Nur nicht demonstrieren!

Die hohe Arbeitslosigkeit in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat in Spanien die Massen auf die Straße getrieben, im Vorjahr gab es alleine in Madrid 4.500 Demonstrationen. Das ist offensichtlich gefährlich. Denn seit kurzem gibt es dagegen ein neues „Gesetz für die Sicherheit der Bürger“. Danach werden etwa Demonstrationen vor dem Parlament oder das Fotografieren von Polizisten sowie das Twittern über eine nicht angemeldete Demonstration mit Strafen von bis zu 600.000 Euro geahndet.

Die Pharma-Mafia

Das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie sei organisierte Kriminalität, man arbeite mit unwissenschaftlichen, korrupten Methoden. Klinische Studien seien häufig in einem erschreckendem Ausmaß manipuliert und nichts anderes als getarntes Marketing. Hunderttausende Menschen werden durch tödliche Nebenwirklungen umgebracht, Medikamente sind die dritthäufigste Todesursache. Praktisch alle Pharmariesen wurden in den vergangenen Jahren zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe wegen aufgeflogener Betrügereien verurteilt.

All das sind Aussagen des renommierten dänischen Medizinprofessors Peter Christian Gøtzsche. Der Internist ist Direktor des unabhängigen Nordic Cochrane Centers in Kopenhagen und Autor des neuen Buches „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert“. Gøtzsche: „Wir könnten auf ziemlich einfachem Weg 95 Prozent der Medikamentenausgaben sparen und hätten sogar eine gesündere Bevölkerung.“ Doch die Politik versage gegenüber der Macht der Pharmakonzerne.

„Dieses Buch ist ein Augenöffner“, sagt Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. „Bevor Sie das nächste Medikament nehmen, sollten Sie es auf jeden Fall erst einmal lesen.“

Gigantomanie für Superreiche

Investoren planen, im beschaulichen 1.000-Seelen-Dörfchen Vals in Graubünden „das höchste Haus Europas“ zu bauen. Einen rund 400 m hohen, 82-stöckigen Hotelturm mit mehr als 100 bis zu 500 m2 großen Suiten! Sie sollen bis zu 25.000 Euro kosten – pro Nacht! Angedacht ist, die Gäste mit dem Hubschrauber einzufliegen, zum Schifahren ginge es mit dem Helikopter in 15 Minuten nach St. Moritz. Die Valser Bürger stimmen im Herbst über das Projekt ab.

Multiresistente Keime im Putenfleisch

Bei einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland wurden in 88 Prozent der bei Discountern gekauften Putenfleischproben multiresistente Erreger festgestellt. Eine weitere Untersuchung des deutschen Labors LADR ergab, dass auch 20 Prozent des Bio-Putenfleisches sowie weitere Wurst- und Fleischsorten im Ausmaß etwa 20 Prozent davon betroffen sind. Zwischen Produkten aus konventioneller und ökologischer Mast gäbe es dabei kaum wesentliche Unterschiede.

Essbare Stadt

Sie heißen „Mundraub“, „Stadtfrucht“ oder „Linz pflückt“: Jene jungen Initiativen, die kostenloses Obst im öffentlichen Raum – zumeist dem urbanen – für möglichst viele Nutzer zugänglich machen wollen. Auf interaktiven Online-Karten sind innerstädtische Holunderbüsche verzeichnet, Wildkirschbäume am Rand von Kinderspielplätzen, Nussbäume entlang von U-Bahn-Trassen. Lebende Lebensmittelspender also, die langfristig dabei helfen sollen, Überproduktion zu vermeiden und ein wenig Unabhängigkeit von den versorgenden globalen Marktketten zu erlangen.

In der Stadt wächst weitaus mehr, als man glaubt. Man muss nur die Augen aufmachen, den Blick vom Glitzerwelt-Schaufenster Richtung verwilderten Hinterhof richten.

Die Frage nach etwaiger Verschmutzung wird übrigens anders beantwortet, als man glaubt: Klar, in einer Hundezone sollte man Vogelmiere oder Brennnesseln vielleicht nicht gerade pflücken, und die verlockenden Hopfensprossen direkt neben der Autobahn gilt es auch eher zu vermeiden. Wildpflanzen in der Stadt sind aber meist ungespritzt. Anders als am Land, wo giftiger Sprühnebel vom Wind weit neben das eigentlich zu bearbeitende Feld getrieben wird und bisweilen Kilometer weiter auf scheinbar sauberen Schlehenbüschen am Wegrand landet. Die verhältnismäßig große Sauberkeit von Pflanzen in der Stadt bestätigen übrigens auch die immer zahlreicher werdenden urbanen Imker: Stadthonig ist weniger giftstoffbelastet als so mancher Honig aus scheinbar sauberen, aber dennoch höchst pestizidbelasteten ländlichen Gegenden.

Der Trend, sich in der Natur in der Stadt zu bedienen, hat im Buch „Essbare Stadt“ Niederschlag gefunden. Autor Maurice Maggi, der sich selbst als Linkshänder und Fußgeher bezeichnet, war vor allem in Zürich unterwegs. Und hat im urbanen Raum eine Vielfalt an Pflanzen gefunden, die er zu ungewöhnlichen Gerichten verkocht. Etwa Baumschösslinge, also ganz junge Blätter etwa von Linde, Ahorn oder Buche, die er in ein Risotto mit Blauschimmelkäse einflicht. Aus Brennesseln und Leinsamen werden knusprige Kugeln, die Maggi mit sautierten Sprossen vom japanischen Knöterich serviert – einer Pflanze, die zu googeln sich lohnt, Sie kennen bestimmt ein Exemplar in Ihrer Nähe! Löwenzahn kombiniert der kulinarisch aktive Stadtstreicher mit Sobanudeln, Hopfenschösslingen und einem Miso-Ingwer-Dressing, Wildrosenblätter kommen in ein Taboulé mit Vanilletomaten, und aus Lärchenzapfen, Holunderblüten und Schlüsselblumen wird Schnaps, Essig und Wein angesetzt.

Das Buch ist, eine logische Entscheidung, in Jahreszeiten gegliedert, die einzelnen Wildpflanzen sind genau erklärt und illustriert. Und der ungewöhnlich massive rohe Kartonumschlag erinnert ein wenig an die Mauern, zwischen denen eine bisweilen erstaunlich üppige und entdeckenswerte Stadtflora wuchert.

Rezepte im PDF Format:
Blütenrisotto
Löwenzahnsalat mit Tortilla
Melonensüppchen mit Wegwarte
Moos in Gurkenkaltschale

Maurice Maggi:
Essbare Stadt

AT Verlag, 320 Seiten
39,90 Euro


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Vertauschte Buchungsbestätigung beweist: Treffen von Staatschefs ist Wellnessurlaub!

Was bislang nur Verschwörungstheoretiker dachten, ist seit gestern bestätigt: Der G7-Gipfel dient als Tarnung. Denn bei dem Treffen der Regierungschefs von sieben Top-Industrienationen geht es nur um Wellnessurlaub. Als Location wählte Kanzlerin Angela Merkel Deutschlands am besten ausgestattetes Spa-Hotel. Schloss Elmau, ein Hideaway mit fünfeinhalb Sternen.



