Frauen außer Rand und Band

Die Zeiten der Unterdrückung sind vorbei. Eine neue Generation von Frauen zelebriert ihre Sexualität. Gleichzeitig herrscht ein gnadenloser Schönheitskult, der Frauen wie nie zuvor auf ihre sexuelle Attraktivität reduziert. Über Bitches, Milfs und Sugars.

Der Diani Beach am Indischen Ozean in Kenia zählt mit seinem türkisen Wasser und dem malerisch weißen Sand zu den schönsten Stränden der Welt – und zu einem Zentrum des Sextourismus. Doch sind es nicht wohlbeleibte ältere Herren, die hier auf der Suche nach jungem Frischfleisch lustwandeln. Es sind wohlbeleibte ältere Damen aus den reichen westlichen Industriestaaten. Die Seniorinnen genießen freilich nicht nur den spektakulären Ausblick, Ziel ihrer Blicke sind vor allem die jungen, muskulösen Einheimischen, die Kenya Boys.
Galt das lustvolle Treiben am Diani Beach anfänglich noch als Geheimnis, das sich versteckt hinter den Fassaden gehobener Hotels und stilvoller Apartments abspielte, so gibt es heute keinerlei Scham mehr. Die meist sehr wohlhabenden Frauen nehmen sich offen, was ihnen gefällt – und sie sind auch bereit, dafür zu zahlen. Für die jungen Männer ist es indes nicht selten der einzige Ausweg, den Armutsverhältnissen in diesem Land zu entkommen.
Die wilden Seniorinnen sind freilich nur die Spitze des Eisbergs. Einer neuen Generation von Frauen, die den Umgang mit ihrer Sexualität völlig neu definiert hat. Nachdem sie in der Arbeitswelt immer mehr Terrain gegenüber den Männern gutgemacht haben, eroberten sie nun auch das Begehren. Nach Jahren der Rücksichtnahme und des Verzichts stellen sie ihre eigene Lust in den Mittelpunkt.
Ihre neue Macht wirkt für viele Frauen wie ein Aphrodisiakum. „Meine Phantasien begannen, als ich in meiner Firma immer höher aufstieg. Ich war selbst schockiert, aber Konkurrenz mit Männern begann mich zu erregen. Ich stellte mir vor, dass ich mit dem Mann Sex habe. Im Bett machten wir einen Ringkampf, bei dem der Gewinner dann beim Sex oben war“, schildert eine 29-jährige Karrierefrau, die in dem Buch „Women on Top“ von der Feministin Nancy Friday zitiert wird.

Und diese Frauen stehen auch öffentlich zu ihrem neuen sexuellen Selbstbewusstsein. Madonna etwa inszeniert sich auch noch mit 60 Jahren als geiler Vamp, die Nachwuchs-Skandalnudel Miley Cyrus simuliert auf der Bühne der MTV Music Awards sogenannten Doggy-Style-Sex. Und in den Buchgeschäften stapeln sich Titel über „freche Frauen“. Selbst in den harmlosesten Frauenzeitschriften finden sich Tipps zum schmerzfreien Analverkehr, während in der Mode längst der Porno-Chic Einzug gehalten hat.
Der Trend wirkte sich natürlich auch auf das Liebesleben aus. Laut einer deutschen Studie benutzen gleich dreimal so viele Frauen Sexspielzeuge, etwa Vibratoren, wie noch vor 20 Jahren – fast 40 Prozent sollen es sein. 36 Prozent geben sich gerne Fesselspielen hin, und 20 Prozent stehen auf sexuelle Rollenspiele. 44 Prozent schauen gemeinsam mit dem Partner auch schon einmal Pornovideos.
Auf wie viele Liebhaber es eine Frau heute bringt, ist nicht gänzlich klar. Laut Erhebungen sind es im Schnitt 7,5. Doch die Forscher sind da sehr skeptisch. Denn im Gegensatz zu Männern, die in Sachen Liebesleben gerne übertreiben, neigen die Damen dazu, die Zahl herunterzuspielen. One-Night-Stands werden etwa meist gar nicht mitgezählt. Einen ehrlichen Einblick gab indes eine Kolumnistin des Magazins „Cosmopolitan“: „Ich bin nicht stolz auf meine ungefähr 50 Männer, aber ich möchte auch keinen von ihnen missen. Weil mich alle zusammen zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin.“
Die neue Freiheit will sich natürlich nicht einsperren lassen. Die Ehe ist längst nicht mehr so attraktiv wie früher. War eine Braut bei ihrer ersten Hochzeit noch vor 20 Jahren durchschnittlich 24,5 Jahre alt, so sind es heute 32,3 Jahre. Inzwischen wird auch fast jede zweite Ehe auch wieder geschieden – im überwiegenden Fall auf Drängen der Frauen.


Foto: C. Lyttle/Corbis RF

Sexuelle Allesfresser

Doch kommt die neue sexuelle Offenheit der Frauen von ihnen selbst oder wird sie ihnen nur übergestülpt – von der medialen Sexualisierung aller Lebensbereiche? Sexforscher haben auf diese Frage inzwischen eine ziemlich eindeutige Antwort: Unter der Fassade von Verboten, Vorschriften, Moral und Anstand lauert tatsächlich ein „sexueller Allesfresser“.
Wie es zugehen könnte, zeigt schon ein Blick auf unsere nächsten Verwandten im Tierreich: die Schimpansen und Bonobos. Während ihrer fruchtbaren Tage haben Affendamen gleich bis zu 50-mal am Tag Sex, meistens mit mehr als 10 verschiedenen Männchen. Die Männchen müssen sich auch nicht gerade mächtig anstrengen, an die Weibchen heranzukommen. Es reicht, den erigierten Penis zur Schau zu stellen und an ein paar Zweigen zu rütteln. Die Sexpraktiken sind ürbigens breit gefächert, ganz besonders stehen die Affenweibchen dabei auf weibliche Artgenossinnen. Bietet sich die Gelegenheit zu einer Lesbennummer, dann kann das Männchen so viel an Zweigen rütteln, wie es mag, es kriegt keine Chance, zumindest nicht in diesem Moment.
Doch nicht nur, dass die Affendamen unersättlich sind, sie sind sozusagen auch noch ausländerfeindlich – zumindest wenn es um Frauen geht. Bringt man ein neues Weibchen in ein Gehege, wird es von den Konkurrentinnen so lange gejagt, bis es stirbt. Handelt es sich um ein Männchen, so zeigen sie hingegen ausgeprägten Appetit auf etwas Neues.
Genau diese promiskuitive Bonobo-Dame, so vermuten Forscher, steckt auch in den Frauen – wenn auch verschüttet durch Jahrtausende an Unterdrückung durch das Patriarchat. Wie stark die kulturelle Prägung vom tatsächlichen Geschehen zwischen den Beinen abweichen kann, bewies die kanadische Sexualforscherin Meredith Chivers bei einer Untersuchung. Dafür zeigte sie sowohl Männern als auch Frauen eine bunte Mischung von Porno-Clips. Darin zu sehen waren Männer und Frauen in allen Varianten und Stellungen, Schwulen- und Lesbenszenen, Männer und Frauen bei der Selbstbefriedigung, Gruppensex und zu guter Letzt sogar noch Zwergschimpansen bei der Fortpflanzung.

Während der Szenen sollten die Probanden selbst mittels Tastatur die Stärke ihrer Erregung bewerten. Doch damit nicht genug. Um zu untersuchen, was sich tatsächlich untenherum abspielte, wurden sowohl Männer als auch Frauen mit Sensoren ausgestattet, die die Durchblutung der Geschlechtsorgane messbar machte. Das Ergebnis der Männer war wenig überraschend. Es zeigte, dass sie tatsächlich so einfach gestrickt sind wie angenommen: Heterosexuelle Männer wurden durch Heteroszenen, Lesben und masturbierende Frauen erregt. Homosexuelle Männer ließ der Anblick von Frauen in allen Varianten kalt, dafür stieg die Durchblutung rasant, sobald ein Mann involviert war. Es gab auch kaum Abweichungen zwischen der Eigenbewertung mittels Tastatur und dem tatsächlichen Messergebnis. Die Männer standen dazu, was sie geil fanden.
Völlig anders war es bei den Frauen: Bewusst gestatteten sie sich nur bei gezeigten Heteroszenen und allenfalls ein wenig bei Lesbensex, Erregung zu empfinden. Doch die objektive Messung zwischen den Beinen ergab ein völlig anderes Bild. Während der Kopf ruhig blieb, wurde die Vagina offenbar von sämtlichen Szenen erregt. Selbst von den Zwergschimpansen! Das Fazit der Forscherin: Während Männer mehrheitlich auf nur eine Spielart von Sex fixiert sind, ist die weibliche Libido offenbar ein „Allesfresser“.
Das Ergebnis ist spektakulär. Und wirft alle bisherigen Annahmen völlig über den Haufen. Seit jeher behaupten Forscher nämlich, nur Männer seien ausgesprochen promiskuitiv, weil sie ihren Samen an möglichst viele Frauen verteilen wollen. Frauen wiederum seien monogam veranlagt und auf der Suche nach dem einen guten Mann. „Das wird bis heute erzählt, obwohl die Beweislage dafür bestenfalls begrenzt ist. Wir stützen uns auf Vorurteile, die wir endlich einmal hinterfragen sollten. Unsere Gesellschaft ist nicht so liberal, wie wir denken: Wenn es um Sex geht, gestehen wir Männern sehr viel mehr Freiheiten zu als Frauen. Den Gedanken, dass auch eine Frau wilden, heißen Sex mag, blenden wir einfach aus – er passt nicht in unser Weltbild“, sagte der Autor des Buches „Die versteckte Lust der Frauen“, Daniel Bergner, in einem Interview mit der Frauenzeitschrift „Für Sie“.

Heilige und Hure

War die bisherige sexuelle Zurückhaltung der Frauen in Sachen Sex also nur kulturell bedingt? Vieles spricht dafür, denn tatsächlich wurde insbesondere der wilde Teil weiblichen Begehrens Jahrtausende lang brutal unterdrückt. Es reicht schon ein kleiner Blick in die – durchwegs von Männern geschriebene – Sexualgeschichte, um das zu belegen.
Die Aufzeichnungen lassen zwar weniger auf die tatsächlichen Gelüste der Frauen schließen, sie liefern aber dafür einen ziemlich guten Beleg für die psychische Verfassung der Autoren. Der dunkle, animalische Teil weiblichen Verlangens wurde offenbar derart gefürchtet, dass er den „anständigen“ Frauen schlichtweg abgesprochen wurde. Sigmund Freud sollte dieses Phänomen später einmal den Heilige-Hure-Komplex nennen. Dabei werden Frauen von Männern entweder als heilige reine Madonnen oder als triebhafte Huren betrachtet.
In der europäischen Antike verharrte man noch relativ unbefangen. Ovid beschied Frauen sogar, dass sie beim Sex neunmal mehr Lust empfänden als Männer. Um ein Kind zu zeugen, so war man damals überzeugt, sei auch ein „Zittern“ der Frauen notwendig. Sprich: Sie mussten zum Orgasmus kommen. Doch mit dem Siegeszug des Christentums war es mit den Orgasmen vorbei. Die weibliche Sexualität wurde verteufelt und verdrängt. Priester und Schriftgelehrte ließen nur mehr ein madonnenhaftes Frauenbild gelten, das in der Anbetung der Heiligen Jungfrau Maria gipfelte. Die asexuelle reine Maria kannte kein Begehren, sie musste sich nicht einmal beschmutzen, um ein Kind zu zeugen. An der Stelle von Josef erledigte das ganz einfach der Heilige Geist.

