Der ganz normale Seitensprung

Jedes Geschichtsbuch macht deutlich, wie sexbesessen der Mensch eigentlich ist. Das Problem dabei: Unser Wertesystem ist auf Monogamie ausgelegt, unsere Biologie hingegen auf das Gegenteil. Neues aus der Evolutionsforschung.

Die Welt wäre um einiges einfacher, hätte der Mensch das Paarungsverhalten des Diplozoon paradoxum. Sobald diese Fischparasiten geschlechtsreif sind, verkoppeln sich Männchen und Weibchen untrennbar ineinander und bleiben fortan ein einziges zwitterhaftes Wesen. Entsprechend monoton ist das Sexleben: Die Samenleiter des Männchens verwachsen mit der Vagina des Weibchens – es ist nichts mehr zu tun!
Beim Menschen ist es nicht ganz so einfach. Zwar gilt Monogamie vor allem in der westlichen Welt noch immer als das Beziehungsideal und Treue als zentraler Wert zwischen Liebenden, doch gibt es dabei ein dezentes Problem: Der Mensch scheint nicht auf Monogamie programmiert zu sein. Denn wäre er es, dann würde Sex mit anderen niemanden interessieren.
Auch ein Blick in die Statistik beweist, dass Treue zwar ein Ideal ist, die Realität aber häufig anders aussieht: Bei unterschiedlichen Untersuchungen liegt die Zahl der Männer, die zugaben, schon fremdgegangen zu sein, bei rund 50 Prozent, bei Frauen sind es 40 Prozent.
Seitdem die Ehe ihre Bedeutung zunehmend verliert, steigt die Zahl der Scheidungen in westlichen Ländern rasant. Inzwischen findet jede zweite Ehe ein Ende, bevor der Tod sie scheidet. Haupttrennungsgrund ist – die Untreue eines Partners!


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Treue als zentrales Element der Beziehung

Wie wichtig Treue für uns ist, bestätigen Studien stets aufs Neue: Bei einer repräsentativen GfK-Umfrage etwa betonten rund zwei Drittel, dass Treue ein zentrales Element ihrer Beziehung ist. Eine Zahl, die über Jahre hinweg konstant bleibt. Der Liebesalltag profitiert allerdings kaum von diesem Ideal: Paare, die einander tatsächlich dauernd treu bleiben, machen oft große Abstriche in ihrem Sexualleben. Der riesige Markt von Paartherapeuten, Sexratgebern, Erektionshilfen und Lustpillen kommt wohl nicht von ungefähr. Dennoch leidet etwa in den USA fast jede zweite Frau unter sexueller Lustlosigkeit.
Doch wenn Monogamie die beste Beziehungsform für uns ist, wieso haben wir dann so ein riesiges Problem damit? Untreue ist auch kein neues Phänomen, ganz im Gegenteil: Schon die Protagonisten im Alten Testament hatten – nicht unbedingt gottgefällig – jede Menge Affären. König David beispielsweise schwängerte die Ehefrau eines Offiziers, während dieser für ihn im Krieg kämpfte. Und der römische Dichter Ovid liefert eine sehr modern anmutende Anleitung für den erfolgreichen Seitensprung – genießen und vertuschen: „Ist’s einmal heraus, leugne es beharrlich ab. Schone aber nicht deine Lenden! Leugne durch Beischlaf, dass du mit einer anderen schliefst!“
Auch jedes Geschichtsbuch macht deutlich, wie sexbesessen wir tatsächlich sind. Berichte über Mätressen von mächtigen Männern gibt es ohne Zahl. Der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy bestellte sich sogar Prostituierte ins Weiße Haus. Doch auch einflussreiche Frauen wie etwa Kleopatra waren alles andere als Kostverächterinnen.
Seit jeher wühlen die Medien im Schlamm des Intimen und ergötzt sich das Publikum an Affären und bizarren Ausschweifungen. Auch der milliardenschwere Pornomarkt muss von unserem unbändigen Interesse an Sex getrieben sein. Doch genauso interessiert, wie wir sind, schämen wir uns auch dafür. Kein Aspekt menschlichen Lebens ist so mit Moral überschüttet und verlogen wie der Umgang mit Sex. Bis heute predigen konservative Politiker und Kirchenmänner gerne traditionelle Familienwerte, nur um sich danach zur Geliebten oder zu einer – mitunter auch männlichen – Prostituierten davonzustehlen. Die linksliberale Gegenseite ist um nichts besser: Die ewigen Diskussionen über Herrenwitze, sexuelle Belästigung und Eye-Raping dokumentieren ebenfalls ein ziemlich gestörtes Verhältnis zur Sexualität – nur das Wording ist halt politisch korrekt.
„Wir leben zwar in angeblich liberalen Zeiten, doch manche auf der Hand liegenden schmerzhaften Wahrheiten darf man nicht aussprechen. Der Gegensatz zu dem, was wir fühlen sollen, und dem, was wir tatsächlich fühlen, ist möglicherweise die Hauptursache von Verwirrung, Unzufriedenheit und unnötigem Leid. Die üblichen Antworten lösen ja nicht das Rätsel, das unser Liebesleben durchzieht: Warum sind Männer und Frauen in ihren Sehnsüchten, Fantasien, Reaktionen und ihrem Sexualverhalten so verschieden? Warum betrügen wir einander und lassen uns häufig immer wieder scheiden, sofern wir überhaupt noch heiraten? Woher kommen die Heerscharen alleinerziehender Mütter und Väter? Warum schwindet die Leidenschaft oft schon bald nach der Hochzeit? Wodurch erlischt dieses Verlangen?“, fragt sich auch der Evolutionsbiologe Christopher Ryan in dem Buch „Sex: Die wahre Geschichte“.
Wie sehr wir unseren Trieben misstrauen, spiegelt sich schon in den unzähligen Gesetzen und Vorschriften, die den menschlichen Verkehr in geordnete Bahnen bringen sollen. Zum ersten Mal schrieben die Babylonier vor 4.000 Jahren ein Gesetz auf, das den Ehebruch verbat. Doch auch in Athen, Rom und Ägypten war Sex mit einer verheirateten Person tabu. Christen und Juden sandte sogar Gott persönlich via Moses das sechste Gebot, dem zufolge man „nicht ehebrechen“ soll.
Dass das Christentum mit der Sexualität generell auf Kriegsfuß steht, ist hinlänglich bekannt. Obwohl Jesus kein Wort davon gesprochen hatte, erhob schon das frühe Christentum das Zölibat zum Ideal und machte aus Sex etwas Schmutziges.
Im 11. Jahrhundert übernahm die christliche Kirche endgültig die Kontrolle über die Ehe. Die Nachwehen der darauf folgenden Massentraumatisierung wirken bis heute: Sex galt nun nicht nur als unrein, sondern zog – sobald er die engen kirchlich vorgegebenen Strukturen verließ – den Zorn Gottes auf sich. Der Platz in der Hölle war dem Sexsünder so gut wie sicher.
Da aber nicht einmal das gestrenge Auge Gottes die Menschen davon abhalten konnte, es weiterhin bunt miteinander zu treiben, wurden Vergehen von Kirchengerichten hart bestraft. Wobei Arme schneller und härter bestraft wurden als Reiche.
Erst die Aufklärung ermutigte die Menschen, Autoritäten zu hinterfragen – auch die kirchliche Lehre. Doch selbst im 21. Jahrhundert ist der Nachhall der Sexverteufelung noch einfach zu finden: In Boulevardmedien stösst man schnell auf eine Story, in der eine „richtige Sau“ angeprangert wird. Besonders in den USA gibt es weiterhin bizarre Gesetze, die an das Kirchengericht erinnern: So darf etwa eine Frau in Arizona höchstens zwei funktionstüchtige Dildos besitzen, in 18 Bundesstaaten ist Oralverkehr selbst zwischen Eheleuten verboten, und in Virginia darf der Liebesakt nur im Dunkeln vollzogen werden.

Hippie-Ahnen in der Sex-Kommune

Das Christentum steht mit seiner Sexfeindlichkeit aber nicht alleine da: Alle Kulturen, in denen sich der Ackerbau durchsetzte, regeln die Sexualität auf irgendeine Art, wobei vor allem die Frauen mit allerhand Vorschriften bedacht wurden. Der Grund dafür: Kontrolle! Denn Sexualität ist, sobald sie mit Scham besetzt ist, ein sehr effektives Mittel sozialer Kontrolle.
In der Natur ist Monogamie indes eine Ausnahmeerscheinung. Weniger als 10 Prozent aller Tierarten binden sich fest an einen Partner. Selbst der Schwan, das Symbol für Treue schlechthin, ist in Wahrheit ein Hallodri, wie Genanalysen zeigten. Forscher gehen mittlerweile sogar soweit, zu behaupten, dass Monogamie eine derartige Ausnahmeerscheinung ist, dass sie zumeist einen enormen Erklärungsbedarf hat.
Diesen Erklärungsbedarf hat sie auch beim Menschen: Denn monogame Beziehungen entstanden erst mit der Ausbreitung des Ackerbaus vor etwa 10.000 Jahren. Millionen von Jahren zuvor hatten wir als Jäger und Sammler mit weitaus liberaleren Ansichten gelebt. „Die Entstehung der Landwirtschaft ist der Wendepunkt, der dazu führte, dass moderne Menschen völlig anders als alle anderen Tiere und früheren Menschentypen leben und denken“, schreibt der Archäologe Steven Mithen.
Über die Jahrmillionen, in denen sich der Mensch als Jäger und Sammler durch die Evolution schleppte, ist wenig bekannt. Fest steht aber, dass unser Bild des schlecht gekleideten Neandertalers, der eine Keule schwingt, während er eine erbeutete Frau in seine Höhle schleppt, blanker Unsinn ist. Unsere Vorgänger waren auch keine Einzelkämpfer, sondern dürften in Stämmen von 120 bis 150 Personen gelebt haben. Funde und Knochenauswertungen deuten zudem darauf hin, dass es damals keineswegs so dunkel und brutal war, wie man lange Zeit geglaubt hatte. Im Gegenteil: Es dürfte ziemlich friedlich zugegangen sein. Die materielle Versorgung war meistens gewährleistet, und Streit wurde eher mit Sex als mit Gewalt gelöst.
Die Mitglieder einer Gruppe dürften in einer Nähe zueinander gelebt haben, die heute eher unerträglich wäre. Die einzelnen Personen verstanden sich auch nicht als Individuen wie heute, sondern als Teil ihres Stammes. Innerhalb der Gruppe gab es kaum Rangordnungen, und wenn überhaupt, dann hatten eher Frauen das Sagen. Die Nahrung wurde untereinander geteilt, horten galt als Verbrechen. Genauso großzügig ging es beim Sex zu: Zwar gab es wohl auch Tabus, aber grundsätzlich trieb es jeder mit jedem. Kinder galten folgerichtig nicht als Besitz der Eltern, sondern wurden vom Stamm aufgezogen.

