den Gästen. „Wenn es also einmal etwas schräger oder auch rustikaler erscheint, ist dies das Salz in unserer Suppe“, so Berger über seinen innovativen Ansatz.

Feuerberg Mountain Resort ****

Den kritischen Kommentar zu diesem Wellnesshotel in Kärnten lesen Sie hier: RELAX Guide – Feuerberg Mountain Resort ****

Weitere Informationen: Feuerberg Mountain Resort ****

Folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

So schmeckt der Wald

Tann ****

Im ruhevollen Zwei-Lilien-Kleinod Tann am Südtiroler Ritten kommt auf den Teller, was die Natur hergibt. Hotelchefin Barbara Untermarzoner ist Expertin der Waldküche und zaubert aus Wurzeln, Zapfen, Kräutern und Blüten aromatische und gesunde Köstlichkeiten.

Zurück zu den Wurzeln

Fernab allen Trubels befindet sich in grandioser Naturlage auf 1.500 Metern das familiengeführte Tann in Südtirol. Was hier in die Töpfe und Pfannen kommt, wächst quasi vor der Küchentür. Chefin Barbara nennt ihr kreatives Küchenkonzept liebevoll „Waldküche“. Alte Rezepte aus Großmutters Fundus verfeinert die naturverbundene Köchin mit Wildkräutern, Waldbeeren, Pilzen, Wurzeln und Samen. Das Ergebnis sind aromatische Gerichte wie Smoothies aus Fichtensprossen, Rehfilet mit wilden Waldaromen, Pasta mit Waldpesto, Waldtiramisu oder hausgemachtes Brot.

Natürliche Superfoods

Zeit und Achtsamkeit sind die Grundzutaten von Barbaras Naturküche. Ihr Slow Food aus dem Wald ist nicht nur besonders aromatisch, sondern auch gesund: Chlorophyll reinigt das Blut, Flavonoide gelten als Radikalfänger, ätherische Öle sind Keimkiller, Vitamin K stärkt die Knochen und Wacholder ist ein natürliches Antibiotikum. Zu dem, was Barabara im Wald erntet und sammelt, gesellen sich nachhaltig produzierte Lebensmittel aus Südtirol: Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Garten, Milch und Eier vom Nachbarn und Fleisch aus der Rittner Umgebung.

Tann ****

Sommerliche Waldrezepte als PDF:
Stein Pilz Suppe
Pesto aus Fichtennadeln
Dessert: Die Waldwiese in Gedanken

Erholung für Körper und Geist

Abschalten wird einem im naturverbundenen Tann dank der frischen Bergluft, Barbaras köstlichem Frühstück und Abendessen sowie der herzlichen Atmosphäre ganz leicht gemacht. Im kleinen Spa warten unter anderem ein Solebecken im Freien, eine Außensauna und ein feiner Ruheraum mit herrlichem Ausblick auf Nadelwälder und Wiesen.

Tann ****

Den kritischen Kommentar zu diesem Wellnesshotel Nähe Bozen lesen Sie hier: RELAX Guide – Tann ****

Weitere Informationen: Tann ****

Folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Alpines Hideaway für Gourmets

Kaiserhof Ellmau *****s

Ein wahrgewordener Urlaubstraum erwartet Gourmets, Naturfreunde und Ruhesuchende im wunderschön gelegenen Kaiserhof Ellmau in Tirol. Das ausgezeichnete Küchenteam rund um Hausherrn Günter Lampert vollbringt kulinarische Höchstleistungen vor einer traumhaften Naturkulisse.

