Wie nehmen mir ihm denn?

Der größte Baustein der Antike ist 20 m lang und wiegt rund 1.600 Tonnen. Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts haben ihn vor kurzem bei Grabungen im Libanon entdeckt. Die Frage, wie ein derartiges Gewicht in der Antike transportiert wurde, ist freilich ungelöst. „Hallo Dienstmann“ Hans Moser hätte sich wohl am Kopf gekratzt: Wie nehmen mir ihm denn?

Postleitzahl bestimmt Lebenserwartung

Nicht der Lebensstil, sondern die Postleitzahl entscheidet maßgeblich über die Lebenserwartung. Das zeigt der deutsche Wissenschaftsautor Matthias Becker in seinem neuen Buch „Mythos Vorbeugung“ anhand aktueller Studien. So leben die Menschen etwa in den reichsten Vierteln von London im Schnitt 17 Jahre länger als jene in dem ärmsten. Ob Darmkrebs, Bluthochdruck oder Diabetes, fast alle Leiden sind in der untersten Einkommensgruppe doppelt bis dreimal so häufig wie in der obersten. Wer gut verdient und gebildet ist, wird nachweislich seltener krank. Arme Raucher sterben früher als reiche. („Mythos Vorbeugung. 
Warum Gesundheit sich nicht verordnen lässt und Ungleichheit krank macht“, Promedia, 17,90 Euro.)

Schlechte Ehe – krankes Herz

Eine unglückliche Ehe erhöht vor allem bei älteren Menschen das Risiko für Herzkrankheiten, das zeigt eine neue Studie der US-Universität Michigan. Chronischer Beziehungsstress erhöht speziell bei 70- bis 80-Jährigen das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant, bei Frauen übrigens stärker als bei Männern.

Sterneküche aus dem Salzkammergut

Dieses Cover gehört wohl zu den mutigsten Kochbuchcovern überhaupt, ähnlich wie jenes des vor einiger Zeit erschienenen Kuttelkochbuch von Haedecke. Während sich andere Verlage denken, bloß nicht anecken!, bloß die größtmögliche Zielgruppe behalten!, und hübsch gerüschte Salatbüschel oder hübsche Köchinnen in gerüschten Schürzen abbilden, traut sich der vergleichsweise kleine Krenn-Verlag wahrlich etwas. Und hievt (sicherlich nicht kurzerhand, sondern als Ergebnis langer Überlegungen und Diskussionen) eine Taubenkralle in Großaufnahme auf das Cover des Kochbuchs „Rainer Stranzinger. Salzkammergut“. Schwarze Nägel, schuppige gerötete Haut – nicht das, was gemeinhin als appetitlich empfunden wird. Als nicht unbedingt appetitlich gelten auch manche Zutaten, die dieser feinsinnige Koch da versammelt: Eine Schweinsblase dient dem Bewahren der Brataromen eines Junghahns, eine Schnepfenkralle ragt aus einem Kupfertöpfchen nebst Leberbrot, Hahnenkämme kommen neben Nadelbohnen, grünen Mandeln und Pfirsich zu liegen.

Mit diesem Buch startet der Krenn-Verlag eine Serie, die jährlich einen Koch und seine Region porträtieren soll. Rainer Stranzinger, der bei drei Gault-Millau-Hauben hält und 2009, als der Guide Michelin auch noch Österreichs Landrestaurants testete, auf überaus beachtliche zwei Sterne kam, ist ein guter Anfang für ein solches Projekt. Stranzinger, ein schlanker Mann mit mindestens einem Riesentattoo, zitiert im Vorwort Herbert Grönemeyer: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Rainer Stranzinger hat seine Heimat im Handgelenk.

Seine Gerichte oszillieren zwischen bodenständig und absoluter Oberliga der Eleganz, beziehen ihre Spannung aus sogenannten „Edgy“-Zutaten wie Sanddorn, Entenleber und Erdmandeln oder Aalruttenleber, Orangenblüten, Kapern und Karamell. Stranzinger beherrscht auch die Klaviatur der Wortspiele: Etwa wenn er ein Gericht „Aal, Saubohnen, Schweinekopf, Bohnenkraut“ nennt.

Die große österreichische Fotografin Inge Prader hat für das Buch nicht nur die Rezepte, sondern auch die puren Zutaten in Szene gesetzt: etwa die schon erwähnte Aalrutte, einen dem Seeteufel ähnlichen Knochenfisch aus dem Traunsee. Oder in Zucker angesetzte Tannenwipfel, Rosenblütensaft, Schwarzwurzeln oder Eicheln. Letztere hat Stranzinger, der sich besonders für alte Rezepte interessiert, selbst gesammelt und recherchiert, was man aus ihnen in Zeiten der Not gekocht hat. Bei Stranzinger wurde es ein schlichtes Püree. Eine Essenz von Heimat.

Rezepte im PDF Format:
Entenjus
Haselnussohr Stachelbeeren Kaffeeeis
Kalb Karde Parmesan
Mandeln Entenleber Flan
Roggenbrot

Rainer Stranzinger:
„Salzkammergut“

Krenn-Verlag, 176 Seiten
49,95 Euro


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Mann, Frau? Unsinn!

Frau Dr. Antje Hornscheidt hat eine von 215 (fast immer weiblich besetzten) Professuren für Gender-Studien in Deutschland inne. Sie macht einen ernstgemeinten Vorstoß für eine neue Sprachnorm und beginnt bei sich selbst: Mit einer absolut geschlechtsneutralen Sprache, weshalb sie ihren Vornamen auf Lann änderte und sie fortan nur mehr mit „Sehr geehrtx Profx Lann Hornscheidt“ angeschrieben zu werden wünscht. Alle „zweigendernden“ Ansprachen (solche, die sich auf Mann oder Frau beziehen) wie Herr … , Frau … , Lieber … , oder Liebe … sind zu vermeiden, da der/die/das Profx keine männliche oder weibliche Identität übergestülpt bekommen möchte. Ihre Mitarbeiter führt Profx unter der Rubrik Mitarbeitx.

