Verrauchtes Hotelzimmer ist kein Wellness

Am Absatz kehrt machte ein deutsches Ehepaar, als es sein Zimmer in einem Wellnesshotel beziehen wollte. Denn es war verraucht. Nachdem das Hotel kein anderes Zimmer bereitstellen wollte, fuhr das Paar wieder nach Hause – ohne die geforderte Stornogebühr von 349 Euro zu zahlen.

Völlig zu Recht, wie das Amtsgericht Meldorf (Aktenzeichen 81C15/11) urteilte. Denn man suchte eine Atmosphäre zum Entspannen, und der Rauchgeruch sei ein wesentlicher Mangel, der eine komplette Rückabwicklung rechtfertige. Und gerade bei einem hohen Preis dürfe der Gast eine entsprechende Wellnessatmosphäre erwarten.

Thermen verzeichnen Gästerückgang

Österreichs öffentliche Wellness-Thermen erlitten im Vorjahr einen Gästerückgang von rund zwei Prozent gegenüber 2011, das vermelden die Marktforscher Kreutzer, Fischer und Partner. Ingesamt 8,5 Millionen Eintritte wurden gezählt; zwischen 2008 und 2011 schrumpfte die durchschnittliche Auslastung um fast sieben Prozentpunkte – im selben Zeitraum wurden allerdings die Kapazitäten um rund 1,5 Millionen (potenzielle) Eintritte erhöht. Für 2012 liegt die durchschnittliche Auslastung bei 74 Prozent. Die Steiermark (Marktanteil 22,4 Prozent) ist die führende Region, Salzburg hat stark aufgeholt und wurde zur zweitwichtigsten. Mehr www.kfp.at

Kräutertage beim Daberer

Inge Daberer, die Kräuterexpertin und Seniorchefin des mit drei Lilien von RELAX Guide ausgezeichneten Wellnesshotels „Der Daberer“ in Kärnten, veranstaltet zusammen mit ihrer Schwester, der Haubenköchin Sissy Sonnleitner, spezielle Thementage, die zu jeweils zwei Terminen im April sowie im Mai stattfinden. Inkludiert sind fünf Übernachtungen (So bis Fr), viele weitere Leistungen sowie ein umfassendes Programm, darunter Themen wie „Kräuter richtig konservieren“, „Herstellung von Gewürzmischungen“ oder „Kochseminar mit Sissy Sonnleitner“. Preis: ab 593 Euro. Mehr: www.biohotel-daberer.at

Ikea eröffnet Hotels

Das schwedische Möbelhaus Ikea will in den nächsten fünf Jahren etwa 50 Hotels in Europa eröffnen – nein, Wellnesshotel wird keines dabei sein. Und auch Ikea-Möbel werden in den Häusern nicht zum Einsatz kommen, da man offensichtlich selbst einsieht, dass diese im harten Hotelbetrieb nicht bestehen können – und die ganze viele Schrauberei wäre wohl auch ziemlich grenzwertig (abgesehen davon, dass ja meistens irgendein klitzekleines Teil fehlt, was den Fertigstellungstermin gefährden könnte). Das erste Hotel soll im nächsten Jahr eröffnen: in Mailand.

Was die EU mit Porree (und unserem Geld) macht

Die fabelhafte EU-Norm für Porree/Lauch: Auszug aus der EU-Verordnung 2396/2001

I. BEGRIFFSBESTIMMUNG
Diese Norm gilt für Porree/Lauch der aus Allium porrum L. hervorgegangenen Anbausorten zur Lieferung in frischem Zustand an den Verbraucher. Porree/Lauch für die industrielle Verarbeitung fällt nicht darunter.

II. BESTIMMUNGEN BETREFFEND DIE GÜTEEIGENSCHAFTEN
Diese Norm bestimmt die Güteeigenschaften, die der Porree/Lauch nach Aufbereitung und Verpackung aufweisen muss.