Bald standen Frauen unter Generalverdacht. Sorgte doch schon Eva, die Urmutter aller Sünde, durch die geschickte Verführung von Adam dafür, dass die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden. Der erste Kirchenvater Tertullian sah in den Frauen demnach auch „die Einfallspforte des Teufels“. Der dunkle Aspekt weiblicher Sexualität blieb natürlich weiter bestehen. Nur wurde er nun fatalerweise in „Hexen“ projiziert, für die Komplexe des Klerus mussten sie oft mit ihren Leben bezahlen. Männer wurden vor den verdorbenen Kreaturen ausdrücklich gewarnt. Wenn sie der sexuellen Ausstrahlung einer Hexe erlägen, würde diese sie „glatt“ – also ohne Genitalien – zurücklassen.
Die Wissenschaft war freilich nicht weniger dumm. Französische Anatomen des 17. Jahrhunderts vertraten etwa die Ansicht, dass sich die Klitoris bei zu viel Aufmerksamkeit zu einem ausgewachsenen Phallus verwandelt. Dieses Gemächt würden die Mann-Frauen dann umgehend dazu benutzen, Frauen zu missbrauchen.
Für die Frauen hatte dies die Folge, dass ihre Sexualität in das sichere und stark regulierte Korsett der Ehe gezwängt wurde. Wobei seitens des Klerus sogar die Häufigkeit des Beischlafs reglementiert wurde: dreimal pro Monat bei einer Woche Pause während der Menstruation. Selbst die ersten Feministinnen des 19. Jahrhunderts stimmten noch in diesen Kanon mit ein. „Die Reinheit der Frau ist der ewige Damm, gegen den die Fluten der sinnlichen Natur des Mannes branden“, schrieb etwa die Amerikanerin Eliza Farnham. Ohne diese weibliche Blockade würde fatale Unordnung herrschen. Der englische Gynäkologe und Sexualforscher William Acton kam zu dem Schluss, dass „zum Glück für die Gesellschaft die Mehrzahl der Frauen von sexuellen Gefühlen jeglicher Art kaum behelligt wird“.
Die erste staatlich verordnete sexuelle Freiheit gab es ausgerechnet im Terrorregime der Nationalsozialisten. Die positive Bewertung weiblicher Sexualität hatte aber freilich weniger mit Frauenbefreiung als mit Machtpolitik zu tun. SS-Chef Heinrich Himmler fürchtete etwa, dass Deutschland mit zu wenig Kindern von Russen und Asiaten „einfach über den Haufen gerannt wird“. Deshalb sollte nicht nur jede verheiratete deutsche Frau mindestens vier Kinder gebären, auch ledige Damen sollten Adolf Hitler Nachwuchs schenken – natürlich nur, sofern sie gesund und „rassisch unbedenklich“ waren.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Sexualmoral – wohl auch aus nachträglicher Ablehnung des Naziregimes – in all ihrer Spießigkeit wieder zurück. „In dieser pornofreien guten alten Zeit wachten Eltern, Lehrer und Mitschüler Seite an Seite mit den Zensoren und Berufstugendbolden der Adenauer-Ära über die Unschuld der (vor allem bürgerlichen) Mädchen. Die Keuschen selbst durften wegen einer möglichen Gefährdung des Hymens nicht einmal Tampons benutzen. Kaum eine wagte ihre Unschuld vor dem Abitur aufs Spiel zu setzen, denn der Preis konnte hoch sein. Über Verhütungsmittel wussten die Gymnasiastinnen nichts, wohl aber über gleichaltrige Sünderinnen, die vom Vater verprügelt und von der Mutter Hure geschimpft wurden. Gehört hatte man auch von solchen, die die Schule verlassen mussten oder gar im Umstandskleid von der Polizei aus dem Unterricht abgeführt wurden, zum Schutz der Sittlichkeit ihrer Mitschüler. Das Gros der Knaben litt nicht minder unter Angst vor den bösen Folgen der Onanie, mit denen Großväter, Väter und Kirchenmänner noch immer drohten“, berichtet die Schriftstellerin Ulrike Heider.

Ausbruch aus dem Korsett

Erst durch die 1968er-Bewegung mit ihrem Kampf für sexuelle Freiheit, Selbstbestimmung und Feminismus gelang es den Frauen, ihr sexuelles Korsett abzulegen. Doch wäre die Befreiung nicht von Dauer gewesen, hätte nicht ein entscheidender Wandel in der Gesellschaft stattgefunden. Die Männer verloren nach und nach ihre Macht. Dank eigenem Arbeitsplatz wurden Frauen wirtschaftlich unabhängig und waren nicht länger auf einen Versorger angewiesen. Dank der Verbreitung der Anti-Baby-Pille konnten sie nun auch selbst darüber entscheiden, ob sie Nachwuchs wollten oder nicht. Erstmals waren sie in der Lage, rein aus Spaß mit Männern ins Bett zu gehen.
Der absolute Durchbruch des promiskuitiven Lebenswandels wurde schließlich 1998 in Form einer TV-Sendung mit dem Namen „Sex and the City“ quasi weltwelt propagiert. Die Serie sorgte anfangs wegen des völlig offenen Umgangs mit Sex für jede Menge Aufregung, bei den Frauen schlug sie aber ein wie eine Bombe. Tatsächlich wurde eine ganze Generation von dieser Serie geprägt. Im Mittelpunkt standen Sex, Männer, Affären und Beziehungen.
„Sex and the City“ fand allerdings ein letztlich doch sehr überraschendes Ende. Denn nach schier unzähligen Eskapaden landeten die Protagonistinnen allesamt in traditionellen Beziehungen. Nicht die sexuelle Freiheit war die ersehnte Erfüllung, sondern der Mann und die Kinder. Vielleicht ahnten die Schreiber der Storys aber auch voraus, dass sich die sexuelle Befreiung bald in eine ungesunde Richtung entwickeln könnte. Denn längst hatten sich Medien, Werbung, Unterhaltungsindustrie und Mode auf den „sexy“ Trend gestürzt – und ihn zu einem entmenschlichten Porno-Tsunami aufgeblasen. Aus jungen Damen wurden „Bitches“, aus Müttern „Milfs“, und selbst Omas mussten noch als „Sugars“ Begehren wecken. Den Wert einer Frau bestimmte plötzlich nur ihre sexuelle Attraktivität.
„Wo man hinschaut und hinhört: Sex, Sex, Sex – kein Tag ohne. Ob Kunst, Theater, Medien, Musik, öffentlicher Raum, überall werden wir mit nackten Tatsachen bombardiert. Die allgegenwärtige Sexualisierung der Gesellschaft entwickelt sich zu einem sexuellen Supergau und stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Was einst nur im Pornobereich stattfand, hat Einzug in alle gesellschaftlichen Bereiche gehalten“, kritisiert die deutsche Kulturanthropologin und Sexualforscherin Ingelore Ebberfeld.

Zudem werden inzwischen Schönheitsideale hochgehalten, die ohne Schönheitsoperationen, Essstörung und Photoshop niemals zu erreichen wären. Doch eine Vielzahl von Frauen versucht mitzuhalten: Daten der American Society of Plastic Surgeons zeigen einen Anstieg der jährlichen Rate an Botox-Injektionen um 388 Prozent, der Fettabsaugungen um 115 Prozent und der Po-Liftings um 283 Prozent. 300.000 Frauen ließen sich in den USA alleine im Jahr 2014 die Brust vergrößern.
Der Wahnsinn hat auch bereits Todesopfer gefordert. Carolin Wosnitza, die sich in der Pornobranche als „Sexy Cora“ einen Namen machte, ließ sich ihre Brüste binnen nur vier Jahren von der Größe B auf F „aufblasen“. Medial wurde sie dafür gefeiert und sogar mit einem Einzug in den Big-Brother-Container belohnt. Dies dürfte „Sexy Cora“ zu mehr angespornt haben. Mit nur 23 Jahren legte sie sich für ihren Traumbusen – bislang Größe G – noch einmal unters Messer. Die Operation endete tragisch: Durch einen Fehler der Anästhesistin erlitt die junge Frau eine Hirnlähmung und starb kurze Zeit später.
Einer Untersuchung der American Psychology Association zufolge wirkt der Schönheitswahn besonders auf junge Frauen verheerend. Mädchen beginnen, sich selbst zu sexualisieren. Sie sehen ihren Körper nur mehr als Objekte der Begierde anderer. Ihr Selbstwert wird alleine dadurch bestimmt, wie nahe sie dem unerreichbaren Schönheitsideal kommen. In TV-Sendungen wie „Germany’s next Topmodel“ werden mit diesem Trend auch noch gute Geschäfte gemacht.
Die tragischste Folge ist natürlich der Anstieg an diagnostizierten Essstörungen bei Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren. Forscher sind mittlerweile überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem medial vermittelten Schönheitsideal und dem Verbreitungsgrad der Krankheiten gibt. So zeigte etwa eine Studie auf den Fidschi-Inseln, dass sich dort, nachdem das westliche Fernsehen eingeführt wurde, die Essgewohnheiten und die Einstellungen junger Mädchen zu ihrem Körper binnen drei Jahren komplett verändert haben.
Nicht alle Folgen der Sexualisierung sind sichtbar. So zeigen mehrere Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen medial vermittelter Sexualisierung und niedrigem Selbstwert, negativer Stimmung und depressiven Symptomen. Außerdem zeigen Mädchen, die häufig Bildern von idealisierten Körpern ansehen, oft Anzeichen von Ängstlichkeit sowie von Scham- und Ekelgefühlen gegenüber dem eigenen Körper.

Die neue Treue

Inzwischen scheint es, als habe der irre Trend seinen Höhepunkt überschritten. Besonders Jugendliche, die mit diesem Sex-Lifestyle aufgewachsen sind, lehnen ihn zunehmend ab. Anstatt bindungsloser freier Liebe setzen sie wieder auf konservative Werte. Laut Jugendbarometer 2014 träumen 80 Prozent vom eigenen Haus, 71 Prozent wünschen sich eine Familie mit Kindern, 97 Prozent wollen verantwortungsbewusst leben und handeln, und 98 Prozent der Befragten halten Treue und Ehrlichkeit hoch. Wichtig sind neben einem guten Familienleben verlässliche Freunde. Möglichst viele sexuelle Erfahrungen zu machen, ist hingegen nur mehr für 36 Prozent wichtig.
Ebenso zunehmend warten Jugendliche auch auf den richtigen Partner, bevor sie das erste Mal Sex haben. Der Anteil der deutschen 14-jährigen Mädchen, die bereits Erfahrung mit Geschlechtsverkehr hatten, sank im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2005 von 12 auf sieben Prozent, bei den gleichaltrigen Burschen von 10 auf vier. Bei 17-jährigen Mädchen reduzierte sich der Anteil von 73 auf 66 Prozent, bei gleichaltrigen Burschen blieb er mit 65 Prozent nahezu konstant.
Langsam sickert auch durch, dass mit den „Bitches“, „Milfs“ und „Sugars“ vielleicht nicht gerade die besten aller Frauenbilder auf dem medialen Podest stehen. Inzwischen haben mehrere Studien bewiesen, dass vor allem Menschen mit einem schlechten Selbstwertgefühl, mit starken narzisstischen oder neurotischen Persönlichkeitszügen und großer depressiver Veranlagung besonders promiskuitiv sind, da sie einer ständigen Bestätigung von außen bedürfen. Personen mit starkem Selbstbewusstsein neigen hingegen dazu, bei ihrer Partnerwahl wählerischer zu sein.
Dass das Pendel wieder in eine andere Richtung schlägt, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich. Im Sex-Tsunami ging nämlich eine wichtige Tatsache verloren: Es gibt im Menschen ein tief verwurzeltes Verlangen nach Bindung, wir fühlen uns schließlich nicht im Swingerclub, sondern in einer harmonischen Partnerschaft am wohlsten.

