Wir zahlen einfach alles

Mit mehr als 1.140.000.000.000 Euro (1,14 Billionen) frisch digital gedruckten Geldes, dem kein realer Wert gegenübersteht, wird die von einem Bilderberger-Mitglied und Goldman-Sachs-Vertrauten geführte EU-Zentralbank („EZB“) Staatsanleihen kaufen. Der Betrag entspricht 22 Milliarden von 50-Euro-Scheinen, aneinandergelegt ergäben sie ein Band, das 77 Mal die Erde umspannen könnte. Angeblich soll damit bis Herbst 2016 eine moderate Inflation erzeugt werden. Funktioniert dieses in seinen Dimensionen beispiellose Experiment dann noch immer nicht, soll weitergemacht werden, mit monatlich 60 Milliarden Euro – einen Plan B gibt es nicht!

Fachleute warnen, dass die Realwirtschaft von diesem Experiment nicht profitieren wird. Unbestreitbar ist, dass der kleine Steuerzahler die Zeche zahlen wird: Zum einen bekommt er kaum noch Zinsen, zum anderen wird sein Geld durch die angestrebte Inflation entwertet.

Die Mächtigen und die noch Mächtigeren

Der sogenannte G7-Gipfel, das alljährliche Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben bedeutendsten Industrienationen, war heuer für Anfang Juni geplant – übrigens im Wellnesshotel Schloss Elmau. Da die zeitliche Distanz zur der ganz in der Nähe stattfindenden, streng geheimen, aber privaten Bilderberger-Konferenz (übrigens auch in einem Wellnesshotel, dem Interalpen Tyrol) ungünstig war, musste einer der beiden Termine verschoben werden. Welcher wohl? Der private? Ja, genau – der G7-Gipfel der Staatschefs!

Die Bilderberger-Konferenz wurde 1954 von David Rockefeller mit dem Ziel einer Weltregierung unter der Führung der Weltfinanzelite initiiert. Sie tagt jedes Jahr, streng bewacht von großen Polizeiaufgeboten, 130 der reichsten und einflussreichsten Männer der Welt, vornehmlich aus Nato-Staaten, nehmen an ihr teil, sie sind zur absoluten Geheimhaltung verpflichtet. David Rockefeller sagte schon vor 20 Jahren: „Wir stehen am Rand einer weltweiten Umbildung. Alles, was wir brauchen, ist die richtige, allumfassende Krise, und die Nationen werden in die neue Weltordnung einwilligen.“

Österreicher sind gegen TTIP

Kein Volk lehnt das gegenwärtig zwischen den USA und der EU geheim verhandelte Handelsabkommen TTIP („Transatlantische Handels- und Investitions-Partnerschaft“) so stark ab wie die Österreicher. Laut offiziellen Erhebungen der TTIP-freundlichen EU-Kommission sprechen sich 53 Prozent dagegen aus, wer ein bisschen im Freundeskreis recherchiert, kommt hingegen unschwer auf mehr als 90 Prozent. Letztere Zahl klingt wohl auch realistischer, ist es doch nur das Großkapital, das von TTIP profitieren kann. Zu viele negative Auswirkungen der Globalisierung, der „freien Märkte“ – die freilich alles andere als frei sind – und der Macht der Weltkonzerne hat man ja bereits leidvoll erlebt. Dass es uns mit einer billigen Flut von gentechnisch ewig haltbar gemachtem Obst, mit Chlorhühnern und Speck vom Hormonschwein aus Kentucky besser gehen könnte, daran glauben heute deshalb nur mehr Uninformierte – oder Lobbyisten.

Hoch hinaus

Die Spanier, die Skandinavier, die Südamerikaner – who’s next? Die Frage, aus welchem Land die nächste Kochavantgardebewegung kommt, ist insofern auch für Normalsterbliche in Sachen Kochen interessant, als internationale Trends immer auch in die gehobene Alltagsküche durchsickern. Von den spanischen Molekularköchen, allen voran Ferran Adrià, übernahmen selbst mittelmäßige Hotelköche Schäumchen und stickstofffrittierte Elemente. Die Skandinavier rund um René Redzepi vom Kopenhagener Restaurant Noma sorgten mit ihrer stilbildenden Naturküche in den vergangenen paar Jahren dafür, dass fermentierte Rote Rüben, rohe Kohlblätter und kreisförmig ausgestochene Selleriescheiben auf allen Tellern zwischen Moskau und New York landeten.

Die Südamerikaner wiederum – hier ist es schon schwieriger, einen Vorreiter zu benennen, das Gebiet ist riesig – brachten unter anderem Ceviche, also zitrusgegarten rohen Fisch, auf hiesige Speisekarten.

Japan steht im Rennen um die nächste internationale Trendsetterregion nicht schlecht da – vor allem, nachdem das Noma soeben ein Pop-up im Mandarin Oriental Tokio absolviert hat –, und auch China wird hoch gehandelt. Und manche sehen sogar die alpine Küche als „next big thing“.

Insofern ist das Buch „Die neue Alpenküche“ des erfahrenen Kochbuchautors Hans Gerlach zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Er hat sich auf Reisen durch die französischen, die italienischen, die Schweizer und die österreichischen Alpen einiges angesehen und bringt nun alte Rezepte aus den Bergregionen modernisiert zu Papier: etwa für Brotsuppe, Spinatknödel oder Schweizer Sauerbraten. Gerlach widmet sich auch dem in den Alpen selten beachteten Thema Fisch – Süßwasserfisch, versteht sich: Forellengröstl mit Kartoffelchips und knusprigem Salbei, Steckerlfisch im Vinschgerl oder Zander-Kürbis-Laiberl sind seine Rezeptvorschläge.

Bei manchen Gerichten erklärt eine kurze Einleitung die Herkunft, etwa bei der steirischen Klachlsuppe, einer Suppe mit Schlachtabfällen, oder der Sauerkrautsuppe mit Schweizer Rauchwurst. Auch das Thema Mehlspeisen kommt naturgemäß nicht zu kurz: mit Dinkelbuchteln, Kipferlkoch oder Salzburger Nockerln, dazu gibt es süße Beilagen wie Portweinkletzen oder Kirschröster. Dass Hans Gerlach dem Millirahmstrudel aber die identitätsstiftenden Semmeln in der Fülle unterschlägt, werden wir Österreicher nicht so schnell verzeihen!

Rezepte im PDF Format:
Brotsuppe mit Zwiebeln und Blunzn
Erdäpfelkas mit Speck
Kipferlkoch

Hans Gerlach:
Die neue Alpenküche

Dorling Kindersley, 224 Seiten
24,95 Euro


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