Man wird doch noch fragen dürfen II

Auf vielfachen Wunsch: Weitere 75 unserer dringlichsten Fragen an das moderne Leben. Auch sie verhelfen ganz ohne Antworten zu neuen Erkenntnissen.

  1. Warum nennen wir den Fernseher Glotze, wenn es doch wir sind, die glotzen? Und: Warum will niemand einen Glotzer gern zum Freund haben, obwohl fast jeder einer ist?
  2. Ist es frech vom lieben Gott, wenn man als Mensch die ersten 30 Lebensjahre dazu braucht, um im Kopf alles halbwegs zu ordnen, und, kaum dass man es dann mühsam geschafft hat, sofort der körperliche Verfall beginnt?
  3. Warum können Medikamente chronische Krankheiten nicht heilen und muss man diese Medikamente daher lebenslang kaufen?
  4. Ist man dumm, wenn man nicht verstehen kann, dass die zehn Gebote Gottes aus 227 Wörtern und die Unabhängigkeitserklärung der USA aus 300 Wörtern besteht, aber die EU-Verordnung über den Import von Karamellbonbons aus 25.911 Wörtern bestehen muss?
  5. Wieso möchten so viele Buben, die vor kurzem noch Astronom oder Profifußballer werden wollten, neuerdings Event Manager werden? Und würden sie das auch noch wollen, wenn sie wüssten, dass die deutsche Übersetzung Veranstaltungskaufmann heißt?
  6. Ist es Zeitgeist, wenn Universitätsabsolventen vor zehn Jahren Firmen gründen wollten, vor fünf Jahren Private Equity Manager werden wollten und heute froh sein müssen, wenn sie überhaupt noch irgendeinen Job bekommen?
  7. Ist es nicht eigenartig, dass man gerade im sogenannten Informationszeitalter nie weiß, ob Bedrohungen (Schweinegrippe, Klimawandel, Reaktorunfälle etc.) hochgespielt oder totgeschwiegen werden?
  8. SMS, Mails, Blogs und Co: Wie passt es zusammen, dass die Menschen heute so wild kommunizieren wie nie zuvor in der Zivilisationsgeschichte, gleichzeitig aber einsamer sind denn je?
  9. Haben wir mit Schokoladesorten wie Schweineblut mit Kirsche und Thymian und Himbeer-Kokos-Forellen-Marshmallow von Zotter den Höhepunkt der Kreativschokoladen erreicht? Und wenn nicht, was kommt dann noch auf uns zu?
  10. Was soll man von Politikern halten, die vor drei Jahren zwar private Banken gerettet haben, damit aber ganze Staaten an den Rand des Abgrunds gebracht haben?
  11. Ist es fair, wenn Politiker, die immer das freie Spiel der Marktkräfte propagiert hatten, nun völlig ratlos zusehen müssen, wie dieses freie Spiel unseren Wohlstand ruiniert?
  12. Warum kann man die Welt verbessern, nicht aber das Fernsehprogramm?
  13. Warum gibt es umso mehr Verkehr, je mehr Autos es gibt, aber umso weniger Kunst, je mehr Kunst es gibt?
  14. Wissen Autofahrer eigentlich, dass sie, wenn sie tanken, drei Viertel des Rechnungsbetrags an Steuern bezahlen? Und warum zahlen Fluglinien niemals Treibstoffsteuern?
  15. Wie viele Millionen Euro machen Supermärkte damit, dass die Kunden an der Wursttheke immer „Darf’s ein bisschen mehr sein“ nehmen müssen?
  16. Wo bleibt die gegenderte Form von Ungustl, Kinderschänder und Vergewaltiger?
  17. Kann man später seine Eltern verklagen, wenn man in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Anthony, Jason oder Justin getauft wird?
  18. Viele Bürger arbeiten sehr hart. Wenn sie das tun, zahlen sie sehr viel Steuern an den Staat. Der Staat ist mit der Verwaltung des vielen Geldes überfordert. Unter anderem gibt er sehr viel Geld den Banken, um diesen zu helfen. Der Staat hat deshalb zu wenig Geld. Daher muss sich der Staat wieder Geld von den Banken leihen. Die Banken verlangen Zinsen. Die Zinsen sind sehr hoch, viel höher noch als die Kosten für Universitäten und Schulen. Der Staat braucht daher noch mehr Geld als vorher. Der hart arbeitende Bürger muss jetzt noch mehr Steuern zahlen. Warum lässt er all dies mit sich machen?
  19. Warum hört man den Ausdruck „Schlampe“ (er wird landläufig verbunden mit „leicht zu haben“ und aufreizend künstlichem, billig gestyltem Erscheinungsbild) eigentlich nur aus einem Frauenmund, und warum hassen Frauen nichts mehr als Frauen, die sie für Schlampen halten?
  20. Die sogenannte Kreta-Diät (Olivenöl, Schafskäse, Rotwein …) stützt sich auf internationale Studien, nach denen die Griechen besonders alt werden. Laut Statistik gibt es in Griechenland fast 10.000 Menschen, die über 100 Jahre alt sind, etwa 500 sind sogar älter als 110 Jahre. Vor kurzem ist jedoch bekannt geworden, dass es sich bei fast allen um bereits längst Verstorbene handelt, deren Verwandte den Tod verheimlicht haben, um weiterhin die Rente zu kassieren. Was bitte, soll man nun von der Kreta-Diät halten?
  21. Ist es nicht seltsam, dass wir zwar in der schwierigsten Zeitspanne nach dem Zweiten Weltkrieg leben, aber nirgendwo ein Politiker in Sicht ist, dem wir auch nur ansatzweise eine Lösung der Probleme zutrauen?
  22. Warum spielt eigentlich Israel in der Fußball-Europameisterschaft?
  23. Wo bleibt die Gleichstellung von Mann und Frau bei Kleinkindern, deren weibliche Vertreter Gefallen am Schminken und an schönen Kleidchen entwickeln, während die männlichen Gefährten verständnislos zusehen und lieber mit dem Bagger spielen?
  24. Kann es sein, dass sich auch die Dunkelheit mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet?
  25. Wieso ist „Abkürzung“ bloß so ein langes Wort?
  26. Was genau meinte der österreichische Umweltminister, als er anlässlich der Kernschmelze im japanischen AKW Fukushima sagte, er arbeite auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und könne daher mit Sicherheit sagen, dass die Atomwolke nicht in Richtung Europa ziehe? Und wusste er zu dem Zeitpunkt bereits, dass die Erde eine Kugel ist, auf der es von Japan so ungefähr ziemlich genau überallhin gleich weit wie nach Europa ist?
  27. Bekommt man als Brandopfer Preisnachlass im Krematorium?
  28. Woher kommt es, dass neuerdings die meisten Menschen (80 Prozent der Männer) ihr Arbeitsleben mit einer Frühpensionierung aus Erwerbsunfähigkeit (Invalidenrente) beenden wollen? Und was bedeutet das für unser ohnedies völlig überlastetes Pensionssystem? Und wieso schaut die Politik dieser seit Mitte der 1990er Jahre immer stärker werdenden Entwicklung völlig tatenlos zu?
  29. Ist es Gleichberechtigung, wenn Frauen bereits mit 60 Jahren in Pension gehen und Männer erst mit 65? Und leben Frauen deshalb länger als Männer, und wo bleibt dann da die Gleichberechtigung?
  30. Wenn Frauen und Männer angeblich „gleich“ sind, warum stehen sie dann nicht beim Schilauf (und bei anderen sportlichen Disziplinen) gemeinsam am Start?
  31. Wieso werden Kinder eigentlich zur Selbstständigkeit erzogen, wenn sie später in Abhängigkeit leben müssen?
  32. Wie kommt es, dass, seit es vor rund zehn Jahren Mode wurde, Qualitätssicherung zu betreiben, die Qualität von Gütern und Dienstleistungen stetig abnimmt?
  33. Wofür braucht man das Frühstücksfernsehen eigentlich genau?
  34. Ist der Ich-darf-gar-nicht-dran-denken-dass-das-ein-Tier-ist-Fleischesser die Vorstufe zum Vegetarier?
  35. Warum darf man in einem Fotomuseum nicht fotografieren?
  36. Darf man sagen, dass Kopenhagen ein denkbar schlecht gewählter Standort für einen Klimagipfel der Uno war, weil sich in Skandinavien so viele Menschen freuen, wenn es wärmer wird?
  37. Wieso heißt es immer, dass Biosprit klimaneutral ist, wenn damit die Abholzung der letzten Regenwälder verbunden ist?
  38. Heißt es deshalb, dass Atomenergie billig ist, weil sie seit jeher vom Steuerzahler subventioniert wurde und der Steuerzahler auch die finanziellen Folgen eines Super-GAUs tragen muss?
  39. Wie viele neue Bücher werden noch den Markt überschwemmen, die von psychotherapiebedürftigen Frauen Mitte dreißig handeln und von diesen auch verfasst wurden?
  40. Was machen die Kosmetikkonzerne, wenn ihnen demnächst die originellen neuen Namen für Nagellack- und Lippenstiftfarben ausgehen?
  41. Statistisch gesehen, sterben Männer früher als Frauen, das wird mit riskanterem Verhalten und höherer Belastung im Beruf erklärt. Mönche leben extrem risikoarm und werden deutlich älter als Männer allgemein, aber warum sterben auch sie früher als Nonnen?
  42. Bin Laden, der ehemalige CIA-Agent, wurde von der US-Regierung in Pakistan ermordet, was weder mit dem Völkerrecht noch mit den Prinzipien eines Rechtsstaates und schon gar nicht mit jenen des Christentums vereinbar ist. Was bedeutet es in diesem Zusammenhang, wenn die ansonsten eher freudlose Pastorentochter Angela Merkel öffentlich darüber frohlockte: „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten“?
  43. Ist es Zufall, Frau Merkel, wenn Banken Milliarden zum Nulltarif nachgeschmissen bekommen und gleichzeitig die Buchstaben des Wortes „Bundeskanzlerin“ anders zusammengesetzt genau „Bankenzinsluder“ ergeben?
  44. Ist der ukrainische Justizminister ein Ganove, wenn er mit einem Mercedes-Dienstwagen herumfährt, der in Deutschland als gestohlen gemeldet wurde?
  45. Was ist dran an der Befürchtung des Chefs der deutschen Finanzmarktaufsicht, dass die Steuerzahler „kommen und uns aufhängen“ könnten?
  46. Welcher der Schuldigen an der europäischen Finanzkrise geht eigentlich ins Gefängnis?
  47. Ist es zulässig, vom erfolgreichen Erklimmen der Karriereleiter zu sprechen, wenn man innerhalb von 44 Berufsjahren die Stadien Putzfrau, Raumpflegerin, Reinigungsfachfrau bis hin zur nunmehr offiziellen Bezeichnung „Putzfachkraft“ durchlaufen hat?
  48. Nachdem China den USA so viel Geld wie niemand sonst geliehen hat: Darf man sagen, dass die Amerikaner die Griechen der Chinesen sind?
  49. Ist der Begriff „katholischer Sektenbeauftragter“ nicht ein Widerspruch in sich?
  50. Verteufelt der Papst die Kondome, weil er glaubt, es geht auch ohne?
  51. Will man eigentlich Lehrer sein, wenn 30 Prozent der Schüler kein Deutsch können und der Rest aus dem Ausland kommt?
  52. Kann man das noch Hilfe nennen, wenn das völlig bankrotte Griechenland 2011 um 3,2 Milliarden Euro U-Boote und Kriegsschiffe in Deutschland bestellen musste?
  53. Ist es jemandem aufgefallen, dass die restlichen 16 Euro-Staaten (ohne Griechenland) 23-mal so viele Schulden haben wie Griechenland?
  54. Wie soll man solche Geschäfte nennen, wenn eine Bank von der Europäischen Zentralbank Geld zu 0,5 Prozent Zinsen leiht, um Griechenland einen Kredit mit mehr als 20 Prozent Zinsen zu geben, und der Steuerzahler einspringen muss, wenn es Griechenland nicht schaffen kann, die Wucherzinsen zurückzuzahlen?
  55. Wie konnte es passieren, dass die EU allein im Jahr 2008 2,4 Milliarden Euro nur für Eigenwerbung ausgegeben hat (das ist mehr, als Coca-Cola weltweit in rund 200 Ländern für Reklame aufwendet)? Und was wurde damit „verkauft?“
  56. Darf man als Arbeitsloser an einer After-Work-Party teilnehmen?
  57. Soll man sagen, es sei Anstand gewesen, wenn sich die Pleitebankiers der 1920er Jahre noch erschossen haben, und darf man dieses Verhalten auch für die Gegenwart fordern? Oder ist es doch eleganter, wenn sich die Pleiteverantwortlichen mit Bonuszahlungen und Aktienoptionen aus dem Staub machen und die Steuerzahler und kleinen Sparer mit ihren Lebensersparnissen die Zeche zahlen?
  58. Ist es so etwas wie neue Ehrlichkeit und daher vielleicht sogar lobenswert, wenn Mikl-Leitner, die Bundesministerin für Inneres und Vize-Parteichefin der ÖVP, eine noch stärkere Besteuerung von Spitzenverdienern im Gaunerjargon („Her mit den Millionen, her mit dem Zaster“) fordert? Oder kommt es der Wahrheit näher, wenn man sagt, diese Dame ist eine nichtkonservative Proletin, für die man sich schämen muss? Und darf man das dann?
  59. Ist es verrückt, wenn die verbale Political Correctness bereits so weit geht, dass in den USA ein 200-Kilo-Mann offiziell nicht mehr als dick, sondern als „horizontally challenged“ (wörtl. etwa: „waagrecht gefordert“) bezeichnet werden muss? Und soll man echte Trottel folgerichtig als „upsidely challenged“ („obenseitig gefordert“) einstufen?
  60. Wird Istrien die neue Toskana?
  61. Warum wischen sich, wie Zimmermädchen von Fünfsternhotels glaubhaft versichern, Araber die Schuhsohlen immer in den Vorhängen ab?
  62. Wie lange wird es noch dauern, bis die Chinesen Europa übernehmen und wir – mit der Hand – kleine Krokodil-Labels an chinesische T-Shirts nähen müssen?
  63. Wie viele Veganer können sich wohl mit Roadkill (dem Verzehr von durch den Straßenverkehr getöteten Wildtieren) anfreunden? Oder fühlen sich Frutarier, die ja nur Früchte essen, die von selbst vom Baum gefallen sind, da eher angesprochen?
  64. Warum flohen im Vorjahr so viele Libyer nach Italien, wo sie das vorfanden, was sie kurz zuvor erfolgreich bekämpft haben, nämlich einen korrupten und raffgierigen Machthaber, der noch dazu ihrem Ex-Diktator in engster Freundschaft verbunden war?
  65. Wie kann man es erklären, dass zurzeit, also zehn Jahre nach Einführung des Euro, noch rund neun Milliarden Schilling in Umlauf sind – etwa drei Prozent der damals zirkulierenden Geldmenge?
  66. Werden die Bodylotion-Fläschchen im Hotelbadezimmer in Zukunft größer, weil immer mehr Menschen übergewichtig sind und deshalb mehr Hautfläche einzucremen haben?
  67. Sind mangelnde Lateinkenntnisse die Ursache dafür, dass sich so viele Minister am Geld ihrer Bürger vergreifen, weil sie das Wort ministrare – „dienen“ – fälschlich als „sich bedienen“ verstehen? Und sind sie deswegen unschuldig? Und sollte man daher eine Lateinprüfung für Politiker fordern?
  68. Mit welcher Geschwindigkeit breitet sich die Slow-Food-Bewegung in Richtung breiter Gesellschaftsschichten aus? Und wann wird sie jemals dort ankommen?
  69. Müssen Männer mit schönheitschirurgisch veränderten Gattinen diese beschriften, damit sie diese nicht mit anderen schönheitschirurgisch veränderten Frauen verwechseln?
  70. Werden mit Einführung von einheitlichen Handyladegerätsteckern endlich auch die Staubsaugerbeutel gleich?
  71. Warum klingen Berufsbezeichnungen umso interessanter, je schlechter bezahlt die Jobs sind, und ist „Sanitärraumbetreuungsfachkraft“ eine Ausnahme von dieser Regel?
  72. Ist es realitätsfremd, wenn so viele junge Leute Chillen, Shoppen und Schuldenmachen als Lebensinhalt sehen?
  73. Der Staat will immer stärker die Bürger kontrollieren – sollte es nicht genau umgekehrt sein?
  74. Warum haben die Nationalbanken ihre Goldbestände zu einer Zeit aufgelöst, in der Gold nichts wert war? Und warum kaufen sie es jetzt zum Vielfachen des damaligen Verkaufspreises wieder zurück?
  75. Warum gibt es in letzter Zeit so viele Autos in Brauntönen?