Zum Weiterlesen: Ingelore Ebberfeld: „Der sexuelle Supergau: Wo bleiben Lust, Scham und Sittlichkeit?“, Westend, 22,99 Euro. Daniel Bergner: „Die versteckte Lust der Frauen: Ein Forschungsbericht“, Albrecht Knaus Verlag, 16,99 Euro. Nancy Friday: „Women on Top“, Simon & Schuster, 25,93 Euro.

Eine märchenhafte Geschichte

Das Kranzbach – Ein Hotel wie aus einer anderen Zeit: gewinnend exzentrisch gestaltet, inmitten atemberaubender Landschaft. Und very british. Schottlands mystische Hochmoore scheinen zum Greifen nah, Alice im Wunderland und Rosamunde Pilcher ebenso. Bayern at its best!

Warmer Feigenduft, Aquamarinbrandung, Flipflops und Korallennagellack: Fernweh assoziieren wir zumeist mit dem Süden. Fernweh kann aber auch etwas anderes bedeuten. Weniger Sommerlauneklischees, dafür aber etwas von höchst altmodischem Namen: Entrücktheit. Sie ist das, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Fernweh sprechen. Entrückt, also wirklichkeitsfern und traumverloren, das wollen wir im Urlaub sein.

Genau das haben die Menschen begriffen, die hinter dem bayerischen Refugium Das Kranzbach stehen. Und zwar erstaunlicherweise über ein Jahrhundert hinweg alle. Schon die junge Dame, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein atemberaubend schönes Hochplateau ausgesucht hatte, um sich hier, im absoluten Nirgendwo, einen Rückzugsort zu schaffen. Mary Isabel Portman, eine selbstbewusste englische Geigerin, ließ hier ein beeindruckendes Haus im Stil der Arts&Crafts-Bewegung bauen, das noch heute der dominierende Teil des Kranzbach ist: mit stufigen Giebeln und bewusst grob und roh belassenen Steinen. Der neuere weitläufige Anbau, der Das Kranzbach zu einem mit vier RELAX-Guide-Lilien ausgezeichneten Wellnessrefugium macht, fügt sich unaufdringlich und harmonisch dazu. Gemeinsam mit den massiven Gebirgswänden, dem stimmungsvoll wechselnden Wolkenspiel und den dickflauschigen Buckelwiesen ringsherum wird daraus ein wahrhaft magischer Ort. Ein auf betörende Weise diffuser Ort, gleichermaßen alpin-bayerisch und urbritisch – und vollkommen klischeelos. Nicht einzuordnen und somit unserer Vorstellungskraft entrückt. Und auch wir entrücken hier unserer Wirklichkeit.

Die britische Innenarchitektin Ilse Crawford, eine Meisterin spielerisch-leichtfüßiger Exzentrik, setzt die märchenhafte Erzählung des Kranzbach mit der ihr eigenen Interieursprache fort. Im historischen Teil, dem Mary Portman House, fühlen wir uns wie Alice im Wunderland. Crawford setzt nämlich hier, in den Zimmern wie in den schier unendlichen Lounge-Räumen, Größenverhältnisse bewusst außer Kraft. Die Brettfiguren im Spielzimmer erscheinen riesig und scheinbar real; Tischbeine haben überdimensioniert gedrechselte Waden; Leuchten, die man bislang bloß als kleine, funktionale Schreibtischausstattung kannten, sind hier weit übermannshoch. Wir streunen staunend durch die Räume, entrückt wie verzückt.

Im schlicht-modernen Zubau, der weitere Zimmer und ein absolutes Top-Spa beherbergt, ist es hingegen die märchenhafte Natur, die uns in ihren Bann zieht. Die uns ihre Geschichten erzählt und sich unsere erzählen lässt. Wir liegen sommers auf den üppig-grünen Liegewiesen, schaukeln vor uns hin und sinnieren schwerelos in den weiten Himmel hinein. Liegen im Winter in weiche Kuscheldecken gepackt auf der Terrasse, neben uns ein dampfender Tee, sind saunaträge, frischlufthungrig und längst stressentrückt. Erforschen beim Panorama-Yoga im Dachgeschoß, vor uns nichts als dunkle Tannenwipfel, auch den letzten körpereigenen Entspannungswinkel.

Was Das Kranzbach auch so erholsam macht: Man fühlt sich hier nie bedrängt. Weder im Spa noch von anderen Gästen. Externe Gäste sind trotz der faszinierenden Weitläufigkeit hier generell nicht erlaubt, Kinder unter 10 Jahren ebenso. Allein das Ladys-Spa des Kranzbach würde größenmäßig für drei weitere Hotels reichen. Liegen mit Decken und Leselämpchen finden sich hier sonder Zahl, in schier endlos vielen Räumen, allesamt mit atemberaubenden Ausblicken auf nichts als die Natur. Und immer haben wir hier im Kranzbach, diesem allen Zeiten und Wirklichkeiten entrückten Ort, das Gefühl: Wir haben alle Zeit der Welt.

Mehr: Das Kranzbach, Fon +49-(0)8823-928000 und www.daskranzbach.de, RELAX Guide – Das Kranzbach

Fotos: Das Kranzbach

„Wir sind ein Lichtpunkt in ihrem Leben“

Vor allem für Spitzenhotels wird es immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen. Und das bei steigenden Ansprüchen an das Service. Gunda Unterweger, die rührig-charmante Chefin des renommierten Fünfstern-Thermenhotels Der Steirerhof in Bad Waltersdorf, über Dienen und Leistung, über Mitarbeiter und immer individuellere Gästebedürfnisse.

Der Steirerhof in Bad Waltersdorf: ein wunderbar gemütliches, familiengeführtes Fünfsternhotel, das seit vielen Jahren mit vier Lilien ausgezeichnet wird. Es liegt auf einer Anhöhe über dem Ort, der Ausblick geht auf Apfelhaine, Weinberge und Wälder. Dazu gehören hier ein Thermalwellnessbereich mit sieben verschiedenartigen Pools, ein weitläufiger Thermengarten inmitten lieblich anmutender Sträucher, Bäume und Blumen. Weiters zu erwähnen sind die fabelhaften Restaurant- und Barterrassen – hier kann man Frühstück und Abendessen wirklich genießen. Dann die Küche des Herdvirtuosen Johann Pabst, der sich auch auf Fleischloses bestens versteht. Und die Mitarbeiter: freundlich, hilfsbereit und kompetent. Sie sind das Kapital des Unternehmens.
Wie bitte? Das Kapital des Hotels? Bei all der wellnessmäßigen Infrastruktur, bei allen diesen vielen Millionen Euro teuren Investitionen? Genau, sagt Gunda Unterweger, die rührig-charmante Steirerin, die gemeinsam mit ihrem Mann das Haus mit Verve führt. Denn bei der Ausstattung gebe es kaum Spielraum für noch mehr, hier gelte es vor allem, alles auf hohem Niveau instandzuhalten. „Nur durch besondere Dienstleistungen, also mit besonders guten Mitarbeitern, können wir uns von der Konkurrenz abheben.“ Doch gute Mitarbeiter sind heute Mangelware, längst macht der Satz „Gute Gäste sind einfacher zu bekommen als gute Mitarbeiter“ in der gehobenen Hotellerie die Runde.

Denn für das zentrale Thema – Dienstleistung – sind heute immer weniger junge Menschen zu begeistern, beinhaltet es doch das Wörtchen dienen – erweitert um den Zusatz der Leistung. „Dabei“, sinniert Gunda Unterweger, „kann man doch genau an diesem Dienen persönlich wachsen und das wiederum freudvoll erleben.“ Dass neue Mitarbeiter möglichst schnell in dieses Stadium eintreten können, dafür sorgt ein ganz besonderer Umgang mit ihnen, der sich grundlegend von Althergebrachtem unterscheidet: „Früher haben wir die Mitarbeiter den Arbeiten zugeteilt, die wir haben. Heute läuft es umgekehrt. Jetzt geben wir jedem den Job, in dem er sich am meisten entfalten kann. Es ist eine unserer Hauptaufgaben, den Mitarbeitern jenen Rahmen zu bieten, in dem sie ihre täglichen Arbeiten bestmöglich und mit Freude erfüllen können.“

Und was bedeutet das in der Praxis? Unter anderem: Selbstvertrauen stärken, Authentizität und Natürlichkeit bewahren sowie etwas Feinschliff, damit der Umgang mit sehr anspruchsvollen Gästen leichter fällt – tägliche Supervision inklusive.
Das Ergebnis spüren die Gäste schnell. Sie kommen mit immer individuelleren Bedürfnissen ins Hotel. Während sich die einen nur oberflächlich verwöhnen lassen wollen, erwarten sich andere gesunde Ernährung, Beratung in Fragen des Lebensstils oder tiefgehende Behandlungen mit gezielter Verbesserung der Gesundheit und einzelner Körperfunktionen.

Und sie finden Mitarbeiter, die sich auf diese immer unterschiedlicheren Bedürfnisse auch einstellen können. Gunda Unterweger: „Da werden Möbel umgestellt, da wechseln Polster und Matratzen in die gewünschte Härte, da stehen bei Unverträglichkeiten Abweichungen vom Menü an der Tagesordnung. Und wer etwa mit Defiziten wie Bewegungsmangel, Gewichtsproblemen oder beruflicher Überbelastung kommt und wirksame Techniken sucht, um sein Leben ruhiger und achtsamer zu gestalten, der wird bei unseren Mitarbeitern fündig.“

Dienstleistung auf Augenhöhe heißt das Konzept. Es geht um gegenseitige Wertschätzung. „Bei manchen Gästen verliert man zwar die Freude am Dienen“, räumt Gunda Unterweger ein, „doch die ganz große Mehrheit erkennt, dass die Dienstleistung von Mensch zu Mensch auch in unserer Zeit eine wichtige Lebensgrundlage ist.“

Der heutige Gast, so die Hotelière weiter, sei nicht selten von Stress und Reizüberflutung geplagt, auch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zehrten an Freude und Lebenslust: „Gute Mitarbeiter fangen das auf. Sie gehen mit diesen Stimmungen nicht in Resonanz, sie verbreiten vielmehr eine andere innere Melodie. Die Freude, die ihnen selbst und den Gästen daraus entsteht, ist für viele ein wesentlicher Grund, zu uns zu fahren, wo sie angehört werden und Beachtung finden.“ So kommt die Freude zu Gunda Unterweger zurück. Besonders groß wird sie, wenn Gäste sagen: „Ihr seid ein Lichtpunkt in unserem Leben.“ Ein bisschen Stolz schwingt mit.

Mehr: Der Steiererhof, 08000-311412 (zum Nulltarif), +43-(0)3333-3211-0, www.dersteirerhof.at und RELAX Guide – Der Steirerhof

Fotos: Bernhard Bergmann, Der Steirerhof Bad Waltersdorf

Belebender Ausblick inklusive

Georgshöhe Strandhotel – Ein Strandhotel bietet den größten Wellnessbereich an der Nordsee. Dazu unvergleichliches Insel-Feeling und grandioses Naturkino in Front-Row-Qualität – aus fast allen Zimmern.