A. Mindesteigenschaften
In allen Klassen muss der Porree/Lauch vorbehaltlich besonderer Bestimmungen für jede Klasse und der zulässigen Toleranzen sein:
– ganz (diese Bestimmung gilt jedoch nicht für die Wurzeln und die Blattenden, die abgeschnitten sein dürfen).
– gesund, ausgeschlossen sind Erzeugnisse mit Fäulnisbefall oder anderen Mängeln, die sie zum Verzehr ungeeignet machen;
– sauber, praktisch frei von sichtbaren Fremdstoffen; die Wurzeln dürfen jedoch leicht mit Erde behaftet sein;
– von frischem Aussehen, ohne verwelkte oder angewelkte Blätter;
– praktisch frei von Schädlingen;
– praktisch frei von Schäden durch Schädlinge;
– nicht geschossen;
– frei von anomaler äußerer Feuchtigkeit, d. h. nach etwaigem Waschen wieder ausreichend abgetrocknet;
– frei von fremdem Geruch und/oder Geschmack.
Sind die Blätter abgeschnitten, so müssen die Schnittstellen glatt sein.
Entwicklung und Zustand des Porrees/Lauchs müssen so sein, dass er
– Transport und Hantierung aushält und
– in zufrieden stellendem Zustand am Bestimmungsort ankommt.

B. Klasseneinteilung
Porree/Lauch wird in die zwei nachstehend definierten Klassen eingeteilt:

i) Klasse I
Porree/Lauch dieser Klasse muss von guter Qualität sein. Er muss die typischen Merkmale der Sorte oder des Handelstyps aufweisen.
Mindestens ein Drittel der Gesamtlänge oder die Hälfte des umhüllten Teils muss von weißer bis grünlich-weißer Färbung sein. Jedoch muss bei Frühporree/Frühlauch – im Spätwinter bis Frühsommer geernteter Lauch aus direkter Aussaat –, der weiße oder grünlich-weiße Teil mindestens ein Viertel der Gesamtlänge oder ein Drittel des umhüllten Teils ausmachen.
Die folgenden leichten Fehler sind jedoch zulässig, sofern diese das allgemeine Aussehen des Erzeugnisses und seine Qualität, Haltbarkeit und Aufmachung im Packstück nicht beeinträchtigen:
– leichte oberflächliche Mängel,
– leichte Schäden durch Thrips, aber nur auf den Blättern,
– leichte Spuren von Erde innerhalb des Schaftes,

ii) Klasse II
Zu dieser Klasse gehört Porree/Lauch, der nicht in die Klasse I eingestuft werden kann, der aber den vorstehend definierten Mindesteigenschaften entspricht.
Der weiße oder grünlich-weiße Teil muss mindestens ein Viertel der Gesamtlänge oder ein Drittel des umhüllten Teils ausmachen.
Die folgenden Fehler sind zulässig, sofern der Porree/Lauch seine wesentlichen Merkmale hinsichtlich Qualität, Haltbarkeit und Aufmachung behält:
– ein weicher Blütentrieb, sofern sich dieser im umhüllten Teil befindet,
– leichte Quetschungen, Schäden durch Thrips und kleine Rostflecken, aber nur auf den Blättern,
– leichte Farbfehler,
– Spuren von Erde innerhalb des Schaftes.

III. BESTIMMUNGEN BETREFFEND DIE GRÖSSENSORTIERUNG
Die Größe wird nach dem senkrecht zur Achse des Erzeugnisses über der Aufwölbung des Halses gemessenen Durchmesser bestimmt.
Der Mindestdurchmesser beträgt 8 mm für Frühporree/Frühlauch und 10 mm für sonstigen Porree/Lauch.
In der Klasse I darf der Durchmesser der dicksten Stange in ein und demselben Bund oder Packstück nicht mehr als doppelt so groß wie der Durchmesser der dünnsten Stange sein.

IV. BESTIMMUNGEN BETREFFEND DIE TOLERANZEN
Güte- und Größentoleranzen sind in jedem Packstück oder bei unverpacktem Porree/Lauch in jedem Bund für Erzeugnisse zulässig, die nicht den Anforderungen der angegebenen Klasse genügen.