„Wir haben die Dreiklassen-Medizin“

Ein prominenter Primararzt packt aus: Über viele Jahre arbeitete er im Gesundheitswesen, er gilt als exzellenter Kenner seiner Branche. Im Interview spricht er über die Macht der Pharmakonzerne, über das teuer gewordene Sterben, den missbräuchlichen Einsatz von Antibiotika und andere Verirrungen in unserem Gesundheitssystem. Der Experte möchte anonym bleiben – aus gutem Grund!

Herr Professor, beginnen wir mit einer provokanten Frage: Sollen wir überhaupt zum Arzt gehen?

Das ist eine durchaus berechtigte Fragestellung. Es gibt eine Studie eines Schweizers namens Fischer, die zu folgenden Ergebnissen kommt. Dreißig Prozent der Patienten gehen zum Arzt, weil sie einfach beunruhigt sind: Die Schwester, der Bruder, der Vater haben irgendeine Krankheit, und sie wollen wissen, ob sie selber auch gefährdet sind. Weitere dreißig Prozent haben schlicht einen ruinösen Lebensstil: Sie sind übergewichtig, sie rauchen, sie trinken zu viel, bewegen sich nicht oder alles zusammen. Denen kann der Arzt in Wahrheit nicht helfen, denn sie ändern ihren Lebensstil nicht. Ein weiteres Drittel ist zwar akut krank, würde aber ohnehin von selber wieder gesund werden. Da geht es um die ganz normalen viralen Infekte, die sinnloserweise häufig mit Antibiotika behandelt werden.

Es gibt das böse Wort: Je dümmer der Arzt, umso breiter das Antibiotikum, das er verschreibt …

Ja, genau. Jedenfalls liegen laut Fischer nur bei zehn Prozent der Arztbesucher wirklich gefährliche Erkrankungen vor, die schnell diagnostiziert und behandelt werden müssen. Das führt zu dem Umkehrschluss, dass es bei neunzig Prozent der Patienten völlig egal ist, was der Arzt tut, Hauptsache, er schadet ihnen nicht. Fischer hat wohl nicht ganz unrecht.

Diese Angst um unsere Gesundheit ist die Grundlage für das Florieren einer riesigen Branche, die in Deutschland und in Österreich größtenteils über die Sozialversicherung finanziert wird. Um wie viel Geld geht es da?

In Wahrheit ist die Sozialversicherung der größte Konzern Österreichs. Alles zusammengerechnet kommt man auf einen Jahresumsatz von 48 Milliarden Euro und rund 10.000 Beschäftigte, davon arbeitet die Hälfte in der Verwaltung. Rund vierzig Prozent des Geldes wird für Spitäler aufgewendet, dreißig Prozent für Arzthonorare, zwanzig Prozent für Arzneimittel, etwa 1,5 Milliarden Euro fließen in die Verwaltung.

Aber doch nicht jeder rennt ständig zum Arzt …

Richtig. Achtzig Prozent der Sozialversicherten brauchen nichts und zahlen ihre Beiträge, damit zwanzig Prozent alles bekommen, was sie brauchen. Das letzte halbe Jahr eines Menschen ist das teuerste. Üblicherweise kosten wir in dieser Phase unseres Lebens noch einmal so viel wie die ganzen Jahre davor. Der Sterbeprozess ist sehr, sehr teuer geworden. Aus ethischen Gründen kann man freilich schwer sagen: Sie haben einen metastasierenden Krebs und Sie werden ohnehin sterben, also kriegen Sie keine Behandlung mehr. Die Versicherung besteht eben lebenslang, wir bekommen immer alles, was notwendig ist zur Krankenbehandlung, ob es ein Herzschrittmacher oder eine Organtransplantation ist.

Unser Gesundheitssystem ist sehr dezentral organisiert. Welche Folgen hat das zum Beispiel in Hinblick auf die Pharmaindustrie?

In Österreich leben nur 8,4 Millionen Menschen, aber wir leisten uns ein Gesundheitssystem in Form eines fast unglaublichen Fleckerlteppichs. Es gibt nicht nur neun verschiedene Einkaufsorganisationen der Länder, sondern auch jene der privaten Krankenhäuser, der Ordensspitäler usw. Dem gegenüber stehen mächtige Pharmakonzerne, die nach dem Prinzip „Teile und herrsche!“ arbeiten. Deshalb gibt es selbst innerhalb dieses kleinen Landes unterschiedliche Medikamenten-Einkaufspreise zwischen Vorarlberg und Wien. Sogar die Kommunikation über Einkaufspreise unter den Bundesländern ist höchst mangelhaft.

Können Sie uns beschreiben, wie die Preisbildung bei Medikamenten funktioniert?

Wenn ein Mittel von der Europäischen Arzneimittelagentur in London zugelassen wird, kommt als nächstes die Frage: Was soll es wo kosten? Innerhalb der Europäischen Union gibt es enorme Preisunterschiede bei Medikamenten. Die Pharmakonzerne haben in den einzelnen Ländern ihre Niederlassungen, die versuchen, einen möglichst hohen Preis durchzusetzen. Bei den Preisverhandlungen kommen dann immer zwei blödsinnige Ausreden: Erstens, das Medikament kann nicht billiger angeboten werden, weil die Konzernmutter das verbietet. Zweitens: Was wollen Sie denn, das ist der EU-Durchschnittspreis. Beides sind keine Sachargumente.

Wie funktioniert das in Österreich?

Es beginnt damit, dass eine Pharmafirma ein Präparat dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger verkauft. Abnehmer ist in diesem Fall die Heilmittelevaluierungskommission (HEK). Dort sitzen unter anderem Vertreter der Pharmaindustrie und der Apothekerkammer; der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat aber die Stimmenmehrheit. Ist das Präparat sehr teuer, dann werden Regeln erfunden, wann es verschrieben werden darf.

Was für Regeln?

Es gibt zwei Arten von Medikamenten: Jene, bei denen der Arzt alleine entscheidet, und solche, bei denen er auf jeden Fall die Sozialversicherung fragen muss, bevor er sie verschreibt. Die Sozialversicherung muss binnen einer halben Stunde antworten, sonst gilt das Präparat als bewilligt. Alle anderen Medikamente darf der Arzt grundsätzlich verschreiben, er muss aber mit stichprobenartigen Kontrollen rechnen, ob die Regeln für die Verschreibung eingehalten wurden. Das Problem ist nun: Es gibt keine Sanktionen! Wir wissen, dass etwa die Hälfte der Ärzte nicht regelkonform verschreibt, aber es passiert nichts. Das System ist auf Goodwill aufgebaut, es gibt sozusagen am Gartentor ein Schild „Achtung, gefährlicher Hund“, aber in Wirklichkeit ist da nicht einmal ein Dackel.

Und deshalb wird die Ärzteschaft so von der Pharmaindustrie umworben?

Die Pharmaindustrie verfügt über gewaltige Marketingbudgets, und ihre Vertreter sind straff organisiert: Die oberste Schicht geht zu den Primarii, dann gibt es welche, die die Abteilungsleiter besuchen, und schließlich gibt es eine Crew, die zu den niedergelassenen Ärzten geht und dort versucht, ein Medikament populär zu machen.

Läuft das in ganz Europa nach demselben Muster ab?

Nein. Die Pharmaindustrie teilt Europa in drei Regionen ein: England und Skandinavien gelten als „evidence belt“, also als „Nachgewiesenheitsregion“. Das heißt, wenn der Medikamentenhersteller mit guten wissenschaftlichen Studien aufwarten kann, dann ist er im Geschäft. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelten dagegen als der „eminence belt“, als Zone der Eminenzen: Man muss die Päpste eines Fachgebietes zu einer von der Pharmaindustrie gesponserten Consensus-Konferenz in einer sehr attraktiven Hauptstadt mit einem schönen Abend- und einem Damenprogramm einladen. Und wenn die Eminenzen in der Folge sagen, dieses Mittel ist gut, dann kann man verkaufen. Die unteren Ränge der Ärzteschaft werden zusätzlich zur Verkaufsförderung in billigere Regionen eingeladen wie Skiathos oder Las Palmas. Dann gibt es die dritte Zone, Ost- und Südeuropa, sie gilt als „garlic belt“, also als Schmuddelregion. Dort muss man die Ärzteschaft schlicht mit als Kongressen verkauften schönen Einladungen in Luxushotels „abfüttern“. Die Grenze zwischen dem Eminenzen- und dem Bestechungsgebiet verläuft aber in Wahrheit mitten durch Wien.

Der Medikamentenkonsum steigt seit Jahren. Warum dämmen Selbstbehalte diese Entwicklung nicht ein?

Weil der Selbstbehalt niedrig ist und Großpackungen fördert. Man zahlt in der Apotheke fünf Euro zehn, egal, ob es sich um eine Klein- oder eine Großpackung handelt. Der Patient sagt daher schon beim Arzt verständlicherweise: Verschreiben Sie mir bitte die größere Packung. Beträchtliche Mengen an Medikamenten liegen so in den Haushalten in irgendwelchen Laden und Schuhschachteln und verderben. Die Arzneien werden dann irgendwann weggeworfen und gelangen schließlich wieder über die Flüsse in den Nahrungsmittelkreislauf sowie letztlich in den Organismus. Das ist fatal, und dabei entstehen für das Gesundheitssystem enorme Kosten.