Die Nordsee: Vor allem für jene, die sie einmal erlebt haben, ist sie ebenso eine sehnsuchtsvolle, tiefe Empfindung wie eine Quelle der Inspiration. Der ewige Lauf der Brandung, der Strömungen und Gezeiten, tosende Wellen, Fischkutter, der Gesang des Windes und der Möwen. Man träumt von der Flucht aus Alltag und Großstadt, von Spaziergängen auf menschenleeren Sandstränden, vom einzigartigen Wattenmeer mit seinem weiten Himmel und den Prielen, auf denen sich die Sonne spiegelt. Die Insel Norderney ist ein solches Fluchtziel. Kaum zwei Kilometer breit und etwa siebenmal so lang liegt sie zwischen den Mündungen von Ems und Weser vor der Küste. Ein kleines Städtchen gibt es hier, kaum 6.000 Einwohner, neoklassizistische Villen, historische Bäderarchitektur, ein Spielkasino, ein Wellenhallenbad im Bauhausstil. Der Rest ist nahezu unbewohnt – Dünen, Pferdekoppeln, Weiden sowie ein 14 km langer, weißer Sandstrand –, der größte Teil der Insel gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Das mit Abstand beste Hotel hier ist gleichzeitig jenes mit dem größten Spa an der Nordsee: das Strandhotel Georgshöhe. Ein familiengeführtes Vierstern-superior-Haus, drei Gehminuten vom Zentrum etfernt, direkt an der Strandpromenade.

Die Zimmer sind nordisch-minimalistisch arrangiert, die Möbel präsentieren Trenddesign von Interlübke und Poltrona Frau, die Leuchten von Artemide ihre eigene, klare Formensprache. Manche Zimmer haben Glaswände, die auf Knopfdruck undurchsichtig werden. Die größte Besonderheit aber ist der Ausblick aufs Meer, der dank bodentiefer Glasflächen in den meisten Zimmern geboten wird. Nichts weniger als ein Naturschauspiel, an dem wir uns eigentlich niemals sattsehen können.

Es ist das sich stets ändernde Wechselspiel von Licht und Wolken, das zum unvergesslichen Erlebnis in Front-Row-Qualität wird. Die Abende mit tiefstehender Sonne, die Sonnenuntergänge – wundervoll, magisch fast. Jeder Monat hat hier sein eigenes Licht, ja selbst jede Tageszeit ihre ganz eigene Stimmung. Einige Zimmer besitzen große, auseinanderklappbare Spiegel, damit wir selbst aus dem Badezimmer dieses große Kino miterleben können. Und beinahe freuen wir uns auf einen Sturm, denn dann wird es geradezu grandios!

Groß ist aber auch das Spa des Hauses, nämlich nicht weniger als 4.000 m2, dazu gehören unter anderem zwei Meerwasseraußenpools, ein Schneeraum, ein bestens ausgestattetes Fitnessstudio, sieben Saunen und mehrere Ruhezonen, nicht selten genießt man auch hier den Ausblick aufs Meer. Spezialisiert ist das Strandhotel Georgshöhe auf Thalassotherapie, also auf Behandlungen mit Algen, Meersalz und Meerwasser, ein hauseigener Brunnen mit Wasser aus der Nordsee macht’s möglich. Ein bisschen Thalassotherapie ist im Hotel allerdings stets ohne Aufpreis inkludiert, liegt es doch direkt im Brandungsbereich, am sogenannten Sprühsaum. Bei stärkerem Seegang entsteht hier eine Art feinster Sprühregen („Meeresaerosol“), der sich positiv auf die Gesundheit auswirkt und bei Atemwegserkrankungen und Rheuma erwiesenermaßen hilfreich ist.

Derselbe Aerosoleffekt ergibt sich freilich auch beim Relaxen im Strandkorb, beim Baden oder bei ausgedehnten Spaziergängen am Strand. Wer auf den endlosen Rad- und Wanderwegen Norderneys unterwegs ist, kommt durch einsame Dünenlandschaften; Strandhafer, Sanddornbüsche, Moose und Beerensträucher wachsen hier, Seehunde, Rehe und Kaninchen sowie große Schwärme von Zugvögeln lassen sich beobachten, dient doch die Insel vielen Vogelarten als Rast- und Brutgebiet.

Allgegenwärtig ist das Meer, auf Norderney gleichermaßen wie im Hotel. Selbst in den zwei Restaurants der Georgshöhe sitzen wir mit direktem Blick auf die See – es ist die prominenteste Lage auf der Insel. Das begeistert und ist letztlich so etwas wie die Krönung des außerordentlich vielfältigen Hotelangebots, das Karl-Hans Sigges, der Hausherr, so zusammenfasst: „Wir sind eine Insel auf der Insel“.

Mehr: Strandhotel Georgshöhe, Fon +49-(0)4932-898-0, www.georgshoehe.de und RELAX Guide – Georgshöhe Strandhotel

Fotos: Strandhotel Georgshöhe

Ein Urlaub ganz ohne Plan

Das Tiroler Luxushotel Posthotel Achenkirch bietet Wellness vom Feinsten. Dazu gehören vor allem eine hochwertige, gesunde Küche mit vielen Zutaten aus der eigenen bäuerlichen Landwirtschaft sowie eine schier konkurrenzlose Fülle an Sportmöglichkeiten. Jeder findet hier die für ihn am besten passenden – Diagnostik und Coaching auf Wunsch inklusive.

Kein Plan“, hört man von muffig – also ganz normal – gelaunten Jugendlichen mitunter auf die Frage, was sie denn später einmal machen wollen. „Kein Plan“ im Sinne von „Keine Ahnung, ist mir auch piepegal, Alter.“ „Kein Plan“, das kann man aber auch anders sagen. Als Erwachsener, und durchaus mit Stil. Nämlich dann, wenn man das Posthotel Achenkirch zum Ziel hat.

Denn dieses vom RELAX Guide mit vier Lilien ausgezeichnete Hotel am Tiroler Achensee bietet einfach unfassbar viel. Und wir können völlig planfrei anreisen. Müssen weder vorab Ausflugsziele für Regenwetter recherchieren (ein Bergwerk, yeah!) noch Not-Gesellschaftsspiele einpacken, weil es am dritten Tag vielleicht schon öd werden könnte. Nur beim Kofferpacken heißt es noch einmal mitdenken. Wir planen, planen, planen ohnehin den ganzen lieben langen Alltag lang. Hier in Achenkirch übernimmt das Planen seit Jahrzehnten jemand anderer für uns: die Gastgeberfamilie Reiter. Und wir unternehmen einfach, worauf wir spontan Lust haben. Unternehmerische Freiheit, quasi.


Foto: www.reiters-hotels.com

Allein was das Posthotel Achenkirch jeden Tag an Aktiv- und Entspannungsprogramm anbietet, ist mehr, als der Monatskalender vieler anderer Häuser auflistet. Täglich von 8 bis 17 Uhr beginnt hier quasi stündlich etwas: ob Aquafit oder Zen-Meditation, Pilates oder Selbstverteidigung, Fatburner oder Smovey Workout. Apropos „Kein Plan“ aus Teenagermund: Manche der Begriffe hier, etwa Smovey (ein Training mit speziellen Ringen), hat man vielleicht noch nie gehört. Man darf beruhigt sein, das ist an einem Ort wie diesem ganz normal – die Pionierarbeit der Familie Reiter ist schuld. Karl Reiter sen. hat schließlich schon zu Zeiten seine Visionen von Spa umgesetzt, als andere Hoteliers noch nicht einmal das Wort Wellness kannten: im Jahr 1982. Neben einer Beautyfarm gab es hier damals sogar schon TCM. Kein Wunder, dass Karl Reiter von diversen Hobbydetektiven alias werkspionierenden Hotelierkonkurrenten zu erzählen weiß, die vor Jahrzehnten mit Notizblock bewaffnet durch sein Haus schlichen, um sich heimlich abzuschauen, warum er mit dem Posthotel so erfolgreich war.

2004 übernahm Karl Christian Reiter das Posthotel von seinem Vater. Er bewies Mut, als er in diesem stilvoll gestalteten Haus vor einigen Jahren das Motto „No Kids“ ausrief. Ebendieser Verzicht auf eine ressourcenbindende kindertaugliche Ausstattung macht das hiesige Füllhorn an Angeboten erst möglich: Das reicht vom hotelnah gelegenen hauseigenen Golfplatz über das grandiose Fitnessangebot inklusive Leistungsdiagnostik bis zum weitläufigen Spa mit acht Pools, zwei davon mit Sole, einem eigenen Ladys-Spa und unzähligen Wasser-Wärme-Möglichkeiten. Auch hier kann man völlig ohne jeden Plan herkommen und sich ganz spontan entscheiden, was man machen möchte – wie herrlich entspannend!


Foto: Hans Wiesenhofer/Maxum

Für Tai Chi, Qi Gong und Meditation ist ein Shaolin-Mönch zuständig, auch das ist eines dieser Details, mit denen das Posthotel Achenkirch anderen Hotels Welten voraus ist. Zum Meditationszentrum wurde hier übrigens ein ganz spezieller Platz auserkoren: das Zöhrerhaus, ein Bauernhäuschen aus dem 16. Jahrhundert, das quasi mitten im Posthotel liegt und von Feng-Shui-Experten umgestaltet wurde, unter anderem mit dem lichtdurchfluteten Dojo-Raum im offenen Dachgeschoß. Jeweils sechs Monate im Jahr ist hier ein Shaolin-Mönch aus der chinesischen Provinz Henan zu Gast, der uns angenehm undogmatisch in das Denken des Zen einführt, uns dabei hilft, zu mentaler Stärke und innerer Balance zu finden.

Balance findet freilich mancher lieber auf dem Rücken der Pferde. Auch hier ist das Posthotel Achenkirch – die deutsche Sprache hat’s manchmal wirklich drauf – Vorreiter. 1975 legte sich Karl Reiter sen. seine ersten Pferde zu, 1985 kam dann der erste Hengst aus der Spanischen Hofreitschule nach Tirol. Heute ist das Gestüt mit 40 Kaiserschimmeln die größte private Lipizzanerzucht Europas. Ein Teil der hiesigen Pferde, ergänzt von einem Kladruber, drei Haflingern und zwei Shetlandponys, steht den Gästen zur Verfügung: für Reitkurse in der hoteleigenen Reithalle, auf dem Freiplatz oder für einen Ausritt in die herrliche Natur ringsum. Fazit: Ein Riesenangebot, mit großer Kompetenz detailreich geplant. Wunderbar!

Mehr: Posthotel Achenkirch, Fon +43-(0)5246-6522, www.posthotel.at, RELAX Guide – Posthotel Achenkirch

Die Seher des Untergangs

Naturkatastrophen, Aufstände, totaler Crash der Weltwirtschaft und ein neuer Weltkrieg. Geht es nach diesen Sehern, dann stehen uns schlechte Zeiten bevor. Alles Unfug?