A. Gütetoleranzen
i) Klasse I
Bei Frühporree/Frühlauch: 10 % nach Anzahl oder Gewicht Porreestangen/Lauchstangen, die einen weichen Blütentrieb im umhüllten Teil aufweisen, und 10 % nach Anzahl oder Gewicht Porreestangen/Lauchstangen, die aus anderen Gründen nicht den Eigenschaften der Klasse entsprechen, die aber denen der Klasse II – in Ausnahmefällen einschließlich der Toleranzen der Klasse II – genügen.
Bei anderem Lauch: 10 % nach Anzahl oder Gewicht Porreestangen/Lauchstangen, die nicht den Eigenschaften der Klasse entsprechen, die aber denen der Klasse II – in Ausnahmefällen einschließlich der Toleranzen der Klasse II – genügen.
ii) Klasse II
10 % nach Anzahl oder Gewicht Porreestangen/Lauchstangen, die weder den Eigenschaften der Klasse noch den Mindesteigenschaften entsprechen; ausgenommen sind jedoch Erzeugnisse mit Fäulnisbefall oder anderen Mängeln, die sie zum Verzehr ungeeignet machen.

B. Größentoleranzen
Für alle Klassen: 10 % nach Anzahl oder Gewicht Porreestangen/Lauchstangen, die nicht dem vorgesehenen Mindestdurchmesser oder – bei Porree/Lauch der Klasse I – nicht den Vorschriften hinsichtlich der Gleichmäßigkeit entsprechen.

V. BESTIMMUNGEN BETREFFEND DIE AUFMACHUNG

A. Gleichmäßigkeit
Der Inhalt jedes Packstücks oder jedes Bundes in ein und demselben Packstück muss einheitlich sein und darf nur Porree/Lauch gleichen Ursprungs, gleicher Sorte oder gleichen Handelstyps, gleicher Güte und gleicher Größe (sofern für das letzte Kriterium eine Gleichmäßigkeit vorgeschrieben ist) sowie annähernd gleicher Entwicklung und Färbung umfassen.
Der sichtbare Teil des Inhalts des Packstücks oder des Bundes muss für den Gesamtinhalt repräsentativ sein.

B. Verpackung
Der Porree/Lauch muss so verpackt sein, dass er angemessen geschützt ist.
Das im Inneren des Packstücks verwendete Material muss neu, sauber und so beschaffen sein, dass es bei den Erzeugnissen keine äußeren oder inneren Veränderungen hervorrufen kann. Die Verwendung von Material, insbesondere von Papier oder Aufklebern mit Geschäftsangaben, ist zulässig, sofern zur Beschriftung oder Etikettierung ungiftige Farbe bzw. ungiftiger Klebstoff verwendet werden.
Die Packstücke oder – bei unverpacktem Porree/Lauch – die Bunde müssen frei von jeglichen Fremdstoffen sein.

C. Aufmachung
Die Porreestangen/Lauchstangen können folgendermaßen aufgemacht werden:
– entweder regelmäßig in der Verpackung geschichtet
– oder in Bunden, verpackt oder unverpackt.
Die Bunde eines Packstücks müssen im Wesentlichen einheitlich sein.

VI. BESTIMMUNGEN BETREFFEND DIE KENNZEICHNUNG
Jedes Packstück oder jedes unverpackt gelieferte Bund muss zusammenhängend auf einer Seite folgende Angaben in lesbaren, unverwischbaren und von außen sichtbaren Buchstaben aufweisen:

A. Identifizierung
Packer und/oder Absender: Name und Anschrift oder von einer amtlichen Stelle erteilte oder anerkannte kodierte Bezeichnung. Falls jedoch eine kodierte Bezeichnung verwendet wird, muss die Angabe „Packer und/oder Absender“ (oder eine entsprechende Abkürzung) in unmittelbarem Zusammenhang mit der kodierten Bezeichnung angebracht sein.

B. Art des Erzeugnisses
– „Porree“/“Lauch“, wenn der Inhalt von außen nicht sichtbar ist,
– gegebenenfalls die Angabe „Frühporree“/“Frühlauch“.

C. Ursprung des Erzeugnisses
– Ursprungsland und – wahlfrei – Anbaugebiet oder nationale, regionale oder örtliche Bezeichnung.

D. Handelsmerkmale
– Klasse,
– Anzahl der Bunde (im Fall der Aufmachung in Bunden in Verpackungen).

E. Amtlicher Kontrollstempel (wahlfrei)
Bei in loser Schüttung befördertem Porree/Lauch, der direkt in ein Transportmittel verladen wird, müssen die in Abschnitt VI Nummer l genannten Angaben auf einem Warenbegleitpapier oder einem sichtbar im Beförderungsmittel angebrachten Papier vermerkt sein.