Der Herausgeber des kritischen Wellnesshotelführes RELAX Guide, Christian Werner: „Das Hotel hat die Buchungsbestätigungen vertauscht. Einem unserer Tester wurde irrtümlich die Bestätigung für Frau Merkel gemailt.“ Diese zeige, dass 124 Beauty- und Verwöhnbehandlungen gebucht wurden. „Damit ist jeder Politiker genau 16,332 Stunden pro Tag beschäftigt“, rechnet der Wellnessexperte vor. Weiters bestellt wurden unter anderem je 70 Flaschen 1989er Château Mouton de Rothschild Edition „Mauerfall“, Wachteleierlikör sowie Zirbenschnaps aus Österreich. Werner: „Nur Wellness und Trinken! Hier kann niemals ernsthaft gearbeitet werden! So ein Schwindel!“



Ein Sprecher des Bundeskanzleramtes kritisierte indes „Herrn Werners unentspannte Wellnessführermoral“. Und verwies darauf, dass eine solche Auszeit alternativlos sei: „Man bedenke die Socienty-Events, den Stress mit den Pleite-Griechen sowie mit der Beruhigung der Finanzmärkte.“ Schon 2007 habe man doch im Grandhotel Heiligendamm einen G8-Wellnessurlaub verbracht, „ohne dass sich irgendwer aufgeregt hätte“. Im Gegenteil. „Wir brauchten sogar 12 Kilometer Stacheldrahtzaun und 16.000 Polizisten, weil Tausende Gipfel-Fans im selben warmen Whirlpool sitzen wollten, wo Frau Merkel mit ihren Gästen weilte.“



In der Zwischenzeit erhielt die Kanzlerin sogar von politischen Gegnern Schützenhilfe: Die AfD twitterte „Recht so, Angela“, Sarah Wagenknecht (Die Linke) postete „Wohlfühlen ist ein demokratisches Grundrecht!“ auf Facebook.



Der G7-Gipfel hätte bekanntlich ein G8-Gipfel sein sollen. Doch Russlands Präsident Putin wurde ausgeladen. Weltweit wusste niemand, warum. „Gerade mit Putin gäbe es doch viele Gründe für ein mehrminütiges Gespräch“, zeigt sich der EU-weit bekannte Wiener Politologe Professor Conchita Wurst erstaunt. „Jetzt erklärt sich aber, wieso die Putin nicht dabei haben wollten“, sagt der Wissenschafter. „Der Russe ist schlank, sehnig, durchtrainiert. Die anderen können da nicht mithalten. Man stelle sich das vor, die in der Sauna, hahaha. … Hollande, hahaha … die Grande Nation … Die nackte Blamage!“ Er sehe schon die Schlagzeile in den US-Zeitungen: „It’s the Body, Stupid!“ Dazu dann „dieser Putin auf dem Cover“.



Diese Peinlichkeiten mussten, so Wurst weiter, unbedingt vermieden werden. „Es geht schließlich um das Ansehen der Nato, der westlichen Welt. Es geht um die Wurst!“ Professor Wurst schließt deshalb nicht aus, 2016, beim nächsten G-Gipfel, selbst eingeladen zu werden. Und resümiert: „So ein richtiger Mann in der Sauna, das hätte schon Stil.“



Wie Umfragen zeigen, wird der Wohlfühlkurs von weiten Teilen der Bevölkerung mitgetragen. Nur einer kleinen Minderheit, die unbestätigten Meldungen zufolge noch längst ausgestorbene Grundrechnungsarten beherrschen soll, erscheinen die Kosten von zwei Tagen Wellness für sieben Personen – mindestens 360 Millionen Euro – geringfügig überhöht. Das Kanzleramt hingegen kontert mit Einsparungseffekten. Angela Merkels Gesichtsbehandlungen etwa sollen nicht mit sündteurem Beluga-Kaviar, sondern mit Seehasenrogen durchgeführt werden. „Mir persönlich graust ja vor dem billigen, stinkerten Zeug“, zweifelt Dieter Elmau, der Hideaway-Hotelier, „da wird man ja ganz schwarz davon. Igitt.“ Doch „wer zahlt, schafft eben an“. Dass hier aber gar nicht Frau Merkel, sondern der Steuerzahler die Hotelrechnung begleichen muss, davon sei „nie die Rede“ gewesen.

PS: Im Gegensatz zu allen anderen Beiträgen auf www.relax-guide.com ist dieser Artikel frei erfunden. Korrekt sind hingegen die Zahlenangaben über den G8-Gipfel im Jahr 2008 sowie die Kosten des gegenwärtigen Treffens.

Schluss damit!

Der Sexismus-Wahn wurde von einer kleinen Gruppe radikaler Feministinnen erfunden, die Mainstream-Medien halten ihn am Köcheln – zum Nachteil für alle. Doch immer mehr Frauen begreifen, was wirklich dahintersteckt: lebensferne, bizarre Theorien.

Ausgerechnet ein Grüner war einer der ersten „offiziellen“ Sexisten. Kurz nachdem die Abgeordnete Waltraud Schoppe 1983 im Deutschen Bundestag den „alltäglichen Sexismus hier im Parlament“ angeprangert hatte, tauchte eine anonyme Beschwerde gegen einen Klubkollegen auf. Darin monierten mehrere Frauen: „Ein männliches Mitglied der grünen Bundestagsfraktion hat seine vermeintlichen Direktorenansprüche bei weiblichen Mitarbeitern der Fraktion geltend gemacht.“ Oder anders gesagt: Der damals 53-jährige Klaus Hecker – verheiratet und Vater von drei Kindern – hatte den Frauen an die Brüste gefasst.

Heckers Verteidigung war nicht gerade auf Parteilinie: „Neun von 10 Frauen“, so meinte er, „wollten das so“. Sensiblere Erklärungsansätze, die er zu einem späteren Zeitpunkt nachreichte – die Grapsch-Attacken wären „ein Versuch gewesen, sich Menschen näher zu bringen“ –, halfen auch nichts mehr. Hecker musste gehen. Außerhalb der Grünen waren die Übergriffe damals aber bestenfalls ein Randthema. Hätte die „Bild am Sonntag“ nicht genüsslich darüber berichtet, wären sie wohl niemals der Öffentlichkeit bekannt geworden.

Rund 30 Jahre später reichte schon ein einziger dummer Satz, um sich als Politiker zielsicher ins gesellschaftliche Aus zu schießen. So wurde dem FPD-Abgeordneten Rainer Brüderle ein Zitat zum Verhängnis, das er wahrscheinlich tatsächlich als Kompliment verstanden hatte. Beim Dreikönigstreffen seiner Partei im Jahr 2012 ließ er eine Reporterin des Stern wissen: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Als die Journalistin diesen „Herrenwitz“ veröffentlichte, war es mit Brüderle vorbei. Er wurde über Nacht zum greisen, geilen Gesicht einer neu entflammten Sexismusdebatte.

In dieser Debatte zeigte sich ein sonderbares Bild: Obwohl in den vergangenen Jahren Sexismus und sexuelle Belästigung in den Medien vehement thematisiert worden waren, zeigten sie sich offenbar allgegenwärtig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieben unter dem Hashtag #aufschrei Zehntausende von Frauen von Übergriffen. Hatten die Männer denn wirklich nichts dazugelernt? Oder war schlichtweg die Gesellschaft so hysterisch geworden, dass hinter jedem falschen Wort gleich sexuelle Belästigung gewittert wurde?

