Selber schuld

Ein 37-jähriger Banker wurde in Zürich von einem einschlägig vorbestraften, aus dem Kosovo stammenden Täter blutig geschlagen, was fünf Wochen Arbeitsunfähigkeit (gebrochener Augenhöhlenboden, Schädel-Hirn-Trauma) zur Folge hatte. Die Allianz-Versicherung kürzte indes das Krankengeld um die Hälfte, mit der Begründung, dass der Banker den Vorfall mitverursacht hätte, hatte er doch dem Täter, nachdem ihn dieser zuvor längere Zeit belästigt und beschimpft hatte, den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt.

Der Banker klagt vor dem Sozialversicherungsgericht, dieses gibt ihm recht. Denn „nach der üblichen Lebenserfahrung“ habe er nicht damit rechnen müssen, gleich krankenhausreif geschlagen zu werden. Aber die Allianz-Versicherung geht damit vor das Bundesgericht, das wiederum ganz in ihrem Sinn urteilt: Mit seiner „Gegenreaktion“ hätte der Banker das Unheil „geradezu heraufbeschworen“, er hätte nach „heutiger Lebenserfahrung“ damit rechnen müssen, dass sein Stinkefinger „einen Unfall von der Art des eingetretenen“ auslösen könne. Für dieses „Mitverschulden“ dürfe die „Gemeinschaft der Versicherten“ nicht zur Kasse gebeten werden.

Bleibt die Frage: Werden nun auch etwa Islamkritikern, die von radikalen Fundamentalisten verletzt wurden, die Versicherungsleistungen gekürzt? Oder Frauen, die nächtens im Minirock in ruhigen Vierteln unterwegs sind – wo doch die Lebenserfahrung lehrt, wie gefährlich das sein kann?

Kürzen, einsparen, verzichten …

… das müssen wir alle. Bei Firmen und Privatleuten wird seit Jahren gestrichen und eingespart, aber nicht so in der EU-Zentrale: Die Gehälter der EU-Parlamentarier sind bereits um das Neunfache höher als der Durchschnittslohn eines EU-Bürgers (Tendenz steigend), wie eine Studie von preisvergleich.de zeigt.

Weitere Details aus anderen Quellen: Fast 4.500 EU-Bürokraten verdienen mehr als die deutsche Kanzlerin (rund 11.200 Euro netto im Monat). Und 1,2 Milliarden Euro schüttete Brüssel im Jahr 2010 über 17.500 EU-Pensionisten aus – hochrangige Ex-Beamte erhalten bis zu 123.000 Euro jährlich. Von unserem Steuergeld, natürlich.

Kinderlärm als „Reisemangel“

Ein ruhesuchendes Ehepaar aus Essen buchte einen 14-tägigen Aufenthalt auf Rhodos. Reiseziel war das Port Royal Villas & Spa, das laut Prospekt keine Kinder als Gäste akzeptiert. Werblicher O-Ton: „Kennen Sie noch das Geräusch, wenn Sie zwischen zwei Wellen nichts hören?“ Tatsächlich gab es jedoch Kinderlärm bis in die späten Abendstunden. Zwar leistete der Reiseveranstalter (Tui) von sich aus eine Rückerstattung von 20 Prozent der Pauschalreisekosten, doch die enttäuschten Urlauber wollten 80 Prozent. Sie klagten – und blitzten vor Gericht ab: 20 Prozent, urteilte das Amtsgericht Hannover vor wenigen Wochen, seien genug für diesen Mangel.

Abwechslung aus dem Vorderen Orient

Ein solches familiäres Erbe kann man jeder Kochbuchautorin nur wünschen: Silvena Rowes Vater entstammt einem alten türkischen Adelsgeschlecht, sie wuchs nicht nur mit alten Rezepten aus dem osmanischen Reich auf, sondern lernte auch von klein auf, bei Tisch zu teilen. Die Rezepte in ihrem neuen Buch „Orient Express“, wie schon der Vorgänger „Granatapfel, Sumach & Zitrusduft“ im AT Verlag erschienen, sind daher stets für sechs bis acht kleine Portionen gedacht. Allein essen sieht Rowe offenbar nicht vor, das ist ihr fremd.

Silvena Rowe ist in Großbritannien keine Unbekannte, sie ist Küchenchefin des Londoner May Fair Hotels und ist regelmäßig auch im Fernsehen zu sehen. Für das Buch „Orient Express“ hat sie viele Anleihen in der Streetfoodküche des Vorderen Orients genommen: Gözleme etwa, die man in vielen Gegenden der Türkei an jeder Ecke bekommt, serviert Rowe in einer edleren Version mit Kaninchen, Tintenfischringe kommen bei ihr mit Za’tar, einer typischen Gewürzmischung des östlichen Mittelmeerraums, zu Tisch. Auch Rezepte für Kebap fehlen nicht – in diesem Buch werden sie freilich mit Pinienkernen und Safran-Mayonnaise aufgemotzt. Lammkoteletts mariniert Rowe mit Baharat, der Neun-Gewürze-Mischung mit Zimt, Oregano, Koriander und so weiter, und schlägt dazu ein herbstliches Zwiebel-Feigen-Kompott vor. Zum Dessert gibt es unter anderem einen Pistazien-Joghurt-Kuchen mit weißer Schokolade-Kardamom-Creme.

Dieses Buch ist wie ein Kaleidoskop, man kann sich nicht sattsehen (und in Gedanken sattschmecken und sattriechen), Silvena Rowe liefert für unseren Kulturkreis völlig neue Ideen. Die Küche des östlichen Mittelmeerraums ist bei uns, was Restaurants betrifft, noch schwer unterrepräsentiert – sieht man einmal von den abertausenden Kebapbuden ab. Gut, dass in London ein anderer Wind weht, der dank Silvena Rowe und der deutschen Übersetzung des Buchs nun auch zu uns kommt.

Rezepte im PDF Format:
Lamm-Moussaka-Rollen
Zucchini-Kreuzkümmel-Falafel

Silvena Rowe:
Orient Express

AT Verlag, 200 Seiten
25 Euro


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