Wenn Männer waschen und putzen

Übernehmen verheiratete Männer viele (oder alle) Haushaltsaufgaben wie Waschen, Kochen oder Putzen, dann führt das zu mehr Zufriedenheit bei den Frauen, zu weniger Scheidungen, allerdings auch zu weniger Sex, das haben Studien in den USA gezeigt. Statt 5,6 Mal gibt es dann nur mehr 3,7 Mal Sex pro Monat. Warum? Das wurde nicht untersucht, die Forscher nehmen jedoch an, dass man seinen Partner attraktiver findet, wenn er sich im Verhalten unterscheidet. (American Sociological Review, 30.1.2013)

Fernsehen verringert Spermienanzahl

Fernsehen verringert die Spermienanzahl, dies wurde an der renommierten Harvard School of Public Health in einer Untersuchung mit jungen und gesunden Männern festgestellt: Sitzen sie 20 oder mehr Stunden pro Woche vor dem TV, dann reduziert sich die Zahl der Spermien auf die Hälfte. Umgekehrt steigt sie um 73 Prozent, wenn man sich sportlich betätigt. Aber nicht zu stark, denn dann sinkt sie wieder!

Die Back-Bibel aus London

Dieses Buch soll „vom vielen Gebrauch teigverschmiert und voller Eselsohren“ sein, wünschen sich die Autoren, die Konditorin Claire Ptak und Henry Dimbleby, Mitbegründer der Leon-Restaurantkette in London, die sich die Erfindung des „Naturally Fast Food“ auf die Fahnen heftet. Schon das erste Leon-Kochbuch („Leon. Natürlich Fastfood“), ebenfalls bei Dumont erschienen, war kunterbunt, ein Sammelsurium an Illustrationen, Fotos und typographischen Experimenten. Dieses Backbuch wartet außerdem mit Umrechnungstabellen für Maße wie ml und fl oz oder cm und Inches auf, die man herausreißen kann (und gewiss auch soll, wenn es nach den Vielgebrauch propagierenden Autoren geht).

Zu Beginn des Buches werden Backformen erklärt, Eiertrennverhalten analysiert oder das Öffnen von Kokosnüssen demonstriert. Im ersten großen Kapitel fallen die Autoren gleich einmal mit dem Eingeständnis ins Haus: „Der Gedanke, fürs Frühstück auch noch zu backen, ist beinahe grotesk“. Dennoch oder gerade weil nicht alle Rezepte tatsächlich das Backrohr erfordern: Auch dieses Kapitel möge bitte bald teigverschmiert sein. Oder müslibestreut. Oder ahornsirupverklebt. Rezepte wie Kürbiskernmilch, Luxusmüsli oder Lachs-und-Dill-Muffins finden sich hier.

Das Kapitel Teatime bedient Klischees wie teerosenbestreute Tische, räumt aber gleichzeitig mit dem Vorurteil auf, dass bei einer Tea Time alles sehr wohlerzogen zugehen und von süßen Kleinformaten geprägt sein muss: Schon das Eingangsfoto zeigt üppige, alles andere als pittoreske Torten, etwa einen Klementinen-Polenta-Kuchen oder Leons Pekannuss-Pie.

Unkonventionell ist wahrscheinlich das Wort, das dieses süße Kochbuch am besten beschreibt. Sowohl in Sachen Layout als auch bei den Rezepten ist alles erlaubt, was Spaß macht. Da lernt man den skurrilen Sussexer Orangenkuchen kennen, in dem eine ganze Orange versteckt wird, da lernt man Schokobananen zu grillen oder eine anachronistische Eisbombe Alaska herzustellen. Zahlreiche Fotos von Menschen, die Rezepte beigesteuert haben, machen aus dem Buch eine sehr persönliche Sache.