Seit jeher kulinarische Pioniere

Auf einem Sonnenplateau hoch über dem Tal befindet sich der mit der Höchstnote von vier Lilien ausgezeichnete Kaiserhof Ellmau. In den letzten beiden Jahren wurde hier so fleißig erweitert und modernisiert, wonach das familienfreundliche Haus kaum wieder zu erkennen ist. Woran sich erfreulicherweise nichts geändert hat, ist die ausgezeichnete Küche unter der Leitung von Hausherrn Günter Lampert. Seit Jahren begeistert das Küchenteam sowohl Gäste als auch Gourmetkritiker und wird 2021 für seine kulinarischen Spitzenleistungen unter den Top 3 Gourmethotels des RELAX Guide geführt sowie mit zwei Gault-Millau-Hauben prämiert.

Kaiserhof Ellmau *****s

Hier wird essen zum Erlebnis

Für das kulinarische Erlebnis hat man die Wahl zwischen fünf Restauranträumlichkeiten, darunter das elegante Novelli, gemütliche Stuben und das Á-la-carte-Restaurant Kulinarium. Unser Lieblingsplatz im Sommer ist aber freilich die große Restaurantterrasse mit Bilderbuchausblick auf den Wilden Kaiser. Vor dieser traumhaften Kulisse kredenzt das herzliche Serviceteam sechsgängige Menüs aus Günter Lamperts Haubenküche. Regionale und biologische Zutaten vereinen sich zu modernen Gerichten, inspiriert von Küchen aus aller Welt. Hervorzuheben ist zudem die fachkundige Weinberatung von Sommelier Karl Rotheneder.

Highlights im Spa

Ein perfekter Urlaubstag im Kaiserhof beginnt mit einem herrlichen Frühstück auf der Terrasse mit selbstgemachten Marmeladen und Brotaufstrichen, frischem Gebäck und hausgemachtem Müsli. Gestärkt geht es auf eine ausgedehnte Wanderung oder gleich ins Spa mit zahlreichen Sonnendecks, acht verschiedenen Saunen und dem neuen Infinity-Dachpool mit grandiosem Ausblick auf den Wilden Kaiser. Diesen genießt man auch in der Sky-Bar, wo man den Tag bei einem Glas Wein gemütlich ausklingen lassen kann.

Kaiserhof Ellmau *****s

Den kritischen Kommentar zu diesem Wellnesshotel in Tirol lesen Sie hier: RELAX Guide – Kaiserhof Ellmau *****s

Weitere Informationen: Kaiserhof Ellmau *****s

Für mehr Urlaubsinspirationen folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Sommerlicher Kulturgenuss

Das Ronacher Therme & Spa *****s

Das Kärntner Drei-Lilien-Hotel Ronacher ist seit vielen Jahren Schauplatz von kulturellen Events. Von 9. Juli bis 28. August 2021 wird der Hotelpark zur zauberhaften Kulisse für Konzerte unter freiem Himmel.

Wiederaufleben der Kultur

Auf einer kleinen, sonnigen Anhöhe über dem Ort Bad Kleinkirchheim liegt das renommierte Traditionshotel Ronacher. Besonders geschätzt wird es für sein Heilwasser aus der hauseigenen Thermalquelle und das gemütliche Ambiente. Zusätzlich zum gewohnten Verwöhnprogramm erwarten die Gäste an vier Wochenenden zwischen 9. Juli und 28. August Outdoor-Konzerte im Hotelpark. „Kultur – Neu 2021“ lautet der Titel des diesjährigen kulturellen Sommerprogramms im Ronacher, das das Wiederaufleben der Kultur nach vielen stillen Monaten zelebriert.

Das Ronacher Therme & Spa *****s

Musikalisches Verwöhnprogramm

Für Unterhaltung in der unbeschwerten Atmosphäre des Elfengartens sorgen unter anderem das Streichquartett La Finesse, eine Hommage an die Comedian Harmonists und eine musikalisch-szenische Lesung mit Texten von Artur Rimbaud und den Gebrüdern Grimm sowie Musik von Nick Cave. Die Konzerte finden freitags für Hotelgäste statt – der Eintritt ist im Nächtigungspreis inkludiert –, an den Samstagen kommen auch Einheimische und Tagesgäste in den Kulturgenuss (Tickets für die Vorstellung kosten 39 Euro, mit Abendmenü 69 Euro).