Deprimierender Sex am Bauernhof

Wie sehr wir mit dieser Art zu leben anscheinend noch immer in Resonanz stehen, zeigte sich, als 2009 der Film „Avatar“ in die Kinos kam. Er zeigte das Leben einer fiktiven „Na’vi“-Rasse auf dem Planeten Pandora in magischem Einklang mit der Natur und untereinander. Das natürlich filmisch krass überzeichnete Szenario entsprach in etwa jenem unserer Ahnen – allerdings ohne Orgien, da der Film auch für Kinder gedacht war. Der Film löste eine ungeahnte Welle an depressiven Verstimmungen aus, die medial den Namen „Avatar Blues“ erhielten. Die Zuseher sehnten sich danach, auch in dieser Welt zu leben anstatt in der grauen Trostlosigkeit westlicher Städte.
Aus nicht ganz geklärten Gründen – die Theorien reichen bis hin zu einer Intervention von Außerirdischen – entschieden sich unsere Vorfahren vor 10.000 Jahren dafür, Bauern zu werden, obwohl die Arbeit wesentlich aufwendiger als das Sammeln und Jagen war. Dadurch änderte sich alles: das Bevölkerungswachstum, die Organisationsformen, die Götter, Familienstrukturen wie Geschlechterhierarchien. Begriffe wie Besitz, Reichtum und Erblinie wurden geboren. Um sicherzustellen, dass nur ihre eigenen Kinder von der harten Arbeit profitierten, achteten die Männer plötzlich akribisch darauf, dass ihre Frauen mit niemand anderem Sex hatten. So entstand nebenbei das Patriarchat: die Frau wurde als Eigentum des Mannes dem Haushalt einverleibt, der Zugang zu den materiellen Ressourcen an ihre sexuelle Verfügbarkeit geknüpft.
Seitdem herrscht jenes menschliche Sexualschema, das Charles Darwin in der Evolutionstheorie ausformulierte: Männer streben danach, ihre im Überfluss vorhandenen Spermien möglichst weit über die Welt zu verteilen und dabei gleichzeitig eine oder mehrere Frauen zu kontrollieren, um die Wahrscheinlichkeit der eigenen Vaterschaft zu erhöhen. Frauen hingegen hüten ihren begrenzten Vorrat an Eizellen, den sie nicht an unwürdige Männchen verschwenden dürfen. Haben sie aber einmal ihren Versorger in der Tasche, heben sie während des Eisprungs willig den Rock für heimliche Paarungen mit Alphamännchen mit überlegener genetischer Ausstattung.
Grob heruntergebrochen läuft seither das Paarungsverhalten folgendermaßen ab: Bursche trifft Mädchen; Bursche schaut auf Jugend, Gesundheit, Fruchtbarkeit und sexuelle Unerfahrenheit des Mädchens. Mädchen schaut auf Wohlstand, Gesundheit und hohen sozialen Status. Bei einer Übereinstimmung kommt es zum Geschlechtsakt.
Entsprechend deprimierend wurde auch der Sex: „Während die Sexualität von Jägern und Sammlern auf der Idee des Teilens und der Komplementarität beruhte, war der Sex der frühen Bauern voyeuristisch, repressiv, homophob und auf die Fortpflanzung ausgerichtet. In ihrer Furcht vor der Wildnis machten die Bauern sich daran, diese zu zerstören“, argumentiert der Archäologe Timothy Taylor in dem Buch „The Prehistory of Sex“.

Nachschau bei Schimpansen und Bonobos

Die Monogamie siegte dennoch, und sie trug maßgeblich zum Bevölkerungswachstum bei. Wenn Wissenschafter meinen, eine solche Zweckgemeinschaft sei bloß evolutionsbedingt, dann lassen sie freilich ein zentrales Wesensmerkmal des Menschen außer Acht: Wir begehren nicht nur, wir lieben auch!
Will man der ursprünglichen Sexualität des Menschen auf die Spur kommen, dann liegt es nahe, unsere nächsten Verwandten im Tierreich zu studieren, die Menschenaffen. Ihre DNA stimmt mit unserer zu mehr als 98 Prozent überein – der genetische Unterschied Rotkehlchen und Braunkehlchen ist größer!
Unter allen Menschenaffen gibt es nur eine einzige Spezies, die monogam ist: den Gibbonaffen. Er lebt genügsam in Kleinfamilien, verlässt so gut wie nie seinen Baum, ist unintelligent, und sein Sex dient ausschließlich der Fortpflanzung. Kurzum: als Modell menschlichen Sexualverhaltens ist er bedeutungslos.
Ganz anders da die Schimpansen und Bonobos. Zuerst studierte man im 20. Jahrhundert aber das Treiben der Schimpansen. Doch sie sind machtbesessen, eifersüchtig, hinterhältig, aggressiv und gewalttätig. Forscher berichteten von Mord, organisierten Kriegszügen, Vergewaltigungen und Kindstötungen.
Entsprechend negativ war auch das Fazit der Wissenschaftler: In einer solcherart schaurigen Welt würde auch der Mensch leben, ließe er seiner grausamen Natur freien Lauf. „Es steht zu vermuten, dass die Gewalttätigkeit eines schimpansenartigen Ahnherrn dem Phänomen des menschlichen Krieges vorausging“, resümiert der Primatenforscher Richard Wrangham.
Unser Menschenbild sähe völlig anders aus, hätte sich die Forschung zuerst den Bonobos zugewandt. Der grundlegende Unterschied zwischen Bonobos und Schimpansen ist frappierend: Schimpansen lösen sexuelle Fragen durch Macht, Bonobos lösen Machtfragen durch Sex!
Entsprechend lockere Zeitgenossen sind Bonobos auch. Sie regeln ihre Konflikte normalerweise gewaltfrei und haben am Tag durchschnittlich alle 90 Minuten Sex. Praktiziert wird dabei alles: heterosexueller Beischlaf in verschiedenen Positionen, Fellatio und Analverkehr – in allen erdenklichen Kombinationen von Männchen und Weibchen. Bonobos lieben zudem eine Praktik, die wir nur dem Menschen zuschreiben: Geschlechtsverkehr von Angesicht zu Angesicht.
Ein weiterer Kitt im Sozialleben der Bonobos ist Sex zwischen Weibchen. Die Folge: Es entstehen eigene reine Frauenbündnisse – um die Männchen gemeinsam im Zaum zu halten.
Dieses durch Sex gewobene Band führt dazu, dass die Bonobos ausgesprochen sozial sind. Während Schimpansen etwa erbittert um jeden Futterbissen kämpfen, warten Bonobos nach einem Futterfund erstmal auf die anderen. Sobald alle da sind, folgt eine ausgiebige Orgie, danach wird alles friedlich geteilt.
Doch wer ähnelt nun dem Menschen mehr? Auch wenn ein Blick in die Tageszeitung ein anderes Bild suggeriert, es sind tatsächlich die Bonobos. Die Hinweise sind eindeutig: Neben dem Menschen produzieren nur Bonobos das Kuschelhormon Oxytocin, das Emotionen wie Mitleid, Vertrauen, Großzügigkeit und Liebe fördert. Schimpansen fehlt dieses Hormon völlig. Zudem werden bei Bonobos Verhaltensweisen beobachtet, die man nur vom Menschen kennt: Sie gehen Arm in Arm, küssen einander die Hände und tauschen lange, tiefe Zungenküsse aus.
Es gibt sogar noch mehr Ähnlichkeiten: Menschen haben wie Bonobos während des gesamten Zyklus Sex, Schimpansen nicht. Kinder von Menschen und Bonobos entwickeln sich deutlich langsamer und beginnen erst mit eineinhalb Jahren, mit anderen Kindern zu spielen. Wie Menschen kehren Bonobos sofort nach einer Geburt in die Gruppe zurück, da es keine Kindstötungen gibt. Bei Menschen und Bonobos können sexuelle Kombinationen variabel sein, bei beiden ist Homosexualität häufiger – bei Schimpansen dagegen höchst selten.

„Mit den Genitalien geizen“ – wie unhöflich!

„Ich versuche mir manchmal vorzustellen, wie die Dinge gelaufen wären, hätten wir zuerst den Bonobo und später – oder überhaupt nicht – den Schimpansen kennengelernt. Die Diskussion über die Evolution des Menschen würde sich nicht so sehr um Gewalt, Krieg und männliche Dominanz, sondern vielmehr um Sexualität, Empathie, Fürsorge und Kooperation drehen“, sagt Primatenforscher Frans de Waal.
In nomadisch lebenden Gruppen dürfte Sexualität wie bei den Bonobos weit über reine Fortpflanzung hinausgegangen sein. Nach Christopher Ryan war Sex vielmehr der Klebstoff, der eine Gruppe zusammenschweißte. Ohne Sex als Bindemittel hätten, so Ryans These, die umherstreifenden Horden wohl kaum über Jahrtausende hinweg ihre soziale Stabilität und Fruchtbarkeit bewahren können.
Spuren solchen Lebens gibt es übrigens auch heute noch, etwa bei dem brasilianischen Indigenenvolk der Matis: Außerehelicher Sex wird hier nicht nur häufig praktiziert und für gewöhnlich toleriert, sondern scheint in vielerlei Hinsicht sogar eine Vorschrift zu sein. Ob verheiratet oder nicht, man hat die moralische Pflicht, auf die sexuellen Avancen eines Kreuzverwandten einzugehen, da es sonst hieße, man würde „mit den eigenen Genitalien geizen“. Und das gilt als ziemlich unhöflich.
Bei den Moso, einer alten Gesellschaft im Südwesten Chinas, ist die Vaterschaft so wenig gesichert und unbedeutend, dass die Männer tatsächlich die Kinder ihrer Schwestern als die eigenen großziehen. Die Moso sind ein matrilineares, Ackerbau treibendes Volk, bei dem Name und Besitztümer von der Mutter an die Töchter vererbt werden, sodass die Frauen das Zentrum des Haushaltes bilden. Erreicht ein Mädchen das gebärfähige Alter, erhält sie ihr eigenes Schlafzimmer, das sich sowohl zu einem Innenhof als auch über eine private Tür zur Straße hin öffnet. Ein Moso-Mädchen entscheidet völlig selbständig, wer durch diese private Tür in ihr Babahuago (Blumenzimmer) tritt. Die einzige Regel lautet, dass der Gast bei Sonnenaufgang wieder gehen muss. Wenn sie möchte, kann sie sofort einen anderen Liebhaber haben, es gibt keinerlei Erwartung an eine Bindung, und jedes ihrer Kinder wird mit Hilfe ihrer Brüder und der Gemeinschaft im Haus ihrer Mutter aufgezogen. Sex und familiäre Beziehungen werden dabei strikt getrennt.