Wie kaufen die Krankenhäuser ihre Medikamente ein?

In den Spitälern ist der Einkauf meistens nicht in den Händen der Ärzte, sondern der Verwaltung. Die Pharmafirmen geben dort aber durchaus großzügig Rabatte und Muster her. Im Gegenzug finden sich diese Medikamente dann als Behandlungsvorschlag auf den Spital-Entlassungspapieren. Die Patienten gehen damit zu ihrem Arzt und pochen darauf, dass er es ihnen weiter verschreibt und nicht ein billigeres Generikum.

Bleiben wir beim Thema Krankenhaus. Woran verdient ein Spital?

Die Spitäler arbeiten nach dem leistungsorientierten Krankenhaus-Finanzierungssystem, bei dem sie für diagnostische und therapeutische Leistungen Punkte beziehen. Ein Spital mit mehr Punkten kriegt auch mehr Geld. Ein Spital verdient also dann, wenn es zu möglichst teuren Diagnosen kommt und möglichst kurze Liegedauern hat. Früher war der Spitalstag das Maß aller Dinge. Damals hat man die Patienten möglichst lang im Krankenhaus liegen lassen, weil das ein Geschäft war. Ein guter Patient war einer, der relativ lang liegt und nichts braucht. Heute will man den Patienten schnell entlassen und Leistungen möglichst auslagern.

Wie ist es möglich, dass ein Spital Leistungen auslagern kann?

Wenn Sie sich für eine Operation anmelden, wird von Ihnen eine Narkosefreigabe von einem Internisten, ein Lungenröntgen und ein präoperatives Laborergebnis verlangt, alles Dinge, die nicht das Spital zahlen muss. Nach der Operation werden die Patienten oft schon entlassen, obwohl die Narben noch nicht fest sind und die Nähte noch liegen. Bei alten Menschen wird dann meist von den Angehörigen versucht, möglichst schnell einen Rehabilitationsaufenthalt genehmigt zu bekommen, den die Sozialversicherung zahlt.

Oder nehmen wir Behandlungsserien, die im Krankenhaus kontrolliert werden müssen, zum Beispiel sehr teure Rheuma-Infusionen. In solchen Fällen versucht das Spital die Sache auszulagern, indem man dem Patienten ein Privatrezept mit auf den Weg gibt. Der muss damit zur Sozialversicherung gehen, dann zur Apotheke und schließlich wieder ins Spital. Es ist eines der vielen Fouls, bei denen nur versucht wird, Kosten auszulagern.

Dafür bekommt man im Spital als Patient meistens gleich eine Infusion.

Das stimmt. Spitalsärzte ordnen anfangs gerne Infusionen an, damit der Patient das Gefühl hat, es geschieht was. Die Frage ist, was denn da in die Venen gelangt: Ist es nur ein isotonisches Vitaminpräparat oder ein echtes Medikament? Ein Krankenhaus wird versuchen, Leistungen zu forcieren, die finanziell hoch bewertet werden. Für das Anlegen von Infusionen erhält ein niedergelassener Arzt übrigens eine Menge Geld, daher sind Infusionen auch in Arztpraxen sehr beliebt.

Wenn Sie ein neues Hüftgelenk bräuchten, würden Sie sich lieber in einem öffentlichen oder einem privaten Spital behandeln lassen?

Ich persönlich würde mir in einem Privatspital kein Hüftgelenk einsetzen lassen. Erstens, weil ich den ökonomischen Druck dort auf den Arzt fürchten würde. Und zweitens, weil ich auf eine eingespielte Mannschaft Wert lege. Ich sage es jetzt sehr polemisch: Es soll schon vorgekommen sein, dass Kinder deshalb durch Kaiserschnitt auf die Welt kamen, weil der natürliche Geburtstermin mit dem Opernbesuch des Arztes kollidiert wäre.

Können Sie uns die Sache mit dem ökonomischen Druck erklären?

Alles was im Körper verbleibt, von der Augenlinse bis zum künstlichen Gelenk, muss der Spitalserhalter bezahlen. Aus diesem Grund könnte es natürlich sein, dass die Geschäftsführung eines Krankenhauses zu einem billigeren Hüftgelenk oder Herzschrittmacher drängt, obwohl aus ärztlicher Sicht vielleicht ein teureres besser wäre. Das trifft vor allem auf kleine Privatkrankenhäuser zu.

Ist die gefürchtete Zweiklassenmedizin schon Realität?

Wir haben keine Zweiklassenmedizin. Wir haben eine Dreiklassenmedizin. Die unterste Gruppe sind die normalen Kassenpatienten, die mittlere Gruppe sind die, die als Privatpatienten zahlen, die dritten sind die, die jemanden kennen. Wenn man das Gefühl hat, man muss unter dem Tisch zahlen, damit man früher zu einer gesetzlich garantierten Leistung kommt, dann ist etwas faul.

Warum sind Reformen etwa im Spitalsbereich so schwierig?

Krankenhäuser sind Landessache und haben einen historisch gewachsenen Standort. Es gibt welche, die in Postkutschendistanz existieren. Rund um Wien zum Beispiel Korneuburg, Stockerau, Gugging, Klosterneuburg, Baden, Mödling. Zu einer Spitalsreform braucht man die Länder. Die Landeshauptmänner aber fürchten den Gegenwind bei einer Schließung, nicht nur wegen der verlorenen Arbeitsplätze, sondern es geht auch um den Verlust von politischem Einfluss. Der lange Arm des Landeshauptmanns reicht ja in die Spitäler hinein, wo dann gilt: wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Und obwohl der Landeshauptmann das Sagen hat, trägt das jeweilige Bundesland keineswegs die gesamten Kosten für das Spital. Die Sozialversicherung zahlt zum Beispiel bis zu vierzig Prozent mit, hat aber absolut keinen Einfluss.

Kommen wir zu den Arztpraxen. Häufig wird bemängelt, dass der Arzt nicht genügend Zeit für den Patienten aufbringt. Warum honorieren die Krankenkassen eigentlich nicht den Zeitfaktor?

Das liegt an den Honorarkatalogen. Das sind über Generationen von der Ärztekammer und den Krankenkassen ausgehandelte Werke, die festlegen, was bezahlt wird: Die Spritze ins Gelenk, die Spritze unter die Haut, das EKG, das alles wird mit Punkten bewertet und schließlich entsprechend honoriert. Die Zeit an sich, die ein Arzt seinem Patienten widmet, wäre natürlich auch etwas wert, wird aber nicht bewertet. Warum? Weil es für eine Standesvertretung äußerst gefährlich wäre. Weil man sonst irgendwann sagen könnte, wie viel eine Minute beim Arzt eigentlich kostet. Weiters könnte man dann aufgrund der Anzahl der Patientenbesuche und der täglichen vier oder fünf Stunden, die der Arzt in seiner Ordination verbringt, knallhart ausrechnen, dass der Arzt im Schnitt nur drei oder vier Minuten Zeit pro Patient aufwendet.

Ist das wirklich so?

Früher galt die Faustregel: Wenn ein Arzt 1.000 Krankenscheine pro Quartal sammeln konnte, war es eine gute Praxis. Die Spitzenverdiener schafften bis zu 2.000 Krankenscheine. Solche Scheinzahlen lassen sich natürlich nur erzielen, wenn man als Arzt mit der Zeit knapp umgeht. Der Arzt ist selbst oft unzufrieden, weil er nicht honoriert kriegt, wenn er sich für den Patienten Zeit nimmt und sich abstrudelt. Er vergisst aber, dass der Leistungskatalog ein historisch gewachsenes Produkt von Verhandlungen zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung ist.

Das Gefühl, wie am Fließband behandelt zu werden, treibt Patienten ja auch zu Heilpraktikern und Alternativmedizinern, die sowohl Zeit haben als auch Hoffnung verbreiten, wo die Schulmedizin schon kapituliert hat. Wie denken Sie über die Alternativmedizin?

Wenn man heute auf die Methoden der Schulmedizin aus früheren Epochen blickt, kommt einem das entsetzlich vor. Im Barock zum Beispiel glaubte man fest, Krankheit sei ein Stoff, den man durch Aderlass, durch Erbrechen, durch Klistieren, durch Schwitzkuren aus dem Körper entfernen müsse. Die Schulmedizin hat damals Menschen reihenweise getötet. Samuel Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie, stammt aus jener Zeit. Er war ein Mensch des Barock, der vor Mozart geboren wurde. Die Homöopathie war damals im Vergleich zur Schulmedizin eine menschliche Methode, weil sie dem Patienten die Chance gab, die ärztliche Behandlung zu überleben.

Heute ist Alternativmedizin ein Bereich, den auch Ärzte betreiben, weil er nicht preisgeregelt ist und weil es die Leute wollen. Große Studien vernichten die Alternativmethoden, aber das, was die Alternativmedizin kann, ist, Zeit und Hoffnung zu geben. Der Alternativarzt nimmt sich richtig viel Zeit, die auch finanziell honoriert wird, baut ein Vertrauensverhältnis auf und präsentiert sich als Helfer. Das mögen die Patienten, auch wenn er nicht wirklich helfen kann.

Neben der alternativen Medizin erlebt auch die ästhetische Chirurgie einen Boom. Wie sehen Sie da die Entwicklung?

An und für sich ist die plastische Chirurgie der klassische Zweiteingriff, zum Beispiel um nach einer Unfallverletzung durch einen Sekundärangriff etwas zu verbessern. Was wir heute sehen, ist die Geschäftemacherei mit der ästhetischen Chirurgie. Das hat sich zu einem echten Problem für die Sozialversicherungen entwickelt. Ich finde, wenn mir meine Nase nicht recht ist, wenn einer Frau ihre Brust zu klein ist oder ihr der Bauch nach drei Geburten nicht mehr gefällt, dann sollten solche Operationen nicht aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Tatsächlich ist aber eine ganze Branche, die mit diesen Dingen blendend verdient, damit beschäftigt, der Sozialversicherung solche Kosten aufzuoktroyieren. Aber dafür ist die Solidargemeinschaft nicht da. Dazu kommt: Meistens haben die Patienten ja eher ein psychisches, ein Selbstwertproblem. Und so wie sie gerne ausschauen würden, werden sie auch nach vielen Schönheitsoperationen nie aussehen.

Nehmen wir an, Sie wären Gesundheitsminister und hätten die Macht, echte Reformen durchzusetzen. Was würden Sie tun?

Bei den Medikamenten würde ich die Rezeptgebühren nach dem Nutzen und nach der Packungsgröße in fünf Stufen prozentuell staffeln. Die höchste Gebühr wäre für Lifestyle-Präparate zu zahlen, bei lebensnotwendigen Medikamenten wäre es der niedrigste Satz.

Bei den Spitälern sollte man die Macht der Länder brechen. Das würde zu einer Konsolidierung der Standorte und der Angebote führen. Es kann doch nicht sein, dass teure Großgeräte nur wenige Kilometer voneinander entfernt angeschafft werden, nur weil eine Landesgrenze dazwischen liegt.

Und bei den Ärzten würde ich eine leistungsgerechte Honorierung entwickeln, die auch den Zeitfaktor berücksichtigt. Also weg von einer Liste technischer Leistungen wie bisher.

Ist unser Gesundheitssystem überhaupt noch finanzierbar?

Durchaus. Um das System auch in Zukunft zu finanzieren, gibt es drei Möglichkeiten. Erstens die Beitragserhöhung. Würde man die Beiträge nur um ein Zehntelprozent erhöhen, wäre sofort Geld in der Kasse, ohne dass es die Leute merkbar belasten würde. Der Nachteil: Sobald mehr Budget da ist, wollen alle mehr Geld. Die Ärztekammer, die Pharmakonzerne und so weiter. Da muss man also vorsichtig sein.

Die zweite Möglichkeit sind Selbstbehalte. Selbstbehalte bedeuten die Entsolidarisierung nach unten. Die sozial Schwachen leiden darunter stärker als Gutverdiener. Für den Bezieher einer Mindestpension sind siebzig Euro viel Geld, für einen Manager ein Klacks.

Die dritte Möglichkeit wäre die Erhöhung der Höchstbemessungsgrundlage, das heißt, die höheren Einkommen müssten mehr zahlen. Das ist die Entsolidarisierung nach oben, die zu Protesten der Besserverdienenden führt, die für die gleiche Leistung künftig mehr berappen müssten.

Was sollte man also tun?

Alles hat sein Für und sein Wider. Ich denke, man sollte alle drei Möglichkeiten in weiser Abstimmung zueinander gezielt verwenden. Bei bestimmten Leistungsarten wie etwa bei Medikamenten wären höhere Selbstbehalte sinnvoll. Bei anderen Leistungsformen wäre eine Erhöhung der Bemessungsgrundlage gerechtfertigt, und für manche Bereiche wäre eine Beitragserhöhung sinnvoll. Man kann zum Beispiel einer Bevölkerung, die immer älter wird, nicht sagen, ihr kriegt alle ein Pflegegeld, aber ihr müsst nicht mehr dafür bezahlen.