Entspannung und Genuss auf allen Ebenen

Wer diesen Sommer Kultur gepaart mit Wellness genießen möchte, ist im Ronacher demnach bestens aufgehoben. Im weitläufigen Spa-Bereich warten unter anderem Indoor- und Outdoor-Thermalpools, sechs unterschiedliche Saunen und eine FKK-Liegewiese für nahtlose Bräune. Der kulinarische Genuss kommt ebenfalls nicht zu kurz: Das ausgezeichnete Frühstück kann man sich bis 12 Uhr schmecken lassen und abends verwöhnt die sehr gute Küche.

Das Ronacher Therme & Spa *****s

Den kritischen Kommentar zu diesem Wellnesshotel in Kärnten lesen Sie hier: RELAX Guide – Das Ronacher Therme & Spa *****s

Weitere Informationen: Das Ronacher Therme & Spa *****s – Kulturprogramm

Für mehr Urlaubsinspirationen folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Ehe ohne Sex

Ehe ohne Sex

Jede fünfte Ehe gilt als sexlos. Für Partnerschaften kann das eine enorme Belastung darstellen – besonders wenn das Problem nicht offen angesprochen wird. Es gibt aber durchaus Wege, um wieder Feuer ins Schlafzimmer zu bekommen.

Hinter geschlossenen Schlafzimmerfenstern

Von außen betrachtet war Alice’ Leben perfekt: Mit Anfang 40 hatte sie Karriere gemacht, herzige Kinder geboren, viele nette Freunde gewonnen und einen charmanten Mann geheiratet. Diese Fassade bröckelte allerdings, als sie eines Tages von ihrer Freundin Maureen McGrath, einer führenden Sexualexpertin Kanadas, nach einem Frauenabend nach Hause gefahren wurde. „Als wir uns ihrem Haus näherten, sah sie zu ihrem Schlafzimmerfenster und bemerkte, dass das Licht im Schlafzimmer noch an war. Sie sagte dann: ‚Oh nein, mein Mann wartet auf mich. Tu mir einen Gefallen, fahr ein paar Mal um den Block, bis das Licht ausgeht‘“, erzählte McGrath bei einer berühmt gewordenen Rede bei einer Ted-Konferenz. Bei den folgenden Extrarunden enthüllte die Freundin ihr Geheimnis. „Wir hatten seit einem Monat keinen Sex mehr, eigentlich war es vergangenes Jahr das letzte Mal“, gestand sie. Und sie wollte, dass das auch so bleibt. Diese Frau ist mit ihrem Schicksal alles andere als alleine. Das Phänomen „sexlose Ehe“ ist hinter den geschlossenen Schlafzimmerfenstern verbreiteter, als viele zugeben. Die Wissenschaft spricht von einer sexlosen Beziehung, wenn ein Paar weniger als zehn Mal im Jahr Sex hat. Und dies betrifft, wie gleich mehrere Umfragen – die größte davon durch die Universität Chicago in den USA – ergaben, etwa jedes fünfte. Rund zwei Prozent werden überhaupt nicht mehr intim.

Dass Paare – auch über längeren Zeitraum hinweg – keinen Sex haben, ist eigentlich normal, solange die körperliche Liebe wieder zurückkehrt. Jungeltern etwa, die trotz frisch geborenem Nachwuchs noch regelmäßig miteinander schlafen, sind wohl eher die Ausnahme als die Regel. Aber auch Stress oder Krankheit können zeitweise jede Lust rauben. Außerdem kann eine Beziehung theoretisch auch ohne Sex funktionieren, wenn beide Beteiligten dies wirklich wünschen. Das ist Sexualtherapeuten zufolge aber so gut wie nie der Fall. Meist ist ein Partner mit dem Intimleben unzufrieden und wendet sich ab. „Häufig haben Partner unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Häufigkeit sexueller Kontakte. Und natürlich gibt es kein Richtig oder Falsch. Problematisch wird es erst, wenn Sexualpartner ganz verschiedene Bedürfnisse haben und diese Bedürfnisse nicht thematisiert werden können“, so die Sexualtherapeutin Gabriela Kirschbaum. Während ein Partner sich zurückgewiesen fühlt, fühlt sich der andere bedrängt. Und daraus entsteht meist eine äußerst problematische Dynamik.