Als Anfang des Jahrtausends die Prophezeiungs-Internetseite j-lorbeer.de ans Netz ging, glaubten wohl nicht einmal die christlichen Betreiber so recht an ihre Inhalte. Inmitten einer goldenen Zeit, als man die großen Auseinandersetzungen der Welt überwunden glaubte, machten die gesammelten Aussagen von Sehern auch keinerlei Sinn. Denn fast unisono warnten sie vor einer fürchterlichen Wirtschaftskrise in Europa, vor sozialen Spannungen mit bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Großstädten in Deutschland, Italien und Frankreich sowie vor der brutalen Abschlachtung von Priestern. Entladen würde sich die aufgeheizte Stimmung schließlich in einem neuen, von Russland losgetretenen Weltkrieg, der an Brutalität alles in Schatten stellt, was die Menschheit jemals ertragen musste.
Im Jahr 2000 waren diese Szenen freilich fern jeder Realität, denn selten zuvor war die Welt ein so friedlicher Ort. Russland begann sich nach seinem Kollaps zwar wirtschaftlich wieder zu erholen, aber militärisch war es kein Faktor. Gleichzeitig erlebte die EU eine Glanzzeit, mehr und mehr Staaten drängten in die Völkerfamilie, deren Wohlstand nun für immer gesichert schien. Wirtschaftlich schlechte Zeiten kannte die junge Generation nur mehr aus Erzählungen von Eltern und Großeltern.
Alles änderte sich schlagartig, als am Morgen des 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers krachten und die USA mit ihren Verbündeten in einen nicht zu gewinnenden Krieg gegen den Terrorismus zogen, der einzelne Staaten in ein Trümmerfeld verwandeln sollte. Und seit Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise 2008 lesen sich manche Prophezeiungen überhaupt wie Zeitungsberichte. Seit dem Vorjahr hat sich die soziale Lage verschärft. Nachdem Europa mehr als eine Million Asylwerber ohne Kontrollen einreisen ließ, wird bereits offen vor dem Kippen der sozialen Ordnung gewarnt.

9/11-Anschläge im Detail vorhergesagt

Über Nacht hat sich auch die Sicht auf die Prophezeiungen geändert. Denn in vielen der gesammelten „Schauungen“ beginnt der Anfang vom Ende tatsächlich mit einem Angriff auf New York, der mitunter in verblüffenden Details geschildert wird. Ein Kremser Bauer, der sich hinter einem Pseudonym versteckte, da seine Visionen selbst ihm unheimlich waren, beschrieb dem Autor Wolfgang J. Bekh folgendes Szenario: „Bei der Zerstörung New Yorks sah ich hingegen Einzelheiten, die man mit dem Auge niemals wahrnehmen könnte. Es war auch die Lauffolge um ein Vielfaches langsamer. Ich sah diese Stadt in allen Einzelheiten. Da fiel ein dunkler Gegenstand auf einer sich stets krümmenden Bahn von oben herab. Gebannt starrte ich diesen Körper an, bis er barst. Zuerst waren es Fetzen, dann lösten sich auch diese auf. In diesem Moment begriff ich immer noch nicht, was geschehen war. Der erste Sprengkörper explodierte einige Häuser weiter hinter einem größeren, mit der Breitseite am Meer stehenden Haus, die anderen vom Meer aus gesehen, etwas südlicher dahinter. Die Häuser fielen nicht um oder in sich zusammen, sondern sie wurden meist als ganzes vom Explosionsherd weggeschoben. Sie zerrieben sich dabei förmlich von unten her. Von vorne hatte es den Anschein, als würden sie näherkommend im Erdboden versinken.“ Bekh veröffentlichte dieses Zitat in seinem Buch „Das dritte Weltgeschehen“ – im Jahr 1980!
Für Menschen von heute haben Prophezeiungen in etwa das Renommee von Zeitungshoroskopen. Bestenfalls unterhaltsam, aber eigentlich nimmt sie niemand ernst. Dieser schlechte Ruf kommt nicht von ungefähr: Immer wieder blamieren sich selbsternannte Propheten mit Prognosen, die nicht eintreffen. Der sonderbarerweise sehr prominente US-Rundfunkprediger Harold Camping hat etwa bereits mehrmals das Ende der Welt vorhergesehen – und auch lauthals in seinen Rundfunksendungen verkündet. Das erste Mal rechnete er für 1994 mit einer Apokalypse. Als diese dann nicht eintraf, verschob er das Datum auf den 21. Mai 2011. „Wir können also sicher sein, dass die ganze Welt, mit Ausnahme der bis jetzt Erlösten (die Erwählten), unter Gottes Gericht steht und zusammen mit der ganzen Erde ausgelöscht wird“, versicherte er seinen Anhängern. Als das Jüngste Gericht erneut ausblieb, korrigierte er abermals auf einen todsicheren Termin: den 7. Oktober 2015.
Die deutsche Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) überprüfte 2014 insgesamt 90 öffentlich verkündete Prognosen von Hellsehern und Astrologen. Das Fazit: Ausnahmslos alle waren falsch.
Dennoch zieht sich Prophetie wie ein Seidenfaden durch die Geschichte der Menschheit. Zwischen Herrschern, Hellsehern und Astrologen gab es in den vergangenen 3.000 Jahren oft enge Beziehungen – angefangen bei den alten Germanen, Griechen und Römern über das Mittelalter und die Renaissance bis hin zur Gegenwart. In der Antike hatte die Prophetie überhaupt eine staatstragende Rolle. Im alten Griechenland war es etwa undenkbar, eine wichtige Entscheidung wie etwa für einen Kriegseintritt zu fällen, ohne ein Orakel zu befragen. In Tibet gab es bis zu seiner Annexion durch China im Jahr 1950 ein eigenes offizielles Staatsorakel, das in der Exilregierung des Dalai Lama übrigens immer noch einen fixen Platz hat.

Okkulte Berater für westliche Staatsmänner

Und auch westliche Politiker zogen und ziehen gerne okkulte Berater hinzu. Der ehemalige französische Staatspräsident François Mitterrand ließ sich etwa nicht nur bei der französischen Volksabstimmung im Jahre 1992 zum Maastrichtvertrag von der Astrologin Elizabeth Teissier beraten, auch während des ersten Kriegs gegen Saddam Hussein konsultierte er sie gleich mehrmals am Tag. Auch das Ende des Kalten Krieges hatte übernatürliche Unterstützung: Ex-US-Präsident Ronald Reagan war erst dann dazu bereit, seinem sowjetischen Counterpart Michail Gorbatschow zu vertrauen, nachdem der das Okay der Astrologin seiner Gattin Nancy hatte. Auch Napoleon, Rasputin, Kaiser Wilhelm II., Winston Churchill, Josef Stalin und Konrad Adenauer sollen derartige Berater gehabt haben.
Mitunter gibt es auch Personen, die vielleicht tatsächlich so etwas wie ein „Zweites Gesicht“ haben. Einer war Alois Irlmaier, der von 1894 bis 1959 in Bayern gelebt hat. Der Mann war von typisch bayrischer Statur, ebensolchem Auftreten und strammer Katholik. Gefragt war der Brunnenbauer weniger wegen seines handwerklichen Geschicks, sondern aufgrund seiner Gabe, Wasseradern im Boden aufzuspüren. Es wird berichtet, dass er dazu nicht einmal eine Rute gebraucht hat. Trotz dieser Feinfühligkeit wäre er bestenfalls als komischer Kauz in Erinnerung geblieben, wäre er seit dem innigen Betrachten eines Marienbildes nicht plötzlich von Visionen heimgesucht worden. Vor seinem inneren Auge tauchten Szenen auf, die ihm so wirklich erschienen wie die Realität, die ihn umgab. „Ich seh’ es ganz deutlich“, beteuerte er immer wieder.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Irlmaier zu einer lokalen Berühmtheit, da er offenbar vorhersehen konnte, welche Wohngebiete bombardiert werden. Verzweifelten Ehefrauen gab er immer wieder Auskunft über den Verbleib ihrer Männer und Söhne, die in den Krieg gezogen waren. Bald standen die Leute Schlange, an Spitzentagen empfing Irlmaier bis zu 100 Personen. Über den Seher wurde nun auch in Lokalblättern berichtet.
Das Treiben des Mannes war indes nicht allen geheuer. Ein Pfarrer, der sich über die „abergläubischen Weiber“ aufregte, zeigte Irlmaier nach dem Krieg schließlich wegen Gauklertums an, es kam zu einem Gerichtsprozess. Doch gerade deswegen gilt Irlmaier für Gläubige als Vorzeigeprophet: Denn er wurde freigeprochen – und zwar unter denkwürdigen Umständen. Um seine Fähigkeiten zu beweisen, beschied Irlmaier bei seiner Verhandlung dem Richter, er solle bei sich zuhause anrufen. Dort würde gerade seine Ehefrau bekleidet mit einem roten Kleid einen fremden Mann empfangen und mit diesem frühstücken. Der Richter lies sich das nicht zweimal sagen. Er schickte den Gerichtsdiener an, sich das Gesagte bestätigen zu lassen. Und tatsächlich stimmte es: Der fremde Mann entpuppte sich als alter Bekannter des Richters, der ihn besuchen wollte und dann mit dessen Frau gemeinsam frühstückte. Sie trug dabei ein rotes Kleid. Der Richter sprach Irlmaier daraufhin mit folgendem Urteil frei: „Die Vernehmung der Zeugen hat so verblüffende, mit den bisher bekannten Naturkräften kaum noch zu erklärende Zeugnisse für die Sehergabe des Angeklagten erbracht, dass dieser nicht als Gaukler bezeichnet werden kann.“
Noch heute sorgte Irlmaier für Schlagzeilen, denn neben Angaben über vermisste Personen oder zeitnahen Ereignissen hatte er auch Visionen von der Zukunft Deutschlands und Europas, die sich heute beängstigend real lesen. Zuerst, so sagte er, kommt ein Wohlstand auf, wie man ihn noch nie gesehen hat. Das Erblühen der Wirtschaft geht aber mit einem massiven Glaubensabfall und einem Niedergang der Sittlichkeit einher. Und der Reichtum währt nicht ewig: Eine große Inflation trifft Europa, eine große Zahl fremder Leute strömt zudem ins Land. Das System kollabiert, Aufstände folgen. Dann überfällt Russland über Nacht den Westen.

Die Zukunft: alles andere als rosig

Alois Irlmaier steht mit seinen Aussagen nicht alleine. Es gibt zahlreiche schriftliche Überlieferungen von Menschen, die Zukunftsvisionen gehabt haben wollen. Oft waren es Geistliche wie Hildegard von Bingen oder der stigmatisierte italienische Pfarrer Pater Pio. Doch auch einfache Bauern oder Handwerker, die selbst nicht einmal schreiben konnten, ließen ihre Schauungen aufzeichnen. Und auch wenn diese Personen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten lebten, finden sich in ihren Offenbarungen doch erstaunliche Parallelen. Dies fiel dem Autor Stephan Berndt auf, als er zufällig auf verschiedene Privatoffenbarungen stieß. Ihn faszinierten die gleichlautenden Aussagen derart, dass er systematisch rund 5.000 Prophezeiungen von 250 Personen erfasste und damit so etwas wie einen Fahrplan für die Zukunft schrieb. Und die ist alles andere als rosig.
Die Zusammenfassung sieht in etwa so aus: Im Frühsommer eines Jahres X befindet sich Europa in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Mit dem Versprechen einer besseren Zukunft werden der Bevölkerung mehr und mehr wirtschaftliche Opfer abverlangt. Die Menschen sind desillusioniert, Politiker gelten gemeinhin nur noch als Lügner und Verräter.
In diese trübe Grundstimmung fällt der Ausbruch eines neuen Nahostkrieges, der das Potenzial hat, den gesamten arabischen Raum in Brand zu setzen. Die Welt ringt um Frieden. Während dieser Zeit steigert sich die Unzufriedenheit in vielen Ländern Europas zu offenem Aufruhr. Wegen der stetig größer werdenden Zahl von Arbeitslosen sind die Sozialkassen ausgehöhlt, die Steuern werden drastisch erhöht. Wer noch Arbeit hat, trägt eine nie dagewesene Abgabenlast.
In Italien kommt es zu den ersten bürgerkriegsartigen Ausschreitungen, Frankreich und Deutschland folgen. Auf dem Balkan setzten neue Kampfhandlungen ein. Bei einer Friedenskonferenz rund um diesen Balkankonflikt wird ein hoher russischer Politiker bei einem Attentat getötet. Unmittelbar darauf stoßen russische Truppen vor und fallen über Nacht in Serbien ein. Der Dritte Weltkrieg hat begonnen.