Wäre die Bevölkerung dazu bereit?

Meiner Meinung nach garantieren die Sozialversicherung und unser Gesundheitssystem mit all seinen Schwächen den Frieden im Land. Nicht das Bundesheer und nicht die Polizei. Wir wissen, was wir zu verlieren haben, wir wissen, dass wir im Alter und im Krankheitsfall sicher versorgt sind. Darum sind bei uns soziale Konflikte nie so scharf wie anderswo.

Und wären die Player im Gesundheitssystem auch zu Einsparungen zu bewegen?

Ja, schon, aber nur, wenn es die anderen betrifft. Das Lieblingsprinzip ist hier jenes des heiligen Florian, und das lautet: Ich bitte dich, heiliger Florian, verschon mein Haus, zünd’ andere an.

Heilen mit Düften

Sie reinigen die Raumluft, heben die Stimmung und heilen sogar Krankheiten. Und sie riechen gut: Ätherische Öle wirken – vorausgesetzt, sie sind auch wirklich echt.

Lavendel von der französischen Mittelmeerküste, Orangen und Zitronen aus dem Herzen von Italien, Eukalyptus aus dem Norden Australiens oder Zimt, Kardamom, Anis und Nelken, wie sie in den Souks von Marrakesch feilgeboten werden. All diese herrlichen Düfte kann man sich heutzutage leicht und schnell ins Wohnzimmer holen: mit ätherischen Ölen. Und die können was! Vorausgesetzt, sie sind echt. Dann helfen sie uns zu entspannen, sie heben unsere Stimmung, regen uns an oder verhelfen uns zu gutem Schlaf. Energetiker sehen in den ätherischen Ölen die Persönlichkeit, die Energie und die Seele der Pflanzen. Und jede Pflanze und somit das daraus gewonnene ätherische Öl hat eine eigene Wirkung. Sei es für die Heilung und Linderung von körperlichen Beschwerden, die Veränderung der persönlichen Stimmung oder die Reinigung der Luft von Bakterien.

Ätherische Öle gelten als Signalstoffe und spielen in der Pflanzenwelt eine bedeutende Rolle. Beispielsweise benützen Pflanzen die speziellen Düfte, um Schädlinge fernzuhalten. So dienen sie als natürlicher Holzschutz – zum Beispiel ist Zedernholz gegen Schädlinge nahezu resistent. Uns Menschen hilft das ätherische Öl der Zeder nachgewiesenermaßen gegen Akne, Juckreiz, Nervosität sowie gegen die Frühjahrsmüdigkeit.

Die Tradition der Verwendung ätherischer Öle zu Heilzwecken reicht mehr als 5.000 Jahre zurück. Bereits die Indianer Nordamerikas haben sich die Kraft der Pflanzen zunutze gemacht und zum Beispiel den Gelben Jasmin gegen Kopfschmerzen und auch gegen Fieber eingesetzt. „Nicht selten könnte man durch den gezielten Einsatz von ätherischen Ölen auch den Antibiotikaverbrauch reduzieren“, weiß der Wiener Facharzt für Lungenheilkunde am Otto-Wagner-Spital, Dr. Wolfgang Steflitsch, der auch medizinischer Aromatherapeut ist – einer von gegenwärtig etwa zehn in Österreich.

Getrieben durch die Defizite einer kalten Apparatemedizin sind heute immer mehr Menschen bereit, dem Trend der sanften Medizin zu folgen, getreu dem Motto „nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen“. Allein in Österreich werden jährlich circa 41 Millionen Euro mit Homöopathika umgesetzt, Tendenz stark steigend. Auch die Nachfrage nach ätherischen Ölen nimmt stetig zu. Weltweit werden mit insgesamt rund 120 verschiedenen Ölen über 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Bedarf beläuft sich auf 50.000 bis 60.000 Tonnen pro Jahr, davon sind rund ein Drittel Zitrusöle.

Tagtäglich kommen wir auch unbewusst mit ätherischen Ölen in Kontakt. Etwa beim Kochen, wenn wir frische Zwiebeln aufschneiden. Verursacht durch die ätherischen Öle, die an der Schnittstelle der Zwiebel freigesetzt werden, beginnen unsere Augen zu tränen. Dies hat man früher regelmäßig und erfolgreich genutzt, um Erkältungen zu heilen, heute ist dieses effektive Hausmittel nur mehr wenigen Leuten bekannt und wird vor allem Kindern in Form eines Brustwickels mit Zwiebeln verabreicht. Dabei werden einige gehackte Zwiebeln auf ein feucht-warmes Tuch gegeben und auf der Brust fixiert. Die ätherischen Öle werden über die Haut aufgenommen und helfen so beim Überwinden der Erkrankung. Ausprobieren lohnt sich: Bereits am nächsten Morgen können die Kleinen schon deutlich leichter durchatmen!

Qualität und Reinheit sind die wichtigsten Grundlagen für die Wirksamkeit ätherischer Öle. Natürliche ätherische Öle haben eine tiefe Wirkung auf unsere physische und psychische Balance. Sie können oral eingenommen werden (dabei gelangen die Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt oder über die Mundschleimhäute in den Blutkreislauf), über das Auftragen auf die Haut (durch die kleine Molekularstruktur gelangen sie in den Körper und beeinflussen auf diese Weise den gesamten Organismus) oder durch Luftzerstäubung (durch die Nase gelangen die Stoffe in das vegetative Nervensystem). Die gebräuchlichste Verwendung der Luftverstäubung sind Duftlampen. Ätherische Öle wie zum Beispiel Bergamotte, Lavendel, Melisse oder Weihrauch können olfaktorisch gegen Stress, Schlafstörungen oder Angstzustände wirken. Mit ihrer Fähigkeit, die Haut zu durchdringen, helfen unter anderem Minze, Kampfer, Eukalyptus und Rosmarin speziell bei Muskel- und Gelenksschmerzen, während etwa Rose, Thymian und Muskatellersalbei bei Kopfschmerzen heilsam wirken.

Ätherische Öle werden auf drei Arten hergestellt: durch Wasserdampfdestillation, durch Kaltpressung oder Extraktion. Beim Destillieren treibt Wasserdampf das ätherische Öl aus der Pflanze. Mittels Kondensation über einem gekühlten Rohr wird das Öl anschließend vom Wasser getrennt. Bei der Kaltpressung wird das Öl aus der Schale gepresst, dieses Verfahren wird vor allem bei Zitrusölen angewendet. Extraktion hingegen kommt bei Blütenölen zum Einsatz. Dabei werden der Pflanze mit einem Lösungsmittel alle löslichen Aromastoffe entzogen, anschließend wird das Lösungsmittel abdestilliert, die Reste werden mit Alkohol extrahiert. Zurück bleibt das reine ätherische Öl.

Doch Achtung: Nicht überall, wo „ätherisches Öl“ drauf steht, ist auch 100 Prozent Natur drin. Da der Begriff „ätherisch“ lediglich vom griechischen „aither“ („Element des Lebens“) abgeleitet wird und nur aussagt, dass es sich um eine flüchtige, nicht erfassbare Substanz handelt, kann der Begriff „ätherisches Öl“ nicht geschützt werden. Dies nutzt die Industrie weidlich aus und verwendet in der Werbung „ätherisches Öl“ auch für rein synthetische Produkte, die man unbedingt vermeiden sollte.

Zur Unterscheidung werden ätherische Öle in drei Gruppen eingeteilt: 100 Prozent natürlich, naturident und synthetisch. Naturreine Öle werden zu 100 Prozent aus Pflanzen gewonnen, auf den Fläschchen sind sie mit „g&a“ gekennzeichnet – genuin (unverändert) und authentisch. Natürliche Öle können aber auch aus mehreren verschiedenen 100-prozentig natürlichen Komponenten zusammengesetzt werden, wobei sich im Produkt dann eben nicht ausschließlich die namensgebende Pflanze befindet. Eine Mischung natürlicher Öle mit synthetischen Zusätzen bezeichnet man als natürlich/naturident (N/NI), wobei naturident nichts anderes heißt, als dass sie künstlich hergestellt sind. Dank EU ist diese Art der Konsumententäuschung auch wie bei Aromen möglich – und völlig legal! Auf den Fläschchen findet man hier oft die Abkürzung EuAB (Europäisches Apothekerbuch), was aber über die absolute Natürlichkeit des Produkts nichts aussagt. Zu guter Letzt gibt es rein synthetische Öle, in denen – wie der Name schon verrät – absolut keine Natur steckt. Sie werden zur Gänze chemisch hergestellt, trotzdem ist es erlaubt, sie als ätherische Öle zu kennzeichnen. Von ihnen darf man sich keinesfalls positive Wirkungen wie Heilung, Wohlbefinden oder Gesundheitsförderung erwarten. Selbst zum Beduften von Räumen sollte man sie nicht verwenden, da sie unsere natürliche Geruchsempfindung gleichsam „verstellen“ und bei Kindern die Entwicklung des Geruchssinns behindern können.

Der Geruchssinn ist einer der sechs Sinne des Menschen und gleichbedeutend mit Hören und Sehen. Obwohl die Wirkungen von Gerüchen bisher nur in Ansätzen wissenschaftlich erforscht sind, sagen Ärzte wie Dr. Wolfgang Steflitsch, dass sie keinesfalls zu bestreiten sind.

In der kalten Jahreszeit lassen sich durch Verwendung von ätherischen Ölen wie beispielsweise Eukalyptus, Latschenkiefer oder Fichte Halskratzen, virale Infekte und Entzündungen lindern. „In der Lungenheilkunde ist die Behandlung mit ätherischen Ölen sicher und zuverlässig, und zwar sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von bronchopulmonalen Krankheitsbildern“, resümiert Lungenfacharzt Steflitsch. Auch die Raumluft lässt sich mithilfe von ätherischen Ölen leicht reinigen. Gerade im Winter verbringen wir bis zu 80 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen, die wir zudem meist nur unzureichend lüften. Litsea oder Zeder reinigen mit ihren bakterien-, hefe-, schimmel- und milbentötenden Eigenschaften rasch die Raumluft. Und sie halten Allergieauslöser und Infektionsquellen fern. Zudem steigern sie unser Wohlbefinden und wirken sich positiv auf Gedächtnis, Motivation und Stimmung aus. Wunderbar!

Abnehmen, Appetitzügler, Fastenkuren Wacholder
Angst, Pessimismus und Nervosität Lavendel, Melisse, Orange, Weihrauch, Ylang Ylang, Zeder, Zitrone, Zypresse
Antriebslosigkeit, Arbeitsscheu,Desinteresse, mangelnde Lebensfreude Bergamotte, Eukalyptus, Kampfer, Kanuka, Lavendel, Melisse, Rose, Rosmarin, Schafgarbe, Ylang Ylang, Zirbe, Zypresse
Burnout Ingwer, Kardamom, Zitronengras, Orange, Rosmarin, Zitrone
Darmkrankheiten Basilikum, Ingwer, Lavendel, Myrte, Nelke, Thymian, Wacholder, Zimt
Depressive Verstimmung, Schock,seelischer Schmerz, Eifersucht, Trauer Arnika, Bergamotte, Lavendel, Melisse, Rose, Ylang Ylang, Zirbelkiefer
Duft Frühling Citronella, Krauseminze, Zitronengras, Pfefferminze, Zitrone, Zitronenmelisse
Duft Sommer Blutorange, Grapefruit, Lavendel, Limette, Lindenblüte, Rose
Duft Herbst Kiefer, Latschenkiefer, Rosenholz, Rosmarin
Duft Winter Fichtennadel, Geranium, Latschenkiefer, Mandarine, Nelke, Orange, Rosenholz, Sternanis, Zedernblätter, Zimt
Einschlafstörungen Kamille, Majoran, Lavendel, Melisse, Orange, Rosenholz, Sandelholz, Scharfgarbe
Erkältung, Infekte, Frieren Cajeput, Eukalyptus, Fichte, Kampfer, Latschenkiefer, Limette, Myrrhe, Myrte, Rosmarin, Sandelholz, Ysop, Zimt
Erschöpfung, schwere Glieder Bergamotte, Fichte, Koriander, Mandarine, Rose, Thymian, Wacholder, Zeder, Zirbe
Fieber Bergamotte, Eukalyptus, Ingwer, Kamille, Kampfer, Lavendel, Zitronengras, Orange, Rose, Zitrone
Halsschmerzen Bergamotte, Cajeput, Niaouli, Sandelholz, Zitrone
Immunsystemstärkung Minze, Rosmarin, Zitrone
Kopfschmerzen Ingwer, Lavendel, Melisse, Minze, Muskatellersalbei, Rose, Thymian
Kreuzschmerzen, Muskelschmerzen Cajeput, Eukalyptus, Fichte, Kampfer, Minze, Niaouli, Rosmarin, Wacholder, Zirbe
Lernstress, Gedächtnisstärkung Nelke, Niaouli, Rosmarin
Morgenmuffel Bergamotte, Lavendel, Melisse, Rose, Rosmarin, Ylang Ylang, Zirbe, Zitrone
Ohrenschmerzen Cajeput, Lavendel, Niaouli
Raucherentwöhnung Rosmarin, Sassafras, Schafgarbe, Zirbe
Schlaflosigkeit Baldrian, Hopfen, Jasmin, Kampfer, Neroli, Orange, Rosenholz, Sandelholz, Thymian,Wacholder, Ylang Ylang

Raus aus dem Burnout

Weil die Versorgung Betroffener über die Krankenkasse denkbar schlecht ist, gibt es neuerdings private Kuren gegen das Burnout-Syndrom. Ein Kurhotel in der Nähe von Wien hat hier die Nase vorn. Und zeigt, wie man dem Teufelskreis der Krankheit entrinnt.