Interessanterweise widerspricht das alternative „Sex als sozialer Klebstoff“-Konzept überhaupt nicht der Evolutionstheorie. Es ist nur ein bisschen diffiziler. So gibt es zwar eine Rivalität zwischen Männern, doch nicht auf persönlicher, sondern auf der Ebene der Spermien. Für einen „Krieg der Spermien“ spricht jedenfalls die Pilzform des Penis. Durch die Rein-raus-Bewegung beim Sex entsteht ein Saugeffekt, der dazu dient, Spermien eines anderen Mannes wieder aus der Frau herauszuholen. Außerdem enthält die erste Spermienladung oft Stoffe, die fremde Samenzellen angreifen, die letzte enthält wiederum Substanzen, die nachfolgende Spermien zersetzen.
Auch das Sexualverhalten der Frau liefert Hinweise, die für Christopher Ryans „Sex als sozialer Klebstoff“-These spricht. Es gilt als kulturübergreifend, dass Frauen beim Orgasmus viel lauter sind als Männer. Dafür muss es aber einen trifftigen evolutionären Grund geben, denn für zwei unbewaffnete Menschen, die noch dazu gerade intensiv beschäftigt sind, ist es in der freien Wildbahn nicht gerade ratsam, etwaige Raubtiere auf sich aufmerksam zu machen. Die Lustschreie der Frau haben tatsächlich einen tieferen Sinn: Sie dienen dazu, andere Männer anzulocken, um auch mit ihnen zu schlafen. Ein kleiner Trost für den Mann von heute: Das könnte auch der Grund dafür sein, weshalb die Herren beim Liebesspiel gerne Erster sind und ein langes Nachspiel nicht unbedingt favorisieren. Die Ursache für die unterschiedlichen Erregungskurven der Geschlechter dürfte sein, dass Frauen dafür angelegt sind, mit mehreren Männern hintereinander zu schlafen. Und sich vom genetisch besten Sperma schwängern zu lassen.
Der Mensch steckt also in einem ziemlichen Dilemma: Sein Wertesystem ist auf Monogamie ausgelegt, seine Biologie nicht. „Der Mensch ist zwar von der Natur so konstruiert, sich zu verlieben und sich nach ewiger Liebe zu sehnen. Aber er ist nicht dazu gebaut, treu zu bleiben“, bringt es etwa der amerikanische Soziobiologe Robert Wright auf den Punkt.
Und es scheint auch keine Lösung in Sicht. In der Theorie und in der Phantasie mag ja der Gedanke, in einer bonobohaften Sexkommune zu leben, durchaus verlockend sein, in der Realität sind die vielen Hippie-Gemeinschaften, die mit dem Traum von freier Liebe und völliger Gleichheit begonnen haben, freilich stets gescheitert. Sie endeten in einem Alptraum aus Bevormundung und Dominanz.
In einem Interview mit der „Welt“ meinte Evolutionsbiologe Ryan dennoch, dass diese Art der Gemeinschaft möglich wäre: „Ich habe nach frühen Beispielen gesucht für Leute, die in den USA des 20. Jahrhunderts Alternativen zum traditionellen Ehemodell ausprobierten. Ich stieß auf Piloten im Zweiten Weltkrieg, die Luftangriffe gegen die Japaner flogen und unter allen Divisionen die höchsten Sterblichkeitsraten aufwiesen. Zurück an ihren Militärbasen veranstalteten sie sogenannte Schlüsselpartys, bei denen die Autoschlüssel wie Karten gemischt und zufällig wieder verteilt wurden. Die Frauen zogen sich mit dem Mann zurück, dessen Autoschlüssel sie erwischt hatten. Es ging dabei gar nicht so sehr um Sex, sondern um Intimität. Diese Männer wussten: Wenn sie nicht zurückkehren würden, würde sich sein Kamerad um seine Frau kümmern, weil er sie auf eine Weise liebte.“

Sehnsucht: sicherer Hafen plus stürmische See

Abseits solcher Extremsituationen sind derartige Lebenskonzepte aber kaum vorstellbar. Für eine breite Mehrheit ist ein Leben ohne Privatbesitz, eigene Frau und Kinder schlechthin undenkbar. Es ist wohl eher von folgendem Szenario auszugehen: Ein Großteil der Menschen der westlichen Welt wird auch in kommenden Jahren weitermachen wie bisher. Ob in klassischer Ehe, Serienmonogamie mit wechselnden Partnern oder in Vielweibereiexperimenten – wir werden wohl noch länger keine Form finden, die unsere Sehnsucht nach einem sicheren Hafen genauso befriedigt wie jene nach dem Sturm auf hoher See.
So lässt denn auch der Werbetext einer Seitensprungagentur eher Wehmut als Freude aufkommen: „Das Fremdgehen wird als Genuss betrachtet – wie guter Wein oder ein Festmahl. Wir sind auf dem besten Weg in eine offene, tolerante Gesellschaft. Wenn also in der trauten Zweisamkeit der graue Alltag eingekehrt ist oder sexuelle Sehnsüchte nicht erfüllt werden, dann kann ein Seitensprung oder auch eine dauerhaftere Zweitbeziehung Wunder wirken. Davon profitiert vielleicht auch der unbeteiligte Partner, der davon möglicherweise gar nichts ahnt.“
Zum Abschluss trotzdem noch eine kleine unmoralische Notlösung: Die amerikanischen Psychologen David Schmitt und Todd Shackelford haben eine Rangliste der besten Täuschungstricks nach einem Seitensprung erstellt. Fazit: Der Mann ist besonders leicht hereinzulegen. Er wird zwar argwöhnisch, sobald die Partnerin öfter ausgeht als sonst und mehr auf ihr Äußeres bedacht ist. Doch solange sie mit ihm weiterlebt wie üblich, wird er kaum Verdacht schöpfen. Wendet sie sich ihrem betrogenen Partner auch noch mit mehr Sex zu, dann ist er überhaupt zufrieden. Auch die Frau kann erfolgreich hintergangen werden: Der Mann muss nur tiefe, emotionale Gespräche führen und von einer gemeinsamen Zukunft schwärmen.

Zum Weiterlesen: Robin Baker: „Krieg der Spermien: Weshalb wir lieben und leiden, uns verbinden, trennen und betrügen“, Bastei 2002, 41,98 Euro; Christopher Ryan: „Sex: Die wahre Geschichte“, Klett-Cotta 2016, 24,95 Euro.

Waldbaden macht stark

Neueste Forschungen zeigen: Ein Aufenthalt im Wald kräftigt Nerven und Immunsystem in bislang ungeahnten Ausmaßen. In einem der besten Wellnesshotels Deutschlands Das Kranzbach wird das bereits genutzt. Man bietet Waldtherapie – auf Wunsch mit ärztlicher Betreuung.

Gespürt haben wir es schon immer: Der Wald tut uns gut. Leuchtend moosgrüne Pölster, auf denen Tautropfen sich wie flüchtige glitzernde Glasperlen niedergelassen haben. Lichtungen, die bei Sonnenschein mit magisch-diffusen Strahlenspielen betören. Flechtenbewachsene Steine mit ihrem ganz speziellen Graugrün, die unverwandt unter bedächtig schwingenden Tannenzweigen ausharren. Die Kraft des Waldes wird nun auch von der Forschung bestätigt. Derzeit häufen sich Erkenntnisse, die den starken positiven Einfluss des Waldes auf unser Immunsystem, auf unsere Psyche beweisen. In Japan ist sogenanntes Waldbaden und Waldatmen sogar schon eine staatlich anerkannte Therapieform.

Freilich unterliegt auch Wissenschaft dem Zeitgeist: Die Walderkenntnisse singen dem Analogen, dem Entrücken, dem Sich-Ausklinken aus einer immer schneller werdenden Welt ein Loblied; es sind, gewiss, Erkenntnisse, die wir derzeit einfach gerne hören. Dennoch, allen Wissenschaftsmoden zum Trotz: Es ist wichtig, dass die Liebe zum Wald nicht nur der Esoterik überlassen wird: Nicht alle, die bekennen, den Wald richtiggehend zu brauchen, sind talisman­tragende Bäume-Umarmer, die im Alltag etwas neben der Spur stehen.

Die Anerkennung seitens der Wissenschaft freut auch Dr. Christine Müller. Sie ist die ärztliche Leiterin des Ausnahmehotels Das Kranzbach bei Garmisch-Partenkirchen. Müller beschäftigt sich schon länger mit dem Phänomen Wald und Gesundheit. So weiß sie etwa zu berichten, dass schon ein kleiner Waldspaziergang das Blutbild verändert. Sie erzählt von Terpenen, jenen flüchtigen Stoffen, die vor allem Nadelbäume abgeben und die dem Wald zur internen Kommunikation dienen. „Von der Zirbe weiß man schon lange, dass sie den Pulsschlag verlangsamen, den Blutdruck senken und generell unsere Schlaffähigkeit fördern kann.“ Der Mensch habe, meint Müller, die Möglichkeit, hier einbezogen zu werden. „Letztendlich passiert das automatisch. Die Terpene wirken wie kleine Medikamente, wie eine Aromadusche, in die man sich stellen kann.“ Es braucht dafür nur einen unberührten Wald. Keine schüttere Ansammlung von Bäumen, die nach wenigen Metern bereits von der nächsten Straße unterbrochen wird, sondern einen Wald, der diesen Namen verdient und wo Bäume wie Boden jahrzehntelang Zeit hatten, ihr unsichtbares Kommunikationssystem aufzubauen. Einen Wald wie jenen, in dem das Kranzbach liegt.

Aber was heißt Wald! Es sind Wälder, Wälder und abermals Wälder. Dieses mit vier Lilien ausgezeichnete Hotel liegt in völliger Abgeschiedenheit auf buckeligen Wiesen inmitten der Bayerischen Staatsforste, die Anreise erfolgt über eine eigene kleine Mautstraße. Von den wunderbar großen Außenpools blickt man ebenso auf die Wälder wie von der überdachten Frischluftterrasse des riesigen Ladys-Spas oder von der Panoramasauna.

Im Kranzbach, diesem so stilvollen wie eigensinnigen Ensemble aus einem historischen steinernen Haupthaus und einem modernen Holzzubau, hat man sich den Wald zunutze gemacht, hat ihn durch Vollholzinterieurs in vielen Gästezimmern geradezu ins Haus hereingeholt. Man zieht ihn im Yogaraum im Obergeschoß des Top-Spas mittels raumhoher Fenster gleichsam ins Innere. Man hat ihn mit der Baumhaus-Suite samt Terrasse, nur 100 m vom Haupthaus entfernt, tatsächlich zum Lebens-Raum gemacht. Ein ehemaliger Jägerhochstand wurde zu einem Reading Nest umfunktioniert. Und Yoga sowie Meditation werden auch mitten im Wald, an einem so wundersamen wie einnehmend schönen Kraftort, abgehalten. Hier steht eine große Plattform aus Holz, auf der die erfahrenen Trainer des Kranzbach ihre Stunden geben. Einatmen. Ausatmen. Waldatmen.