Lebenslüge Monogamie?

Eine harmonische monogame Beziehung gilt – besonders in der westlichen Welt – als Ideal schlechthin. Bei einer repräsentativen GfK-Umfrage betonten etwa zwei Drittel, dass Treue ein zentrales Element ihrer Beziehung ist. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Egal in welcher Epoche oder in welchem noch so rigiden politischen System, die Menschen sind immer fremdgegangen und werden es wohl auch künftig tun. Kann die Flaute, die sich in vielen Ehebetten breit macht, also vielleicht nicht auch daran liegen, dass wir in Beziehungsmustern leben, für die wir einfach nicht geschaffen sind?

In der Natur ist Monogamie jedenfalls eine absolute Ausnahme, die meistens nur durch das Fehlen von geeigneten Sexpartnern erklärt werden kann. Inzwischen weiß man auch, dass sogar der Schwan, der lange Zeit das Sinnbild für Treue schlechthin war, in Wahrheit kein Kostverächter ist. Ganz besonders gilt dies auch für unsere nächsten Verwandten im Tierreich: die Menschenaffen, deren DNA zu 98 Prozent mit unserer übereinstimmt. Neue Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass wir innerhalb dieser Gattung die größte Ähnlichkeit mit den Bonobo-Äffchen haben – und es gibt kaum eine Spezies, die es wilder treibt. Allerdings ist Sex hier mehr als bloßer Lustgewinn, er ist der Kitt des sozialen Lebens. Die Bonobos regeln ihre Konflikte durchwegs gewaltfrei und haben dafür täglich durchschnittlich alle 90 Minuten Sex in allen erdenklichen Variationen. Auch beim Menschen ist die Monogamie keineswegs gottgegeben, sondern entstand erst mit der Ausbreitung des Ackerbaus vor etwa 10.000 Jahren. Davor zogen wir Millionen von Jahren als Jäger und Sammler in Stämmen von 120 bis 150 Personen durch die Wildnis, die nach derzeitigem Wissensstand ihre Beute ebenso freigiebig teilten wie ihre Sexualpartner.

Ehe ohne Sex

Brüderchen und Schwesterchen

Auch wenn wir es bewusst nicht wahrnehmen, unsere gegenwärtigen Beziehungen werden von diesem inneren Jäger und Sammler noch immer entscheidend beeinflusst. Und seine archaische Programmierung widerspricht leider dem moralischen Anspruch diametral, unser Leben mit einem einzigen Partner zu teilen, bis dass der Tod uns scheidet. Vielmehr durchlaufen wir immer wieder ein uraltes Muster, mit dem die Natur dafür sorgt, dass Nachwuchs gezeugt und beschützt wird. Die „rosarote Brille“, mit der wir am Anfang einer neuen Beziehung lächelnd durch die Welt laufen, ist etwa einem Mix von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin nebst Testosteron und Östrogen geschuldet. Da bei Frauen nicht klar erkennbar ist, wann sie gerade ihre fruchtbaren Tage haben, sorgt die Natur mit diesen Botenstoffen dafür, dass das Paar die Finger nicht voneinander lassen kann, um so den richtigen Zeitpunkt für die Zeugung von Nachkommen zu erwischen. Nach etwa einem Jahr geht Mutter Natur davon aus, dass die Zeugungsphase erfolgreich war. Nun lässt sie das Gehirn ruhige Kuschelhormone wie Oxytocin und Vasopressin produzieren, die dafür sorgen, dass das Paar eine tiefe Verbundenheit verspürt. Diese soll verhindern, dass der Mann die ungeschützte Frau samt Kind umgehend sitzen lässt, um gleich wieder Jagd auf neue Eroberungen zu machen. Nach vier Jahren ist aber auch damit Schluss: Für die Natur ist der Nachwuchs nun überlebensfähig, das Paar hat seine Schuldigkeit getan. Aus evolutionsbiologischer Perspektive hat ein Zusammenbleiben der Eltern keinerlei Sinn mehr. Es wäre nun eigentlich Zeit, sich einen neuen Partner zu suchen, um eine möglichst große genetische Vielfalt zu erreichen. Tatsächlich beginnen in langen Beziehungen hier auch die Probleme: Aus dem ehemaligen Sexrausch werden Routinenummern eines eingespielten Teams. Die wohl oft ziemlich langweilig sind – so checkt laut einer Umfrage des Mobilfunkunternehmens SureCall jeder Zehnte während des Akts sein Handy. Viele Paare schalten nun in einen „Brüderchen und Schwesterchen“-Modus, wo es zwar eine tiefe Verbundenheit, aber keine sexuelle Anziehung mehr gibt. Es schlägt die Stunde der Beziehungsratgeber und Paartherapeuten.