Nach der frei erfundenen Gender-Ideologie gibt es nicht zwei Geschlechter, sondern mindestens 16, die zudem frei wählbar sind. Trotz EU-Unterstützung sowie weltweiter Finanzierung aus Steuermilliarden ist man bei den „Gender-Studien“ bislang nicht über diese Behauptung hinausgekommen. Gender-Forscherinnen forderten beispielweise, Hirschbrunft-Fotos seien aus der Werbebroschüre eines Naturparks zu entfernen, da die Bilder traditionelle Geschlechterrollen fördern würden.

Fake-Bewertungen im Internet

Schon jeder Zweite liest bei der Reiseplanung vermeintlich objektive Kundenrezensionen im Internet. Das Problem dabei: Etwa 30 Prozent der Kundenbewertungen sind laut Konsumentenschützern reine Fälschungen, mindestens ebenso viele muten geschönt an. Besonders dreiste Hoteliers engagieren sogar spezielle Agenturen, um auf Online-Portalen gute Stimmung für sich – oder schlechte gegen Mitbewerber – zu machen. Ein ganzer Industriezweig widmet sich mittlerweile diesem Betrug, der verharmlosend als „Reputationsmanagement“ bezeichnet wird. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass eine Wiener PR-Agentur rund 100.000 Postings pro Jahr gefälscht hatte. Ein Riesen-Skandal, allerdings nur die Spitze des Eisberges!

Neues zur Nato-Propaganda

Zur Nato-Propaganda deutscher Leitmedien im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise: In der ZDF-Satiresendung Die Anstalt legten Max Uthoff und Claus von Wagner die engen Verbindungen führender deutscher Journalisten zu Nato-freundlichen Lobbyorganisationen offen. Zeit-Herausgeber Josef Joffe klagte daraufhin, da ihm fälschlich Verbindungen zu acht solchen Organisationen nachgesagt worden seien, obwohl es nur sieben seien. Das Hamburger Landgericht wies die Klage nun ab. Weil es egal ist, ob es sieben oder acht sind!

Nützliche Geschenksidee

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Die Küche zum Tanzen

Gute Nachrichten vor Weihnachten: Yotam Ottolenghis neues Kochbuch ist da. Und wird, so viel darf man getrost voraussagen, wieder ein Bestseller werden. Die hauptsächlich vegetarische Küche des in London lebenden Kosmopoliten mit israelischen Wurzeln ist einfach sexy – dominiert von starken Aromen wie Granatapfelsirup, Stilton oder konfierten Zitronen, wie Miso, Datteln und Sternanis. Und allein durch die Kapitelüberschriften bekommt Ottolenghis Art des Kochen etwas enorm Sinnliches (wiewohl für echte Fans die englische Originalausgabe empfehlenswerter ist, allein wegen der grässlichen Titel im Deutschen – darüber haben wir uns an dieser Stelle schon einmal ausgelassen). „Sanft gedämpft“ ist etwa ein Kapitel, andere nennen sich „Püriert & zerstampft“, „Aufgeschlagen & verquirlt“ oder „geschmort & gedünstet“. Formen von Verben also, die, so lernt man in jedem Schreibseminar für Anfänger, einen Text immer lebendiger machen.

Ebenso wie Farben, die unverzüglich stimmungsvolle Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, wie wir jetzt gleich ausprobieren wollen: Tomaten-Granatapfel-Salat – tiefrot. Salat aus Seetang und Karotten – schwarzgrün-orange Kontraste. Salat mit Alphonso-Mango (der Königin aller südasiatischen Mangosorten) und Curry-Kichererbsen – eine Orgie in Gelb. Süßkartoffeln mit Orange und Angostura – ein Bilderbuch-Sonnenuntergang!

Im Vorwort gibt Yotam Ottolenghi Einblicke, wie seine Gerichte entstehen. Und gibt anders als viele Köche nicht „die Schönheit der Natur“ und ähnlichen Schmonzes zu Protokoll, sondern erklärt freimütig, dass er Kochbücher und Zeitschriften zu Inspirationszwecken hortet. Darin findet er Ideen für Zutatenkombinationen wie Sauerampfer und Senfsamen oder dass man Karotten gemeinsam mit Orangenhälften röstet.

Die Fotos in ihrer rauen Bildsprache laden dazu ein, selbst richtig Hand anzulegen, mit den Fingern zu arbeiten. Man möchte beide Hände in den Reissalat tauchen und beherzt die Körner mit Nüssen und Sauerkirschen mischen, anstatt ein emotional distanzierendes Besteck zu benützen. Möchte den Pürierstab in der Lade lassen und butterweich geschmortes Wurzel- und Knollengemüse kraftvoll mit der Gabel zerdrücken, bevor der köstliche erdig-süßliche Matsch mittels Rotweinschalotten erfrischt wird. Möchte Pfannen durch die Luft wirbeln und Knusperelemente über die Teller rieseln lassen. Ottolenghi nachkochen heißt sich austoben. Welche Musik für diese Kochtänze die richtige Untermalung ist, möge jeder für sich selbst entdecken.

Rezepte im PDF Format:
Korsische Tarte mit Zucchiniblüten
Reis mit Zitrone und Curryblättern

Yotam Ottolenghi:
Vegetarische Köstlichkeiten

Dorling Kindersley, 353 Seiten
26,95 Euro


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