Mehr: Das Kranzbach, Fon +49-(0)8823-928000 und www.daskranzbach.de, RELAX Guide – Das Kranzbach

Fotos: Das Kranzbach

Acht Pools über den Wolken

Ein Lilien-Hotel in den Bergen Kärntens lässt aufhorchen – Feuerberg Mountain Resort: mit hervorragender Eignung für Wander- und Familienurlaub zu jeder Jahreszeit. Und ganz besonders mit einem neuen, geradezu unvergleichlichen Spa. All das mit konkurrenzlos belebendem Ausblick!

Gleich vorweg: Dieses Haus auf knapp 1.800 m Seehöhe bietet ein unvergleichliches Wohlfühlflair, doch es will erst erobert werden. Nicht weniger als 12 km auf einer schmalen, kurvenreichen Straße müssen erklommen werden, im Gegenzug wird man allerdings sofort reich belohnt, bereits wenn man die Autotüre öffnet. Mit einem Ausblick nämlich, wie er schöner nicht sein könnte. Einfach grenzenlos, und über den Wolken sowieso. Dazu die Sonne und diese herrliche Luft! Wir sind im Feuerberg Mountain Resort, einem Viersternhotel auf der Gerlitzen Alpe in Kärnten, hoch über dem Ossiacher See.
Das in den vergangenen Jahren schrittweise bis in die letzten Winkel gefällig modernisierte Haus besteht aus einem Hotel und mehreren Apartments in stilisierten Almhütten, Letztere sind sehr großzügig geschnitten und bieten neben einer kleinen Küche ein heimelig-gemütliches Ambiente – offener Kamin inklusive!

Herzstück des neuerdings mit vier Lilien ausgezeichneten Resorts ist das vor kurzem erweiterte Spa, das nun schlechthin begeistert. Vielleicht in der Art, wie das beim Hotel Hochschober einmal der Fall war – vor Jahren allerdings. Denn es ist weitläufig – und das fühlt sich auch bei Vollbelegung so an – und bietet großartige Variationen des Themas Wasser und Wärme. Unter anderem acht Pools mit verschiedensten Temperaturen, 11 unterschiedliche Saunen und, ganz entscheidend, eine Trennung in Bereiche für Familien und Ruhesuchende. Hinzu kommen mehr als 220 Liegen in zahlreichen wunderschönen Ruheräumen, in denen man im wahrsten Wortsinn auf Wolke sieben schweben kann. Dann der neue Infinite-Edge-Pool mit 25 m Länge und respektabler Breite – es ist ein Traum, da hinauszuschwimmen, buchstäblich geradeaus in den Himmel. Weiters neu sind auch ein Yogaraum mit einer Plattform im Freien und ein großer Fitnessraum, der ab sofort mit dem für das Haus so typischen Panorama aufwarten kann.

Erwin Berger ist der Gastgeber des Feuerberg Mountain Resorts, ihn erlebt man als omnipräsente Seele des Hauses, die auch gerne einmal selbst mitanpackt. Neben der überdurchschnittlich guten Bezahlung scheint auch seine Freundlichkeit die Mitarbeiter richtiggehend zu beflügeln. Beispielhaft sei hier nur Rudi genannt, der stets liebenswert zuvorkommende Barista. Beim Frühstück fabriziert er mit Leidenschaft wunderbare Wachmacher, und selbst bei Warteschlangen geht er auf knifflige Sonderwünsche (etwa: koffeinfreier Cappuccino mit laktosefreier Milch) freudig ein. Seine persönliche Herausforderung sind übrigens Muster in der Spuma.

Die Professionalität der Mitarbeiter und ihre spürbare Wertschätzung für den Gast bewirken übrigens etwas, das man anderswo nicht unbedingt oft erleben kann: eine wunderbare Stimmung im ganzen Haus. Fast wähnt man sich in einem kleinen Bergdorf, wo sich alle untereinander kennen und sich mit unbekümmerter und sonniger Leichtigkeit begegnen – ein höchst angenehmes Umfeld für einen Urlaub mit der Familie.
Auf Kinder wartet zudem ein Füllhorn von Möglichkeiten, darunter etwa eine Halle für Klettern und Fußball sowie ein Kinderclub mit Abenteuerspielplätzen – sowohl drinnen als auch im Freien. Während der Sommermonate können die Kinder reiten, im Winter liegt das Resort direkt an der Piste eines Familienschigebiets, eine Schischule für Kinder und Erwachsene befindet sich im Haus. Und die Sonnenstunden scheinen endlos!

Fazit: Wer die Melange aus exklusivem Berg-Spa-Feeling mit grandiosem Ausblick und außergewöhnlicher Freundlichkeit sucht, der wird „am Feuerberg“ fündig. Und wird gewiss noch vor der Abreise den nächsten Aufenthalt buchen. Das Formular für eine „unverbindliche Anfrage für den gewünschten Zeitraum“ liegt beim letzten Abendessen am Tisch. Großartig!

Mehr: Feuerberg Mountain Resort, Fon +43-(0)4248-2880
www.hotel-feuerberg.at und RELAX Guide – Feuerberg Mountain Resort

Fotos: Wesoc Taubert, Feuerberg Mountain Resort

Traumurlaub im Reserve

Auf mehr als 120 Hektar Naturareal erstreckt sich Europas größtes Thermal-Spa-Resort Reiters Supreme. Mit einem Hotel für Familien und einem nur für Erwachsene. Dazu Tiere ohne Zahl, eine große Selbstversorger-Landwirtschaft – und ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten!

Mit angeblichen Welten – auch das Wort World wird inflationär missbraucht – werben heute viele, selbst Handyshops, Billigdrogeriemärkte und heruntergekommene Bräunungsstudios. Echte Welten sind dagegen höchst selten, in Bad Tatzmannsdorf jedoch, da dreht sich ausnahmsweise tatsächlich eine. Das Reiters Reserve nämlich. Ein Resort, das in ganz Europa ohne Beispiel und gleichzeitig eine Art Naturreservat ist.
Es erstreckt sich auf sagenhaften 120 Hektar. Wälder, Wiesen, Weiden und Teiche gehören hier ebenso dazu wie Geschäfte und Bars, ein Lipizzaner-Reitstall, ein 27-Loch-Platz mit Pro-Shop und nicht zuletzt zwei ganz besondere Hotels: das Fünfstern-Erwachsenenhotel Reiters Supreme und das baby- und kinderfreundliche Vierstern-superior-Hotel Finest Family, das seinem Namen alle Ehre macht. Denn Kinder ab sechs Monaten finden hier nicht nur täglich 12 Stunden ebenso liebevolle wie altersgerechte Betreuung, sondern auch ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten für niveauvolle Aktivitäten – und alles ist im Preis inkludiert!

Geradezu magnetische Anziehungskraft üben die vielen Tiere, die es im Tiergarten des Reiters Reserve zu bestaunen gibt, auf die Kids aus, die kleinen – etwa Hasen, Zicklein und Meerschweinchen – darf man natürlich auch streicheln. Selbst ziemlich exotische Arten lassen sich finden, etwa die weißen Barockesel, die entzückenden Miniaturpferde oder die Wasserbüffel.

Die Herzen der Kleinen gehören indes zwei Tieren, die nicht ganz echt sind: dem zottelhaarigen Wasserbüffel Kasimir und seiner Freundin Lilly, der „süßen Maus“. Allmorgendlich holen die beiden die Kinder vom Frühstück ab und entführen sie in ein regelrechtes Wunderland. Dieses umfasst riesige Spielareale, Theaterbühne, spannende Bereiche im Freien sowie eine große Familienbadelandschaft mit Wasserrutschen.

Weitläufige Thermalbadelandschaften für Erwachsene gibt es freilich auch in beiden Hotels des Reiters Reserve, hinzu kommen so großartige Einrichtungen wie Ladys-Spa, Saunadorf sowie ein Medical Spa mit sechs Ärzten und Schwerpunkten auf Sportmedizin, Traditioneller Chinesischer Medizin („TCM“) und Schönheitsmedizin. Vier Pools mit unterschiedlich temperiertem Wasser stehen alleine im Finest Family zur Verfügung, weitere neun Pools – wahlweise mit Salzwasser, Süßwasser oder mineralisiertem Thermalwasser – warten im Supreme-Hotel, das übrigens vor kurzem vom kritischen Wellnesshotelführer RELAX Guide mit der Höchstwertung (vier Lilien, 20 Punkte) ausgezeichnet wurde – zum 10. Mal in Folge!

Lilien-Hotels werden freilich nicht nur für ihr Spa ausgezeichnet, sondern für das „Wohlfühl-Gesamtprodukt“, was bedeutet, dass auch Kochkunst und Küchenzutaten in die Wertung einfließen. Und hier punktet das Reiters Reserve mit seiner Genusswerkstatt. Sie ruht auf einem einzigartigen Fundament, das nirgendwo anders zu finden ist. Auf gesunder Küche nämlich, auf Zutaten, die von hoteleigenen Bauernhöfen kommen – zum Reiters Reserve gehören gleich drei! Was nicht selbst erzeugt werden kann, wird von mehr als 300 persönlich überprüften Kleinstbetrieben aus der Umgebung geliefert – und nicht von einem Großhändler wie anderswo in der Hotellerie üblich. Das steht für ganz besondere Lebensmittel: ohne Chemie, ohne Tierleid und ohne Massenproduktion.
Rund 150 Millionen Euro hat Karl Reiter in das Resort investiert, es wurde eine Arche Noah des guten Geschmacks und des guten Lebens für alle Beteiligten. All die Fülle, all den Reichtum und all die Qualität seines Angebots bringt der Hausherr, der selbst noch täglich in seinem „Laden“ (O-Ton) steht, schlicht auf den Punkt: „Wo gibt es das sonst noch, außer bei uns?“

Mehr: Reiters Reserve, Fon +43-(0)3353-8841-607
www.reiters-hotels.com und RELAX Guide – Reiters Supreme

Fotos: Reiters Hotels/Maxum Images

Sich kopflos der Welt öffnen

Den Kopf ausschalten, auf den Bauch hören und mit neuen Augen hinsehen lernen: Das älteste Spa-Hotel Tirols Posthotel Achenkirch ist eines der besten des Landes. Neuerdings bietet es Retreats zu Themen wie Achtsamkeit, innere Kraft und Neuorientierung – Detox für den Geist!

Eine Wetterschutzjacke für stürmische Zeiten am Berg, in der Wirtschaft und im Leben ganz allgemein.“ Mit diesem Bild beschreibt der Teamentwicklungscoach und Outdoortrainer Stefan Spiecker die Resilienz: die Fähigkeit zum Distanzieren von Widrigkeiten im Leben und zum Stärken unserer Belastbarkeit – derzeit ein Schlüsselbegriff in der Psychologie. In zahlreichen Magazinen liest man beispielhaft von Menschen, die trotz schwierigster Umstände besser durchs Leben kommen als so mancher, der wohlbehütet und eigentlich als Glückskind aufwächst. Es sind Geschichten von Stehaufmännchen, von Menschen, die gleichsam mit einer Wetterschutzjacke geboren worden sind.