Fuck-Dates

Wir stecken mit unseren Beziehungen also in einem großen Dilemma: Unsere Wertvorstellungen lassen uns nach dem Ideal der Monogamie streben, während unsere Biologie auf Hallodri getrimmt ist. Oder wie der berühmte Psychoanalytiker Erich Fromm in dem Buch „Die Kunst des Liebens“ schrieb: „Es gibt kaum ein Unterfangen, das mit so ungeheuren Erwartungen begonnen wurde und das mit einer solchen Regelmäßigkeit fehlschlägt, wie die Liebe.“ Allerdings – und das ist wohl der entscheidende Punkt – muss sich der Mensch in seinen Beziehungen nicht der Biologie unterwerfen, sondern kann sich bewusst gegen sie entscheiden. Wir können wählen, mit einer geliebten Person zusammenzubleiben, wohlwissend, dass unser Sexleben nie wieder so feurig sein wird wie am Anfang.

Es muss aber auch nicht vollkommen einschlafen. Ein erster Schritt, um zur Intimität zurückzufinden, wäre einmal, sich von der Vorstellung zu verabschieden, Sex könne nur dann stattfinden, wenn beide Partner Lust darauf haben. Stattdessen sollten regelmäßige „Fuck-Dates“ genauso eingeplant werden wie Besuche im Fitnessstudio. „Das Warten auf den perfekten Zeitpunkt, an dem die Lust zwei Menschen übermannt, ist nichts anderes als eine heimliche Vermeidungsstrategie. Sobald Sie sich das eingestanden haben, eröffnen sich jede Menge neuer Möglichkeiten für ein erfülltes Sexualleben“, so die Paarpsychologin Felicitas Heyne. Wobei man sich tunlichst von einer Vorstellung über perfekten Sex verabschieden sollte, da dieser ein weltfremdes Konstrukt von Pornografie, Werbung und Ratgebern ist. „Wichtig ist, Sex wieder als etwas Spielerisches, Vergnügliches zu betrachten: Ziehen Sie Lose, die darüber entscheiden, wer heute Abend wem zu Diensten ist oder welche Praktik Sie heute einmal ausprobieren wollen. Besuchen Sie gemeinsam eine Burlesque-Show oder experimentieren Sie mit wechselnden Sexspielzeugen. Und streichen Sie die Gleichung Sex ist gleich Geschlechtsverkehr ein für alle Mal aus Ihrem Kopf – Sie haben doch so viel mehr Möglichkeiten, Spaß mit- und aneinander zu haben“, so Heyne.