Mann schwebt in der Luft
Foto: © Liam Norris / cultura / Corbis

„Die Depression bedroht die westlichen Demokratien“, schrieb der US-Ökonom Paul Krugmann vor kurzem. Während damit natürlich die Folgen von krisenhaften Entwicklungen auf der Ebene der Volkswirtschaft gemeint waren, ist uns die Depression vor allem als psychisches Phänomen bekannt. Aber auch dieses ist bedrohlich, ist es doch im Vormarsch. Fast scheint es sogar, als wäre die gesamte Industriezivilisation auf dem Weg in die Psychiatrie: Bereits mehr als elf Prozent der Bevölkerung sind vom Burnout-Syndrom betroffen – Tendenz stark steigend.

Weil die Versorgung Betroffener über die Krankenkasse so unsäglich schlecht ist, haben sich mittlerweile auch private Kuranbieter des Themas angenommen, das renommierte Kurhotel Pirawarth in der Nähe von Wien war übrigens einer der Ersten.

„Burnout“, sagt Dr. Regina Hochmair, Ärztin und Leiterin der Burnout-Programme im Kurhotel Pirawarth, „verläuft in mehreren Phasen, also als Prozess mit steigender Intensität, der sich im fortgeschrittenen Stadium durch hochgradige emotionale Erschöpfung im Verbund mit körperlicher Schwäche und reduzierter Leistungsfähigkeit bemerkbar macht“.

Je nach wissenschaftlicher Lesart werden bis zu zwölf Krankheitsstadien unterschieden, von denen die ersten drei wohl besonders gefährlich sind, weil die Symptome völlig harmlos erscheinen. Denn in ihnen erlebt man sich als kraftvoll und energiegeladen, viele Menschen arbeiten dann immer mehr, bis spät in die Nacht hinein, und sie sind stolz auf ihre Erfolge. Verleugnen sie dabei aber ihre eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse, dann kommt ihnen schrittweise auch die Fähigkeit, sich zu entspannen und zu erholen, abhanden. Das allmähliche Abgleiten in die nächsten Stadien folgt: Konflikte werden verdrängt, Probleme in immer stärkerem Ausmaß geleugnet, es kommt zu Frustration, Leistungsabbau und stetiger Verflachung des seelischen und sozialen Erlebens. Am Ende warten innere Leere, Depressionen – und die völlige Erschöpfung.

In den meisten Fällen, so Dr. Hochmair weiter, gibt es einen Krankheitsauslöser im Berufsleben. Vorwiegend handelt es sich dabei um Menschen, die „brennen“ – und daher auch ausbrennen! – können. Solche, die sich mit überdurchschnittlich viel Idealismus, Ehrgeiz und Perfektionismus in die Arbeit stürzen. Strukturen, wie man sie häufig in „Corporate Jobs“, also in den Bürokratien multinationaler Konzerne findet, tun ein Übriges dazu: unklare Hierarchien, unfaire oder schlecht qualifizierte Vorgesetzte, eine Hire-and-Fire-Praxis und nicht zuletzt eine so extreme Arbeitsteilung, bei der man nicht selten gar nicht mehr weiß, wofür man einen Arbeitsschritt macht und welche Rolle er überhaupt für das Produkt oder im Unternehmen spielt, wodurch einem der Sinn der eigenen Arbeit unweigerlich aus den Augen geraten kann.

Weil diese Verhältnisse kaum veränderbar sind – schon gar nicht kurzfristig –, müssen die zentralen Fragen im therapeutischen Ansatz lauten: Wie kann ich meine psychische Gesundheit und meine Arbeitsfähigkeit erhalten, wie kann ich erlernen, mich vom Stress nicht mehr stressen zu lassen? Dr. Regina Hochmair: „Es geht darum, bei den Betroffenen das psychische Selbstmanagement in Gang zu bringen, das ihnen ermöglicht, jene Kräfte zu entwickeln, die sie brauchen, um für die immer größeren Anforderungen der Berufswelt gerüstet zu sein.“

Charakteristisch für Burnout-Patienten ist, dass sie sich ihrer eigenen Situation kaum bis gar nicht bewusst sind und daher in einem Teufelskreis stecken. Diesem aus eigener Kraft zu entrinnen, ist schwierig bis unmöglich, professionelle Hilfe wird unumgänglich. Gefragt sind effiziente Therapiekonzepte, und zwar in einem möglichst frühen Stadium. Deswegen wurden im Kurhotel Pirawarth Kurzzeitprogramme entwickelt, die im Regelfall sieben Tage dauern und bei Bedarf verlängert werden können.

Mann streckt sich und genießt
Foto: iStockphoto

Die Wichtigsten von ihnen heißen Pirafit-Kraftkur und Pirafit-Auszeitkur und sind hochwirksame Programme, mit denen schon in kurzer Zeit viel erreicht werden kann. Sie umfassen die fachärztliche Abklärung von möglichen körperlichen Ursachen ebenso wie Entspannung, Training für den Körper sowie eine Art von mentalem „Reset“-Programm.

Auch genussvolles Essen darf nicht zu kurz kommen – und das hat medizinischen Hintergrund! Dr. Hochmair: „Unter Stress geht die Fähigkeit zu genießen verloren, Essen wird, ebenso wie Alkohol oder Nikotin, nur noch zur Stressreduktion genützt. Burnout-Betroffene essen entweder viel zu viel oder fast gar nichts mehr, und sie vernachlässigen die soziale Funktion der Mahlzeiten.“ Auch in diesem Bereich setzt die Pirafit-Kur an.

Während die Kraftkur für jene maßgeschneidert ist, die einen besseren Umgang mit Stress erlernen wollen, und daher vorbeugenden Charakter hat, wendet sich die Auszeitkur an Menschen, die sich bereits in einem der insgesamt 12 Stadien befinden.

Die Kuren wirken: Der Schlaf wird erholsamer, die Konzentration verbessert sich. Die subjektiv empfundene Belastung wird geringer – und die schon verloren geglaubte Kraft kehrt zurück.

Weiterführende Links: Special Burnout

Mehr Info: Fon +43-(0)2574-29160-0, www.burnout-hilfe.at und relax-guide.com

© Coverbild: © Liam Norris / cultura / Corbis

SYMPTOME VON BURNOUT

Sozialverhalten Gedankenverlorenheit, Kontaktvermeidung, Zuhörschwierigkeiten, Desinteresse, Verständnislosigkeit
Mentale Leistungsfähigkeit Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Entscheidungsunfähigkeit
Emotionale Reaktionen Angst und Nervosität, Schuldgefühle, Schuldzuweisung, reduzierte Selbstachtung, Gefühl von Unzulänglichkeit, Humorlosigkeit, Gleichgültigkeit
Psychosomatik Schlafstörungen, sexuelle Probleme, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust
Körperliche Reaktionen Kopfschmerzen, häufige Erkältungen, Ekzeme, Allergien, Magen- und Verdauungsbeschwerden, Atembeschwerden, Muskelverspannungen

Für immer gesünder

Wir wissen, dass er sogar über unsere Zukunft entscheidet, aber wir tun nichts dafür: Die Rede ist von einem gesunden Lebensstil. Wie man ihn ganz einfach erlernt, das verraten die Spezialisten der Gesundheitshotels in Niederösterreich.

Frau lächelt mit einem Buch in der Hand
Fotos: La Pura / Christian Wöckinger

Gegen lang gepflegte Angewohnheiten anzukämpfen ist eines der schwierigsten Dinge überhaupt. Zu diesen Angewohnheiten des modernen Menschen gehört das Prokrastinieren, auch bekannt als „Aufschieberitis“. Ein Begriff der letzten Jahre, er bezeichnet mangelnde Selbstdisziplin, schlechte Planung und die erst späte Überwindung, sich dringend notwendigen Aufgaben zu widmen. Die Aufschieberitis betrifft viele Lebensbereiche: Seminararbeiten auf der Uni (die stets erst wenige Stunden vor Verstreichen der Abgabefrist fertig werden, auch wenn das Thema seit Monaten feststeht), den Kauf von Weihnachtsgeschenken (unfasslich die Massen in einem Spielzeugladen am Vormittag des 24. Dezember, dabei ist doch der Heilige Abend immer am selben Datum) oder, und hier wird es wirklich heikel: unsere Gesundheit. Im Extremfall wird erst ein Herzinfarkt oder eine schwere Depression uns dazu bringen, etwas für uns zu tun.

Genau hier setzen die niederösterreichischen Gesundheitshotels an: mit Konzepten zur Gesundheitsvorsorge, mit gesunden Angeboten. Dabei geht es aber nicht um Gesundenuntersuchung, sondern um viel mehr: um eine gezielte Änderung des Lebensstils. Die Experten in diesen Häusern sind sich aber auch bewusst, dass diese so ungemein schwierige Aufgabe eine ziemlich individuelle Angelegenheit ist. Schließlich hat jeder einzelne andere schlechte Gewohnheiten, bei jedem haben sich andere Lebensstilfehler eingeschlichen. Es braucht also verschiedene Konzepte, verschiedenartige therapeutische und medizinische Ansätze.

Im Gesundheitshotel Klosterberg etwa, einem beschaulich an einem Südhang gelegenen Familienbetrieb, der für seine Fastenprogramme bekannt ist, finden Stressgeplagte, die verlernt haben, Nein zu sagen, die mit den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr zurechtkommen, zu einem ruhigeren Rhythmus. Das entgiftende Fasten ermöglicht dem überanstrengten und übersäuerten Organismus einen Neubeginn.

Das Lebens-Resort Ottenschlag indes hat sich auf Burnout-Prävention spezialisiert: Mit einem ausgewogen konzipierten Wechsel aus Bewegung und Entspannung sorgt man hier, im mystischen Waldviertel, für eine Neuordnung von Körper und Geist. Gesundheitspsychologische Beratung ist genauso Bestandteil wie Biofeedback, das einem stressbedingte biologische Vorgänge wie etwa eine veränderte Atmung buchstäblich vor Augen führt – am Computer nämlich. Man lernt dabei, sich bewusster wahrzunehmen und unter anderem zwischen Anspannung und Entspannung zu unterscheiden.

In den sogenannten „Wiener Alpen“ des südlichen Niederösterreichs hingegen ist die Vermeidung von Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen Programm: so etwa im Viersternkurhotel Gesundheitsresort Königsberg in Bad Schönau, wo man erfolgreich auf die Heilkräfte der natürlichen Kohlensäure setzt.

Frau liegt auf einer Liege und wird massiert

Ein höchst ungewöhnliches Haus ist das neue La Pura in Gars am Kamp. In das großzügig modernisierte „Dungl“ von ehedem haben nämlich nur Frauen Zutritt, demnach wird der Schwerpunkt nicht nur auf ganzheitliche Regeneration, sondern auch auf die medizinische Bekämpfung frauentypischer Probleme gelegt, etwa der Cellulite. Dem kritischen RELAX Guide gefiel jedenfalls das Konzept dieses „Woman’s Health Resorts“ genauso wie das sensibel und mit weiblichem Blick gestaltete Ambiente so sehr, dass er dem La Pura auf Anhieb drei Lilien verlieh.

Im oberen Waldviertel, im Moorheilbad Harbach, geht man gegen eines der meistverbreiteten Leiden unserer Zeit vor: Schmerzen im Rücken. Wir sitzen zu viel, bewegen uns zu wenig – unter diesem Ungleichgewicht leidet unsere Wirbelsäule enorm. In Harbach nützt man die Heilkräfte des Waldviertler Moors für Packungen, unterstützt deren Wirkung mit Heilmassagen und komplettiert das Rückenfit-Wochenprogramm mit Wirbelsäulentraining und den so wichtigen Anleitungen für das richtige Trainieren zu Hause. Denn das ist ein ganz wichtiger Punkt, für das Moorheilbad Harbach genauso wie für alle anderen Gesundheitshotels in Niederösterreich: die nachhaltige Motivation. Denn die Änderung des Lebensstils muss im Alltag weitergehen.

Wer jetzt – endlich – etwas für seine Gesundheit tun will, der findet auch in anderen Regionen des Bundeslandes zahlreiche Hotels mit Angeboten für einen kurzen oder auch längeren Gesundheitsurlaub. Egal, ob man Stressmanagement, Fitness, Fasten, Rückenprogramme oder einfach nur eine Auszeit sucht – in Niederösterreich wird man immer fündig.