Alle Männer sind böse – so sie weiß sind

Als die Frauenbewegung in den 1960er Jahren erstmals sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zum Thema machte, hatte sie tatsächlich jeden Grund dazu. In den Büros wurden Mitarbeiterinnen oft wie Freiwild behandelt, grobe Anzüglichkeiten und Grapschen standen an der Tagesordnung. Und es interessierte außer den Betroffenen niemanden: „Sexuelle Belästigung“ als Begriff war völlig unbekannt.

Die Feministinnen forderten eine Selbstverständlichkeit: Sie wollten aufgrund ihres Geschlechts weder schlechter behandelt werden noch körperliche Übergriffe erdulden müssen. Gemeinsam mit anderen Bürgerrechtsbewegungen gelang ihnen 1964 in den USA auch der entscheidende Durchbruch: Der Civil Rights Act verbat jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der Hautfarbe. Bald galt auch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als Diskriminierung, für die Unternehmen verklagt werden konnten. Und es folgte auch gleich eine ganze Flut an Klagen, teilweise mit Millionenforderungen. Bei den Verhandlungen tauchte immer wieder jene Gretchenfrage auf, die sich bis heute durch die Debatte zieht: Was genau ist eigentlich sexuelle Belästigung oder Sexismus?

Im Strafgesetzbuch findet sich der Terminus „sexuelle Belästigung“ jedenfalls nicht. Zwar werden diverse geschlechtliche Handlungen unter Strafe gestellt – allerdings nur „bei einer intensiven Berührung eines primären oder sekundären Geschlechtsorgans“. Der Hintern zählt übrigens nicht dazu, weshalb das berüchtigte Po-Grapschen auch nicht dezidiert verboten ist. Verbale Belästigungen sind ebenfalls nicht umfasst.

Sexuelle Belästigung fällt in den meisten westlichen Ländern unter das Gleichbehandlungsgesetz des Arbeitsrechts. Hier ist die Definition vor allem eines: schwammig. Anzügliche Witze oder Äußerungen am Arbeitsplatz fallen genauso darunter wie das Mitbringen oder Verbreiten pornographischer Materialien etwa durch E-Mails oder anzügliche Bemerkungen über Figur und sexuelles Verhalten von Kollegen.

Wahrscheinlich reichte diese laxe Definition sogar aus, wäre die Debatte nicht in eine ungesunde Richtung gekippt. Für eine Speerspitze von jungen, radikalen US-Feministinnen war es zu wenig, nur einzelne Aspekte des Geschlechterumganges zu regeln, sie wollte mehr. Und stellte gleich die gesamte maskuline Sexualität unter Generalverdacht. Der Mann – insbesondere, wenn er weiß war – wurde zum Inbegriff des machtbesessenen Tyrannen, der die Frau mittels Sex und Gewalt in der Opferrolle gefangen hielt. „Alle Männer sind Vergewaltiger, das ist alles, was sie sind“, urteilte etwa die amerikanische Feministin Marilyn French.

Diese neue Generation blies sodann zum Angriff auf das gesamte Patriarchat. Soldatinnen in diesem Kampf sollten jene Legionen an Frauen werden, die unter dem Joch der Männer litten. Die Vorwürfe von Sexismus und sexueller Belästigung avancierten zu Waffen, die mit der großzügigen Erweiterung dieser Begriffe schrittweise noch schärfer gemacht wurden. Bald waren es nicht länger nur anzügliche Kommentare oder unerwünschte Berührungen, die es zu ächten galt, sondern auch schlechte Witze, unpassende Bemerkungen, Flirtversuche und sogar das bloße Ansehen einer Frau. Praktischerweise wurde sogar auch Kritik am Feminismus als sexuelle Belästigung ausgelegt. Besonders perfide war allerdings, dass man die Grenze zwischen Vergewaltigung und sexueller Belästigung verwischte. Ausgerechnet in Zeiten, in denen die Mode den Frauen vorgab, freizügig so viel Haut wie nie zuvor in der Zivilisationsgeschichte zu zeigen, mutierte der Männerblick zum „eye raping“, zur „Vergewaltigung mit dem Auge“.

Frauen können niemals Täter sein

Freilich musste auch an einem neuen Gewaltbegriff gebastelt werden – mit unendlicher Ausdehnung desselben. Gewalt begann ab sofort mit der Angst beim nächtlichen nach Hause Gehen oder mit Pfiffen auf der Straße. Gewalt war nunmehr die Frage nach einem Kinderwunsch beim Vorstellungsgespräch. Gewalt waren Bekleidungsvorschriften des Arbeitgebers. Gewalt war die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern. Gewalt war, die Frau nicht zu Wort kommen zu lassen. Selbst positive Eigenschaften männlichen Werbens wie die Galanterie bekamen das Etikett „Dreckszeug“ umgehängt. Einer Frau die Türe aufhalten? „Macho!“ Seiner weiblichen Begleitung in den Mantel helfen? „Chauvinist!“

In einem solchen System konnten Frauen selbst natürlich niemals zu Tätern werden. Selbst dann nicht, wenn sie Männer kastrierten. Die prominente deutsche Feministin Alice Schwarzer etwa feierte förmlich die Amerikanerin Lorena Bobbitt, die ihrem schlafenden Mann den Penis abgeschnitten hatte: „Sie hat ihren Mann entwaffnet. Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur an das Hacken von Petersilie. Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!“

Frauen waren bei sexueller Belästigung auch nicht etwa schnöde Leidtragende: Zuerst wurden sie zu Opfern, um schließlich auf der Leidensskala zu Überlebenden hochzuklettern. Eine Belästigung war nicht einfach unangenehm, sie war traumatisierend. Das Leben in den Industrieländern – wohl weltweit der sicherste Platz für eine Frau überhaupt – wurde zur „rape culture“, zur Vergewaltigungskultur.

Mit dem an den Pranger Stellen des Mannes war es aber noch nicht getan, radikale Feministinnen gingen nun sogar so weit, die Heterosexualität anzugreifen. „Etwas sehr Sonderbares passierte gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Heterosexualität war nicht länger die Norm, sondern musste sich verteidigen“, schreibt die gemäßigte Frauenrechtlerin Daphne Patai in ihrem Buch „Heterophobia“.

Der heterosexuelle Geschlechtsakt wurde zum Symbol des Patriarchats schlechthin gestempelt. Bizarr: Denn der Mann demonstriert mit seinem Eindringen seinen Besitzanspruch. Frauen sind demnach entweder verblendete Opfer oder aber Komplizen. Mit den Worten der mehrfach ausgezeichneten US-Feministin Andrea Dworkin: „Heterosexueller Sex ist die reine, formalisierte Missachtung des weiblichen Körpers.“

Heterosexualität ist nicht „echt“

Zu Hilfe kam diesem verrückten Ansatz das Aufkommen der Gendertheorie. Diese besagt, dass der Mensch neben einem biologischen, aber vernachlässigbaren Geschlecht („sex“) auch über ein entscheidendes soziales Geschlecht („gender“) verfügt. Dieses aber sei gesellschaftlich konstruiert und beliebig veränderbar. Den Feministinnen lieferte das neue und stärkere Munition. Denn wenn Gender formbar ist, dann muss es die Sexualität auch sein. Begehren und romantische Liebe zwischen Männern und Frauen waren keine biologischen Tatsachen, sondern Konstrukte. Die Frau konnte endlich auch im Bett von ihrem Unterdrücker befreit werden. „Feminismus ist die Theorie, Lesbierin sein die Praxis“, unterstrich die dieser Logik folgende feministische Schriftstellerin Ti-Grace Atkinson.