Weiter geht es Schlag auf Schlag: Die Rote Armee dringt schnell nach Westen vor, die deutsche Bundeswehr ist völlig überrumpelt, es gibt kaum Gegenwehr. Die deutschen Kräfte konzentrieren sich auf eine Verteidigungslinie am Rhein und können die Russen stoppen. Zu diesem Zeitpunkt ist das gesamte Gebiet östlich des Rheins und nördlich der Donau unter russischer Kontrolle. Die russische Armee kommt zwar zu stehen, verfügt aber weiterhin über eine enorme Schlagkraft.

Eine Prise Science-Fiction

Der Rhein wird zum Fluß des Schicksals. Überschreiten die Russen den Rhein, so heißt es, dann ist Frankreich verloren. Die westliche Allianz greift daher zu einer verzweifelten Aktion. Sie schickt eine Staffel von Flugzeugen los, die, beginnend an der Ostseeküste, bis nach Prag und von dort weiter Richtung Südosten, einen breiten Streifen derart chemisch verseuchen soll, dass Bodentransporte nicht mehr möglich sind. Das Vorhaben gelingt. Der Westen kann die russischen Truppen allmählich wieder zurückdrängen. Den Russen wird klar, dass eine Niederlage drohen könnte. Bis zu dem Zeitpunkt werden keinerlei Atomwaffen eingesetzt, da die Angst vor einem Gegenschlag überwiegt. Doch nun ist Russland derart in der Defensive, dass es mit Atomwaffen die Versorgungswege des Westens angreift.
Krieg, Atomwaffen, Giftcocktails sind eigentlich schon übel genug, doch nun kommt auch noch eine Prise Science-Fiction hinzu: Über dem umkämpften Europa erscheint plötzlich ein gleißend strahlender Himmelskörper, der kurzzeitig sogar die Sonne überstrahlt. Kaum ist er verschwunden, senkt sich eine dunkle Wolke über die Erde und es wird Nacht. Die Luft ist angereichert mit Staub, und wer ihn einatmet, kommt zu Tode. Überleben ist nur in geschlossenen Räumen möglich. Diese Finsternis dauert drei Tage. Und nicht nur Europa ist betroffen, sondern auch andere Weltteile. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung stirbt. In den verschiedensten Prophezeiungen ist übrigens kein Einzelergebnis derart häufig, derart detailliert und mit so hohem Übereinstimmungsgrad beschrieben.
Wer überlebt hat, kann allmählich aufatmen – nur noch einige extreme Erdbeben, gigantische Flutwellen und orkanartige Stürme sind zu überstehen, bevor der Horror abebbt. Die extremen Wetterphänomene gehen zurück, die Kriegstreiber in Russland sind ausgeschaltet. Aus dem ehemaligen Feind wird ein Partner. Die USA sind aufgrund enormer Naturkatastrophen so stark geschwächt, dass sie keinerlei Einfluss mehr auf Europa ausüben können. Die Menschen sind geläutert. Der Raubtierkapitalismus weicht einem sanfteren Wirtschaftsmodell, die Menschen finden zu einer neuen Religiosität. Wegen der schlechten Erfahrungen mit der Demokratie regiert in Deutschland wieder ein Monarch, der allerdings gewählt wird.
Ist der Blick in die Zukunft möglich?

Das Gute bei schlechten Prophezeiungen ist, dass man sie mit dem Etikett „unmöglich“ locker zur Seite schieben kann. Auch vonseiten der Wissenschaft gibt es auf die Frage, ob es so etwas wie Seher gibt, bestenfalls ein mitleidiges Lächeln. Versuche zum Thema Präkognition sind Mangelware, wohl nicht zuletzt deshalb, weil man sich damit als Professor umgehend ins wissenschaftliche Aus katapultierte.

Einer der wenigen, der sich des Themas dennoch angenommen hat, war der durchaus angesehene Psychologe Daryl Bem, ein emeritierter Professor der Cornell University. Gleich in mehreren Versuchen will der Wissenschafter eindeutige Belege für Hellsehen gewonnen haben. Unterstützt wurde er dabei vom größten Motivator des Menschen: vom Sex.
Bem platzierte bei seinem Versuch etwa 100 Teilnehmer vor Computern. Auf den Monitoren waren jeweils zwei angedeutete Bilder, die mit digitalen Vorhängen verdeckt waren. Die Probanden mussten nun raten, hinter welchem der beiden Vorhänge ein Bild versteckt war. Was sie dabei allerdings nicht wussten, war, dass zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt kein Bild hinter dem Vorhang war. Erst nach ihrer Entscheidung wurde von einem Computerprogramm vollkommen zufällig in eines der beiden Kästchen ein Pornofoto hochgeladen.
Damit wollte der Psychologe belegen, dass Menschen sexuelle Reize vorausahnen können, um damit einen Vorsprung bei der Fortpflanzung zu haben. Tatsächlich gab es bei den erotischen Abbildungen auch eine Trefferquote von 53,1 Prozent. Bei neutralen oder romantischen Bildern lag die Quote hingegen leicht unter 50 Prozent. Für Bem war damit belegt, dass wir wohl derart sexfixiert sind, dass wir ihn sogar erahnen können.

Zeit ist keine konstante Größe

Die Arbeit wurde in der renommierten Fachzeitung „Journal of Personality and Social Psychology“ publiziert, stieß aber – gelinde formuliert – innerhalb der Kollegenschaft auf wenig Gegenliebe. Wissenschafter der Universität Amsterdam überprüften die Daten erneut und sahen darin keine eindeutigen Beweise für Präkognition. Der Parapsychologenkritiker Ray Hyman nannte die Versuche gegenüber der New York Times gar „eine Peinlichkeit für den gesamten Forschungszweig“.
Das vernichtende Urteil wurde aber vielleicht ein bisschen vorschnell gefällt. Denn das, was wir gemeinhin Zeit nennen, ist viel mysteriöser, als es uns unser Alltagsbewusstsein vorgaukelt. Wir gehen davon aus, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft klar voneinander getrennt sind und sich Zeit in einer steten Richtung von einer Vergangenheit in Richtung Zukunft bewegt. Bei diesem Modell ist es natürlich vollkommen unmöglich, in die Zukunft zu sehen. Doch dieses Modell hat ein gravierendes Problem: Es ist völlig falsch.
Seit Albert Einstein gilt es als wissenschaftlich unbestritten und belegt, dass Zeit alles andere als eine konstante, objektive Größe ist, sondern von vielen Faktoren abhängt. Ein Faktor ist etwa die Geschwindigkeit: Je schneller sich ein Objekt bewegt, umso langsamer verstreicht für dieses Objekt die Zeit. Bei Lichtgeschwindigkeit vergeht überhaupt keine Zeit mehr. Zur Anschauung ein Beispiel: Ein Zwillingspaar lebt auf der Erde. Während sich einer der beiden anschickt, Astronaut zu werden, wählt sein Bruder den Beruf des Gärtners. Der Astronaut nimmt nun an einem waghalsigen Projekt teil. Er ist der erste Mensch, der mit Lichtgeschwindigkeit die Erde umkreist, und zwar gleich 20 Jahre lang. Bei seiner Landung wäre sein Bruder nun 20 Jahre älter, er selbst allerdings so gut wie gar nicht gealtert. Dieses bizarre Phänomen ist freilich kein Hirngespinst, sondern lässt sich wissenschaftlich nachweisen. „Für uns gläubige Physiker hat die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer wenn auch hartnäckigen Illusion“, meinte Einstein am Ende seines Lebens.
Heute wird bereits ernsthaft darüber diskutiert, dass es so etwas wie Zeit in Wahrheit gar nicht gibt. Eine Annahme, die auch von spirituellen Systemen, etwa im Buddhismus, vertreten wird. Verschiedene Wissenschafter gehen heute eher davon aus, dass wir in einem „Block-Universum“ leben. In diesem Universum vergeht überhaupt keine Zeit, sondern alles ist in einem endlosen Jetzt gleichzeitig da. Zeit verstreicht lediglich subjektiv für uns, da unser Bewusstsein nicht in der Lage ist, dieses ewige Jetzt wahrzunehmen. Es muss dieses Jetzt daher in Teile zerlegen, die es nacheinander wahrnimmt. Man kann diesen Vorgang in etwa mit dem Film auf einer DVD vergleichen. Der Film ist zu jedem Zeitpunkt als Ganzes auf der DVD enthalten, aber wir können ihn nur durch Abspielen bewusst wahrnehmen. Diese Vorstellung wurde auch von dem amerikanischen Science-Fiction-Autor Norman Spinrad in „The Weed of Time“ aufgegriffen. Darin hebt ein außerirdisches Kraut die Illusion der Zeitlichkeit auf: Isst man es, so hat man sein ganzes Leben von der Geburt bis zum Tod vor Augen.

Dieses Modell wäre zumindest eine Erklärung für Prophetie: Auch ohne ein Kraut zu essen, durchbrechen aus unbekannten Gründen gewisse Menschen die Schranken ihres Alltagbewusstseins. Damit wäre auch verständlich, wieso Genies wie Leonardo da Vinci Zeichnungen von Objekten anfertigen konnten, die es erst 500 Jahre später geben sollte – Atompilz inklusive.

Naht das Ende?

Falls es sich bei Prophetie nun tatsächlich um mehr als Spinnerei handelt, dann steht die menschliche Zivilisation vor einem Abgrund. Tatsächlich bereiten sich gegenwärtig in den USA und in Europa Zehntausende auf die letzten Tage der Menschheit vor. Während die einen auf die Kraft von Jesus setzen, vertrauen andere lieber auf Gold, Waffen und ein sicheres Versteck.
Doch nicht einmal die Seher selbst sind davon überzeugt, dass ihre Visionen wahr werden müssen. Der 1999 verstorbene spirituelle Lehrer und Seher – er war übrigens leitendender ZDF-Redakteur – Karl Schnelting erklärte es so: „Alle apokalyptische Prophetie hat einen Doppelcharakter. Sie ist Warnung und Voraussage. Wenn sie als Warnung Erfolg hat und eine Umkehr bewirkt, braucht sie als Voraussage keinen Erfolg zu haben; ihr eigentlicher Zweck ist, dass sich durch das Ernstnehmen der Warnung die Erfüllung der Voraussage erübrigt.“ Allerdings wird die Chance, ein angekündigtes Ereignis zu vermeiden, umso geringer, je näher es zeitlich herangerückt und je globaler es ist. In etwa so, wie ein schwerer Tanker auf See eine längere Strecke braucht, um zu stoppen oder den Kurs zu ändern.

Hoffen wir also, dass die Prophetie tatsächlich das ist, was ihr die herrschende Wissenschaft unterstellt: blanker Unsinn.