Weiterführende Links: Ayurveda

Mehr Info: Fon +43-(0)2742-9000-9000 und gesundheit.niederoesterreich.at

Burnout verhindern

Mitten in Deutschland: In einem gräflichen Anwesen wurde ein effektives Programm zur Burnout-Prävention entwickelt. Es umfasst Diagnostik und Therapie nach neuesten Erkenntnissen. Und wird inmitten eines wunderbaren Ambientes geboten. Zielgruppe sind Manager, also „High Performer“, die mit viel Stress leben müssen.

Mann liegt bei einem Brunnen und sieht in die Ferne
Fotos: Gräflicher Park Hotel & Spa

Eigentlich braucht es nicht Fälle wie den Chef des größten Medienkonzerns von Europa, der vor kurzem, im Alter von 53 Jahren, seinen Job „wegen Erschöpfung“ aufgeben musste, auch im persönlichen Umfeld kann man es bemerken: Die Zahl der Burnout-Fälle steigt dramatisch an. Informationsflut, die fatalen Auswirkungen von Globalisierung und entfesselten Finanzmärkten auf unsere Arbeitsplätze und die immer turbulentere Beschleunigung aller Lebensbereiche bleiben nicht ohne Folgen. Nach aktuellen Schätzungen sind bereits mehr als elf Prozent der Bevölkerung vom Burnout-Syndrom betroffen – zumeist ohne dass es ihnen bewusst ist.

Es sind Zahlen, die alarmieren: Jeder dritte Deutsche steht am Rande eines Burnouts. 6,3 Milliarden Euro entstehen allein der deutschen Volkswirtschaft an Kosten durch arbeitsbedingte psychische Belastungen. Jeder neunte Krankenstandstag wird durch eine psychische Erkrankung verursacht. Und rund zweieinhalb Jahresgehälter kostet es ein Unternehmen, wenn ein Topmanager an Burnout leidet.

Kein Ende dieses Trends ist in Sicht, im Gegenteil: Internationale Studien zeigen, dass die Zahl der Burnout-Opfer auch weiterhin zunehmen wird.

Umso wichtiger wird die Prävention, also das Verhindern des Syndroms. Erste Warnzeichen – Verspannungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Lustlosigkeit – werden nur allzu oft verdrängt. Außerdem: Gerade in den frühen Stadien der Krankheit erscheinen die Symptome als völlig harmlos. Man erlebt sich nämlich als kraftvoll und energiegeladen. Und ist bereit, seine eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse zugunsten der Arbeit hintanzustellen. Ein Teufelskreis beginnt!

Gräflicher Park Hotel und Spa

Spätestens hier muss man ansetzen, will man nicht den totalen Zusammenbruch riskieren. Aus diesem Grund bietet das renommierte Medical-Wellness-Zentrum Gräflicher Park Hotel & Spa im westfälischen Bad Driburg neuerdings Präventionsprogramme an, die genau auf Menschen, die bereits die geschilderten Symptome erleben, zugeschnitten sind.

Entwickelt wurden sie übrigens von Olaf P. Beck, einem ehemaligen Hotelmanager, der in jungen Jahren selbst in die Burnout-Falle geraten ist und heute Referent des Hauses ist.

Geleitet werden die Präventionsprogramme vom Internisten und Naturheilkundler Dr. Henk C. Hietkamp sowie vom Psychotherapeuten und Neurologen Dr. Michael Klein. Ziel der Mediziner ist es, die körperlichen und seelischen Kräfte nachhaltig aufzubauen. Zum Einsatz kommt eine Kombination der vier gegenwärtig effektivsten Therapieansätze. Elemente dieses in Deutschland völlig neuartigen Konzepts sind aktive und passive Entspannung, die Förderung von kreativen Energien, Wahrnehmungsschulung, therapeutische Einzel- und Gruppensitzungen sowie umfassende internistische Betreuung, zu der etwa auch EKG-Diagnostik, schlafmedizinische Untersuchungen und klassische Check-ups zählen. Laborgestützte Diagnostik liefert zudem wertvolle Hinweise auf den Status von Hormonen und Gehirnbotenstoffen, neben einer Analyse des Säure-Basen-Haushalts wird auch die Möglichkeit einer Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen genauestens unter die Lupe genommen.

Zusammen mit den sanften naturheilkundlichen Therapien bilden die Untersuchungen im Gräflichen Park die bestmöglichen Programme, die als fünf- und vierzehntägige Pakete buchbar sind. „Zu uns kommen Manager, also High Performer, die mit viel Stress leben müssen“, sagt Dr. Hietkamp. „Es sind Menschen in hohen Positionen, die wollen zwar die medizinischen Leistungen einer psychosomatischen Klinik, aber sie wollen nicht in eine Klinik gehen. Sie bevorzugen ein schönes Hotelumfeld, möglichst weit weg von allem.“

Die Kombination aus umfassender Diagnostik, seriöser Medizin und einem feinen Hotel mache, so Hietkamp weiter, eben den Unterschied.

Im Kern ist das fünftägige Programm – es kostet als Komplettpaket ab 1.928 Euro – ein intensiver Check-up. Dabei finden die Ärzte heraus, wo die Ursache für Aussagen wie „ich schlafe schlecht“, „ich habe stark zugenommen“, „ich brauche abends immer mehr Alkohol“, „ich komme einfach nicht mehr klar“, „ich möchte wissen, was mit mir los ist“ liegen.

Den Anfang machen Speichel- und Urinproben vorab per Post, und wenn man dann anreist, liegen die Laborergebnisse bereits vor.

Doch der Gräfliche Park bietet noch viel mehr als medizinisch-therapeutische Kompetenz: ein einzigartiges Umfeld nämlich, in dem es sich trefflich regenerieren lässt, liegt doch das Hotel inmitten eines 60 Hektar großen englischen Landschaftsparks von außergewöhnlicher Schönheit. Als Gast ist man umgeben von exotischen Bäumen, herrlichen Blumenbeeten, Teichen und Themengärten, die von renommierten internationalen Gartenkünstlern gestaltet wurden.

Zu den weiteren Highlights des edlen Hauses zählen ein wunderbar stilvoll gestaltetes Spa mit einem 25 m langen, ganzjährig beheizten Außenpool, die jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Kurmedizin und Naturheilkunde, kalzium- und magnesiumhältige Heilquellen sowie ein eigener 18-Loch-Platz in Gehdistanz. Und nicht zuletzt eine Küche, die sich sowohl dem Gaumen als auch der Gesundheit des Gastes verpflichtet fühlt. Sie verwendet überwiegend saisonale Zutaten von Bauern der Umgebung sowie Wildfleisch aus der eigenen Jagd. Ausschließlich frische und naturbelassene Produkte tragen so auch dazu bei, sich wieder auf das Wesentliche und Ursprüngliche zu besinnen.

Das 14-tägige Burnout-Präventionsprogramm ist, abhängig vom Zimmertyp, ab 8.090 Euro erhältlich (inkl. VP, Diagnostik und Therapien) – und wird wohl von vielen rückblickend als die beste Investition ihres Lebens bezeichnet werden.

Wer sich vom Präventionskonzept des Gräflichen Parks angesprochen fühlt, der kann seine zukünftigen Ärzte und Therapeuten kennenlernen: vorab, im Rahmen eines Schnupperwochenendes zu einem – äußerst kulanten – Preis.

Mehr Info: Fon +49-(0)5253-9523-0 und www.graeflicher-park.de sowie relax-guide.com

Zeit für das Ich

In Rheinland-Pfalz rücken wir uns selbst wieder in den Mittelpunkt: Die Ich-Zeit in ausgewählten Hotels erlaubt Wellness, Genuss und Entschleunigung in wunderbarer Landschaft. Hier kommen wir wieder zu uns. Denn wir sind es uns wert.

Frau steckt sich, im Hintergrund eine Landschaft
Foto: Rheinland-Pfalz-Tourismus GmbH

Das Wort Ich sollte eigentlich ein Subjekt anzeigen, den Menschen im Mittelpunkt, eine Person mit eigenen Ansprüchen. Seltsam aber, dass im heutigen Leben das Ich immer öfter zum Objekt fremder Anforderungen wird und somit vielmehr der ursprünglichen Wortbedeutung – „das Unterworfene“ – gerecht wird: „Ich sollte“, „ich muss noch“… Hinter solchen Sätzen verbirgt sich eine Entwicklung in die falsche Richtung. Ob von Chef, Schwiegermutter oder von Paketdienst-Abholzeiten – wir werden eingesetzt, eingeteilt, geschickt. Von uns wird gefordert, über uns bestimmt. Das Ich verblasst im Alltag, manchmal verschwindet es sogar gänzlich.

Die IchZeit will dieses für unsere Psyche so wichtige Wort wieder hervorholen, will ihm die Bedeutung geben, die es verdient. IchZeit, das ist eine ganzheitliche Wohlfühlphilosophie ausgewählter Hotels an den schönsten Plätzen des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Die Gastgeber haben nichts anderes im Sinn, als uns eine Auszeit zu schenken, in der wir den Blick für das Wesentliche wieder schärfen, unseren ureigenen Rhythmus neu entdecken können. Und zwar ohne dass jemand dem Ich dreinredet.

Die IchZeit-Hotels, die im Übrigen strengen Qualitätskriterien unterliegen, setzen dafür auf verschiedene Faktoren: etwa auf eine ausgezeichnete Küche aus regionalen Naturprodukten und auf lokale Weine – das Moselgebiet beispielsweise ist international ein Begriff bei Kennern. Massagen, die allesamt von erfahrenen Händen durchgeführt werden, und behutsame medizinische Check-ups rücken das Ich unseres Körpers wieder in den Mittelpunkt. Ein ganz wichtiger Aspekt für die IchZeit-Gastgeber ist auch das Wohnen. Und man ist sich bewusst, dass Geschmäcker und gewohnte Lebensumstände durchaus verschieden sind. Darum ist das IchZeit-Portfolio stilistisch so breit gefächert und auf der Homepage so übersichtlich nach Kategorien präsentiert: Puristen, denen schon bei einem Bild im Zimmer oder einer Pflanze am Gang mulmig zumute wird, finden in Rheinland-Pfalz ebenso das Ihre wie Romantikerinnen, die den Blick gern auf ausgesuchten Dekorationen ruhen lassen. Ob gemütliche Landgasthöfe, mondäne Kurhotels oder unkomplizierte Familienhotels – die Auswahl ist so groß, wie die verschiedenen Ichs es eben einfordern. Und egal für welchen Wohnstil man sich als Gast entscheidet, eines haben alle IchZeit-Betriebe in Rheinland-Pfalz gemeinsam: In jedem einzelnen hat man das Gefühl, hier ist alles im Einklang, alles ist stimmig, nichts fällt aus dem Rahmen – ein ganz wichtiger Faktor, wenn wir uns auf uns selbst besinnen sollen.

Frau sitzt in hölzener Badewanne und sieht aus dem Fenster

Für diese IchZeit können wir zwischen zehn Regionen in Rheinland-Pfalz wählen, allesamt mit prachtvollen Landschaften. Lange Spaziergänge sind einer der vielen Wege zum Ich, und hier, ganz im Westen Deutschlands, findet man dafür unzählige Möglichkeiten. Kulturdenkmäler und kleine Naturwunder passierend, finden wir die eigene Geschwindigkeit wieder. Ruhig Blut!, ruft die Landschaft dem rastlosen Pulsschlag zu. Wir fühlen uns von irgendwem überholt, ach, es ist die Zeit aus dem Alltag, die da an uns vorbeizieht. Soll sie nur, wir kommen diesmal nicht mit. Die Zeit dreht sich um, ruft uns etwas zu. Was, das verstehen wir nicht, da scheint irgendeine Art Dopplereffekt einzutreten, eine Veränderung der Frequenz durch zunehmende Entfernung. Egal, heute keine theoretische Physik mehr, nur noch gelebte, später dann, im Spa: Die Haut wird warm, wenn wir ins warme Becken steigen, sie kribbelt, wenn wir sie abrubbeln, entspannt sich, wenn sie eingecremt wird.

Welchen der drei Schwerpunkte wir auch auswählen, die IchZeit ist stets inklusive: „Entschleunigung“ steht für Hotels in naturnaher Ruhelage mit besonders viel Stille, diese Kategorie empfiehlt sich besonders für überforderte und übersättigte Menschen. „Wellness“ weist auf ein Füllhorn an Beauty-Behandlungen und auf ausgiebige Spa-Aufenthalte hin, der Genuss steht in allen Bereichen im Vordergrund. Und „Medical Wellness“ bezeichnet ein Angebot aus sanften therapeutischen Einsätzen und gelebter Ganzheitlichkeit; Prävention wird hier großgeschrieben.

Woran man merkt, dass die IchZeit in Rheinland-Pfalz gewirkt hat? Vielleicht an einem anderen Sprachgebrauch. Wenn das Wort Ich wieder ein selbstbestimmtes Ich meint.