Die Gendertheorie hat allerdings ein dezentes Problem: Sie ist eine Ideologie, die kaum bis gar nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse abgesichert ist. Sie stimmt vor allem nur deshalb, weil sie stimmen soll. Der einzige konsequente Versuch, sie in die Realität umzusetzen, endete fatal: Nachdem der Penis von Bruce Reimer bei einer Operation als Baby irreparabel verletzt worden war, entschlossen sich die Eltern dazu, ihr Kind ohne dessen Wissen gemäß der Gendertheorie als Brenda großzuziehen. Bruce wurde einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und zeitlebens entsprechend hormonell behandelt. Das Experiment durchlief mehrere tragische Episoden, bis sich das Versuchsobjekt im Jahr 2004 im Alter von 38 Jahren umbrachte. Das konnte dem Siegeszug der Gendertheorie allerdings nicht schaden. An den Unis schossen Professuren für Genderstudien wie Pilze aus der Erde hoch. Seit den Amsterdamer Verträgen von 1997/1999 ist Gender-Mainstreaming auch das erklärte Ziel der EU.

Das Feindbild der meisten Genderforscher sind klarerweise die auf Daten und Untersuchungsergebnissen beruhenden Naturwissenschaften. Dort ist man sich weitgehend einig, dass Geschlechtsunterschiede teilweise anerzogen sind, doch spielen Evolution und Biologie die weitaus wichtigere Rolle. Beide Geschlechter haben Stärken und Schwächen, die einander ergänzen, aber nicht „besser“ oder „schlechter“ sind. Statt mit Fakten kontert die Genderfraktion darauf wiederum mit Ideologie: „Naturwissenschaften reproduzieren herrschende Normen“ oder „Naturwissenschaften konstruieren Wissen, das den gesellschaftlichen Systemen zuarbeitet“.

Sexismus ist ein Bauchgefühl

Man könnte all das eigentlich als Abstrusitäten abtun, würde es nicht bis heute das Klima zwischen den Geschlechtern vergiften. Genau diese Theorien haben dazu geführt, dass ein falsches Wort Männer in des Teufels Küche bringen kann. Noch heute obliegt etwa die Deutungshoheit darüber, ab wann eine flapsige Bemerkung als Belästigung zu werten ist, alleine der Frau. Es gibt auch keinerlei verbindliche Trennlinie dafür, ausschlaggebend ist „das Bauchgefühl“. Prinzipiell reicht ein falscher Blick vom falschen Mann. Für den Beschuldigten gilt im Gegensatz zum Strafrecht keine Unschuldsvermutung. Zumeist muss er beweisen, dass die Vorwürfe unrichtig sind.

Außerdem: Schon der Vorwurf allein hat verheerende Folgen, zieht er doch in der Regel soziale Ächtung und Probleme am Arbeitsplatz nach sich, die bis zur Kündigung gehen. Und manchmal endet er tödlich: So machte sich eine Studentin einer US-Uni über einen extrem übergewichtigen Professor lustig, insbesondere spottete sie über den enormen Umfang seines Oberkörpers. Als dieser konterte, dass die junge Frau dieses Problem nicht habe, war der Teufel los. Es folgte eine Hexenjagd, die den Professor derartig mitnahm, dass er sich das Leben nahm. Die Universität wollte den Vorfall vertuschen. Jedoch nicht etwa, um den Professor posthum zu schützen. Vielmehr befürchtete man, dass Frauen etwaige sexuelle Belästigungen nicht mehr melden würden, falls sich die Beschuldigten umbrächten.

Bei den unzähligen dokumentierten Fällen sticht ein weiteres Detail ins Auge: Männer sind offenbar nur im heterosexuellen Kontext Triebtäter. Unter Homosexuellen ist dies kein Thema. Allerdings werden diese Fälle, wie Daphne Patai schreibt, auch gerne unter den Tisch gekehrt, um nicht der Homophobie Vorschub zu leisten. Dass Frauen mitunter gezielt ihre Sexualität einsetzen, um sich berufliche Vorteile zu verschaffen, wird in diesem Kontext vollständig ausgeblendet. Ebenso wie der Umstand, dass sich in der Vergangenheit erhobene Vorwürfe immer wieder als frei erfunden entpuppt haben. Denn die Opfer waren dann schließlich Männer – und mit denen dürfe man nicht zimperlich umgehen. „Ich möchte sehen, wie ein Mann zu einem blutigen Haufen zusammengeschlagen wird. Mit einem in den Mund geschobenen Stöckelschuh, wie ein Apfel im Maul eines Schweins“, träumt etwa die Feministin Andrea Dworkin.

„Dann mach doch die Bluse zu!“

In dem von den Medien stets am Köcheln gehaltenen Sexismusbrei geht leider eine sehr erfreuliche Tatsache vollständig unter: Eigentlich finden die Geschlechter großen Gefallen aneinander. Selbst eine Frau, der einmal auf den Hintern gegrapscht worden ist, wird sich kaum dafür einsetzen, Sexualität derartig überzuregulieren, dass jeder Flirt oder Annäherungsversuch belangt werden kann. Eine sterile, völlig geschlechtslose Welt gleicht eher einer Horrorvision als einer erstrebenswerten Utopie. Dennoch bewegen wir uns in diese Richtung.

Der Philosoph Robert Pfaller brachte es in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Punkt: „Entweder wir haben eine Kultur, wo Menschen sich freuen, Frauen oder Männer zu sein. Was erst mal überhaupt nichts darüber aussagt, ob Gleichheit besteht oder nicht. Oder aber wir leben in einer Gesellschaft, wo sich alle grundsätzlich schämen, für das, was sie sind. Das ist heute der Fall: Die Männer schämen sich dafür, Männer zu sein, sie sind immer Täter und Belästiger. Die Frauen ärgern sich aber auch, weil sie immer die Opfer sind. Etwas vergröbert könnte man sagen, wir haben es fertig gebracht, uns innerhalb weniger Jahrzehnte die Geschlechterverhältnisse völlig zu vermiesen. Eine Kultur, die einen bestimmten erotischen Umgang als Normalton im Alltag gutheißt, wäre wesentlich gefeiter vor solchen obszönen Entgleisungen, weil es innerhalb des erotischen Spiels Regelmechanismen und Zurechtweisungen gäbe. Aber wenn man die Kultur enterotisiert, hat man nur noch diese obszönen Überbleibsel.“

Der Rummel um den Sager von Rainer Brüderle zeigt aber, dass immer mehr Frauen von der gehässigen Stimmung genug haben. Mit dem Kommentar „Dann mach doch die Bluse zu“ sorgte etwa Birgit Kelle vor allem in den sozialen Medien für Furore. Von den Mainstream-Medien wurde sie anfangs ignoriert, später natürlich lächerlich gemacht. Doch offenbar sprach sie vielen Menschen aus der Seele.