Mit dieser Jacke hat Stefan Spiecker einen Vergleich gewählt, der anschaulicher nicht sein könnte. Wir kennen den Ausdruck „etwas von uns abperlen lassen“. Allein, wir setzen dies viel zu selten um. Im Gegenteil, wir lassen uns oft schon durch Nichtigkeiten aus dem Konzept bringen, nehmen uns zu vieles zu Herzen. Und sind dann, wenn es in Krisenzeiten psychisch und körperlich wirklich ernst wird, psychisch wie körperlich geschwächt und verunsichert. Sozialer Druck in unserer Leistungsgesellschaft, das Gefühl des ständigen Beäugtwerdens, führt bei manchen so weit, dass sie schon angesichts eines misslungenen Kuchens für das Sommerfest am Boden zerstört sind. Bitte, es ist ein Kuchen! Wie agieren wir dann in echten Krisen?

Das Gute: Resilienz kann man trainieren. Das hat auch das renommierte Posthotel in Achenkirch in Tirol erkannt und spezielle Retreat-Programme zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Erfahrene Trainer wie Stefan Spiecker zeigen den Gästen gewissermaßen, wie man sich eine Wetterschutzjacke anzieht und seine Widerstandskräfte stärkt. Es geht freilich eben nicht um Ingwer und Sanddorn gegen Erkältungen, sondern um ein Umdenken. Um eine Neuorientierung und Standortbestimmung in Sachen Lebenskraft. Und darum, zu erkennen, dass eines manchmal besser ist: Kopf aus, Bauch an. Dies übrigens auch etwa im „Veränderungs“-Retreat mit der bekannten US-Coachin Elizabeth Galis (30. März bis 2. April 2017).

Die Resilienz-Programme sind freilich nur ein Teil des Angebots, mit dem das Posthotel von sich reden macht. Karl Reiter jun. hat für seine Gäste ein Füllhorn an Möglichkeiten, ein neuer Mensch zu werden, initiiert. So bietet etwa der Naturfotograf Günter Zöhrer hier, am klaren Achensee inmitten prachtvoller Alpengipfel, Fotografie-Workshops an, die nichts weniger wollen, als uns ein neues Sehen, eine frische Sichtweise auf das Rundherum zu vermitteln. „Die Kraft des Sehens“ nennt Zöhrer seine begehrten Kurse, die uns neue Einblicke in die Natur bringen – und Ausblicke auf eine entspanntere Lebenshaltung. Apropos Haltung: Im Posthotel sind auch Yogakurse zu haben, die keine Promenadenmischungen aus verschiedenen Strömungen sind, sondern hochspezialisierte Programme. Alles andere als eine Promenadenmischung ist auch die hiesige Zusammenstellung der Body&Soul-Workshops. Karl Reiter jun. hat die Schwerpunktthemen bewusst ausgewählt, sie greifen ineinander. Achtsamkeit und Resilienz, neues Sehen und erleuchtende Körperübungen – das alles zielt auf eines ab: leichter, freudvoller und vielseitig gestärkt durchs Leben zu gehen.

Positiv zu sein fällt uns schon allein angesichts des nahezu konkurrenzlosen Spa-Angebots hier nicht schwer. Das Posthotel gilt in Sachen Wellness österreichweit als unumstrittener Vorreiter. Schon 1982, als andere Hoteliers hinter dem Wort Wellness noch ein schottisches Wassermonster vermuteten, setzte man auf wohltuende Wasser- und Wärmewelten. Mittlerweile wurde das Hotel oftmals erweitert, es hält im RELAX Guide beständig die Höchstnote von vier Lilien. Das Spa beherbergt heute unter anderem ein Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin, sechs Schwimmbecken, zahllose Saunen und ein Ladys-Spa. Mehr Entspannungs- und Aktivitätenprogramm findet man im Westen Österreichs nirgends, von Tai Chi über Qi Gong bis hin zu Smovey. Und wen es in die Berge zieht, der wandert einfach los. Mit einer Wetterschutzjacke, versteht sich.

Mehr: Posthotel Achenkirch, Fon +43-(0)5246-6522
www.posthotel.at, RELAX Guide – Posthotel Achenkirch

Fotos: www.reiters-hotels.com, Hans Wiesenhofer/Maxum Images

Ein Boxenstopp für Männer

Wellness sei nur etwas für Frauen, so lautet ein gängiges Klischee. Ausgerechnet das Tiroler Traditionshaus Quellenhof Leutasch räumt nun damit auf. Und bietet kurze Auszeitprogramme für Männer an. Sie zeigen, dass man in diesem Drei-Lilien-Hotel genau versteht, wie Männer ticken.

Auch wenn es viele nicht zugeben wollen: Sich so richtig in einem Klischee breitzumachen, sich genüsslich darin zu suhlen, ist manchmal das Beste, Befriedigendste und Naheliegendste, was man tun kann. Wenn sich Frauen mit Freundinnen zum Tratschen treffen, ist weitaus öfter Rosé-Champagner Teil des Abends als ein rauchiger Whisky, und umgekehrt wird die Location für Männerrunden weitaus öfter ein Pub sein, in dem englischer Fußball läuft, der Karohemdenanteil groß ist und ein bestens gewarteter Billardtisch im Nebenzimmer steht, als ein blütenweiß möbliertes Afterwork-Lokal in der Innenstadt. Ausnahmen bestätigen die Regel – und selbst Frauen, die gern einmal ein Glas Whisky trinken, ertappen sich womöglich am nächsten Tag dabei, eine Stunde über die faltenverdeckenden Vorzüge von Stirnfransen geredet zu haben. Ganze TV-Konzepte wie „Sex and the City“ bauen höchst erfolgreich und mit einer gehörigen Portion Witz auf Stereotypen auf – und gerade diese Serie ist ein gutes Beispiel dafür, dass solche Freizeit- und Stilklischees nichts mit dem gesellschaftlichen Wert der Geschlechter zu tun haben: Die vier New Yorker Ladys sind alle erfolgreich und lassen sich nichts gefallen – sie sind trotz nahezu peinlicher Klischeeerfüllung weit davon entfernt, das schwache Geschlecht zu sein.

Mit genau diesem Selbstbewusstsein, nach dem lustvollen Motto „wenn schon Klischee, dann mit Vollgas“ und ohne mühsam-krampfige Gender-Kopflastigkeit sollten wir auch jene Wellnessangebote annehmen, die mit einem Augenzwinkern auf Geschlechterklischees setzen. Für Frauen gibt es davon ja reichlich. Angefangen von Freundinnen-Wochenenden mit zeitgleich koordinierten Beautybehandlungen, damit nichts von der wertvollen Redezeit verloren geht, bis hin zu speziellen Detox-Yoga-Programmen für Frauen. Vergleichbares für Männer? Fehlanzeige.
Ausgerechnet ein Tiroler Traditionshaus, das Drei-Lilien-Hotel Quellenhof in Leutasch, bricht nun mit schon erwähntem Augenzwinkern eine Lanze für Gleichberechtigung. Und bietet auch für Männer eigene Programme an. „Die Nachfrage war einfach da“, sagt Emmerich Mitterhuber, der Gastgeber des Quellenhofs. Ihm ist bewusst, dass Männer, die gemeinsam auf Urlaub fahren, eher keinen sogenannten Wellnessurlaub machen – sie gehen zwar in die Sauna, wollen das Wort Wellness aber nicht in den Mund nehmen. „Männerrunden hauen eher für ein paar Tage einfach ab“, formuliert es Mitterhuber ebenso deutlich wie anschaulich. „Männer wollen unter sich sein, wollen Aktivitäten, die sie fordern und auch zusammenschweißen, wollen in der Natur sein, gut essen und trinken.“
Genau darauf geht man im Quellenhof in der Olympiaregion Seefeld-Leutasch neuerdings sehr spezifisch ein. „Auszeit für Helden“ und „Reine Männersache“ nennen sich die vier- bis fünftägigen Programme, die schon ab zwei Personen buchbar sind. Sie finden übrigens vor der grandiosen Kulisse des Wettersteingebirges statt, wo Natur und Bergwelt zum Greifen nah sind. Dass man hier verstanden hat, wie Männer ticken, wird durch die Tatsache klar, dass es bei diesen Packages keinen Einzelzimmeraufpreis gibt. Denn während Frauen meist überhaupt kein Problem damit haben, sich ein Zimmer zu teilen (ganz im Gegenteil, denn die Geheimnisse, die vor dem Einschlafen ausgetauscht werden, sind die besten und schweißen erst so richtig zusammen!), ist das für Männer undenkbar.

Teil der verschiedenen Packages sind unter anderem eine kräftige Massage samt Eisabreibung am Schluss, eine private Verkostung edler Whiskys im Vineum, dem bestens ausgestatteten Weinkeller des Quellenhofs, oder eine Version jener Boule-Turniere, wie sie schon seit Generationen von testosteronstarken Männerrunden in den Parks von Metropolen wie Paris oder Istanbul abgehalten werden. Auch Kampfkunst ist bei den Männerprogrammen im Quellenhof ein Thema, so werden etwa die Grundbegriffe fernöstlicher Kampfkunst à la Bruce Lee vermittelt.
Um Fleisch, und zwar um das sekundengenaue Braten und Grillen, geht es bei einem Steak-Workshop – das Fachsimpeln über rare oder medium-rare, über Kerntemperatur-Messgeräte und Dry-Age-Reifezeit wird nicht zu kurz kommen. Geführte Wanderungen ermöglichen sportliche und herausfordernde Naturerlebnisse in der Region Leutaschtal und Gaistal, und wer schon immer einmal Skiken ausprobieren wollte, kann dies hier im Rahmen der Männer-Packages tun: also auf zweirädrigen Crossskates an den Füßen über Stock und Stein sausen, und zwar ohne dass eine überängstlich mahnende weibliche Stimme dazwischenfunkt und die Ruhe stört.

Mehr: Quellenhof Leutasch, Fon +43-(0)5214-67820
www.quellenhof.at und RELAX Guide – Quellenhof Leutasch

Fotos: Quellenhof Leutasch

Beweglich bis ins hohe Alter

Ernährung, Bewegung und Besinnung auf das Wesentliche: Der Steirerhof – Ein Spitzenhotel im steirischen Thermenland zeigt seinen Gästen, wie man mit ein wenig Einsatz die Beweglichkeit des Körpers bis ins hohe Alter erhalten kann. Im Fokus stehen neue Therapien, hochwertiger Wellnessgenuss und ein „To go“-Paket: gesunde Erfahrungen zum Mit-nach-Hause-Nehmen.

