Krebs durch Babypuder

Der Pharmagigant Johnson & Johnson ist von einem US-Gericht zur Zahlung von 72 Millionen Dollar verurteilt worden. Dies als Schadenersatz für Angehörige einer im Vorjahr an Eierstockkrebs verstorben Frau, die über dreieinhalb Jahrzehnte talkumhaltige Produkte des Herstellers zur Intimpflege eingesetzt hatte.

Wissenschaftler warnen bereits seit den 1970er Jahren vor einem potentiellen Krebsrisiko durch Talkum, zudem vor weiteren Gesundheitsgefährdungen dieses asbestähnlichen Inhaltsstoffs. So auch etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung, das 2011 für Babys und Kleinkinder die Gefahr gravierender Gesundheitsstörungen – Atembeeinträchtigungen bis hin zu schweren Lungenschäden – anführte.

Die Firma Johnson & Johnson wies die Vorwürfe zurück, die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher habe bei ihr oberste Priorität, das Urteil soll angefochten werden. Medienberichten zufolge stehen derzeit noch rund 1.700 Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen an.

Journalisten sind fassungslos

Wer hätte das gedacht: Keine einzige große US-Zeitung hatte sich für Trump ausgesprochen, Clinton hingegen hatte rund 500 Printmedien hinter sich, Trump nicht einmal 25. Und 92 Prozent der TV-Berichte über Trump waren negativ – „Warum Trump keine Chance hat“ etc. –, er wurde von allen Seiten in nie dagewesenen Dimensionen angefeindet.

Clintons Wahlkampfteam war zehnmal größer als das von Trump, die eingesetzten Wahlkampfbudgets zeigten mindestens ebensolche gewaltige Unterschiede. Clinton hatte die Unterstützung der Wallstreet, der Rüstungsindustrie, des gesamten Establishments hinter sich. Sie war das Versprechen, dass in der Politik alles beim Alten bleibt. Die Mehrheit der US-Bürger fasste dieses Versprechen offensichtlich als Drohung auf.

Trump steht für die vage Hoffnung, dass sich etwas ändert. Sein Sieg aber ist auf jeden Fall ein Schlag gegen die selbstzufriedene und arrogante Polit-Elite, die sich demokratisch gibt, aber oligarchisch handelt.

Sein Sieg steht aber auch für die Niederlage der Mainstream-Medien, die noch unglaubwürdiger geworden sind. Die einseitige Berichterstattung macht die Journalisten zu den wahren Verlierern dieser Wahl – kein Wunder, dass sie „fassungslos“ sind, wie Bild.de heute Früh schrieb.

Auch die Meinungsforschung hat fatal verloren: Der Gesinnungsterror von Medien und Establishment haben letztlich bewirkt, dass immer mehr Menschen ihre Meinung nur noch in der Wahlzelle auszudrücken wagen.

McDonald’s und das Weltkulturerbe

Die Altstadt von Florenz zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und die Kathedrale Santa Maria del Fiore mit ihrer grandiosen Kuppel ist eines der Wahrzeichen von Florenz. Auf dem berühmten Domplatz wollte McDonald’s eine Filiale eröffnen, der Bürgermeister von Florenz hat die Genehmigung dafür verweigert – das ist mutig und hört sich wunderbar an. Doch jetzt hat die amerikanische Fastfood-Kette die Stadt Florenz auf Schadenersatz geklagt. Nicht weniger als knapp 18 Millionen Dollar will das Unternehmen vom Steuerzahler – ein kleiner Vorgeschmack auf TTIP und CETA!

Mogelpackung Wellness-Fläche

Immer mehr Hotels werben mit völlig überzogenen Größenangaben zu ihren Wellnessbereichen, das haben anonyme Tester von RELAX Guide nachgewiesen. In etwa 60 Fällen fanden sie eklatante „Übertreibungen“ – und Wellnessbereiche, die bis zu 80 Prozent kleiner waren als im Prospekt versprochen!

Zu den größten Schwindlern zählt übrigens das Hotel Europäischer Hof in Bad Gastein, das mit 5.600 m2 Wellnessfläche wirbt, zudem mit „großzügigen Ruheräumen“ sowie einem „lichtdurchfluteten Saunaparadies“. Letzteres liegt jedoch im Kellergeschoß und ist nur rund 120 m2 groß, in den dazugehörigen Ruheräumen (70 m2) stehen 14 Liegen – bei einer Hotelgröße von 220 Betten.

Besonders dreist gab sich die Führung des Hauses, nachdem zahlreiche Medien über die Rechercheergebnisse des RELAX Guide berichtet hatten: Die Vorwürfe seien völlig aus der Luft gegriffen, ließ man den Zeitungen sinngemäß ausrichten – mit hartnäckiger Inbrunst leugnend, freilich. Da ist man sprachlos.

Deutlich unterhaltsamer war hingegen die Reaktion der Wirtschaftskammer: Undercover-Messungen seien keine glaubwürdigen Aussagen, das Zählen von Quadratmetern sei nicht sinnvoll, das Durchgehen mit dem Maßband nicht seriös, ließ der zuständige Fachverbandsobmann in unfreiwilliger Komik auf orf.at verlauten. Wer sich aus Zwangsgebühren finanzieren lässt, hat offensichtlich einen ganz besonderen Bezug zur Realität!

Nicht wenige Hotels mogeln jedenfalls. Im einfachsten Fall rechnet das Haus schlichtweg alles dazu, was irgendwie mit Spa zu tun haben könnte, sogar Stiegenhäuser, Aufzugsschächte, Versorgungs- und Technikräume. Andere Hotels addieren wiederum kurzerhand die Fläche der Tennishalle dazu, während besonders dreiste Unternehmen gar nicht Vorhandenes „berechnen“. Oder Außenflächen, also beispielsweise Park, Sonnendecks und Liegewiese, addieren. Einrichtungen also, die man als Gast zumindest während der kalten Jahreszeit gar nicht nutzen kann – und selbst im Sommer nur bedingt!