„Ich lebe wohl in einem anderen Land, in einer Parallelwelt“, schrieb sie. „Es nervt, es regt mich auf, gerade als Frau, dass inzwischen jede Lappalie, jede blöde Anmache, jedes Hinterherpfeifen und jeder Blick auf das falsche Körperteil zur falschen Zeit zum Sexismus hochstilisiert wird. Es wird nicht mehr differenziert und damit jede ernsthafte Diskussion im Keim erstickt. Und es nervt vor allem deswegen, weil wir wieder im alten Täter-Opfer-Schema stecken, bei dem die Rollen von Anfang an klar verteilt sind. Mann Täter. Frau Opfer. Mit welcher Begründung soll man uns noch in die Chefetagen vorlassen, wenn wir es nicht einmal schaffen, alleine an einer Bar ohne Sexismus-Polizei zu bestehen?“

Wieso sei es denn in Ordnung, dass Frauen ihr Aussehen strategisch einsetzen, aber nicht, dass Männer darauf reagieren? „Wir dürfen also alles tun, um uns gut in Szene zu setzen, es soll uns aber bloß keiner drauf ansprechen? Wie viele Frauen warten nur darauf, dass ein Mann reagiert? Wenn aber der Falsche auf die Signale anspringt, dann ist er Sexist. Wir Frauen putzen uns nur für uns selbst raus. Wir verbringen Stunden im Fitnessstudio, vor dem Spiegel, beim Friseur und bei der Kosmetikerin, weil wir das alles nur für uns machen und nicht etwa deswegen, weil wir gerne gut aussehen. Damit uns die Männer sehen. Ich bitte all diese Frauen, einmal kurz die Frage zu beantworten, wann sie sich zuletzt für einen gemütlichen Fernsehabend mit Chips und Cola Light alleine zu Hause geschminkt, frisiert und in Schale geworfen haben? So ganz allein, nur für sich selbst?“

Wie Kelle dürfte es vielen Frauen gehen. Und im Gegensatz zu früher schweigen sie heute immer weniger. Schon gibt es die „Frauen gegen Feminismus“, deren Aktivistinnen ein Bild von sich mit einem Zettel in der Hand ins Internet stellen, auf dem steht, wieso für sie Männer keine Monster sind. Die Argumente reichen von „Weil ich meinem Mann gerne ein Sandwich mache!“ über „Weil ich nicht von Männern unterdrückt werde, wenn sie mir ein Kompliment machen!“ bis hin zu „Weil die Welt Gleichberechtigung braucht, nicht Bevorzugung!“ Doch es gibt auch weiterhin noch junge Frauen, die die Welt über Twitter wissen lassen: „Wenn mich ein hässlicher Mann vergewaltigt, kommt er ins Gefängnis, wenn er gut aussieht, bekommt er meine Telefonnummer.“

Zum Weiterlesen:
Daphne Patai: „Heterophobia: Sexual Harassment and the Future of Feminism“, Rowman & Littlefield Publishers, 21 Euro.
Birgit Kelle: „Dann mach doch die Bluse zu: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn“, Adeo, 17,99 Euro.

Foto: TRBfoto/Blend Images/Corbis RF

Tochter und Freundin

Erfolgreiche Töchter sind stets im Stress. Doch wie schön wäre es, Zeit mit der Mutter zu verbringen. An einem besonderen Platz, selbst wenn es nur ein paar Tage sind. Vertraute Gespräche, Rückblicke, belebende Verbundenheit. Das Kranzbach, dieses Hotel ist das perfekte Umfeld dafür!

Stolz und Wehmut – der Titel eines neuen Romans? Nein, aber erzählen kann man über diese Worte wohl einiges … Stolz und Wehmut, diese so unterschiedlichen, so starken Empfindungen, kennen Mütter, die ihre Töchter zu erfolgreichen Frauen heranwachsen gesehen haben. Da können Jahrzehnte vergehen, in denen Töchter ausgezogen sind, vielleicht studiert haben, selbst Kinder bekommen oder eine erfolgreiche Karriere gestartet haben – für Mütter wird es sich immer so anfühlen, als ob die erwachsene Tochter gerade erst ein kleines Mädchen war. Ein Mädchen, dem man Kletten aus den Zöpfen gekämmt und das Fahrradfahren beigebracht hat, das man mit der ersten Zahnlücke fotografiert hat. Stolz und Wehmut mischen sich gern, wenn Mütter sich in Gedanken verlieren. Was treibt sie heute den ganzen Tag? Hat sie ihre Warmherzigkeit von mir? Welche Rolle habe ich heute?

Für diese Mütter gibt es wohl kein schöneres Geschenk als Zeit. Zeit, die sie von ihrer Tochter, ihren Töchtern geschenkt bekommen. Zeit für Begegnung auf Augenhöhe, Zeit, um die Andere neu zu entdecken, Zeit, um sich gemeinsam zurückzuträumen, aber auch den Blick nach vorn zu richten. Im gewohnten Umfeld haben wir dafür freilich nicht den Raum. Es muss eine Auszeit her, ein gemeinsamer Urlaub an einem gänzlich unvoreingenommenen Ort, eine Luftveränderung. Etwa auf einem sonnigen Hochplateau in Bayern: im Kranzbach!

Für Luftveränderung ist dieses Vier-Lilien-Hotel geradezu prädestiniert, liegt es doch mitten in einem Naturschutzgebiet bei Garmisch-Partenkirchen – bessere Luft wird man anderswo kaum finden. Vor einer schier atemberaubenden Bergkulisse dominieren saftig grüne Buckelwiesen die Landschaft, sie ist weiblich, wenn man so will, auf jeden Fall aber grandios.

Diesem Hotel, einem sensibel gestalteten Ensemble aus einem historischen und einem neuen Teil, kann man eine gewisse Femininität nicht absprechen – aufgrund seiner Geschichte nämlich. Vor mehr als 100 Jahren weilte eine sehr eigensinnige und selbstbewusste englische Lady in der Gegend: die junge Geigerin Mary Isabel Portman. Sie kaufte die „Kranzbachwiese bei Garmisch“ und ließ hier ein beeindruckendes Haus im Stil der britischen Arts&Crafts-Bewegung erbauen. Typisch für diesen Stil sind Giebel als dominierendes gestalterisches Element sowie raue Materialien zum Zeichen der Rückbesinnung auf die Handwerkskunst. Die Handwerkskunst rückte auch die Innenarchitektin Ilse Crawford – wieder eine Frau – in den Fokus, als sie das historische Haupthaus neu gestaltete. Sie arrangierte die Zimmer und die großen Lobbys des Mary-Portman-Hauses mit einer großen Portion Augenzwinkern und weiblicher Stilsicherheit.