Machen Sie doch einmal den Versuch, eine Schultertasche ein paar Minuten auf der „falschen“ Seite zu tragen. Also links, wenn Sie sie immer rechts tragen, oder umgekehrt. Dann wechseln Sie auf die gewohnte Seite. Die Tasche fühlt sich jetzt doch viel leichter an, richtig? Es muss nicht einmal eine Tasche sein, das kleine Experiment funktioniert schon mit einer vollen Teetasse. An diesen simplen Beispielen wird klar, wie sehr wir unseren Körper über die Jahre verzogen haben, unsere Muskulatur haben schief werden lassen, eine Dysbalance aufgebaut haben. Auch Zahnärzte können von den Folgen solch einseitiger Bewegungen ein Lied singen: Wir fangen hochmotiviert stets auf derselben Seite an – während andere Teile unseres Gebisses erst dann an der Reihe sind, wenn wir es schon eilig haben oder uns das Putzen langweilig wird; diese Zähne bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Die Folgen solcher unausgewogenen Bewegungsabläufe werden – das ist Volksschulmathematik – umso gravierender, je älter wir werden. Mit jedem Jahr, in dem wir nichts ändern, gerät unser Körper, der doch bis auf die Organe so symmetrisch ist, gewissermaßen mehr auf die schiefe Bahn. Ein lautes Jetzt! wäre bitter nötig. Jetzt anfangen, etwas zu ändern. Nicht in einem Jahr. Jetzt!
Dieses Jetzt! hat sich ein renommiertes Fünfsternhotel im steirischen Bad Waltersdorf zum Credo gesetzt: der mit vier RELAX-Guide-Lilien ausgezeichnete Steirerhof. Hier lädt man insbesondere die heute Fünfzigjährigen ein, mit erfahrenen Trainern und Therapeuten jahrzehntelange Muster zu erkennen, zu analysieren und zu ändern. Denn wir alle werden alt, und – welch Überraschung – wir werden selbst alt. Das tut niemand anderer für uns. Und es sind wir selbst, die dem Alterungsprozess unseres eigenen Körpers entgegenwirken müssen – auch dies tut niemand anderer für uns, selbst wenn das noch so praktisch wäre. Das mag zwar eine unbequeme Einsicht sein, im Steirerhof lässt sich eine Änderung der Einstellung dafür umso bequemer an. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort, um den Jetzt!-Rufen zu folgen, die wir insgeheim alle kennen, aber viel zu selten beachten.
Der Steirerhof liegt idyllisch auf einer Anhöhe, rundherum Wälder, Wiesen, Hänge voller Apfelbäume. Der Garten weiß die Gäste als prachtvolles Miteinander von üppigem Bunt und lichtem Grün zu bezirzen, und der hauseigene Kräutergarten nach den Leitsätzen des Permakultur-Gurus Sepp Holzer liefert Hunderte wohltuende und wohlschmeckende Kräuter, die im gesamten Haus präsent sind: von der Küche bis hin zum Spa.
Letzteres wartet nicht nur mit zahlreichen Saunen und Pools auf – nicht wenige davon sind mit natürlich warmem Thermalwasser unterschiedlicher Temperaturen gefüllt –, sondern auch mit einem Naturpool, zudem erfreuen weitläufige Ruheräume sowie ein separates Ladys-Spa. Die hervorragenden Betten sind den strengen Testern des RELAX Guide eine eigene Erwähnung wert; guter Schlaf ist hier ein präsentes Thema, das man ganzheitlich anzugehen weiß.

Das alles allein wären schon ausreichend Gründe dafür, im Steirerhof unseren sanften Neuanfang zu wagen. Zu alldem kommt aber noch ein hochkompetentes Therapeuten-Team, das von der sympathischen Gastgeberin Gunda Unterweger mit viel Verve zusammengestellt und geleitet wird. Sie selbst fungiert gleichsam als „Architektin für Beweglichkeit“, hat für den Steirerhof eine therapeutische Baustruktur aus fünf Säulen entworfen: Ernährung – und damit ist nicht nur die Hotelküche von Johann Pabst gemeint, sondern auch die geistige Nahrung. Bewegung, also etwa Faszienturnen, Wassergymnastik oder Pilates. Meditation wie Yoga, Qi Gong oder die Fünf Tibeter. Prävention mit Bad Waltersdorfer Thermalwasser, mit Shiatsu, Moorbädern oder Massagen. Und medizinische Betreuung wie TCM, Schmerztherapien oder Herz-Kreislauf-Diagnostik.

An Möglichkeiten, uns zu bewegen – körperlich wie geistig –, mangelt es hier beileibe nicht. Eine besonders erwähnenswerte Form ist das Faszientraining, das im Steirerhof von der Psychologin und Faszienspezialistin Dr. Ute Hofmann etabliert wurde. Faszien überziehen als reißfeste Bindegewebsschichten unseren gesamten Körper, bilden ein straffes Netz um unsere Muskeln und Organe. In der Sportmedizin sind Faszien derzeit eines der großen Themen: Verdickte Faszien können Nervenbahnen einklemmen, verklebte für unerklärliche Rückenschmerzen verantwortlich sein. Sich um sie zu kümmern, sie mit speziellen Rollen zu lockern, ist also ein wichtiger Schritt, um unsere Beweglichkeit auch für die kommenden Lebensjahre zu erhalten. Ein Jetzt!-Schritt, sozusagen.

Mehr: Der Steirerhof, 08000-311412 (zum Nulltarif), +43-(0)3333-3211-0,
www.dersteirerhof.at und RELAX Guide – Der Steirerhof

Fotos: Getty Images/Thomas Barwick, Bernhard Bergmann, Der Steirerhof Bad Waltersdorf

Die Zeit der Entzauberung

Zerbricht die EU als Konstrukt? Vor dem Brexit schien sie noch alternativlos, doch sie könnte implodieren wie einst die Sowjetunion. Das Projekt, das uns Sicherheit, Wohlstand und Freiheit bringen sollte, ist inhaltlich längst gescheitert. Es wurde zu einer Krisenzone. Zu einem von Mega-Konzernen, Finanzkapital und nicht gewählten Bürokraten dominierten Monster der Bevormundung seiner Bürger.

Alle haben gewarnt, die großen Banken, die Experten, sogar US-Präsident Obama, und dann hat eine Mehrheit der Briten dennoch das Undenkbare getan und Nein gesagt. Der Brexit, das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, ist ein Signal von den einfachen Leuten, also unerhört: Der europäische Integrationsprozess sei also doch umkehrbar.
Mit einem Schlag wird die EU ihre zweitgrößte Volkswirtschaft, ein Fünftel ihrer Wirtschaftskraft und den drittgrößten Nettozahler verlieren. Die Briten haben zwar in erster Linie die innereuropäische Masseneinwanderung abgewählt, die in Großbritannien zu einem massiven Verdrängungswettbewerb bei Jobs und günstigen Wohnungen geführt hat, aber es war auch eine klare Absage an die Fassadendemokratie der EU. Und es hat die Brüchigkeit des Brüsseler Eurogebildes offengelegt. Der Norden und der Süden Europas driften wirtschaftlich auseinander, Osteuropa setzt sich vehement gegen Merkels Flüchtlings-Willkommenskulturpolitik zur Wehr, und die Bürger Europas generell ärgern sich fassungslos über immer mehr Bereiche, die reguliert und kontrolliert werden. Vor allem aber die Unfähigkeit der EU-Kommission, die europäischen Grenzen zu sichern, aber auch ein gewisses Mindestmaß an Steuergerechtigkeit durchzusetzen, hat zu einem dramatischen Vertrauensverlust geführt. Wie auch soll man einem Präsidenten der Europäischen Kommission glauben, wenn er von Steuergerechtigkeit spricht, wenn derselbe Politiker sein eigenes Land zu einer riesigen Steueroase für Konzerne gemacht hat?

Im Jahr 1969 veröffentlichte der sowjetische Dissident Andrej Amalrik im Westen ein Buch, das ihn für drei Jahre in ein sibirisches Arbeitslager bringen sollte. Es trug den provokanten Titel „Kann die Sowjetunion das Jahr 1984 überleben?“ und Amalriks Antwort war ein klares Nein. Diese Prognose schien damals, angesichts einer waffenstarrenden und jede Opposition unterdrückenden UdSSR, fast lächerlich. Doch Amalrik sollte recht behalten. Die Weltmacht, die halb Europa beherrschte, implodierte 1991 – nur wenige Jahre später als vorhergesagt!
Könnte es der EU, diesem seltsamen Gebilde aus 28 Staaten, das bislang unaufhaltsam zusammenzuwachsen schien, ähnlich ergehen? Das Projekt der europäischen Einigung ist in der tiefsten Krise seiner Geschichte. Doch wie konnte es zu einem so dramatischen Vertrauensverlust kommen?
Blicken wir kurz zurück. Am 25. März 1957 unterzeichneten die Vertreter von sechs europäischen Ländern in einem prächtigen Renaissance-Palast, dem von Michelangelo entworfenen Palazzo dei Conservatori auf dem römischen Kapitol, ein gelbliches Dokument mit 248 Paragraphen und einer roten Heftschnur. Es ist das einzige Exemplar, die Geburtsurkunde der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft („EWG“), des Vorläufers der Europäischen Union. Trotz hehrer Ziele war es im Wesentlichen ein ausdrücklich auf unbestimmte Zeit abgeschlossener Vertrag über die Abschaffung von Zöllen in einem Gebiet, das in etwa dem Reich Karls des Großen im achten Jahrhundert entsprach – dem sogenannten Fränkischen Reich, dem bedeutendsten Nachfolgestaat des Weströmischen Reiches, das rund 300 Jahre zuvor untergegangen war.
Der in Französisch, Deutsch, Italienisch und Niederländisch abgefasste Vertrag, der Europa Sicherheit, Frieden und Wohlstand bringen sollte, wird bis heute in Italien aufbewahrt.