Rezepte im PDF Format:
Heidelbeer-Käse Kuchen
Orangen Mince Pies
Schokokuchen
Traumkuchen
Zitronenpudding

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Schweben im Engel

Durch eine großzügige Spa-Erweiterung schaffte es das Traditionshaus Engel Obertal im Schwarzwald vor kurzem in die Top-Liga der deutschen Wellnesshotellerie. Trotz der vielen Neuheiten vergaß man aber nicht auf die alten Werte: Gediegenheit, Gastfreundschaft und Genuss.

Zugegeben, zum Zeitunglesen ist es hier etwas zu dunkel, aber in Sachen Schwerelosigkeit steht der neue Floating-Pool im Fünfstern-superior-Hotel Engel Obertal dem Toten Meer in nichts nach (bekanntlich ist ja dort der Auftrieb so stark, dass Badende ohne jegliche Anstrengung im Wasser Zeitung lesen können – sitzend).

Der 34 Grad warme Floating-Pool mit hochprozentiger Sole ist nur eine der zahlreichen Neuerungen in diesem weitläufigen Wellnesshotel bei Baiersbronn. Er entzückte allerdings die vielgereisten Tester des RELAX Guide im vergangenen Jahr ganz besonders: gedämpftes Licht, was nicht nur herrlich entspannend ist, sondern auch aus Gründen der Diskretion angenehm – schließlich badet man hier ohne Bekleidung. Der hohe Salzgehalt macht das Wasser im Floating-Pool nämlich nicht gerade zu einem pflegenden Weichspüler für Badetextilien. Zwei Apsiden schimmern blattgolden, die Wände sind nachtblau ausgemalt, in der schwarzen Decke spiegeln sich die sanften Bewegungen des Wassers, und ein großer barocker Engel, der frei in einem großzügigen Goldrahmen schwebt, fügt sich wunderbar in die nahezu sakrale Stimmung. Er gemahnt die genüsslich-träge Treibenden – man vergisst hier wirklich völlig die Zeit, dabei sollte man nur fünf Minuten in der Sole bleiben – mit einem Augenzwinkern daran, in welchem Hause sie sich befinden.

Im Engel Obertal hat die Gastgeberfamilie Möhrle jüngst viel Aufwand betrieben, um das ohnehin schon großzügige Spa nochmals zu erweitern. Belohnt wurde das vom einzigen kritischen Wegweiser durch das gesamte deutsche 1.400-Wellnesshotels-Dickicht, dem RELAX Guide: mit einer Aufwertung auf 18 Punkte und drei Lilien.

Die neuen Ruheräume wurden mit viel Geschmack gestaltet, jener beim Floating-Pool etwa überzeugt mit mystisch durchleuchtetem blauen Salzstein aus Persien. In anderen Räumen wiederholt sich das Motiv der vergoldeten Apsis, ergänzt von hochwertigen Liegen und schicken Poufs mit zeitgemäßem XL-Gewebe. Abstrakte Metallskulpturen geben auch dem Auge etwas zu tun – wenn diese nicht auf den langsam wogenden Wasserbetten längst geschlossen sind. Wer würde es ihnen verübeln, einfach zu erholsam ist es hier. Außergewöhnlich durchdacht zeigt sich hier übrigens die Lichtsituation: Das Tageslicht nimmt immer mehr ab, je weiter man sich von den Eingängen entfernt, so soll man allmählich richtig loslassen können.

Mehrere Wasserbecken mit unterschiedlichen Eigenschaften, Saunen und Entspannungsräume verleiten im Inneren zum Fast-nichts-Tun, in den Außenbereichen des weitläufigen Gartens hingegen sind wir mehr gefordert: Der Badeteich mit 25 Metern Länge will durchschwommen werden, der Wasserfall ruft uns zum Abkühlen neben den beiden Außensaunen – die eine sorgt durch ihre Versenkung in der Erde für ein ganz spezielles, sehr angenehmes Schwitzklima, die andere begeistert mit einer zentralen offenen Feuerstelle. Das alles ist übrigens im Winter über beheizte Fußwege zu erreichen. Etwas höher als Schwimmteich und Garten liegt der neue Fitnesspavillon mit zahlreichen Cardiogeräten, aus den Panoramafenstern blickt man während des Trainings hinaus aufs Tal.