Von einer Variante, das Sexleben aufzupeppen, raten Sexualtherapeuten unisono ab – und zwar, eine weitere Person hinzuzunehmen. „Wenn wirklich beide einverstanden sind, dann kann man sich in einer Beziehung auf alles einigen. Aber auch da ist es so, dass der Wunsch meist mehr von einem ausgeht und der andere zwangsläufig mitmacht, weil er Angst hat, den Partner sonst ganz zu verlieren – und es sozusagen zähneknirschend aushält. Ich habe wenige Erfahrungen gemacht, dass das wirklich funktioniert“, sagte die Sexualtherapeutin Alexandra Hartmann etwa dem „Focus“. Dann gibt es natürlich eine weitere Variante: Ein Paar, das sich über Jahre hinweg innig liebt, kann tatsächlich eines Tages beschließen, keinen Sex mehr zu haben und dennoch das Leben weiter zu teilen. Und vielleicht kehrt ohne Druck die Lust auch von selbst wieder zurück.


Zum Weiterlesen: Christopher Ryan, Cacilda Jethá: „Sex: Die wahre Geschichte“, Klett-Cotta Verlag; Daniel Bergner: „Die versteckte Lust der Frauen: Ein Forschungsbericht“, Albrecht Knaus Verlag; Felicitas Heyne: „Fremdenverkehr: Warum wir so viel über Sex reden und trotzdem keinen mehr haben“, Goldmann Verlag

Folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Schlammschlachten im Namen der Liebe

Schlammschlachten

Nicht in allem, wo Wellness draufsteht, steckt tatsächlich Entspannung drin. Und so gerät ein gemeinsames Relax-Wochenende mitunter zum heiklen Parcours zwischen Stutenmilchbad, Saunatemperatur und Sole-Anwendungen.

Sie.

An sehr guten Tagen gibt sich der Mann an meiner Seite romantisch, dann sagt er Sätze wie: „Nichts schmeichelt einem Mann so sehr wie das Glück seiner Frau.“ Dazu gibt es manchmal Blumen – oder, zu besonderen Anlässen, ein W-Wo. Was das ist? Nun, mit dieser Abkürzung wird im Hause Kuhn/Hufnagl der Begriff „Wellness-Wochenende“ so entschärft, dass am Ende jeder daraus machen kann, was er sich persönlich darunter vorstellt. Weil er „ganz sicher nie mehr irgendwas macht, wo Wellness draufsteht“.

Zugegeben, er ist da etwas traumatisiert. Seit damals, als wir im Rahmen von drei Paar-Wellness-Tagen dazu angeleitet wurden, uns gegenseitig in einer engen, dampfigen Kabine mit farbigem Gatsch die Chakren (oder so) einzuschmieren. Irgendwann saßen wir da und starrten einander an – er mein orangefarbenes Dekolleté und die beigegrünen Oberschenkel, ich seinen goldigen Nabel und die roten Tupfen rund um die Augen, in denen ein einziger Hilferuf abzulesen war: Hol mich hier raus! Die für den nächsten Tag geplante „Vegane Schoko-Massage“ für zwei sagten wir ebenso ab wie das Stutenmilchbad-Tête-à-Tête an Klangschalensymphonie. Seit damals muss ich sehr behutsam mit dem Thema „Erholung“ umgehen, zumal sich unsere Vorstellungen, wie diese auszusehen hat, sowieso grundlegend unterscheiden.

