Hotelbewertungen einfach kaufen

Ein Drittel bis die Hälfte der Bewertungen auf Internetplattformen sind laut wissenschaftlichen Untersuchungen Fakes, also Fälschungen. Fake-Bewertungen sind mittlerweile ein riesiges Geschäft geworden, erst vor kurzem flogen zwei Wiener Marketingagenturen auf, die hunderttausende Bewertungen gefälscht hatten.

In der Regel läuft das Geschäft still und heimlich ab, eine Agentur aus Nordrhein-Westfalen macht es anders. Ganz ungeniert wirbt sie mit „Für welche Plattform benötigen Sie Bewertungen?“ und stellt gleich die Preise dazu. So kosten etwa 15 Bewertungen auf Holidaycheck 249,95 Euro. In Indien oder China geht es freilich viel billiger.

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Ein Haufen Kohle für das Grillen

Die Deutschen sind Grillweltmeister, rund 1,2 Milliarden Euro haben sie im Vorjahr für Grillgeräte und Zubehör ausgegeben, in diesem Jahr soll der Umsatz nochmals gewaltig steigen. Vor allem mit Zubehör, das spezielle Zubereitungsarten ermöglicht, etwa das Backen von Pizzen und Kuchen. Auch Garpunkthermometer stehen hoch im Kurs, ganz neu ist eine App, die den Grillmeister benachrichtigt, wenn das Steak fertiggegart ist.

Der weltgrößte Grillfachhändler befindet sich übrigens in Köln. Er heißt Santos Grill Shop und bietet mehr als 4.000 Geräte zum Mitnehmen, das teuerste kostet knapp 25.000 Euro.

Hausboot viel billiger als Wohnung

Eine Folge der Globalisierung sind hohe Immobilienpreise – und natürlich auch hohe Mieten. In London sind diese inzwischen so exorbitant hoch, dass Tausende bereits in Hausbooten wohnen. Seit 2012 hat die Anzahl der Boote auf den Londoner Gewässern um 60 Prozent zugenommen, Tendenz weiterhin steigend. Familien, berufstätige Singles wohnen ebenso auf ihnen wie Rentner.

Bayerische Wirte im Käsekampf

Seit Menschengedenken gehört der Obazda zur bayerischen Brotzeit. Ein Aufstrich aus Camembert, Frischkäse, Zwiebeln, Schnittlauch und Radieschen, den viele Wirte noch selbst anrühren, ehe sie ihn im Biergarten servieren.

Genau diese Wirte bekommen nun ein Problem. Denn die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie pochten in Brüssel auf eine geschützte Marke für den Obazda. Und die EU beeilt sich dienstbeflissen, Auflagen, Rezepturen und Kontrollen einzuführen. Während die großen Hersteller von der Bürokratisierung profitieren, können die kleinen Wirte die Kontrollen nicht bezahlen – und müssen wohl auf Industrieprodukte umsteigen.

Allerdings: Findige Wirte umgehen die teuren Gebühren, in dem sie ihren Käseaufstrich einfach umbenennen. Ein Gastwirt am Tegernsee benannte ihn inzwischen in „Bräubazi“ um.

Beruhigend: der Mohn

Gemeinsam mit Mohn sollte man am besten auch gleich Zahnseide mitverkaufen. Oder zumindest einen Warnhinweis für Grins-Selfie-Süchtige auf der Packung aufbringen. Dem Mohn gefällt es schließlich, vor allem in gemahlener Form, im Mund ganz gut; vor allem die Zahnreihen haben es ihm angetan, hier spielt er gern Verstecken. Das ist aber auch schon das einzige, was man ihm vorwerfen kann.

Mohn, dieses so eindeutig mitteleuropäische Lebensmittel und eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, verdient vielmehr eine oder gleich mehrere Liebeserklärungen. Das dachte sich auch der Verleger Hubert Krenn, der mit seinem Team das Buch „Mohn-Klassiker. Die besten Rezepte aus Europa“ herausgebracht hat. Was Artemis, der römische Senator Petronius Arbiter oder Kleidermacher aus Mykene mit Mohn zu tun haben, ist darin auch zu lesen, interessiert uns aber weniger als die Ideen, was man mit Mohn in der Küche machen kann (offenbar ist es aber für jeden Verleger heute undenkbar, auf Wikipedia-Historisches zu verzichten).

Wir blättern weiter zu jenem Kapitel, in dem Blaumohn, Graumohn und Weißmohn vorgestellt werden und beispielhaft ein paar Mohngerichte. Wir lesen Mohnsterz, Mohnknödel, Mohnnockerl, Mohnnudeln, Mohnflecken, Mohntorten, Mohnniegelen … Und schon sind wir ganz eingelullt von der beruhigenden Wirkung des deutschen Worts Mohn. Mohn. Moohn. Mooooohn. Ganz anders würde es Lesern einer englischen Version gehen: Geradezu aufputschend wirkt das englische Wort poppy seeds!

Der Rezeptblock des mit Liebe und Feingefühl fotografierten Buchs startet mit Füllungen aus Mohn, sieben an der Zahl. Ob für Strudel, Kipferln, Tascherln oder Knödel, mit Apfel und Vanille, mit Kirschen, mit Birne … Und wie gut passt hier der Hinweis auf die mögliche Verfeinerung mit Birnenschnaps: Alkohol, vor allem der gute alte Inländerrum oder Sliwowitz, plus Mohn sind traditionell ein gutes Gespann. Weitere Rezepte, viele mit Herkunftsangabe versehen: Aus Ungarn kommen sowohl Flódni, ein Apfel-Mohn-Walnusskuchen jüdischen Ursprungs, der übrigens mit langem o und ohne d ausgesprochen wird, als auch die hübschen dreieckigen Hamantaschen. Aus der Ukraine stammen der dekorative Klosterhüttchenkuchen aus einem Sauerrahmteig mit Weichsel- und Mohnfülle sowie Kutja, eine traditionelle Weihnachtsspeise aus Zartweizen, Nüssen, Mohn und getrockneten Früchten. Polen steuert Kolocz Slaski bei, einen Streuselkuchen mit Mohn, Mandeln und Kokos, und Österreich wartet – natürlich! – mit seinen berühmten Mohnnudeln auf. Die auch wieder irgendwie böhmischen Ursprungs sind. Mohn bleibt eben völkerverbindend.

Rezepte im PDF Format:
Klosterhüttchenkuchen
Topfenkuchen
Ungarische Beigli
Waldviertler Mohnzelten

Hubert Krenn:
Mohn-Klassiker. Die besten Rezepte aus Europa

Krenn Verlag, 160 Seiten
19,95 Euro


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Bitte auf die Sprache achten!

Eine wahre Begebenheit aus dem Wiener Café Hummel.

Es ist spät, die Sperrstunde naht. Eine pensionierte Germanistikprofessorin sitzt alleine beim Wein. Sie hatte sichtlich schon einiges getrunken. Sie ruft nach dem Kellner.
„Bitte … Herr Toni … noch ein Vierterl … vom Roten“.

Der Kellner Toni: „Geh, Frau Professor, sie ham jo eh scho gnua. Gengans do z’Haus.“
Die Professorin hebt den Zeigefinger und lallt entrüstet: „Bitte, es heißt … nicht zu Hause, sondern … nach Hause!“