Das Traditionshotel – vier Häuser wurden sukzessive miteinander verbunden – durch neue Räume zu ergänzen war für die Gastgeber Monika und Herbert Möhrle das eine. Die beiden sind aber überzeugt, dass es eine feinsinnige menschliche Belebung braucht, damit der alte Geist des Schwarzwaldhotels Engel Obertal auch weiterhin für die Gäste spürbar ist und sie auch fortan unsichtbar umarmen kann. Leise persönliche Begegnungen mit den Gästen liegen den Gastgebern und ihren Mitarbeitern hier am Herzen, man ist dabei aber stets bedacht, nicht auf eine distanzlose Ebene abzugleiten. Diese Gratwanderung ist schwer – davon können die Tester des RELAX Guide ein Lied singen – und umso erfreulicher ist es, wenn sie erfolgreich absolviert wird. Die vielen langjährigen Stammgäste im Engel Obertal beweisen das. Sie schätzen nicht zuletzt die gediegene Atmosphäre und den aufmerksamen Service – Zeitungen an der Zimmertüre sind da nur ein kleines Detail, das freilich längst nicht in allen Luxushotels selbstverständlich ist.

Viele renommierte Golfplätze in der Umgebung und geradezu endlose Wanderstrecken durch den Schwarzwald verlocken dazu, „den Engel“ in Obertal und sein neues Spa doch von Zeit zu Zeit zu verlassen. Um die Gäste sicher zurück zum Hotel zu lotsen, hat man die schönsten Wander- und Fahrradwege in ein GPS-Gerät eingespeist, das an der Rezeption erhältlich ist. Und wer dann irgendwann einmal hungrig zurückkehrt, der wird in einer der Stuben mit französisch-badischer Küche belohnt, schließlich heißt der Engel „Wellness- und Genuss-Resort“.


Fotos: Engel Obertal

Mehr Info: Fon Mehr +49-(0)7449-850, www.engel-obertal.de und RELAX Guide – Engel Obertal und Wellnesshotels Deutschland

Leidenschaftlich gut

Salzburgerhof, ein Luxushotel in Zell am See lässt aufhorchen: mit außergewöhnlichen Leistungen in Küche und Keller, die ihren Ursprung in der Leidenschaft der Mitarbeiter haben.

Leidenschaft: Dem L-Wort begegnen wir heute überall. In der Kaffeekapselwerbung, im Riesensupermarkt oder beim Schuhmacher ums Eck, der mit Fingerfarben an seine Scheibe pinselt, dass auch er „mit Leidenschaft“ die Schuhe seiner Kunden repariere – hat er doch eben mitbekommen, dass dieser Ausdruck zurzeit einfach sein muss. Wahre Leidenschaft aber sieht so aus (und dann muss man sie gar nicht mehr groß so nennen): Um vier Uhr früh aufstehen, in Zell am See ins Auto steigen, in der Wachau aussteigen, den ganzen Tag am eigenen Weinberg arbeiten, weil man ohne das irgendwie nicht mehr will, und abends die ganze Strecke – immerhin 350 km – wieder retourfahren. Um am nächsten Morgen in einem Fünfsternhotel als Restaurantleiter und Sommelier zu Diensten zu sein, und das nach 20 Dienstjahren. Mit solch leidenschaftlichen Mitarbeitern kann nur ein Hotel aufwarten. Ein Haus, wo auch die Chefin immer persönlich im Einsatz steht, die Fische im Teich füttert oder am Gang im zweiten Stock hinten links ein welkes Blütenblatt wegzupft: der Salzburgerhof, heuer vom RELAX Guide wieder mit vier Lilien und der Höchstnote von 20 Punkten ausgezeichnet.

Hotelière Gisela Holleis, die Grande Dame der österreichischen Wellnesshotellerie, schafft es, die besten Mitarbeiter über Jahrzehnte im Salzburgerhof zu halten – übrigens alles Einheimische. Wie Sommelier Günther Rettenbacher, der Mann, dem man in Sachen Wein wohl ohne Widerspruch das L-Wort attestieren darf. Er ist einer der ganz wenigen Sommeliers, die selbst – mittlerweile prämierte! – Weine keltern. 5.000 Flaschen von mehreren Wachauer Lagen sind es inzwischen pro Jahr. Besonders stolz ist er darauf, Mitglied der Vinea Wachau zu sein – „das ist ungefähr so, wie wenn ein Wiener eine Schischule im Zillertal führen darf“.

