Illusionen kosten extra

Jeder kennt das Phänomen, obwohl es bis vor kurzem kein Wort dafür gab. Luxus, der gar keiner ist, aber die Illusion desselben vorgaukelt.

Etwa das „Speedy Boarding“ von Easyjet: Man muss zwar zum Billigterminal, darf dort aber als Erster, vorbei an den wartenden Massen, ins Flugzeug steigen. Oder Fünfstern-Hotels, die eben genau kein Fünfstern-Service anbieten, dafür als Schnäppchen buchbar sind.

Auch die Premium-Economy-Klasse gehört dazu. Weil die Sitze in der Economy aus Einsparungsgründen so unwürdig eng gestellt sind, wird heute vielfach die ehemals selbstverständliche Beinfreiheit als Premium-Produkt verkauft. Der Trost: Man fliegt zwar Economy, sitzt dort aber immerhin ganz vorn.

Seit kurzem gibt es nun eine Bezeichnung für das Phänomen, sie heißt auf Englisch Premium-Mediocre, was mit Premium-Mittelmäßigkeit übersetzbar ist.

Zur Premium-Mittelmäßigkeit zählen auch vermeintlich raffinierte Gourmetprodukte, etwa Trüffel-Öl ohne Trüffel (dafür mit künstlichem Trüffelaroma) oder Balsamico-Essig, der nicht wie der echte Balsamico über viele Jahre gereift (und damit für die meisten unerschwinglich), sondern nur ein Gemisch aus billigem Weinessig mit Traubenmost und Zuckercouleur ist.

Premium-Mittelmaß ist zum Beispiel auch die A-Klasse von Mercedes. Sie ist nicht besser als ein Golf, allerdings teurer. Doch sie vermittelt jenen Käufern, die sich nie einen großen Mercedes leisten könnten, sie wären Mitglied im Club der Nutzer von Premium-Marken. Illusionen kann man also auch kaufen. Mit dem Preisaufschlag für eine Dosis Premium.

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