Zum Weiterlesen: Stephan Berndt: „Prophezeiungen zur Zukunft Europas und reale Ereignisse“, Reichel-Verlag, 15,90 Euro.

Foto: Imagedepotpro/Getty Images RF

Der Hotelier als Bauer

Farm to Table: 140 Millionen Euro hat Österreichs erfolgreichster Wellness-Hotelier in sein Thermenresort Reiters Supreme im Burgenland investiert. Jetzt kaufte er sich einen Bauernhof dazu. Es ist bereits der dritte! Denn höchste Qualität bei den Küchenzutaten ist sein Credo.

Jeder Organismus, und sei er noch so verzweigt und sich in alle Richtungen ausdehnend, braucht ein Herz. Und das Interessante daran: Ein Herz wächst nicht mit. Bei einem Herzen kommt es nämlich nicht auf die Größe an. Sondern auf die Kraft. Bestes Beispiel ist ein Betrieb, der mit sieben Mitarbeitern angefangen hat und jetzt bei 343 hält – das Herz aber ist über all die Jahre dasselbe geblieben. Das Herz des Reiter’s Reserve ist der Hotelier Karl Reiter, der heute nicht anders denkt als vor 40 Jahren, als er das elterliche Wirtshaus im Tiroler Achenkirch übernommen hat. Mit damals eben gerade einmal sieben Mitarbeitern. Heute führt er das Reiter’s Reserve im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf: 120 Hektar, zwei Ausnahmehotels – das kinderfreundliche Finest Family und das Supreme für Erwachsene –, außerdem ein hauseigener 27-Loch-Golfplatz und so ganz nebenbei das größte Hotel-Spa Europas. Das Herz alias Karl Reiter schlägt heute freilich genauso wie Mitte der Siebziger Jahre: „Ich bin noch immer täglich im Laden. Es ist einfach mein Lebensinhalt.“ Es habe sich seit damals natürlich durchaus vieles verändert, sagt er, „aber es ist dennoch nicht viel anders als zu meinen Anfängen im Wirtshaus, mit sieben Angestellten. Es ist noch immer sehr privat.“

Was man zunächst bei einer derartigen Größenordnung kaum glauben möchte. 343 Angestellte allein im Reiter’s Reserve sowie mittlerweile ein Investmentwert von sagenhaften 140 Millionen Euro. Einen solchen Willen, noch besser zu werden, muss diesem Vollbluthotelier erst einmal jemand nachmachen. Aber gleich vorweg: Für gute Bewertungen bräuchte er das nicht zu tun – mehr als die Höchstnote von vier Lilien und 20 Punkten, die das Supreme-Hotel schon lange hält, hätte der renommierte RELAX Guide gar nicht zu vergeben. Dennoch wurde das ohnehin schon konkurrenzlose Angebot noch einmal verbessert. Gerade erst investierte er 800.000 Euro in die Wasseraufbereitung und weitere 250.000 allein in das neue Sole-Thermalbecken.

„Es ist noch immer sehr privat“ – diesen Satz nimmt man Reiter sehr wohl ab. Nicht nur, weil er sich um seine Mitarbeiter sorgt wie wenige andere Hoteliers. Das beginnt mit einem offenen Ohr für ihre Sorgen und endet bei gemeinsamen Reisen. Reiter setzt auch bei der Versorgung mit Lebensmitteln auf eine Struktur, deren privater, ausnehmend kleinteiliger Charakter völlig untypisch für einen derart großen Betrieb ist: Man bezieht die Zutaten für die hiesige Küche von über 200 Lieferanten aus der Umgebung – eine Logistik mit enormem Aufwand, aber Karl Reiter will es nicht anders. Er denkt eben nicht anders, nur weil sein Unternehmen heute so groß ist. Das Prinzip Farm to Table – seit renommierte, international bekannte Spitzenrestaurants auf die Küchenzutaten von der eigenen Farm setzen, ist das neuerdings schlechthin der Trend – lebt er schon lange. Zu den 200 regionalen Lebensmittellieferanten kommen nämlich die drei hauseigenen Bauernhöfe, ganz neu ist jener im Pöllauer Tal. 100 Galloway- und Angusrinder, 12 Mangalitza-Mutterschweine mit dementsprechend vielen Ferkeln, 100 Gänse aus eigener Zucht – so lesen sich nur einige Zahlen dieses Engagements. Wo das Fleisch herkommt, weiß man hier im Reiter’s Reserve also ganz genau, und auch, wie viel Auslauf die Tiere bekommen und was sie gefressen haben. Außerdem produziert man pro Jahr 10.000 Liter Apfelsaft, 4.000 Liter Hirschbirnensaft sowie Wein. Sämtliche Früchte dafür kommen vom hauseigenen Grund. Wenn es um die Landwirtschaft geht, ist Karl Reiter, man würde es nicht anders erwarten, ein vehementer Verfechter kleiner Strukturen: Er kann sich etwa wortgewaltig über Biotomaten aus Andalusien aufregen, die von denselben unter unmenschlichen Bedingungen bewirtschafteten Riesenplantagen kommen wie herkömmliche, „nur eben vielleicht mit anderem Dünger“.

Vielleicht sind es gerade solche Negativbeispiele, die diesen visionären Hotelier immer wieder aufs Neue beflügeln, im eigenen Betrieb für die besten Bedingungen zu sorgen. Erwachsene finden im Supreme nicht nur im Spa eine unschlagbare Ausstattung. Im Finest Family indes, dem Familienhotel, wird für alle Altersklassen ab sechs Monaten Kinderbetreuung angeboten, täglich von 9 bis 21 Uhr. „Mindestens!“, hält Reiter fest. Dazu kommt der für Kinder entwicklungspsychologisch so wichtige Kontakt mit Tieren, etwa mit den entzückenden American Miniature Horses oder den Wasserbüffeln, die in dieser Gegend übrigens ursprünglich heimisch waren. Auch für sie schlägt Karl Reiters Herz.

Mehr: Reiters Reserve, Fon +43-(0)3353-8841-607, www.reiters-hotels.com und RELAX Guide – Reiters Supreme

Fotos: Reiters Hotels/Maxum

Wellness auf höchster Ebene

Schalber Wellness-Residenz – Sommerurlaub in den Bergen: Kein anderes Vier-Lilien-Hotel im deutschsprachigen Raum liegt so hoch wie dieses in Serfaus. Es bietet Luxus und traumhafte Aussichten.

Die meisten von uns kann wohl nichts so tief berühren wie die Schönheiten der Natur. Es sind Bilder, die man lange Zeit mit sich trägt, von denen man auch noch nach Jahren zehrt: Was für ein herrlicher, belebender Ausblick! Keine Gebäude, nur die durch nichts behinderte Aussicht auf die gewaltige Bergwelt. Noch dazu von einem Südhang, was auf den zahlreichen Terrassen praktisch den ganzen Tag Sonne verspricht. Ein solches Panorama genießt man in der Wellness-Residenz Schalber – dem höchstgelegenen Vier-Lilien-Hotel im deutschsprachigen Raum!
Auf 1.400 m Seehöhe liegt dieses familiengeführte Fünfeinhalb-Sterne-Haus am Ortsrand in Serfaus, buchstäblich auf einem Sonnenplateau, unweit vom Reschenpass und den Grenzen mit Italien und der Schweiz.

Mit vier Lilien prämierte der kritische Wellnesshotelführer diesen Luxustempel für das Jahr 2016, und das bereits zum achten Mal. Lilien stehen immer für das Gesamtprodukt, vier Lilien freilich nicht zuletzt für einen Wellnessbereich, der wegen seiner Größe und seiner Ausstattung einen landesweiten Spitzenplatz einnimmt. Dazu gehören hier unter anderem ein weitläufiger Außenbereich mit Feng-Shui-Garten, drei Panorama-Pools – einer davon ist 20 m lang und in Infinite-Edge-Technik ausgeführt – sowie ein einnehmend feminin gestaltetes Ladys-Spa. Mit Lounge, Soledom und verschiedenartigen Dampfbädern. In hochwertig arrangierten Ruhezonen, in Saunen und im Fitnessstudio erscheinen uns die umliegenden Gipfel zum Greifen nah, der Ausblick ist selbst hier stets traumhaft. Genauso wie bei den Yoga-Sessions, an denen man hier während der warmen Jahreszeit im Garten ohne Aufpreis teilnehmen kann.

Übers Jahr bietet das Spa ein tägliches Fitness- und Entspannungsprogramm, Faszientraining, Pranayama und Körperfettabbau sind dabei einige der Fixpunkte. Neben Hairstyling, vielfältigen Gesichts- und Körperbehandlungen werden auch Spezialmassagen, darunter etwa Shiatsu, Dorn-Breuss-Treatments sowie Akupunkt- und Thaimassage, geboten.

Als Residenz bezeichnet man gemeinhin den Wohnsitz eines Staatsoberhauptes, eines Fürsten, Botschafters oder hohen Geistlichen. Residenz, genauer Wellness-Residenz, lautet auch der Namenszusatz des Schalber, das mutet zunächst etwas seltsam an. Doch sieht man sich die Zimmer an, dann weiß man, warum. Sie sind kleine Residenzen, nämlich ausnahmslos großzügig geschnitten. 28 verschiedene Kategorien und Grundrisse gibt es, die kleinsten haben rund 35 m2, die größten nicht weniger als 120 m2, und das für das Haus so typische herrliche Panorama ist aus vielen Zimmern zu bewundern.
Was aber wäre eine Residenz ohne entsprechende Küche? Die im Schalber ist jedenfalls ausgezeichnet, viele Zutaten stammen vom eigenen Bauernhof, aus dem hauseigenen Kräutergarten oder aus der Schalber’schen Jagd. Das Restaurant besteht aus fünf Bereichen mit jeweils unterschiedlichem Ambiente, der Bogen spannt sich von heimeliger Ländlichkeit bis hin zu luxuriöser Modernität. Auf der Suche nach guten Weinen wird man schnell fündig, lagern doch 1.200 verschiedene in den elegant-rustikalen Ziegelgewölben des Kellers, und selbst Raritäten können wir hier glasweise verkosten. Ebenso wie in der Zigarrenlounge, die zudem mit einer großen Auswahl von Whiskys und kubanischen Puros verwöhnt.

Ein Hotel mitten in der Bergwelt Tirols – das steht hier für Mountainbiken, Klettern, Sommerrodeln, Canyoning und herrliche Wanderungen mit einem Picknick am kristallklaren Bergsee. Unweigerlich denkt man aber auch an Wintersport. Und tatsächlich liegt das Schalber in einem der größten und schneesichersten Schigebiete der Ostalpen! Serfaus-Fiss-Ladis heißt es, bis in eine Höhe von 2.800 m reicht es, und mehr als 200 Pistenkilometer sowie 68 Lift- und Seilbahnanlagen umfasst es. Aber auch wer es beschaulich angehen möchte, wird hier bedient. Denn auf die schönen Wanderungen muss man hier selbst im Winter nicht verzichten, stehen doch zahlreiche bestens präparierte Winterwanderwege zur Auswahl. Unser Fazit kommt daher nicht von ungefähr: Auch im Winter sind die Aussichten im Schalber einfach traumhaft!

Mehr: Schalber Wellness-Residenz, Fon +43-(0)5476-6770, www.schalber.com und RELAX Guide – Schalber Wellness-Residenz

Fotos: Schalber Wellness-Residenz, Andreas Schalber

Inspiration und Lust auf Lesen

Das „Literaturhotel“ Wasnerin G’sund und Natur im Ausseerland: Mit erstklassigem Spa vor herrlichem Panorama, mit großer Bibliothek und so manchen Literaten, auf die man hier auch in der Sauna trifft.