Der zweite Mann im Salzburgerhof, dessen Namen man in einem Atemzug mit dem hippen L-Wort nennen muss, ist Marcel Schneider, der Küchenchef im Salzburgerhof. Er ist keiner von der Sorte Köche, unter deren Gelfrisur nur ein Gedanke brodelt: vom Cover eines Gastrobranchenmagazins zu lächeln, um sich Sprüche klopfend am Zenit zu fühlen. Marcel Schneider ist kein Showman.


Fotos: Salzburgerhof Zell am See

Er ist ein Koch, der das klassische Handwerk perfekt beherrscht, der von sich selbst sagt, dass er „leise Arbeit“ leiste, dass er versuche, nicht nur zu reden, sondern so viel wie möglich umzusetzen. Alles dreht sich ums Produkt, das war am Salzburgerhof übrigens immer schon bemerkenswert: Während in den meisten Hotels die Halbpensionsgäste mit günstigerer Ware bekocht werden und man die teuren Zutaten den extra zahlenden À-la-Carte-Gästen vorenthält, gibt es hier für alle Gäste dieselben hochwertigen Produkte. Also geangelten Steinbutt aus der Bretagne für alle – statt Pangasius für die einen. Dem Küchenchef ist die Qualität seiner Lebensmittel extrem wichtig. Geflügel etwa kauft er ausschließlich aus Frankreich – entgegen dem heutigen Dogma, dass man nur dann ein guter Küchenchef ist, wenn man den Regionalitätsgedanken bis zum Exzess verfolgt. Für Schneider ist aber eben nur die Geflügelqualität aus der Bresse gut genug – oder sollen die Gäste im Salzburgerhof etwa die zweitbeste Wahl bekommen, bloß weil die Medien derzeit einen eingeschränkten Lebensmittel-Herkunftsradius verlautbaren? Lange Zeit verwendete er nur Pyrenäenlamm, mittlerweile aber hat er einen guten österreichischen Lieferanten für Lamm gefunden, also bezieht er das Fleisch nun von diesem – und hier fällt es wieder, das L-Wort: „Ein junger Bursch mit 140 Schafen, der ist wirklich mit Leidenschaft an der Sache“, erzählt Schneider. Bei ihm selbst ist das L-Wort ganz besonders beim Thema Fisch ausgeprägt: Er ist ein hervorragender Poissonier, seine Liebe gilt sowohl heimischen Fischen als auch Wildfang aus dem Meer. Auf all diese Produkte weiß er so genial einzugehen, dass ihm der Gault Millau zwei Hauben und 16 Punkte verlieh und der Falstaff ihn mit drei Gabeln und 90 Punkten auszeichnete. Für den RELAX Guide ist Marcel Schneider ohnehin die Nummer eins: beste Küche aller österreichischen Wellnesshotels, wobei stets die Halbpension bewertet wird. Starallüren wird man bei Schneider aber dennoch keine ausmachen können, im Gegenteil: Wer versucht, von ihm ein Autogramm zu kriegen, erhält eine höfliche Absage.

Gäbe es eine Wertung für den schönsten Garten, wäre der Salzburgerhof sicher auch in dieser Kategorie die Nummer eins: höchst durchdacht, sodass permanent etwas Neues blüht, aber keineswegs etwa technoid, sondern von regelrecht überwältigender Natürlichkeit. Hundert verschiedene Pflanzen wachsen hier, überall finden sich lauschige Winkel, und der Naturbadeteich ist schlicht und einfach konkurrenzlos sauber.

Das Spa wurde in den letzten Jahren weiter ausgebaut, und auch heuer soll es wieder eine Neuerung geben: Auf dem Dach des „Spa-Schlössls“ entsteht die dritte Sonnenterrasse, in der FKK-Version und mit grandiosem Ausblick. Dass es im Salzburgerhof immer wieder etwas Neues gibt, hat natürlich mit einem zu tun: mit der Leidenschaft der Gastgeber.

Mehr Info: Fon +43-(0)6542-765, www.salzburgerhof.at und RELAX Guide – Salzburgerhof