Kein Wunder, dass sich Frauen erfahrungsgemäß im Kranzbach besonders wohlfühlen – Mütter, Töchter, Freundinnen. Vertraut lachend, einander fragend, erzählend. Das Ladys-Spa ist da fast nur mehr eine Zugabe. Aber was für eine! Schier endlose Liegemöglichkeiten mit Kuscheldecken und Leselämpchen, Saunen mit Blick über dunkle Tannen, auf die Berge. Ein Yogaraum mit Panoramafenstern, in denen man sich frei wie ein Vogel und leicht wie eine Feder fühlen kann. Im Kranzbach stehen uns alle Möglichkeiten offen: Die eine geht es sportlicher an, schwimmt in geradezu luxuriös überdimensionierten Becken oder läuft frischlufthungrig durch Buckelwiesen und Wälder. Die andere schwelgt in Wasser und Wärme, döst im Bademantel in den Tag hinein. Man trifft sich wieder bei einem Spaziergang, bei einem Tee, vielleicht an einem der vielen offenen Kamine. Hat zu sich selbst gefunden und findet zueinander.

Mehr: Das Kranzbach, Fon +49-(0)8823-928000 und www.daskranzbach.de, RELAX Guide – Das Kranzbach
Fotos: Das Kranzbach

Die Garten-Spa-Küche

Der Steirerhof – Der Thermengarten eines Vier-Lilien-Hotels in der Steiermark liefert viele Zutaten für eine naturnahe Küche. Der Koch heißt Pabst und ist Küchenpapst – auch bei vegetarischen Gerichten.

Der Storchenschnabel wird im Steirerhof in Schnee versenkt. Wie bitte? Ja, Sie haben sich nicht verlesen. Die genussreiche Auflösung: Küchenchef Johann Pabst taucht Blüten des Storchenschnabels, einer dekorativen lila Blume mit Heilkräften, in geschlagenes Eiklar, um sie danach in Zucker zu trocknen und dergestalt zu kandieren. „Die Saisonen konservieren“, so nennt das der überaus naturverbundene Koch, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und mit Kräutern, Gemüse und Früchten seit seiner Kindheit per Du ist. Im Steirerhof hat Johann Pabst vor vielen Jahren seinen Platz gefunden.

Prachtvoll auf einer Anhöhe thronend, ist das familiengeführte Fünfsternhotel in Bad Waltersdorf von Apfelhainen, Weinbergen und Wäldern umgeben, von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick über das vielfältige Grün, und sogar der Sportpool – mit außergewöhnlicher Länge von 28 Metern – liegt inmitten von Sträuchern, Bäumen und Blumen. Ein wundervolles Garten-Spa mit zwei Saunen und einem halbmondförmigen Naturpool ergänzt das Spa-mäßige Füllhorn des Steirerhofs, das der kritische RELAX Guide auch heuer wieder mit der Höchstnote und vier Lilien würdigt. Besonders beeindruckend ist der Kräutergarten.

Lange Zeit hatte der Steirerhof „nur“ einen kleinen Kräutergarten bei der Außensauna, erzählt Küchenchef Johann Pabst. „Irgendwann haben wir aber realisiert, dass die Relationen nicht ganz stimmen: Für ein so eng mit der Natur verbundenes Haus – und das gilt ja nicht nur für die Küche, sondern etwa auch für das Spa – war unser Kräutergarten einfach zu klein im Vergleich zur restlichen Anlage.“ Schon 2009 hat man hier daher begonnen, für Heil- und Küchenkräuter den Raum zu schaffen, den sie verdienen. Nach den Lehren des österreichischen Landschaftsphilosophen und Agrar-Rebellen Sepp Holzer entstand im Steirerhof ein weitläufiger Garten in Permakultur mit rund 200 verschiedenen Kräutern. Die Kreisläufe und Wechselwirkungen der Natur spielten bei der Entwicklung eine große Rolle. Johann Pabst weiß: Es ist nicht egal, welche Pflanze neben welcher steht. Es gibt, wie auch bei Tieren und Menschen, Pflanzen, die gut miteinander können, und andere, die einander gleichsam nicht riechen können. Manche Paarungen wirken anregend aufeinander, andere jedoch hemmen sich gegenseitig.

Genau diese Sympathien und Antipathien sind – freilich aus seinem Metier, dem Kochen – dem Virtuosen am hiesigen Herd bewusst: Johann Pabst hat viel Erfahrung mit diversem Küchenkraut, es gibt keine Suppe, keine Sauce, wo seine Kräuter nicht zum Einsatz kommen. Pabst weiß also, dass etwa Salbei, Rosmarin oder Liebstöckel bisweilen gar zu kräftig wirken können, wenn man sie nicht mit anderen Aromen ausbalanciert. „Kräuter dürfen nicht das Kommando übernehmen. Sie sollen sehr wohl präsent sein, aber nicht dominant.“ Für seine beliebten Kräuterpralinen mit Trüffelcreme aus hochwertiger Zotter-Schokolade stellt Johann Pabst etwa dem erdigen Rosmarin die ätherische Orange zwecks Belüftung zur Seite. Auch Basilikum mit seiner deutlichen Gewürznelkennote profitiert von den belebenden Aromen dieser Zitrusfrucht. Minze wiederum, die solo bisweilen vorwitzig schmecken kann, wird von säuerlich-fruchtigen Himbeeren im Zaum gehalten. Pur darf sich die Minze – wobei, was heißt die Minze, Pabst hat 20 verschiedene zur Auswahl! – freilich im Sommer präsentieren: in Form von Sirup, mit dem die überaus erfrischenden Getränke gemixt werden, die man den Gästen in der Poolbar serviert.

Für den biozertifizierten Kräutergarten sind eigens zwei Gärtner zuständig. Aber auch die Köche um Johann Pabst kümmern sich um den Garten. Genauer gesagt, darum, dass wieder etwas nachwachsen darf: „Am Vormittag oder Nachmittag gehen wir oft gemeinsam Kräuterbüschel schneiden“, sagt der Küchenchef, der übrigens gerade bei fleischlosen Gerichten zu Höchstform aufläuft. „Bevor es für uns Köche zu Mittag oder am Abend hektisch wird, holen wir uns auf diese Art Energie.“

Das können hier auch die Gäste: bei geführten Spaziergängen durch den Kräutergarten, ganz entspannt im Bademantel. Letzteren lässt man aber wohl besser liegen, wenn man danach in den Naturpool des Garten-Spas taucht. Der natürlich auch von Kräutern umgeben ist.

Mehr: Der Steiererhof, 08000-311412 (zum Nulltarif), +43-(0)3333-3211-0,
www.dersteirerhof.at und RELAX Guide – Der Steirerhof

Fotos: Der Steirerhof

Der Glaube daran heilt alles

Nichts in der wissenschaftlichen Medizin ist so gut dokumentiert wie der Placeboeffekt. Systematisch erforscht wird er allerdings nicht. Denn er kann geradezu unglaubliche Heilungen bewirken. Und das sehen die Pharmakonzerne gar nicht gerne.

Eigentlich dürfte es den Placeboeffekt (lateinisch: „Ich werde gefallen“) laut Schulmedizin gar nicht geben. Denn die klassische Theorie lehrt, dass die Behandlung einer Krankheit allein durch den Einsatz von Wirkstoffen in bestimmter Menge möglich ist. Ohne Wirkstoff keine Wirkung. Doch genau das passiert beim Placeboeffekt: Der Zustand der Patienten bessert sich nachweislich, obwohl sie anstatt eines Medikaments etwa ein völlig unwirksames Scheinpräparat eingenommen haben. Und es gibt kaum ein Leiden, das nicht auf die Macht des Glaubens anspricht. Mittels Placebos wurden etwa Depressionen, Migräne, Rückenschmerzen, Entzündungen sowie Parkinson geheilt. Sogar das Wachstum von Tumoren wurde gestoppt.

