Eine Heilige als Wurst-Vorbild

Chonchita Wurst, die in goldener Robe den Eurovisionscontest gewann, hat ein optisches Vorbild: Sankt Kümmernis, die legendäre Volksheilige mit dem Bart. Sie war im Europa des Mittelalters populär und wurde als Signum von Keuschheit und Jungfräulichkeit bis in das späte 16. Jahrhundert verehrt.

Der Legende nach war sie die Tochter eines heidnischen Königs von Portugal, die sich taufen ließ. Um der Vermählung mit einem Heiden zu entgehen, bat sie Gott, ihr einen Bart wachsen zu lassen, was auch geschah. Dafür ließ sie der zornige Vater mit in Lumpen bekleidet ans Kreuz schlagen. Bevor die androgyne Katholikin starb, bekehrte sie viele, sogar auch ihren Vater, der sie sterbend in kostbare Stoffe hüllen ließ – goldene Schuhe inklusive.

Keuschheit verheißt übrigens auch der spanische Mädchenname Chonchita, leitet er sich doch von der Unbefleckten Empfängnis ab. Die Verwendung religiöser Symbole zum Zwecke schräger Inszenierungen hat freilich noch niemanden gestört. Warum auch? Wer der bärtigen Wurst zujubelt, darf sich als besserer, toleranterer Mensch fühlen. Und außerdem: Es ist doch eh alles wurst!

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