Und tschüss, kleiner Weinbauer

Bisher musste man ein Winzer mit eigenem Garten sein, wenn man Wein machen wollte. Die Anbaufläche war streng beschränkt. Nun will die EU bis 2015 diese Beschränkung freigeben. Dann kann jeder unbegrenzt so viel anbauen, wie er will. Klingt doch gut, diese Liberalisierung. Nur: Da werden nicht die kleinen Bauern, sondern die großen Finanzinvestoren aus dem Ausland das Geschäft machen – für Global Player ein gefundenes Fressen!

Doch es kommt noch dicker: Seit etwa 12 Jahren hat die EU Milliarden aus Steuergeldern an Förderungen dafür bezahlt, dass Winzer ihre Anbauflächen verkleinern (rund 800.000 Hektar in Europa), alleine von 2009 bis 2011 waren es 1,1 Milliarden Euro. Warum? Weil es zu viel Wein gibt in Europa …

Nachsatz: In Österreich gibt es – noch – 20.000 Winzer. In Australien – mit knapp der vierfachen Anbaufläche – erzeugen nur 4 Firmen 70 Prozent des Weines.

Stevia – ein großer Bluff

Haben auch Sie schon von Stevia, dem neuen Süßkraut, gehört? Es soll 300 mal süßer sein als Zucker. Und vor allem: so natürlich und daher viel gesünder als alle bisherigen Süßstoffe.

Steviablätter werden in Südamerika und in Asien schon seit Menschengedenken als natürliches Süßungsmittel verwendet. Vor kurzem hat die auch EU Stevia per Verordnung erlaubt. Aber: Nicht die Blätter – die bleiben verboten! Und zwar aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell heißt –, sondern nur chemisch hergestellte Extrakte, die logischer Weise bis auf die Süßkraft kaum noch etwas von ihrem pflanzlichen Ursprung behalten. Das angebliche „Naturprodukt“ heißt nun E 960. Und schon verbreitet die Nahrungsmittelindustrie den Mythos vom „natürlichen Süßstoff“, mit dem sie Konserven, Limonaden und Fertiggerichte trendig aufmascherln kann. Bravo EU!

Kürzlich bei Air Berlin

Eine wahre Begebenheit als Dramolett

Im Flugzeug von Barcelona nach Wien, Flug HG8011, 1. April. Beginnend bei Sitzreihe eins teilt eine Flugbegleiterin Zeitungen aus. Es ist absehbar, dass diese nur für einen kleinen Teil der Passagiere reichen werden, dennoch werden auf Wunsch auch mehrere Zeitungen pro Person vergeben. Schon ab Reihe 10 gibt es keine Zeitungen mehr. Danach werden Brote gereicht. Bereits ab Reihe 10 geht der Vorrat zu Ende. Der Passagier auf Sitz 10A wartet geduldig eine Stunde, bis alle Fluggäste mit ihren Zeitungen fertig sind.

PASSAGIER (zur Flugbegleiterin): Verzeihen Sie, ich hätte gerne eine Zeitung gelesen. Wären Sie so freundlich, mir eine bereits gelesene von den vorderen Sitzreihen zu bringen?

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene): Nein, das geht leider nicht, aber Sie können das gerne selbst tun.

PASSAGIER (zur Sprachlosigkeit erstaunt): Ähhm …

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene): Ich kann das nicht tun.

PASSAGIER (fasst sich wieder): Zuerst können Sie mir keine Tageszeitung bieten, dann gibt es keine Brötchen, und jetzt wollen Sie mir nicht einmal eine gebrauchte Zeitung organisieren?

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene): Es könnte ja sein, dass jemand die Zeitung mit nach Hause nehmen will. Bitte kümmern Sie sich selbst darum. (Geht ab. Es vergehen 15 Minuten.)

FLUGBEGLEITERIN (zum Passagier, verzieht keine Miene): Hier bringe ich Ihnen eine Zeitung von unserem lieben Herrn Kapitän (überreicht die Hälfte der Sonntagsausgabe der Kronenzeitung).