Der Placeboeffekt ist auch kein wundersames, rares Phänomen. Im Gegenteil: Nichts in der Medizin ist besser dokumentiert, wird er doch bei jedem Zulassungsverfahren für ein neues Medikament beobachtet. Denn nur wenn ein getestetes Präparat besser wirkt als ein Scheinmedikament, darf es auch auf den Markt gelangen. Und das ist nicht immer der Fall. Egal, ob es sich um Schmerzmittel, Psychopharmaka oder Entzündungshemmer handelt, stets tritt bei 20 bis 50 Prozent der Placebogruppe eine messbare Verbesserung ein.

Die Scheinmedikamente müssen nicht einmal zwingend eingenommen werden. Wie Forscher herausgefunden haben, wirkt alleine schon der Anblick von blauen Tabletten einschläfernd, der von gelben anregend und der von roten herzstärkend. Markentabletten helfen zudem besser als Generika, größere besser als kleinere. Prinzipiell gilt: Je teurer eine Arznei ist, umso besser wirkt sie. Neueste Experimente belegen sogar, dass die Placeboreaktion selbst dann erfolgt, wenn der Patient weiß, dass er ein Scheinmedikament einnimmt.

Der Placeboeffekt wurde auch bei Operationen beobachtet. Bei einem Experiment in Houston in Texas sollten etwa 120 Personen wegen Kniearthrose operiert werden. 60 davon erhielten jedoch nur ein paar oberflächliche Schnitte. Dennoch stellte sich in den kommenden zwei Jahren bei 90 Prozent der Placebogruppe die gleiche Besserung ein. Ein weiteres Beispiel: In den 1950er Jahren war die gängige Methode, Patienten, die unter Angina pectoris litten, den Brustkorb aufzuschneiden und eine bestimmte Schlagader abzuklemmen, wodurch mehr Blut ins Herz fließen sollte. Tatsächlich sprachen die Betroffenen nach dem Eingriff stets von einer spürbaren Verbesserung. Forscher der University of Kansas entzauberten die Wundermethode aber bald. Anstatt zu operieren, ritzten sie den narkotisierten Kranken nur leicht mit einem Skalpell über die Brust. Für den Ausgang war das aber egal: Die Gruppe profitierte in gleichem Ausmaß.

Wenn der Geist tötet

Der Geist kann aber nicht nur heilen, sondern auch zerstören. So berichtet etwa das amerikanische Fachmedizin General Hospital Psychiatry von einem erstaunlichen Fall: Nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte, schluckte ein junger Mann im Affekt 29 Kapseln eines vermeintlichen Beruhigungsmittels. Als er in Todesangst ins Spital eingeliefert wurde, war sein Kreislauf bereits zusammengebrochen. Doch dann stellte sich heraus, dass er nur wirkungslose Placebos aus einer zurückliegenden Studie eingenommen hatte. Kaum darüber aufgeklärt, war der Mann mit einem Schlag geheilt.

Dieser sogenannte Noceboeffekt ist ebenfalls bestens dokumentiert: Patienten, denen gesagt wird, dass ihr „Medikament“ Übelkeit verursachen kann, müssen sich tatsächlich übergeben, andere klagen über Sehstörungen, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden oder trockenen Mund. Auffällig ist, dass oft Symptome entwickelt werden, die aus pharmakologischer Sicht nicht möglich wären – auf dem Beipackzettel jedoch angeführt sind.

Der Noceboeffekt kann sogar töten. Das wohl berühmteste Beispiel dafür passierte in den 1970er Jahren in den USA. Damals diagnostizierte der Arzt Clifton Meador bei einem pensionierten Schuhverkäufer unheilbaren Speiseröhrenkrebs. Die Erkrankung wurde behandelt, doch waren die Ärzte überzeugt davon, dass der Krebs wieder zurückkommen werde. Wenige Wochen später starb der Mann. Bei der Autopsie waren die Mediziner allerdings wie vor den Kopf gestoßen. Denn es fanden sich zwar Krebsspuren in Leber und Lunge des Mannes, aber viel zu wenige, um daran sterben zu können. Speiseröhrenkrebs konnte überhaupt nicht festgestellt werden. Meador sagte gegenüber dem Fernsehsender „Discovery-Cannel“: „Er starb mit Krebs, aber nicht an Krebs.“ Aber wenn der Schuhverkäufer nicht an Krebs starb, woran dann? Letztlich gab es nur eine sinnvolle Antwort auf diese Frage. „Er starb, weil er daran glaubte. Ich dachte, er hätte Krebs. Er dachte, er hätte Krebs. Jeder um ihn herum dachte, er hätte Krebs“, resümiert Meador.

Für Ärzte bedeutet der Noceboeffekt ein enormes ethisches Dilemma. Sollen sie etwa einem an Krebs Erkrankten das volle Ausmaß seines Leidens erklären, wenn dadurch die Heilung negativ beeinflusst wird? Auf jeden Fall wäre es mehr als ratsam, den Betroffenen Mut zu machen. Denn der „Doktor-Placebo-Effekt“ ist ebenfalls schon nachgewiesen: Bei einem Experiment injizierte der Neurowissenschafter Fabrizio Benedetti Schmerzpatienten eine Kochsalzlösung. Wenn Benedetti die Wirksamkeit des Placebos anpries, nahmen auch tatsächlich die Schmerzen ab. Suggerierte er aber, dass die Spritze den Schmerz verstärken werde, jaulten die Versuchspersonen kurz danach auf. Sein Fazit: „In der modernen Medizin kümmern sich Ärzte um Moleküle und die molekularen Grundlagen von Krankheiten. Sie neigen dazu, die Krankheit zu behandeln und nicht den Menschen als Individuum. Es wäre besser, die Kranken nicht nur zu therapieren, sondern sich um sie zu kümmern. Das ist ein Riesenunterschied.“

Dein Glaube hat Dir geholfen

Vor dem Siegeszug der Naturwissenschaften hatte Heilung immer auch einen übernatürlichen, religiösen Charakter. Die großen Heiligen und Propheten waren stets auch mächtige Heiler. Das beste Beispiel dafür ist Jesus Christus, der mit seinem Satz „Dein Glaube hat Dir geholfen“ den Placeboeffekt 2000 Jahre vorweggenommen hat. Und Jesus war – sofern man der Bibel Glauben schenkt – mit seiner Methode ziemlich effektiv. Das Markus-Evangelium besteht gleich zu einem Drittel aus Berichten über Wunderheilungen. Jesus half Aussätzigen, Gehörlosen, Krüppeln und Psychotikern. Mitunter erweckte er sogar Tote wieder zum Leben. Falls Jesus gerade nicht greifbar war, empfahl der Jakobusbrief folgende Therapie: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten.“

Trotz der modernen Medizin ist der Einfluss der Religion niemals völlig verschwunden. In ganz Europa finden sich Tausende von Wallfahrtsorten, an denen auf Votivtafeln die wundersame Wirkung göttlicher Kräfte bezeugt wird. 6.000 Heilungen wurden alleine seit 1880 in der französischen Pilgerstätte Lourdes verzeichnet. In die Kirche von San Giovanni Rotondo in Italien strömen jährlich bis zu acht Millionen Besucher. In dem Gotteshaus wirkte bis zu seinem Tod im Jahr 1968 der sagenumwobene Padre Pio. Dieser hatte nicht nur 50 Jahre lang die Wundmale Christi getragen, sondern soll auch über die Gabe der Prophetie verfügt und sich gerne mit Engeln unterhalten haben. Vor allem aber war Padre Pio ein Heiler, der mit der Kraft Jesu selbst Parkinson und Krebs vertrieben hat.