Wohlstandsbremse Euro

Genau dieses Italien befindet sich nach mehr als einem halben Jahrhundert europäischen Integrationsprozesses in tiefster Stagnation. Seit der Einführung des Euro beträgt das durchschnittliche Wirtschaftswachstum pro Jahr nur mehr 0,0 Prozent. Dies ist schlechter als in den 1930er Jahren, und die Folgen sind fatal: Rekordarbeitslosigkeit, der Abstieg der Mittelschicht, großflächiger Vertrauensverlust gegenüber den Regierenden. Ähnliches gilt für den gesamten Süden Europas.
Selbst Deutschland, das am stärksten vom gemeinsamen Markt und später von der Währungsunion profitierte, brachte es in den letzten 15 Jahren nur auf einen jährlichen Wachstumsdurchschnitt von 1,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Schweiz kam im selben Zeitraum auf einen Schnitt von 1,9 Prozent, und die USA schafften gar zwei Prozent.
Was das Wachstum betrifft, scheint gerade der Euro wie eine Wohlstandsbremse gewirkt zu haben. Besonders eindrucksvoll sieht man dies an dem Vergleich zweier ökonomischer Musterschüler. Nach der Finanzkrise 2008/2009 hat sich die Wirtschaft des Nicht-Euro-Landes Schweden erholt und wuchs bis 2016 um mehr als 21 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat das benachbarte Euroland Finnland äußerst schwach abgeschnitten. Seine Wirtschaftsleistung stieg nur um 3,7 Prozent, die Lücke zwischen den beiden Nachbarländern beträgt also mehr als unglaubliche 17 Prozentpunkte.
Doch es krankt an weit mehr als an ökonomischer Schubkraft. Innerhalb der EU gibt es extreme Ungleichgewichte, vor allem durch die dramatischen Handelsüberschüsse Deutschlands. Das hat verheerende Folgen vor allem für den Süden Europas, wo die Arbeitslosenraten in schwindelnde Höhen klettern, die an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre erinnern. In Italien liegt die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch von 12 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei erschreckenden 44 Prozent, in Frankreich beträgt Letztere 24 Prozent, in Spanien und Griechenland je 43 Prozent. Aber auch in vermeintlichen Musterschülerländern wie Österreich (acht Prozent Arbeitslose, Jugend 11 Prozent) erleben wir gerade die höchste Arbeitslosigkeit seit 60 Jahren – besonders in Wien, wo die Zahl durch Einwanderer auf rund 30 Prozent hinaufgeschnellt ist.

Die Ausrottung des Mittelstandes

Das Heer der Arbeitslosen, verbunden mit der Deregulierung der Arbeitsmärkte, der Entindustrialisierung durch die bedenkenlose Öffnung gegenüber Ländern, deren Produktionskosten nicht einmal den Bruchteil der europäischen ausmachen, sowie enormen Rationalisierungen, hat zu einem europaweiten dramatischen Abstieg der Mittelschicht geführt. Und die, die schon ganz unten sind, haben kaum Chancen, jemals wieder den Aufstieg zu schaffen. In Österreich verharren die Realeinkommen der „kleinen Leute“, also etwa von Arbeitern und Verkäufern, auf dem Niveau von 1996. Eine aktuelle OECD-Studie berechnet für den Zeitraum 2007 bis 2015 sogar ein generelles Sinken der Realeinkommen um 2,2 Prozent, in Italien gar um mehr als 13 Prozent.

Unfassliche Missstände lassen Brüssel kalt

Die meisten Europäer haben heute – anders noch als ihre Eltern – das Gefühl, dass es ihren Kindern keineswegs besser gehen wird als ihnen selbst. Hinzu kommt die ebenso tiefe wie begründete Einsicht, dass der undurchsichtige Brüsseler Apparat offen ist für Einflüsterungen mächtiger Lobbyisten, sodass am Ende eine immer ungerechtere Gesellschaft entsteht, bei der Banken und Konzernriesen geradezu schamlos begünstigt werden, während Kleinunternehmer und Mittelbetriebe, aber auch Arbeitnehmer stetig mehr belastet und gegängelt werden.
Dass diese Sichtweise begründet ist, zeigte – unter vielem anderen – eine im Zuge der Lux-Leaks-Affäre eingesetzte Untersuchung des EU-Parlaments. Gemäß dem Abschlussbericht der Abgeordneten Elisa Ferreira und Michael Theurer zahlen die meisten multinationalen Konzerne in der EU heute weniger als fünf Prozent Steuern auf ihre Gewinne. Dies selbst in Ländern, in denen der normale Steuersatz bei 30 Prozent liegt. Als Negativbeispiel nannte Theurer den US-Medienkonzern Disney, der 2014 bei einem Milliardengewinn seinen Steuersatz nahezu auf null Prozent reduzieren konnte.
Während diese unfasslichen Missstände die Brüsseler Bürokraten kaltlassen, scheinen sie unendlich viel Zeit zu haben mit der Regulierung aller möglichen Details unseres Lebens. Von der Allergenverordnung, die Wirte in Bedrängnis bringt, bis zur neuen Seilbahnverordnung, die kleinere Schigebiete in ihrer Existenz gefährdet, weil die Aufstellung gebrauchter Anlagen oder ein Umbau kaum mehr möglich ist. Wie eine Naturgewalt und ohne jegliche vorherige Diskussion brechen Verordnungen über uns herein, die den Bürgern selbst bei angestrengtestem Nachdenken nicht einfallen würden. Ein gutes Beispiel ist etwa die EU-Vorschrift über Kerzen. Auf mehr als vier Seiten plus fünf Seiten Anhang werden darin Sicherheitsanforderungen „für Kerzen, Kerzenhalter, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör“ bis ins Detail festgelegt. Dies zu einer Zeit, wo die EU-Außengrenzen nach wie vor ziemlich ungeschützt sind und Flüchtlinge, Wirtschaftsmigranten, radikale Islamisten und andere ohne jede Kontrolle nach Europa strömen.
Wenn man nach Schuldigen für diese Entwicklung sucht, fällt vielen Kritikern Deutschland ein, das heute die Geschicke der EU dominiert. Schon 2011 entwarf der französische Ökonom Jacques Attali ein düsteres Szenario: „Europa hat sich zweimal selbst umgebracht, während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Heute ist es wieder Deutschland, das die Waffe für den kollektiven Selbstmord in der Hand hält.“

Industrie profitiert – die Arbeitnehmer nicht

Tatsächlich ist die deutsche Industrie, nicht allerdings ihre Arbeitnehmer, bislang der größte Profiteur der europäischen Einigung und auch des Euro als Gemeinschaftswährung. Das liegt vor allem am deutschen Exportwunder. Deutschland erwirtschaftete 2016 einen Exportüberschuss von 160 Milliarden Dollar und ist damit die exportstärkste Wirtschaftsmacht der Welt. Doch sie dürfte eigentlich gar nicht so viel in die EU exportieren, da der vertraglich vereinbarte Überschuss mit maximal sechs Prozent der Wirtschaftskraft limitiert ist.
Dieses erstaunliche Außenhandelswunder liegt in erster Linie nicht an der deutschen Tüchtigkeit, sondern daran, dass das hochentwickelte Industrieland seine Arbeiter ausbeutet und seine europäischen Partner austrickst. Während die Produktivität der deutschen Industrie seit dem Jahr 2000 um rund 14 Prozent gestiegen ist, sind die Nettolöhne insgesamt im selben Zeitraum um 0,3 Prozent gesunken, Geringverdiener erlebten sogar einen Kaufkraftverlust von 11 Prozent seit 2002. Selbstverständlich gab es kollektivvertragliche Lohnerhöhungen, doch insbesondere durch die Agenda 2010 und ihre Arbeitsmarktreformen hat der Niedriglohnsektor in keinem EU-Staat so geboomt wie in Deutschland. Ein Viertel aller deutschen Arbeitnehmer arbeitet inzwischen für weniger als 9,30 Euro pro Stunde, und immer mehr begreifen, dass ihre Rente später nur zum Armsein reichen wird. Daran hat auch die Einführung eines Mindestlohns (8,84 Euro) nichts geändert.
Während der großen Krise der 1930er Jahre versuchten sich Länder durch Abwertungen Vorteile für den eigenen Export zu verschaffen. Man nannte das „Beggar-my-neighbour“-Politik, sie endete mit einer Abwertungsspirale, bei der alle verloren. Und heute? Während viele EU-Länder, darunter etwa Frankreich, die Löhne mehr oder weniger moderat steigen ließen, senkte Deutschland seine Lohnkosten radikal. Jedem Ökonomen ist klar, dass so etwas unweigerlich zu Handelsbilanzdefiziten und Arbeitslosigkeit in den Partnerländern führen muss.
Auch dank der von Deutschland erzwungenen Sparpolitik rutschte die Eurozone in eine bis heute anhaltende Stagnation. Das BIP des Euroraums lag 2016 in etwa auf dem Niveau von 2008, das der USA war seither um 11 Prozent gestiegen!
Deutschlands Machtwille zeigte sich dramatisch bei der Griechenland-Schuldenkrise, wo die Euroländer wie Geldeintreiber der Mafia agierten. Erstmals seit 1968, als die UdSSR in der reformkommunistischen Tschechoslowakei Panzer auffahren ließ, wurde in Europa wieder mit Ultimaten gedroht.

Hochmut als Anfang vom Ende

Die New York Times schrieb damals, Historiker würden dereinst diese Tage des deutschen Hochmuts als Anfang vom Ende der EU beschreiben. Obwohl völlig klar war, dass Griechenland seine Schulden niemals zurückzahlen können wird und die aufgezwungene radikale Sparpolitik nur noch tiefer in Rezession und politisches Chaos führen wird, übte sich Deutschland als unerbittlicher Zuchtmeister Europas. Wer glaubt jetzt noch, dass Länder wie Schweden und Polen oder gar Brexit-Großbritannien jemals den Euro einführen werden? Deutschland, das sich ja vehement gegen die Einführung gemeinsamer EU-Anleihen (Eurobonds) stemmt, die allen EU-Mitgliedern niedrigere Kreditzinsen bringen würden, profitierte von der Griechenlandkrise enorm: Das Institut für Wirtschaftsforschung beziffert den Zinsvorteil Deutschlands im Zuge der griechischen Schulden mit unfasslichen 100 Milliarden Euro.
Während der deutsche Finanzminister Schäuble bei den Griechenland-Verhandlungen peinlichst auf der Einhaltung des EU-Rechts auf Punkt und Beistrich bestand, ignorierte Angela Merkel nur Monate später gültige EU-Einwanderungsgesetze – ohne Parlamentsbeschluss, ohne Absprache mit den EU-Partnern. Am Ergebnis, der größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg, droht nun die ganze Union zu zerbrechen. Als Erstes fällt gerade eine der Errungenschaften, die Reisefreiheit innerhalb Europas. Ohne wirksamen Schutz der Außengrenzen kann sie nicht funktionieren, doch die Politik zeigt sich planlos – als ob sie den Verstand verloren hätte.
Das Freihandelsabkommen mit Kanada, Ceta, wurde dagegen von Brüssel ungefähr so abgehandelt, als würde unsere Existenz davon abhängen. Die ebenso legitimen wie gewichtigen Bedenken von Millionen Bürgern, etwa hinsichtlich Lebensmittel- und Arbeitnehmerschutzstandards sowie der Möglichkeit für Konzerne, sich beispielsweise entgangene Gewinne dank einer ganz speziellen Privatgerichtsbarkeit vom Steuerzahler zurückzuholen, wurden einfach weggewischt wie immer.
Die Mischung aus Bürgerverachtung, Überwachungswahn und Gesetzen zum Wohl des Großkapitals hat jedenfalls selbst ehemals glühende EU-Enthusiasten vergrault. Die Zeit jedenfalls, sie ist spannend. Es ist die Zeit der großen Entzauberung des Projekts Europa.