PASSAGIER (überrascht): Von Ihrem lieben Herrn Kapitän … vielen Dank. (Versucht, ein Namensschild an der Uniform der Flugbegleiterin zu entdecken, findet aber nur eine große Plakette mit einem schwer lesbaren Schriftzug). Was steht denn da auf Ihrer Plakette drauf?

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene): The Passenger Comes First.

PASSAGIER: Und was heißt das auf Deutsch?

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene, antwortet aber wie aus der Pistole geschossen): Der Kunde ist König.

PASSAGIER: Wenn das so ist, warum bringen Sie mir dann nur die Hälfte der Zeitung?

FLUGBEGLEITERIN (verzieht keine Miene): Ich habe Ihnen immerhin die Zeitung vom Herrn Kapitän gebracht. Sie haben aber die Möglichkeit, sich zu beschweren, im Internet unter www …

PASSAGIER (fällt ihr ins Wort): Ich möchte mich aber doch gar nicht beschweren. (Flugbegleiterin verzieht keine Miene, geht ab.)

FRAU DES PASSAGIERS (zu ihrem Mann): Warum redest du überhaupt mit der? Ist es dir nicht aufgefallen, dass sie ein Replikant sein muss? Kein Lächeln, keine Betroffenheit, gar nichts!

PASSAGIER (zu seiner Frau): Jetzt, wo du es sagst … Die hat immer so unbeteiligt dreingeschaut. Wusste gar nicht, dass man neuerdings Replikanten als Personal einsetzt.

(Vorhang)

Unaussprechlich gut

Die griechische Küche hat es schwer, seit es Gourmets gibt: Als fettig, langweilig, banal wird sie von diesen beschrieben, selbst die kreativsten Köche seien angesichts der beschränkten Vielfalt der kulinarischen Tradition einfallslos. Während die Italiener mit beinahe den selben Zutaten kochen wie die Weltmeister, bringen die Griechen außer verkohlten und triefenden Auberginenscheiben, undefinierbaren Nudelaufläufen und knoblauchgetränktem Tsatsiki nichts zusammen – so lautet der Tenor. Was die italienische Küche natürlich zusätzlich in den Genießerweltrang erhebt, ist die leichte Merkbarkeit der originalen Gerichtnamen für all jene, die sich gern als Kosmopoliten geben. Insalata caprese hat man bald im Kopf, Sáltsa apo kokkinés piperiés, rotes Paprikamus, schon weniger!

Griechische Spitzenköche kann man international tatsächlich an einer Hand abzählen, was freilich der Beliebtheit der einfachen griechischen Lokale in Österreich, Deutschland und in der Urlaubsdestination Griechenland selbst keinen Abbruch tut. Fast ausnahmslos blau-weiß sind die Lokale gestaltet, und auch jene Bücher, die sich der griechischen Küche annehmen, sind in dieser Farbkombination gehalten.

Auch die Augen der Autorin des neuesten Wurfs, Elissavet Patrikiou, sind mehr als blau und fügen sich somit trefflich ins gesamte Layout von „Echt griechisch!“ aus der bodenständigen Länderküchenserie des Christian Verlags. Sie versammelt Rezepte von ihrer Mutter und ihrer Großmutter, dementsprechend schlicht muten diese an: Zucchiniküchlein – „Kolokithokeftédes“ (wir wollen uns ja bessern und lernen gleich mal auch diese Namen, wenigstens sind sie schon transkribiert …), Auberginentöpfchen – „Melintzánes saganáki“ oder Fisch im Weinblatt gegrillt – „Psári me abelófila sto gríll“. Uff. Nach solchen Sprachlektionen haben wir uns ein feines Essen mehr als verdient.

Rezepte im PDF Format:
Rezepte

Elissavet Patrikiou:
Echt griechisch!

Familienrezepte von Mama Anastasía
Christian Verlag, 224 Seiten
24,95 Euro

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