Weiterführende Links: Wellnesshotels Deutschland

Informationen & Buchungen: +49-(0)1805-7574636 (0,14 €/min aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/min), www.ichzeit.info

Die Wahrheit über das Traumschiff

Kreuzfahrten boomen. Und sie machen glücklich – wenn man die gröbsten Irrtümer vermeidet und das richtige Schiff bucht. Ein kleiner Ratgeber über die typischen Schwachpunkte von Schiffsreisen.

Schiff
Foto: Seadream Yacht Club

Gibt es eine Urknalltheorie der Kreuzfahrt?

Ja, gibt es. Am Anfang aller Kreuzfahrten standen leere Schiffe. Die großen Passagierdampfer, die vor allem Auswanderer von Deutschland nach Amerika brachten, lagen in den Wintermonaten still. Das brachte den Hamburger Reeder Albert Ballin auf die Idee, sie für reine Vergnügungsreisen einzusetzen. Dafür musste man die Schiffe natürlich mit Komfort ausstatten. Das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, die Augusta Victoria, brach im Herbst 1891 mit betuchter Klientel zu einer zweimonatigen Vergnügungsreise in den Orient auf. Ballin sollte seine Reederei namens Hapag später zur zeitweise größten der Welt machen. Das Reisen auf See wurde bald zu einem Vergnügen der Reichen und Schönen, und Kreuzfahrten avancierten zum Inbegriff des luxuriösen, unerschwinglichen Reisens. In den 1990er Jahren änderte sich das vor allem durch amerikanische Reedereien, die um eine völlig andere, neue Kundschaft warben: Die Schiffe wuchsen ins Gigantische, und die Reisen wurden billig angeboten, das Publikum jünger, die Seereise verwandelte sich in ein Massenprodukt.

Wie heißen die größten Schiffe der Welt?

Den ersten Platz teilen sich die Oasis of the Seas und die Allure of the Seas, die je 5.400 Passagiere befördern können. Es folgen die Norwegian Epic (4.631 Passagiere) und dann auf dem dritten Platz drei gleichgroße Schiffe: die Freedom of the Seas, die Liberty of the Seas und die Independence of the Seas (je 3.600 Passagiere). Die berühmte Queen Mary II folgt mit 2.592 Passagieren erst auf dem vierten Platz.

Kommt es auf die Größe an?

Große Schiffe offerieren vergleichsweise billige Kreuzfahrttickets, bieten sehr professionelle, tolle Shows und bewegen sich sehr stabil durch die See. Das Publikum ist meist relativ jung, es sind viele Familien mit Kindern an Bord, und es wird viel Abwechslung geboten. Nachteile gibt es natürlich auch: Man bewegt sich immer in Menschenmassen. Egal ob beim Ein- oder Aussteigen, ob bei Landausflügen oder am Swimmingpool, Anstellen ist erste Urlauberpflicht. Gegessen wird fast immer in Schichten, zum Beispiel von 18 bis 20 Uhr. Länger bei einem Glas Wein hocken geht nicht, weil die nächsten Gäste schon hungrig auf den Platz warten. Trotzdem bieten die Riesenschiffe ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dennoch gilt in der Kreuzfahrtbranche die Devise: Small is beautiful. Echte Luxusschiffe sind fast immer relativ klein. Unter den Großen zählt nur die Queen Mary II zu den luxuriösen Schiffen.

Was hat ein Luxusschiff, was die billigen nicht haben?

Größere Kabinen, besseren Service, besseres Essen, vor allem aber ein sehr entspanntes Urlaubserlebnis. Am Pool muss man keine Liegen mit Handtüchern belegen, und am Buffet muss man sich auch nicht drängeln. Wenn man vom Landausflug zurückkehrt, erwarten einen vor den Anlandungsbooten oder den Bussen nicht lange Menschenschlangen, sondern ein Glas Champagner und exquisiter Service. Anders als Diskonter-Schiffe, die auch an billigen Stellen anlegen (zum Beispiel in einem Industriehafen), ankern Luxusschiffe oft an schönen Plätzen und bringen ihre Passagiere mit kleinen Beibooten an Land. Billigschiffe stehen nicht immer, aber häufig weit weg von einer Landausflugsdestination, damit die Passagiere gezwungen sind, die Exkursionen zu buchen, weil ein selbstorganisiertes Taxi zu mühsam oder zu teuer wäre. Außerdem: Da man ortsunkundig ist und keine Ahnung über die tatsächlichen Entfernungen hat, sitzt einem bei privaten Landausflügen stets die Angst im Nacken, das Schiff zu versäumen.

Sind Kreuzfahrtpassagiere wirklich alle uralt?

Auf Luxusschiffen kann man sich sicher mit 45 herrlich jung fühlen, weil die Passagiere meist jenseits der 60 sind. Auf den preiswerten Riesenschiffen schaut man mit 45 schon ziemlich alt aus, besonders dann, wenn die Teens um Mitternacht in die Borddisco drängen, während man selber nur mehr chillen oder im Bett abhängen möchte. Auf den Segelschiffen, die zum Anschauen – nicht in puncto Komfort – am schönsten von allen sind, findet man hingegen viel mittelalterliches, eher sportlich interessiertes Publikum, oft Menschen, die selbst segeln und einmal gerne auf einem richtigen großen Viermaster die Meere durchkreuzen wollen.

Wie gut sind Landausflüge?

Wer anspruchsvolle Exkursionen erwartet, wird meist enttäuscht. Egal ob Billigdampfer oder Luxusschiff, die Agenturen an Land, welche die Ausflüge durchführen, sind meist dieselben. Ein wichtiger Treiber bei Ausflugsbuchungen ist die Befürchtung vieler Passagiere, bei einem Trip auf eigene Faust am Ende das Schiff zu verpassen. Letzteres kommt aber sehr selten vor.

Wie groß ist ein kleines Schiff?

Eine kleine Luxusyacht wie etwa die französische L’Austral verfügt über 132 Kabinen. Im Vergleich dazu die Oasis of the Sea über 2.706. Das macht dann beim Buffet doch einen gewissen Unterschied. Leider auch beim Preis, aber Luxuspassagiere finden prohibitiv hohe Preise meist gar nicht übel, weil sie so unter sich bleiben und sich nicht mit Otto Normalverdiener den Platz an der Bartheke oder im Beauty-Salon teilen müssen. Ein großer Vorteil kleiner Schiffe ist auch, dass sie oft winzige Häfen ansteuern können, an die die Kapitäne der Ozeanriesen nicht einmal denken dürfen. Die sind dann zumeist malerisch gelegen und wunderschön anzusehen, was man nicht unbedingt von jedem Industriehafen sagen kann.

Welche Kabine sollte man buchen?

Kommt drauf an: Wenn Sie leicht seekrank werden, unbedingt eine Kabine in der Mitte des Schiffes. Wenn es aber irgendwie leistbar ist, dann unbedingt eine Kabine mit Balkon. Das bedeutet frische Luft! Ohne Balkon sind Sie dagegen die ganze Reise lang der Klimaanlage ausgeliefert, denn Bullaugen lassen sich bestenfalls nur im Film, aber in der Wirklichkeit niemals öffnen.

Machen Kreuzfahrten glücklich?

Mit Sicherheit nur, wenn man das richtige Produkt gebucht hat. Kinder werden sich auf kleinen Luxusschiffen langweilen, und Individualisten werden einen Schiffsurlaub auf engen Decks mit 3.000 Amerikanern als Strafexpedition empfinden. Auch Luxus ist übrigens kein Glücksgarant. Dazu dürfen wir eine kleine Geschichte servieren: Edward Francis Hutton, ein sehr erfolgreicher Börsenmakler an der Wallstreet, ließ sich 1931, also im Jahr der tiefsten amerikanischen Depression, die luxuriöseste Yacht der Welt erbauen. Man taufte sie später Seacloud. Huttons Frau Marjorie, selbst sehr vermögend, mietete während des Schiffbaus ein Lagerhaus in Brooklyn, um die edle Innenausstattung – Badewannen aus Carraramarmor und Armaturen aus massivem Gold – maßstabgerecht auszuwählen. Aber aller Luxus zwischen Monaco und Hawaii nützte nichts. Die Ehe der Huttons hielt trotz Luxusyacht nicht lange. Die Seacloud gehört heute übrigens einer Gruppe von Hamburger Kaufleuten und dient wie ihre Schwester, die Nachbau-Seacloud II, als Luxus-Kreuzfahrtschiff.

Hat jedes Schiff genügend Rettungsboote?

Die Titanic verfügte nur über zwanzig Retttungsboote (für die Passagiere der Ersten Klasse) statt der erforderlichen 63. Erst nach ihrem Untergang im Eismeer wurden weltweit geltende strenge Regeln eingeführt, die sicherstellen, dass jeder Passagier im Notfall seinen Platz findet. Am ersten Tag jeder Seereise muss übrigens auch jeder Kreuzfahrttourist eine kurze Rettungsübung mit Schwimmweste machen.

Macht früh buchen Sinn?

Nein. Die Reedereien neigen dazu, kurz bevor die Anker gelichtet werden, die verbliebenen Kabinen zu verschleudern. Die Traumpreise zum Traumschiff gibt es also erst kurz vor der Abfahrt. Sinn macht Frühbuchen nur bei kleinen Expeditionsschiffen auf speziellen Routen wie etwa durch die Antarktis, weil man eventuell keine Kabine mehr kriegt, wenn man zu lange wartet.

Stimmt es, dass Kreuzfahrten boomen?

Absolut. Das sieht man an den enormen Wachstumsraten. Seit 1980 wuchs die Anzahl der Passagiere jährlich durchschnittlich um 7,4 Prozent. Schätzungen zufolge sind 2011 rund 19 Millionen Kreuzfahrtpassagiere unterwegs, die etwa 30 Milliarden Dollar für dieses Vergnügen ausgeben. Das Kreuzfahrtgeschäft wird von amerikanischen Reedereien dominiert, was nicht wundert, denn siebzig Prozent aller Kreuzfahrtpassagiere sind Nordamerikaner.

Gibt es so etwas wie den RELAX Guide der Meere?

Aber ja. Der Kreuzfahrtführer, dem man weltweit am meisten vertraut, wird seit 27 Jahren von dem ehemaligen Schiffsmusiker Douglas Ward herausgegeben und heißt „Berlitz Cruise Guide“. Er ist inzwischen so etwas wie die Bibel für informationssüchtige angehende Kreuzfahrer. Für die aktuelle, 720 Seiten dicke Ausgabe 2012 wurden 285 Schiffe getestet.

Welche Kreuzfahrtschiffe sind die besten der Welt?

Laut Douglas Ward ist die MS Europa, ein Luxusliner der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, das beste Kreuzfahrtschiff der Welt – und das seit zwölf Jahren in Serie! Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Seadream II und die Seabourn Quest.

Inwieweit stimmt die Traumschiff-TV-Serie mit der Wirklichkeit überein?

Ja eh ziemlich. Gut, die Sache mit den attraktiven Single-Männern, die sich regelmäßig und dann sogar unsterblich in allein fahrende (und äußerst wohlhabende) weibliche Passagiere verlieben, müssen wir dementieren. Auf klassischen Kreuzfahrten findet man fast nur Paare und einige allein reisende Damen. Manche Schiffe wie etwa die MS Europa beschäftigen sogar eigene „Gentlemen Hosts“, früher nannte man sie auch Eintänzer, die die Einsamkeit von Single-Damen zerstreuen sollen. Auch die irgendwie fast beschäftigungslos wirkende Crew des Traumschiffs, die einander in tiefer Freundschaft verbunden ist, weicht wohl geringfügig von der Realität ab. In Wirklichkeit sind die meisten Kreuzfahrtschiffe Orte, an denen schwer geschuftet wird und wo spottbillige Arbeitskräfte aus der Dritten Welt 18-Stundentage abdienen und das mindestens sechs Monate am Stück ohne einen einzigen freien Tag. Zudem ist die Welt der Traumschiffe in der Regel streng rassistisch organisiert: Die obersten Führungskräfte sind meist Weiße, während man bei den eigentlichen Matrosen kaum noch einen Europäer findet.

Wenn man noch nie eine Kreuzfahrt gemacht hat, womit sollte man beginnen?

Wählen Sie eine küstennahe Route ohne lange Anreise auf einem preiswerten Schiff mit einer Kabine mit Balkon, zum Beispiel von Venedig nach Dubrovnik und zurück.

Ich fürchte, ich werde leicht seekrank. Was soll ich tun?

Tabletten gegen Seekrankheit machen zwar müde, wirken aber sehr effektiv, so man sie rechtzeitig genommen hat, also ehe man im Dauerkotz-Modus angelangt ist. Meiden Sie im Übrigen Transatlantikrouten und berüchtigte Stellen wie das Kap Hoorn. Und wählen Sie eine Reisezeit, die eine möglichst glatte See verspricht. Zum Beispiel im Mittelmeer den Sommer. Am besten, Sie buchen eine Flusskreuzfahrt. Das ist auch schön, und kaum jemand leidet an Übelkeit, außer vielleicht am Nil. Will man dort dem Fluch des Pharao zuverlässig aus dem Weg gehen, hilft nur ein Fünfstern-plus-Schiff – fünf Sterne genügen in der Regel leider nicht – und eine hoch dosierte Medikation aus Coca Cola, schwarzem Tee und Soletti.

