Goodbye, Mittelstand

Der Mittelstand verliert weiterhin an Terrain, gleichzeitig nimmt die Konzentration des Wohlstands in den Händen ganz weniger zu. Die Zahl der Dollar-Milliardäre ist binnen Jahresfrist um fast 15 Prozent angewachsen, seit 1999 hat sie sich sogar beinahe vervierfacht. Vier Fünftel der Menschheit besitzen heute zusammen nur 5,5 Prozent des weltweiten Vermögens, während die 85 Reichsten – in Worten: fünfundachtzig – genauso viel wie die ärmsten 3,5 Milliarden Menschen besitzen.

Autismus bei Kindern nimmt stark zu

Stephanie Seneff, eine Wissenschafterin am Massachusetts Institute of Technology, warnt vor dem starken Anstieg an Autismus bei Kindern, der just seit dem Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu beobachten ist. In den USA ist die Häufigkeit von Autismus von 1:5.000 im Jahr 1975 auf heute 1:68 gestiegen, mit weiterhin steigender Tendenz. Seneff: „Bereits in zehn Jahren könnte jedes zweite Kind in den USA mit Autismus geboren werden.“

Glyphosat ist ein Bestandteil von Roundup, des weltweit am meisten verwendeten Unkrautgiftes des Herstellers Monsanto. Spuren von Glyphosat finden sich in fast allen Softdrinks, in mit Maissirup gesüßten Süßigkeiten sowie in vielen industriell verarbeiteten Lebensmitteln, aber auch in der Milch von US-Müttern – in Konzentrationen, die bis zum 1.500-Fachen über dem Grenzwert für Trinkwasser in Europa liegen. Auch in drei Viertel aller deutschen Weizenprodukte ist, so zeigte eine Untersuchung von Ökotest im Jahr 2012, das Pflanzengift nachweisbar.

Stillen erleichtert sozialen Aufstieg

Dass Muttermilch wesentlich gesünder ist als Säuglingsnahrung, die das Risiko von Allergien und anderen chronischen Krankheiten erhöht, ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Neu ist hingegen die Erkenntnis aus jahrzehntelanger Forschung in England: Die Chancen auf sozialen Aufstieg – über das Niveau ihrer Eltern hinaus – ist bei lange Gestillten um 24 Prozent höher als bei nur kurz Gestillten. Wer lange gestillt wird, hat im Schnitt auch einen um sechs Punkte höheren Intelligenzquotienten.

Softdrinks machen aggressiv

Softdrinks machen lustig, sagt die Werbung – mit Erfolg: Knapp 100 Liter pro Jahr werden hierzulande davon getrunken, obwohl es längst Hinweise gibt, dass hohe Dosen süßer Getränke reizbar machen und das Risiko erhöhen, an Depressionen zu erkranken. Forscher der Columbia Universität in New York haben nun erstmalig untersucht, wie sich der Konsum von Softdrinks auf das Verhalten von Vorschulkindern auswirkt. Fazit: Je mehr Limonaden die Kleinen trinken, desto aggressiver werden sie. Und: Bei sehr starkem Konsum leidet auch Aufmerksamkeit. 43 Prozent der 3.000 untersuchten Kleinen tranken mindestens einmal am Tag Softdrinks, vier Prozent sogar vier Mal oder häufiger.

Fleischlos glücklich

Mit ihrem jüngsten Werk hakt sich die produktive Wiener Kochbuchautorin Katharina Seiser punktgenau in eine Debatte ein, die für das schlechte Image von Veganern bei vielen Carnivoren verantwortlich ist: in jene über Ersatzfleischprodukte, also Vleisch, wie man solche Imitate heute nennt, über Sojagranulate oder Reis- und Hanfmilch. Seiser plädiert für eine natürliche vegane Ernährung, so wie man sie in vielen Kulturen – und auch in der unsrigen finden sich Gerichte – schon lange kennt. „Immer schon vegan“ heißt daher das neue Buch, mit dem Untertitel „Traditionelle Rezepte aus aller Welt“.

Wer sich als Nicht-Veganer die Kühlregale in Biosupermärkten genau ansieht, traut bisweilen seinen Augen nicht: Da liegen Käsekrainer, Putenkeulen oder Wiener Schnitzel, eingeschweißt und blass – und ohne ein Gramm tierisches Protein. Das kann man pervers finden, Veganer hingegen verteidigen diese Produkte gern damit, dass sie eben auch manchmal Lust auf „fleischige“ Geschmäcker und auf Räucheraromen haben. Und die geschmackliche Ähnlichkeit von Vleisch und Fleisch gedeiht immer besser, so viel müssen auch skeptische Fleischesser eingestehen.

Die Autorin gliedert die Rezepte nach Jahreszeiten und betont im Vorspann, wie wichtig die Aromabalance für die einzelnen Gerichte ist: Süß, salzig, sauer, bitter oder auch duftig und fett sollen sich im Gleichgewicht befinden. Gerade wenn auf etwas verzichtet wird – in diesem Fall auf Milchprodukte, Eier, Fleisch und Fisch – wollen die Sinne auf andere Art unterhalten werden. Etwa durch abwechslungsreiche Konsistenzen, durch knusprige Elemente wie Brotbrösel im Kontrast zu Pürees.

Viele Rezepte sind auch mit dem Originalnamen verzeichnet, etwa die libanesische Linsen-Zitronen-Suppe mit Mangold – Adas bi hamoud. Die griechische Wildkräuterpastete Hortopita. Das türkische Orangenflammerie Portakal peltesi. Oder die überbackenen Miso-Auberginen aus China – Nasu dengaku. Ein im Grunde ebenso logisches wie dennoch längst fälliges Buch, das auch Nicht-Veganer zum genussreichen Verzicht auf tierische Produkte anregt.

Rezepte im PDF Format:
Fattoush Brotsalat
Marillenröster mit Estragon
Nusstaschen mit Blütensirup

Katharina Seiser:
Immer schon vegan

Brandstätter, 176 Seiten
25 Euro


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