Zwei unterschiedliche Welten

Entspannungsurlaub lässt sich aus seiner Sicht vor allem an folgenden drei Dingen festmachen: Viel und gut essen. Fein trinken. Sowie den ganzen Tag auf einem Golfplatz darüber sinnieren, wie man die Flugbahn des Balls optimieren könnte. Eine mathematische Parabel, übrigens, die wenig Kommunikation mit der Ehefrau zulässt, die ihn dann mit überflüssigen Bemerkungen wie, Herrliche Luft, stimmt’s? aus der Fassung bringt. Dazu kommt: Das Wasser, in dem er zu planschen gedenkt, darf auf keinen Fall warm sein, weil: „Wäh!“ Hingegen sollte die Sauna, in der er Entspannung sucht, so heiß sein, dass man auf seinem Popsch Spiegeleier braten könnte. Sehr viel Öl bei der Massage? Geht gar nicht, das würde ihn an das Mayonnaisesalat-Trauma seiner Kindheit erinnern, besser, man fragt nicht. Auch der Idee eines Fastenwochenendes kann er wenig abgewinnen: „Bitte, warum soll ich Geld für nichts ausgeben und einen Abend lang in drei Erbsen herumstochern?“ Also fühlt er sich belästigt, wenn ich ihm mit warmem Getreidebrei und dampfendem Kräutertee gegenübersitze, während er sich bereits das zweite Omelett, „aber bitte mit doppelt Käse und dreifach Speck“ bestellt, zum Erstaunen des Personals.

Und dennoch wagen wir alle Jahre wieder den Versuch, in getrennten Welten gemeinsame Tage zu verbringen. Während er über den Rasen rast, kleinen, weißen Bällen beim Fliegen zuschaut, liege ich im wohltemperierten Wasser, transpiriere in einer mäßig warmen Sauna, bade in Öl und freue mich beim mittäglichen Stochern in Erbsen auf das abendliche Viergangmenü mit ihm. Wo wir einander zuprosten (ich mit Karottensaft, er mit kräftigem Veltliner) und darüber plaudern, was wir tagsüber erlebt haben. Ja, das Leben ist, was man daraus macht – das gilt auch für wunderbar gemeinsame W-Wos.

Er.

„Ich bin doch nicht deppert“, habe ich gesagt. „Sei nicht so fad, das ist vielleicht lustig“, hat sie gesagt. Darauf ich: „Wellness mit Motto? Mit mir fix nicht.“ Darauf sie: „Aber du bist bei Erotikthemen doch sonst nicht so ablehnend.“ An diesen Dialog musste ich später denken, als meine Frau und ich Hand in Hand auf einer Scheibe lagen. Nackt. Und sich plötzlich aus Deckendüsen ein Schlammregen über uns ergoss. Dann begann sich die Scheibe langsam zu drehen, stellte sich einmal links auf, einmal rechts auf, einmal oben, einmal unten, wieder links, rechts, oben, unten. Mit dem Effekt, dass sich die Liebste und ich fühlten wie in einer Pfanne geschwenkte Schlammkoteletts. Die vermeintlich innovative Idee: Wir sollten einander unter kaum kontrollierbaren Umständen wahrnehmen, berühren und zu fassen versuchen. In Wahrheit rutschten und kugelten wir hilflos wie betäubte Seelöwen umher und hielten unsere glitschigen Körper nur deshalb fest, um nicht von der Scheibe zu plumpsen. Erotik also. Oder doch eher ein Erlebnis so sinnlich wie Schüttelfrost am Bärenfell vor dem Kaminfeuer. Das einzig Prickelnde dieses Miteinanders war das Bier danach, verbunden mit dem Kuhn’schen Eingeständnis, dass wir dem Ungeheuer von Wellness ins Auge geblickt haben. Da wussten wir allerdings nicht, was dem Schlamassel noch alles im Namen der Paar-Belebung folgen sollte.