Durchaus üblich ist auch die Einbeziehung von Bereichen, die nur gegen Aufpreis zugänglich sind (Arztpraxis, Massageräume, Beautykabinen etc.). Doch was bieten 1.200 m2 mit Warteraum und 35 Massagekabinen? Man nutzt doch höchstens eine – und das nur im Fall einer Anwendung gegen Aufpreis. Ähnliches gilt für die oft sehr großen Privat-Spa-Zonen: Diese sind ebenfalls ohne Gebühr gar nicht zugänglich und werden von den meisten Gästen auch nicht gebucht.

Auf etwa 60 der größten Mogelpackungen hat der RELAX Guide in dem Kommentaren der neuen Ausgaben (2017 Österreich, 2017 Deutschland) hingewiesen. Im Buchhandel um 24,90 Euro.

Schönheitschirurgie boomt

Ein Paradoxon der Krisenzeit: Schönheitsoperationen boomen wie nie zuvor, im Vorjahr gab es eine Steigerung von knapp 10 Prozent. 22 Millionen Menschen weltweit legten sich zur „Verschönerung“ auf den OP-Tisch, die meisten in den USA, Deutsche belegen nach Brasilien, Südkorea, Indien und Mexiko Platz sechs.

Am meisten nachgefragt sind Brustvergrößerungen, an zweiter Stelle liegt die Fettabsaugung, gefolgt von Straffungen der Augenlider.

Aus jedem Dorf ein süßer Hund

Österreichische Mehlspeisen sind ein unerschöpfliches Thema, möchte man meinen. Die Vielfalt an uralten Rezepten ist riesig, jedes Alpental kennt eigene Variationen der einfachen Zutaten Mehl, Schmalz, Butter, Zucker, und die Wiener Mehlspeisküche mit ihren böhmischen und ungarischen Wurzeln genießt ohnehin Weltruf.

Warum dann nun ein Buch auf den Markt kommt, das sich dieser Vielfalt so gar nicht annimmt, sondern stattdessen ein beliebiges Potpourri an Süßem bietet, wirft Fragen auf – so gut die Rezepte im einzelnen auch sein sein mögen; sie stammen schließlich von der erfahrenen Kochbuchautorin Ingrid Pernkopf (die kürzlich verstorben ist, was einer kritischen Betrachtung aber keinen Abbruch tun sollte).

Schon auf dem Cover des im Pichler Verlag erschienenen Buchs „Österreichische Mehlspeisen“ irritiert eine vor Cremefüllung strotzende Roulade, die mit ihrer Einlage aus eingelegten Weichseln eher an eine Abwandlung der deutschen Weltrangspezialität Schwarzwälder Kirschtorte erinnert und so aussieht, wie man sich die Bestückung eines Seniorenpfarrcafés vorstellt.

Zunächst zu loben ist das Kapitel „Warme Köstlichkeiten“: Sauerrahmschmarren mit Heidelbeeren, Mandel-Briochekipferl-Schmarren, Überbackene Topfenpalatschinken mit Äpfeln und Rosinen, Grießknödel, Arme Ritter oder Zwetschken-Scheiterhaufen stehen exemplarisch für die österreichische Mehlspeisküche. Auch gegen Marillen-Ravioli mit Mohn oder Topfen-Couscous-Nockerl mit Marillenkompott ist nichts einzuwenden – so kann eine modernisierte Mehlspeisküche nun einmal aussehen.

Dass Reis Trauttmannsdorff, zwar eine hinreißend altmodische und darob hochwillkommene Nachspeise, nicht ins Kapitel „Warme Köstlichkeiten“ gehört, dürfte dem Lektorat entgangen sein: Dieses Dessert aus Milchreis mit Obers und Gelatine, hier mit eingedicktem Weichselkompott ergänzt, serviert man schließlich kalt. Geschmorte Marillen mit Camparischaum wollen ebenso wie Vanillesabayon mit gegrillter Wassermelone nicht so recht zum Buchtitel passen, der da heißt „Mehlspeisen“, aber sehen wir einmal weiter.

Das Kapitel „Kalte Genüsse“ sieht nun oberslastige Rezepte wie eine Weichsel-Kirsch-Torte oder kompaktere wie Kürbiskerntorte sowie diverse Gugelhupfvariationen vor: mit Zitrone, mit Glühwein, mit Sauerrahm. Was Desserts namens „Banana & Friends“ oder „Hot Love“ in diesem Buch neben österreichischen Preziosen wie Patzerlgugelhupf, Powidltatscherl oder Zupfbrot zu suchen haben, ist eine der vielen Fragen, die man sich bei der Lektüre stellt.

Richtig ärgerlich wird es dann aber, wenn mehr als abgedroschene Cupcakes, Brownies und Muffins ihren Auftritt haben, und den haben sie leider nicht zu knapp. Zum Schluss dürfen auch noch Crême brulée und Panna Cotta mitspielen, wir wollen ja nicht so sein! Mit dem Titel „Österreichische Mehlspeisen“ hat das dann schon gar nichts mehr zu tun, da hat wohl der Verlag gepatzt. Aus jedem Dorf ein Hund – der Titel „Diverse Desserts“ wäre der wahrere gewesen.

Rezepte im PDF Format:
Griesknödel Süß
Kaiserschmarren
Salzburger Nockerl

Ingrid Pernkopf:
„Österreichische Mehlspeisen“

Pichler Verlag, 224 Seiten,
29,90 Euro


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