Das Ausseerland, die Seele des Salzkammerguts: schwer zu fassen, unbeschreiblich, dennoch alles durchdringend. Eine Kraft, die Schauspieler, Künstler und Literaten seit Generationen anzieht. Auf einem sonnigen Hochplateau liegt hier das Hotel Die Wasnerin – geschichtsträchtig, am Golfplatz und unmittelbar vor der herrlich mächtigen Kulisse des Dachsteingletschers.
Seit vier Jahren wird das Vierstern-superior-Haus von der Familie Barta geleitet, umfangreiche Modernisierungen führten zu einem Top-Spa sowie zu einem Ambiente, das ob seines heimeligen Charmes begeistern kann. Gesundheit, Detox, verschiedenartige Sportarten, Yoga und (auch) vegane Küche zählen zu den Angebotsschwerpunkten dieses „G’sund- & Naturhotels“. Doch über allem hier steht ein besonderes Konzept, die rührige Chefin Petra Barta hat es entwickelt, und es heißt „Auszeiteln“. Nach dieser Philosophie bestimmen innere Ausgeglichenheit und Selbstfindung das Glück, und hier setzt man an: Alles im Haus animiert zum Innehalten und Abschalten. Petra Barta: „Mit zahlreichen kleinen und großen Dingen helfen wir unseren Gästen, vieles zu vergessen, aber nicht sich selbst. Nur so kann man sich geistig für neue Impulse öffnen.“

Was liegt hier näher, als sich auch der Literatur, dem Lesen zu widmen, Wellness für den Kopf zu thematisieren? In der Wasnerin hat man es getan. Genauer gesagt: Vor drei Jahren begann die Familie Barta, sich mit Verve der Welt der Bücher zu verschreiben. In der Zwischenzeit avancierte das Haus buchstäblich zum „Literaturhotel“, jedenfalls zum führenden seiner Art. Wer will, kann hier Auszeit fabelhaft mit Lesegenuss verbinden. Dafür steht hier eine sorgsam zusammengestellte Bibliothek mit Ohrensesseln, offenem Kamin und mehr als 1.000 Büchern bereit, sie findet innen wie außen Erweiterungen mit lauschigen Ruhezonen und Ausblick in die Natur. Sogar eine mobile Bücherwand steht zur Verfügung – am Hotelbadestrand am nahen Sommersberger See!
Wer bislang nichts mit Lesen am Hut hatte, könnte verführt werden: In jedem Zimmer liegen kurze Leseproben verschiedenster Genres, eine Lese-Concierge – die Ausseer Buchhändlerin Gudrun Suchanek, ihr Mann fertigt übrigens in Handarbeit noch Plätten, die traditionellen Holzruderboote des Ausseerlandes – berät und bringt jedem Gast seine Lieblingslektüre ins Hotel. Und Leseratten mit Kuschelfaible wird auf Wunsch das Frühstück auch ans Bett gebracht.

Eigentlich war es ja Erzherzog Johann, der die Region fürs Lesen wie für die Literaten sozusagen vorbereitete. „Es liegt über dieser Gegend hier eine Ruhe, die jeden, welcher Gefühl für die großartige Natur hat, ansprechen muss.“ Das sagte er vor fast 200 Jahren. Damals begegnete er übrigens auch der 15-jährigen Postmeisterstochter Anna Plochl („Nanni, ich lasse nicht von Ihnen“), mit der er sieben Jahre unverheiratet unter einem Dach lebte. Was zunächst einen Skandal am Wiener Kaiserhof auslöste, brachte irgendwann auch Adelige und Großbürger nach Aussee, ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das damalige Gasthaus Wasnerin zum Treff von Wiener Prominenzen und Literaten. Große Namen urlaubten und schrieben hier, darunter Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal (seine geliebte Linde steht auch heute noch gegenüber der Wasnerin), Jakob Wassermann, Egon Friedell, Thomas Mann, Robert Musil, Rainer Maria Rilke und Friedrich Torberg.
Petra Barta ließ diese Tradition nun wieder auferstehen. Zeitgenössische Autoren wie Robert Schindel, Julian Schutting oder Karl-Markus Gauß sind heute regelmäßig zu Gast in der Wasnerin. Barbara Frischmuth hat den sogenannten Alpen-Worte-Garten mitgestaltet, dort wachsen sogar Blumen, die sie selbst gezogen hat. Einmal pro Monat gibt es jedenfalls eine Lesung eines namhaften Schreibkünstlers am Kamin (links unten im Bild: Thomas Raab aus seinem Kriminalroman „Der Metzker kommt ins Paradies“ lesend), ein Höhepunkt ist das alljährliche „Literasee“-Wortfestival – mit Lesungen am unterirdischen See des nahen Salzbergwerks.

Literaten „zum Anfassen“ gibt es indes weitaus häufiger, man trifft sie sogar in der Sauna oder an der Bar: Im Rahmen von Schreibstipendien verbringen Autoren 14-tägige Aufenthalte in der Wasnerin. Und nutzen die inspirative Kraft des Ortes. Genauso wie die anderen Gäste.

Mehr: Die Wasnerin G’sund- & Naturhotel, Fon +43-(0)3622-52108, www.diewasnerin.at und RELAX Guide – Wasnerin G’sund und Natur

Fotos: Christian Jungwirth

Alte Werte, die begeistern

Langjährige Mitarbeiter aus der Region, Küchenzutaten von Bauern aus der Umgebung, Lieferanten, die man persönlich kennt: Das Top-Wellnesshotel Quellenhof Leutasch in Tirol setzt auf alte Werte und eine neue Art des Wirtschaftens. Davon profitieren alle – die Gäste am meisten.

Normalerweise ergehen sich Hoteliers ausnahmslos in Superlativen. Ihr Spa sei das allertollste, der Koch ein Übergenie, die Lage atemberaubend (was bei so manchem an der Bundesstraße gelegenen Hotel freilich nicht gelogen ist) und ihr Haus natürlich generell und überhaupt und sowieso das einzige, wo es sich überhaupt lohnt hinzufahren. Nicht so der Quellenhof Leutasch in Tirol. „Unser Haus ist nicht perfekt“, hält man hier bescheiden fest. „Es ist zusammengewürfelt, man könnte sicher so einiges verbessern“, sagt Emmerich Mitterhuber, der Gastgeber des Quellenhofs. „Aber warum kommen die Leute trotzdem so zahlreich, warum fühlen sie sich hier so wohl?“

Sicher, das Vierstern-superior-Haus hat einen herrlich großen Außenpool, eine überaus feine Bibliothek, einen ebensolchen Weinkeller – und allein die Lage ist schon ziemlich großartig. 280 km Langlaufloipen beginnen vor der Haustür, vom Pool blickt man auf eine beeindruckende Bergkulisse. Aber es ist etwas anderes, das die Gäste immer und immer wieder hierher kommen lässt: Es ist die Aura besonderer Qualität, besonderer Wertschätzung. Denn man achtet hier nicht nur die Gäste, sondern auch die Mitarbeiter, die Lieferanten – vom Fischer bis zum Tischler – und die Natur. Eine allgegenwärtige Wertschätzung also, die der heutigen Mainstream-Denke, nämlich den Preis von allem und den Wert von nichts zu kennen, diametral entgegenliegt. Und sich in der Freude an der Begegnung mit Menschen ebenso wie in der Zufriedenheit aller zeigt.

„Wir haben nicht nur 80 Prozent Stammgäste“, sagt Emmerich Mitterhuber, „wir haben auch 80 Prozent Stammmitarbeiter, die mitunter bereits Jahrzehnte bei uns sind.“ Nachdem das Gastgewerbe einem viel gibt, aber eben auch viel abverlangt, setzt man im Quellenhof Leutasch auf Mitarbeiterzufriedenheit, etwa auf würdevolle Wohnmöglichkeiten und, sehr ungewöhnlich, eine Fünftagewoche. Wer seinen Arbeitsplatz liebt, strahlt das auch aus, und wohl kaum wo ist ein freundliches, positiv gepoltes Miteinander so essentiell wie im Urlaub. Denn es mag ja angehen, dass uns der Busfahrer im städtischen Frühmorgenverkehr anschnauzt; nicht aber der Frühstückskellner in den wenigen Tagen unseres hochheiligen Urlaubs. Zufriedene Mitarbeiter sind also für ein Wellnesshotel das Rückgrat. Und im Quellenhof Leutasch werden sie vor den Vorhang geholt, vorgestellt und porträtiert – im Blog wie im Prospekt.

Ebenso wie die Lieferanten, die in jeder Speisekarte angeführt sind. Der Quellenhof Leutasch ist heute einer der größten Direktabnehmer bäuerlicher Produkte in Tirol. Die Milchbäuerin, die Joghurt herstellt, kennt man selbstverständlich ebenso beim Namen wie den Imker, der den Honig bringt. Der Landwirt, der täglich 350 frische Bioeier liefert, ist ebenso wichtig für das Haus wie 28 weitere Bauern aus der Umgebung. Weiters gibt es da den Leutascher Rinderschinken, eine Art Bresaola, Wild aus den hiesigen Bergen wie das Fleisch vom Karwendelhirsch oder die frisch oder geräuchert gelieferten Saiblinge und Forellen der Leutascher Fischerei, die kompetent von einem Tierarzt geführt wird und die man auch besuchen kann.
Das Regionale bevorzugen, auch wenn es mehr kostet – diesem den knallharten Rechenstift ignorierenden Credo folgt man im Quellenhof Leutasch sogar bei den Blumen. Diese bezieht man von einer Gärtnerei im nahen Imst, auch wenn sie mehr als doppelt so teurer sind wie Blumen von einem Großproduzenten im Ausland. „Wir wissen, dass das mehr kostet, aber das gehört einfach dazu“, meint Mitterhuber. Und bei den Genusslieferanten bedankt man sich jedes Jahr mit einem sogenannten Erntedankfest: einem großen Essen, zu dem vom Kartoffelbauern bis zum Jäger alle eingeladen sind, die den Quellenhof Tag für Tag verlässlich mit regional und achtsam produzierten Lebensmitteln versorgen. Globalisierung? Billigimporte? Nein: „Wir leben mit und von den Leuten, die in der Region wohnen und arbeiten.“

Regionalität ist in diesem klug geführten Drei-Lilien-Hotel keine dienstbeflissene Pseudophilosophie mit einem schnell mal übergestülpten grünen Mäntelchen, weil sich das mit dem Regionalen heute im Marketing eben so gehört. Man denkt im Quellenhof Leutasch vielmehr nach: Was kann Regionalität noch bedeuten, wie lässt sie sich weiterdenken? Und man hat Antworten gefunden wie jene, bei der Zimmerrenovierung mit Altholz zu arbeiten. Also mit Holz, das etwa aus alten Bauernhäusern stammt. Eine Ressource, die es schon gibt und die von der hiesigen Natur nichts mehr nimmt. Oder jene herrlich undogmatische und gänzlich jedes reflexhafte Rot-Weiß-Rot-Mantra missachtende Antwort, dass ein Möbellodenproduzent oder eine Naturkosmetikmarke aus Südtirol doch näher ist als so mancher „österreichische“ Hersteller, der in China produzieren lässt.

Mehr: Quellenhof Leutasch, Fon +43-(0)5214-67820, www.quellenhof.at und RELAX Guide – Quellenhof Leutasch

Fotos: Quellenhof Leutasch