Es gibt auch Studien, die belegen, dass religiöse Rituale wirksam sein können. So untersuchten etwa Wissenschafter der Universität Bloomington christliche Geistheilungsgruppen der Pfingstbewegung in Mosambik und Brasilien. Diese sind vor allem dafür berühmt, Seh- und Hörstörungen zu heilen. Bei ihren Untersuchungen stellten die Ärzte fest, dass Hör- und Sehschäden nach entsprechenden Fürbitten tatsächlich deutlich zurückgingen.

Ausgerechnet von Ärzten wird der Placeboeffekt aber meist bestenfalls belächelt. Trotz unzähliger gegenteiliger Beispiele sind die enormen Selbstheilungskräfte des Menschen für das medizinische Establishment reine Spinnerei. Die Macht des Glaubens wird lediglich dazu herangezogen, um alternative Heilmethoden wie die Homöopathie zu diskreditieren.

Für den gelernten Zellbiologen der Eliteuniversität Stanford Bruce Lipton hat das Schweigen vor allem einen Grund: Geld. „Die milliardenschwere Pharmaindustrie steckt ihre Forschungsgelder in die Suche nach neuen Wundermitteln in Form chemischer Medikamente, weil Pillen Geld bringen“, kritisiert er in seinem Buch „Intelligente Zellen“. Würden die Menschen lernen, sich auch ohne Pulver zu heilen, bräche dieser Markt zusammen.

Dabei wäre die Suche nach neuen Behandlungsformen bitter nötig, denn Medikamente machen uns längst kaputt. Alleine in Österreich wurden 2012 gleich 120 Millionen verschriebene Präparate in der Apotheke erworben. Senioren schlucken im Schnitt täglich sechs Pulver – mit verheerenden Nebenwirkungen. Rund 35 Prozent ihrer Beschwerden gehen auf das Konto der Pillen. Noch brutaler ist die Statistik in den USA. Laut dem Journal of the American Medical Association sterben jährlich 120.000 Menschen an verschreibungspflichtigen Medikamenten. Denn im Gegensatz zu den Selbstheilungsmechanismen haben diese einen enormen Nachteil: Sie wirken völlig unspezifisch auf den gesamten Organismus. Was einem Körperteil hilft, schädigt den anderen. So kann beispielsweise Acetylsalicylsäure – der Wirkstoff in millionenfach verkauften „harmlosen“ Medikamenten wie Aspirin – zu starken Blutungen von Magen- und Darmschleimhaut führen.

Geist über Materie

Nicht alle Wissenschafter stehen der Macht des Glaubens ablehnend gegenüber. Für Biologen wie etwa Bruce Lipton führte gerade das Staunen über den Placeboeffekt zu einem radikalen Umdenken. In der New Biology ist die über Gesundheit und Krankheit entscheidende Instanz konsequenterweise auch das Bewusstsein alleine. Lipton: „Der Placeboeffekt ist das beste Beispiel dafür, wie sehr der Glaube den Organismus beeinflusst.“

Die New Biology stellt endlich auch die entscheidende Frage: Wenn jemand nach der Einnahme einer wirkungslosen Pille nur durch seinen Glauben seinen Körper beeinflusst, wäre dies dann nicht auch ohne Scheinmedikament möglich? Oder anders ausgedrückt: Wäre man fähig, sich selbst durch die Kraft seines Bewusstseins zu heilen? Lipton beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja“. Ein entscheidender Punkt ist dabei aber noch zu klären: Wie bekommt man Patienten dazu, zu glauben?

Reine Willenskraft, wie sie etwa beim positiven Denken propagiert wird, hat sich nicht als hilfreich erwiesen. „95 bis 99 Prozent unserer Glaubensinhalte sind unbewusst und wurden in den ersten sechs Jahren unseres Lebens abgespeichert“, unterstreicht Lipton. Um eine Heilung zu erzielen, müsste dieses Programm verändert werden: „Es bringt nichts, einem Rekorder zu sagen, er soll eine andere Kassette spielen, man muss sie neu aufnehmen.“

Genau das geschieht etwa in einer Hypnosesitzung. Ein Therapeut verändert dabei die unbewussten Muster seines in Trance versetzten Patienten. Dass diese Behandlungsform insbesondere bei psychischen Störungen und Suchterkrankungen funktioniert, ist mittlerweile unumstritten. Offenbar genügt aber auch reine Vorstellungskraft. Dies belegt zumindest ein beeindruckendes Beispiel einer Gruppe von Männern zwischen 70 und 80 Jahren, die sich im September 1981 in ein Kloster in New Hampshire in den USA zurückzog. Sie wollten herausfinden, ob es möglich ist, sich alleine durch die Kraft der Einbildung zu verjüngen. Dazu wurden sie von Harvard-Psychologen angewiesen, sich vorzustellen, zumindest um 22 Jahre jünger zu sein. Um es ihnen leichter zu machen, wurde aus dem Kloster ein Wohnzimmer aus dem Jahr 1959: In dem Raum waren alte Ausgaben des Life-Magazins verteilt, im Radio wurden Songs von Nat King Cole gespielt und es wurde nur über „Neuigkeiten“ wie den Aufstieg Fidel Castros, den Besuch des russischen Staatschefs Nikita Chruschtschow und die Boxkämpfe von Floyd Patterson gesprochen. Die Ergebnisse? Bei den Männern verbesserten sich Gewicht, Größe und Haltung – teilweise sogar dramatisch. Auch Sehkraft, Hörfähigkeit und Gehirnleistung nahmen zu. „Am Ende spielte ich mit diesen Alten Football“, berichtete der Studienleiter.

Neben der gemeinhin anerkannten Hypnotherapie hat sich in jüngster Zeit vor allem durch das Internet auch eine wilde Mischung aus Quacksalbern, Geschäftemachern und seriösen Anbietern entwickelt, die hinter das Geheimnis der geistigen Heilung gekommen sein will. In der Energy Psychology etwa werden unter anderen Techniken wie Akupunktur, Yoga und Atemübungen dazu verwendet, eine Umprogrammierung der Psyche zu erreichen. Am bekanntesten ist die Emotional Freedom Technique, bei der negative Glaubenssätze immer wieder wiederholt werden, während am Körper Akupunkturpunkte abgeklopft werden.

Obwohl es kaum Studien über die Wirksamkeit energetischer Methoden gibt, erfahren sie einen enormen Zuspruch. Und es gibt viele, denen sie auch wirklich geholfen haben. Für die Schulmedizin ist das freilich alles Firlefanz. Sie verweist auf den Placeboeffekt!

Zum Weiterlesen:
Bruce Lipton: „Intelligente Zellen: Wie Erfahrungen unsere Gene steuern“; Koha, 14,95 Euro.
Joe Dispenza: „You are the Placebo“; Hay House, 15,59 Euro.