Ausblick auf die Mozart-Stadt

Das renommierte Haus Gmachl Genussdorf vor den Toren der Stadt Salzburg hat vor kurzem großzügig ausgebaut. Neue Interieurs im Stil heimeliger Zeitgeistigkeit entstanden genauso wie eine eigene Brauerei. Aber auch ein grandioses Spa im Dachgeschoß – mit Salzburg-Panorama!

Manche Gäste hinterlassen bei den Mitarbeitern einen guten Eindruck, andere an der frisch getünchten Wand einen Abdruck, wieder andere schenken dem Chef einen neuen Ausdruck. „Ihr seid ja schon ein richtiges Genussdorf!“, hat vor einigen Jahren ein Gast im Salzburger Hotel Gmachl gesagt – und wohl nicht geahnt, dass dieser Begriff einmal Teil des Hotelnamens werden würde. Und „Dorf“ ist wahrlich nicht zu hoch gegriffen. Denn was braucht ein Dorf zur kulinarischen Versorgung? Erstens einen Greißler, Krämerladen, wie auch immer man den kleinen Nahversorger nennt, der neben der Kirche und dem Wirtshaus das Herz jedes Dorfs war. Ein Wirtshaus also, das ist das zweite unverzichtbare Faktum. Eine Metzgerei das dritte. Denn woher sollen denn die Braten im Wirtshaus, die Würste und Schinken beim Greißler sonst kommen …? Und was ein besonders glückliches Dorf ist, hatte und hat seine eigene Brauerei.

Mit alldem, so unwahrscheinlich es klingen mag, kann das Gmachl Genussdorf in Bergheim, nur fünf Kilometer von der Salzburger Altstadt entfernt, aufwarten. Und es ist kein Themenpark, der dem Haus von findigen Hotelkonzeptplanern übergestülpt wurde. Das Gmachl, ein in der achten Generation geführtes und jüngst noch einmal großzügig erweitertes Haus, hat zwei Gesichter: ein ruhiges Richtung Garten und eines Richtung Bergheimer Dorfplatz, ein belebtes Gesicht. Im Stammhaus, an einem neuralgischen Punkt in Bergheim, ist seit Jahrhunderten die hauseigene Metzgerei. Der Gastgeber selbst, Franz Gmachl IV., ist seines Zeichens Metzgermeister. Und die Produkte, die in der Gmachl-Metzgerei namens „Franz der Metzger“ hergestellt werden – Leberkäse, verschiedene regionale Wurstspezialitäten und veredelte Schinken –, sind unter anderem im geschmackvoll gestalteten Laden des Hotels zu kaufen. Außerdem im Sortiment des Delikatessengeschäfts: Marmeladen und Pestos aus der haubengekrönten Küche des Hauses, eine eigene Schokoladelinie mit zahlreichen kreativen Sorten und – hier kommt die schon erwähnte Brauerei ins Spiel – das hauseigene Bier. Dessen Entstehung können die Gäste des Gmachl Genussdorfs quasi von seiner Geburtsstunde an mitverfolgen. Franz Gmachl lässt die Brauvorgänge nämlich sichtbar sein. Durch eine Glasscheibe kann man das Treiben in der kleinen Brauerei, zwischen den zwei dekorativen Kupferkesseln und den Edelstahltanks, miterleben. Ein erfahrener Brauer aus der Steiermark ist hier nicht nur für das Gmachl Hausbier, ein untergäriges Zwickl, verantwortlich, sondern auch für die Entwicklung neuer Sorten wie India Pale Ale oder Starkbier, mit denen das Gmachl den Biertrend Craft Beer erkunden möchte.
Was fehlt jetzt noch in der Aufzählung? Genau, das Wirtshaus. Im Gmachl Genussdorf heißt der Wirt, wie könnte es anders sein, Franz. Franz der Wirt nennt sich das Lokal, das mit lokalen Spezialitäten wie Kaspressknödeln, Schweinsbraten im Reindl oder Bauernbrot mit Erdäpfelkas Einheimische wie Hotelgäste anzieht.

Ein Dorf braucht aber auch seine ruhigen Plätze abseits der Geselligkeit, des Schmausens, des Zuprostens. Genau dafür hat man im Gmachl Genussdorf noch eins draufgesetzt. Dem Haus nämlich ein neues, fulminantes Rooftop Spa. Mit einem angenehm warmen Infinite-Edge-Pool, der abends bis 22 Uhr geöffnet ist und fabelhafte Ausblicke auf die beleuchtete Festung Hohensalzburg erlaubt, so wie übrigens auch die Panoramasauna hier oben. Die besonders gut gestaltete neue Massageabteilung ist den Testern des RELAX Guide, der das Gmachl Genussdorf mit drei Lilien bewertet, eine eigene Erwähnung wert. Im Garten-Spa indes, ebenfalls auf der ruhigen Seite des Hauses gelegen, findet man etwa einen Naturbadeteich, Pools und eine duftende Zirbensauna. Dass in diesem Haus Wellness schon lange ein Thema ist, zeigen Fotos von 1970, auf denen Damen in Badebekleidung posieren, für die etwas mehr Stoff als bei der heutigen Mode üblich verarbeitet wurde. Und damals wie heute gilt: Ins Gmachl Genussdorf fährt man vernünftigerweise besser nicht genau dann, wenn man auf Diät ist.

Mehr: Gmachl Genussdorf, Fon +43 (0)662-452124-0 und www.gmachl.at, RELAX Guide – Gmachl Genussdorf

Fotos: Gmachl Genussdorf

Das Auszeit-Refugium mit See

Das feine Ausseerland-Haus Wasnerin G’sund und Natur hat sein Hotelareal schlicht um neun Hektar vergrößert. Nun gibt es Wiesen, Wald – und einen eigenen großen See! All das vor berührendem Panorama.

Give me Moor! Wobei – etwas höflicher dürfte es bei den Verhandlungen rund um ein kleines Naturschutzgebiet im Ausseerland wohl schon zugegangen sein. Die Eigentümer des Auszeithotels Wasnerin, auf einem sonnigen Hochplateau gelegen, haben vom nahen Wasner-Bauern ein neues Rückzugsgebiet für ihre Gäste erworben.
Mehr als neun Hektar Landschaft mit einer wahren Besonderheit: einem Moorsee. Die mit drei RELAX-Guide-Lilien ausgezeichnete Wasnerin, ohnehin schon reich an außergewöhnlichen Annehmlichkeiten, wurde somit zum Hotel mit eigenem See. Einen „mystischen Kraftplatz“ nennt es die engagierte Direktorin Petra Barta. Einen Kraftplatz, dessen Vorzüge die Einheimischen schon lang zu nutzen wussten: „Dieser Moorsee ist jedes Jahr der erste, in dem man schwimmen kann“, gerät Barta ins Schwärmen. Moorseen sind stets wärmer als andere Seen; sie sind also nicht nur die ersten Badeseen in der Saison, sondern auch jene, in denen wir noch dann ohne Gänsehaut schwimmen können, wenn uns anderswo schon eine herbstelnde Kühle davon abhält, in Freiluftgewässer zu steigen. Aber nicht nur die wohlige Temperatur ist außergewöhnlich: Moorwasser sorgt dank seiner speziellen Huminsäuren für eine besonders samtige Haut – schon Paracelsus wusste das.

Auf dem aus Holz errichteten Liegedeck am Moorsee lässt es sich nicht nur wunderbar entspannen, hier wird auch morgens und abends Yoga angeboten. Außerdem – und dann wird es wohl wirklich mystisch – fungiert das Deck als Bühne für abendliche Lesungen. Spätestens damit gehört der Moorsee nun voll und ganz zur Wasnerin. Dieses Wellnesshotel wird nämlich auch als Literaturhotel geschätzt. Bücher sind im Haus allgegenwärtig. Die hauseigene Bibliothek mit zahlreichen Ohrensesseln, zum Teil neben einem offenen Kamin, lädt zum stundenlangen und alle Zeit vergessenden Versinken in Sätzen ein, eine Buchhändlerin aus dem Ort sorgt für steten wohlkuratierten Nachschub. Das Ausseerland zog schon immer schreibende Seelen an: Hugo von Hofmannsthal zog sich hier ebenso zurück wie Arthur Schnitzler. Eine Tradition, die heute mit namhaften Autoren und Autorinnen wie Robert Schindel, Vea Kaiser oder Eva Rossmann fortgesetzt wird. Sie alle waren schon in der Wasnerin zu Gast.

Wer es ihnen gleichtut, trifft hier auf Kompetenz in vielen Bereichen. Die erfahrene Yogatrainerin Esther Ranjani Eder etwa leitet mit ihrem Team Yogakurse in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Yoga in der freien Natur hat für sie einen besonderen Stellenwert, die Klassen finden also unter anderem am Moorsee statt – auch in Kombination mit Stand-up-Paddling – oder an der gewaltigen Hofmannsthal-Linde, von der man einen herrlichen Ausblick auf den Dachsteingletscher genießt. Auch in Sachen Ernährung bietet die Wasnerin wissenschaftlich fundierte Kompetenz: Auf Wunsch bekommt man hier eine ärztlich begleitete Detox-Kur, die mit basischer Küche der Übersäuerung des Körpers, einem Zivilisationsphänomen unserer Zeit, entgegenwirkt. Green Smoothies, die zu Recht hochgelobten blattgrünen Wirkstoffwunder, sind nur ein Teil des Konzepts. Dass die Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung kommen und somit für den kleinstmöglichen ökologischen Fußabdruck sorgen, ist für das Küchenteam der Wasnerin selbstverständlich – und anders als an anderen Adressen mit ambitioniertem engen Herkunftsradius bei den Lebensmitteln stammt hier sogar das Salz aus der Nachbarschaft: Man kocht mit Ausseer Bergkernsalz. Salz ist auch im Spa zu finden, ebenso wie Zirbenholz oder Steine aus der Umgebung. Rückzugsorte, die die Natur ins Haus holen, findet man in der Wasnerin somit genug.

Mit dem Moorsee, sagt Petra Barta, wollte man nun noch mehr solcher Rückzugsorte für die Gäste schaffen. Das Moorsee-Gebiet ist vom Hotel aus in einem Spaziergang oder bequem wie umweltschonend via E-Bikes und E-Shuttle zu erreichen. Auf 850 Höhenmetern gelegen, bieten sich von hier wunderbare Ausblicke: auf den Hohen Sarstein, wo auch das Ausseer Bergquellwasser entspringt, auf den Zinken und natürlich den Dachstein. Und wer vom Moorsee über das Hochmoor, eine unberührte, ursprüngliche Landschaftspreziose, weiterwandert, kommt zum Alpengarten Bad Aussee. Einem weiteren Kraftplatz.

Mehr: Die Wasnerin G’sund- & Naturhotel, Fon +43-(0)3622-52108, www.diewasnerin.at und RELAX Guide – Wasnerin G’sund und Natur

Fotos: Christian Jungwirth, Alexander Koller, Tina Reiter