Gemeinsam getrennte Wege gehen

Das Konzept „Wälze dich in den zweiten Ehefrühling“ hat sich jedenfalls nicht durchgesetzt, weil sich das Spa-Rad eben nicht neu erfinden lässt und die Erde auch in Wohlfühloasen keine Scheibe ist. Daher bleibt mein Credo: Für mich bitte eine Runde Golf, eine Sauna, eine Nackenmassage, ein Schnitzerl und ein Achterl Veltliner – schon bin ich glücklich. Ein Gefühl, das allerdings stark beeinträchtigt wird, wenn gnä Kuhn mit einem sonderbar verklärten Blick von der gefühlt siebenstündigen Lomi-Lomi-Nui-Behandlung zurückkehrt und aussieht, als hätte sie am Grund einer Ölwanne nach dem Sinn des Lebens gesucht. Und das mir, der schon aus der seelisch-geistigen Balance kippt, wenn vom Frühstückssemmerl ein Honigtropfen auf dem Finger landet. Sie jedoch verbucht ihr lominöses Dasein nach dem Motto „Glanz oder gar nicht“ ernsthaft als Genuss. Wie das Liegen im überheizten Sprudelbecken, das Sitzen im unterheizten Dampfbad und das Herumstehen im Yogastudio (oder was auch immer sie dort tut). Und sie hat komischerweise auch nichts dagegen, sich mit zig anderen Bademantelmenschen und Schwitzfiguren in Ruheräumen zu versammeln, um dort bei einer geschätzten Raumtemperatur von 45 Grad zu dösen, angeblich entspannt. Während in mir an so einem Ort lediglich das Verlangen wächst, die Produzenten von Wellnesstempelmusik einen ganzen Tag lang einzusperren, wo sie ihren eigenen Klavier-Harfe-Panflöte-Arrangements lauschen müssen – bis sie verzweifelt nach Bäumen rufen, die sie in ihrem Wahnsinn am liebsten fällen wollen, statt sie zu umarmen. Aber was tut ein Mann nicht alles für die Liebe? Und so werden wir sicher schon bald wieder durch ein Relax-Refugium spazieren, um dort gemeinsam getrennte Wege zu gehen. Ganz ohne Schlammschlacht.


Zu den Autoren: Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl sind tatsächlich verheiratet – und schreiben jeden Sonntag die SIE/ER-Kolumne „Paaradox“ in der Tageszeitung KURIER. Daraus entwickelten sie im Jahr 2014 ein Lese-Kabarett. Das aktuelle Programm „Schatzi, geht’s noch?“ ist – sofern es die Lage erlaubt – im Wiener Rabenhof Theater zu sehen.

Schlammschlachten

Folgen Sie uns auf Facebook & Instagram

Hochkarätiges Künstlertreffen im Astoria

Mit „Bergauf mit Cultour“ hat Elisabeth Gürtler bereits 2020 Kultur und zahlreiche Künstler nach Seefeld und ins Astoria Resort gebracht. Nun wird das erfolgreiche Konzept von 24. bis 27. Juni nicht nur fortgesetzt, sondern auch um den Teil der Bildenden Kunst erweitert.

2021 wird wieder gereist, aber anders als vor der Pandemie. Qualität zählt mehr denn je, ebenso Sicherheit und Vertrauen. Bereits im Vorjahr hat Elisabeth Gürtler, Gastgeberin im Astoria Resort Seefeld, mit internationalen KünstlerInnen und TouristikerInnen ihr Konzept „Bergauf mit Cultour“ präsentiert. Dieses wird nun durch eine Kooperation mit dem Kunstexperten Rafael Jablonka und der Präsentation der Sammlung Jablonka erweitert und Seefeld so als kultureller Hotspot in Tirol etabliert.

Am Programm vom 24. bis 27. Juni 2021 stehen etwa die Eröffnung der Ausstellung von Philip Taaffe – „We Are Not Afraid“, ein Spaziergang zu Rafael Jablonkas „Haus T.“ – ein Kunstwerk von Thomas Schütte sowie musikalische und kulinarische Highlights. Zu den zahlreichen geladenen Gästen aus Kunst und Kultur gehören unter anderem Startenor Michael Schade mit seiner Frau Dee McKee, Burgtheater Schauspielerin Mavie Hörbiger, Geiger Julian Rachlin und Schauspieler Peter Simonischek.

Im Paket inkludiert sind die Teilnahme am Event sowie drei Übernachtungen inklusive Halbpension.

Bergauf mit Cultour 2021

Für mehr Urlaubsinspirationen folgen Sie uns auf Facebook & Instagram.