Was sind denn eigentlich die schönsten Kreuzfahrtrouten?

Das ist wohl Geschmackssache, aber diese fünf Routen sind einfach wunderschön:

  1. Von Bergen nach Trondheim mit dem Postschiff entlang norwegischer Fjorde.
  2. Von Vancouver nach Whittier entlang der Küste von Alaska (schneebedeckte Berge, Wasserfälle, Gletscher, Grizzlybären).
  3. Die Antarktis, zumeist ab oder bis Ushuaia, Argentinien (unvergessliche Eiswelt).
  4. Von Tahiti nach Bora Bora (die unglaubliche Schönheit Französisch-Polynesiens begeisterte Seefahrer schon immer).
  5. Die Adria von Venedig nach Dubrovnik (schon die Ausfahrt vorbei am Markusplatz ist sensationell).

Wie kann man möglichst viel Kreuzfahrt für ganz wenig Geld bekommen?

Last Minute in der Nebensaison buchen und das noch beim Diskonter oder direkt auf der Website der Reederei. Dann gibt es Angebote wie diese: eine 17-tägige Kreuzfahrt von Dubai nach Venedig inklusive Flüge um weniger als 1.600 Euro. Oder eine einwöchige Winter-Kreuzfahrt durchs Mittelmeer (natürlich Vollpension, aber mit eigener Anreise) ab 299 Euro. Selbstverständlich gibt es für so wenig Geld nur fensterlose Innenkabinen.

Weiterführende Links: Hotels am Meer

Urlaub wie im Kino

Reisen auf den Spuren berühmter Filme und ihrer Stars werden zum großen Trend. Eine kleine Stippvisite zu den schönsten Filmhotels der Welt.

Frau sitz mit Mann im Auto
Das Taj Lake Palace Hotel in Udaipur, Indien, spielt eine entscheidente Nebenrolle im Film „James Bond 007 – Octopussy“ mit Roger Moore und Maud Adams.

Tokio, Park Hyatt Hotel, New York Bar, 52. Stock. Cocktail-schlürfende Touristen belagern den langgezogenen Bartisch mit dem atemberaubenden Blick auf den Tokioter Stadtteil Shinjuku und stellen dem Barkeeper immer wieder die gleiche seltsame Frage: Wo saß Scarlett Johansson? Seit „Lost in Translation“ ist die Nachtbar, ebenso wie das Hotel, das sich über 14 Stockwerke des Shinjuku Towers erstreckt, zu einer regelrechten touristischen Pilgerstätte geworden. Und das anfänglich wider Willen.

Bar

Sopfia Coppola, die Tochter des berühmten Regisseurs Francis Ford Coppola, hatte in den 90er Jahren in Tokio gelebt und dort eine Modefirma namens Milkfed gegründet. Sie kannte das Park Hyatt und wollte 2002 dort die Schlüsselszenen für ihren geplanten Film „Lost in Tanslation“ drehen, eine Parabel über die Einsamkeit zweier Menschen in einem Hotel („Ich plane einen Gefängnisausbruch. Erst raus aus der Bar, dann aus der Stadt, dann aus dem Land. Sind Sie dabei oder nicht?“ fragt Bill Murray im Film die junge Scarlett Johannson). Doch der Hoteldirektor, offenbar kein Filmfreund, lehnte wegen der möglichen Belästigung von Gästen während der Dreharbeiten schroff ab. Also machte Sofia Coppola, was andere Töchter auch machen: Sie rief Papa an. Dieser wiederum kannte einen der Hauptaktionäre von Hyatt, und der telefonierte einmal kurz mit dem General Manager des Tokioter Hyatt. Gesichert ist, dass der Mann daraufhin die Dreharbeiten eilfertig gestattete, wenn auch widerwillig. Die Filmproduktionsfirma wurde finanziell ziemlich zur Ader gelassen, durfte aber dennoch nur zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens im Hotel drehen. Der Hoteldirektor war froh, als er die Crew wieder los war, und versprach sich von der Sache nicht das Geringste. Dann kam „Lost in Translation“ im Oktober 2003 in die Kinos, kein Blockbuster, aber ein Meisterwerk, wie Kritiker anmerkten – und schon bald ein Kultfilm. „Plötzlich brach eine Lawine von Buchungen los“, erinnert sich ein Park-Hyatt-Mitarbeiter. „Und die Bar ist zu einer echten Attraktion geworden.“ Überrascht von der enormen Wirkung wollte das Hotel daraufhin mit dem Film werben, doch diesmal waren es die Filmproduzenten, die dankend ablehnten.

Filmszene aus "Lost in Translation"

Hermann Hesse, der zeitlebens hoch auf dem Berg im Tessin über das Leben nachdachte, schrieb in seinem kleinen, wundersamen Buch „Die Kindheit des Zauberers“: „Wirklichkeit ist niemals genug, Zauber tut not.“ Den Zauber beschert uns vor allem das Kino, meist die große Illusionsmaschine Hollywood. So viele schöne Menschen wie auf der Leinwand sieht man morgens in der U-Bahn nie, so unverletzbar wie James Bond ist man nicht einmal beim Zwiebelschneiden in der Küche, und so freundlich wie der Hotel-Concierge bei Pretty Woman zeigt sich Hotelpersonal selten. Und dann die Stars! Welche Frau würde nicht einmal gerne mit George Clooney auf einen Nespresso gehen, welcher Mann würde nicht gerne Scarlett Johansson bei der Abendgestaltung behilflich sein. Und welches Kind würde nicht liebend gerne am Londoner Bahnhof Kingscross stehen, um dort am Bahnsteig 9 ¾ den Zug in Harry Potters Zauberschule Hogwarts zu nehmen?

Die Magie des Kinos und auch des Fernsehens ist für den Tourismus eine Kraft, die ihm enorme Flügel verleiht. Seit zum Beispiel Rosemunde Pilchers Edelschnulzen-TV-Verfilmungen mit stets attraktiven, stets gut angezogenen Schauspielern, immer prächtigen Landhäusern, immer schönen Autos und immer noblen englischen Gärten das vornehmlich weibliche Publikum zum Träumen einladen, ist Cornwall – nach London – die am zweitbesten besuchte Region Englands. Die rund 100 Pilcher-TV-Filme haben bewirkt, dass jährlich etwa 300.000 deutsche und österreichische Touristen die schroffen Küsten Cornwalls besuchen, um dort ein wenig vom romantischen Pilcher-Flair zu erhaschen.

Erstaunlich ist: Der Kinozauber kann sehr, sehr lange anhalten. Das weiß man auch in der Stadt Salzburg. Beträchtliche 41 Prozent der rund 640.000 Besucher des Jahres 2010 kamen allein aus den USA und Großbritannien. Dort wiederum kennt jedes Schulkind den 1962 in der Mozartstadt gedrehten Musical-Film „Sound of Music“, der die Geschichte der Familie Trapp sehr frei nacherzählt. Seither machten sich schon Legionen angelsächsischer Salzburg-Touristen auf „Sound of Music“-Location-Suche und halten „Edelweiß“ hartnäckig für die österreichische Bundeshymne.

Selbst österreichische Filme können magische Wirkung zeigen. Das Hotel Weißes Rössl in St. Wolfgang zum Beispiel lebt seit Jahrzehnten prächtig von der Popularität, die ihm die Peter-Alexander-Verfilmung der Operette „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky bescherte.

Schloss Fuschl im Salzkammergut wiederum, heute eine Fünfsternherberge im Verbund der Starwood Luxury Collection, ist für viele immer noch schlicht Sissis Märchenschloss. Ernst Marischka, der Regisseur der Sissi-Filme, machte Fuschl 1955 zur Filmheimat der jungen Kaiserin Elisabeth. Der Filmzauber von damals zieht noch heute. „Sogar Chinesen kommen wegen der Sissi-Filme“, freut sich der langjährige Direktor Wolfgang Greiner. In der Realität war übrigens nicht alles so romantisch wie im Film. In der NS-Zeit riss sich der damalige Außenminister Joachim von Rippentropp das Schloss unter den Nagel und ließ den wahren Eigner im KZ Dachau ermorden. 1958 erwarb der Industrielle Adi Vogel das Schloss, machte daraus eine illustre Herberge für Berühmtheiten aus aller Welt – und ging später pleite. Heute findet man hier sogar ein kleines Sissi-Museum, eine Sissi-Suite, Sissi-Souvenirs, und heiraten wie Sissi kann man dort auch.

Die Magie des Kinos funktioniert längst global. „Weltweit bekannt sind in Indien nur zwei Hotels“, meint zum Beispiel Chander Ahua, Europa-Direktor von Le Passage to India, einer der größten indischen Incoming-Agenturen. „Das eine ist das Taj in Mumbai, das 2008 durch die Berichterstattung über das tragische Attentat weltweit zu einem Begriff wurde, und das zweite ist das sogenannte James-Bond-Hotel Taj Lake in Udaipur.“ Tatsächlich gilt der schöne 250 Jahre alte Palast mitten im Pichola-See, einst die Sommerresidenz des Herrschers von Udaipur, wegen Herrn Bond, der damals wie Roger Moore aussah, für Indienreisende im Luxussegment als absolutes Muss. Dies, obwohl das Bond-Epos „Octopussy“ schon vor Ewigkeiten in den Kinos lief, nämlich 1987. Doch Bond und zahllose Wiederholungen im Fernsehen hielten den Kinozauber des Hotelpalastes bis heute aufrecht.

Einige Jahre zuvor wurde auch in Ägypten durch einen einzigen Film eine touristische Lawine ausgelöst. Mitte der 1970er Jahre verkehrten gerade einmal sechs komfortable Touristenschiffe auf dem Nil; vier davon gehörten dem Sheraton Hotel, zwei der Hilton-Kette. Dann kam im September 1978 „Tod auf dem Nil“ mit Peter Ustinov in der Hauptrolle als überschlauer Detektiv Hercule Poirot in die Kinos. Selten wurde auf der Leinwand vor so schönen Kulissen gemordet und die Bösen so elegant und clever zur Strecke gebracht. Die Folge war ein alsbald einsetzender Touristenboom, der bis heute anhält. Mittlerweile verkehren, beflügelt durch billige Flüge, über 300 Touristenkähne auf dem breiten Nil zwischen Luxor und Assuan – und ständig werden es mehr.

Zwei der schönsten Hotels Ägyptens spielten im Film ebenfalls eine gewichtige Statistenrolle: zum einen das 1886 erbaute Winter Palace in Luxor, wo einst Lord Carnavon, der reiche britische Finanzier des Tutenchamun-Ausgräbers Howard Carter, zu residieren pflegte. Und zweitens das noch berühmtere Old Cataract Hotel in Assuan, das inzwischen untrennbar mit Agatha Christie verbunden ist.

1936 tippte die in puncto Auflage erfolgreichste Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts auf der Terrasse des Old Cataract Hotels einen Roman mit dem Titel „Death on the Nile“ in ihre Schreibmaschine. „Tod auf dem Nil“ sollte Christies berühmtestes Buch unter mehr als hundert werden, und es hat auch das 1899 erbaute Luxushotel, das zu den schönstgelegenen Herbergen der Welt zählt, berühmt gemacht – wenn auch erst durch die Verfilmung. Das von Sofitel gemanagte Old Cataract, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf den Nil und die Insel Elephantine hat, wurde übrigens letzten Oktober nach einer dreijährigen Renovierung feierlich wiedereröffnet und ist jetzt schöner denn je. Die beiden größten Suiten wurden nach zwei berühmten Gästen benannt: Winston Churchill und Agatha Christie.

Natürlich wird im Film viel geschwindelt. Den luxuriösen Whirlpool etwa, in dem Julia Roberts in „Pretty Woman“ mit Kopfhörern badet und Richard Gere betört, gibt es im Beverly Wilshire Hotel in Beverly Hills, wo die Szene angeblich spielt, gar nicht. Manchmal werden sogar mehrere echte Herbergen zu einem Filmhotel zusammengemixt. In der James-Bond-Erzählung „Casino Royal“ etwa steigt 007 in Venedig im Hotel Cipriani ab; die Treppe jedoch, die er benützt, ist die vom Wiener Hotel Imperial. Das Cipriani und insbesondere sein Swimmingpool (original olympische Dimensionen in Venedig!) ist freilich auch ohne Stiege ein schöner Ort zum Träumen und das nicht nur für James Bond. Das Luxushotel wurde vom Erfinder des Carpaccios und einstigen Barkeeper in Harrys Bar gegründet, einem gewissen Guiseppe Cipriani.

Beverly Wilshine Hotel
Foto: Beverly Wilshine Hotel aus dem Film „Pretty Woman“

1956 – der einstige Barmann war inzwischen ziemlich vermögend geworden, neuerdings Kunstliebhaber und mit dem Jet-Set wohlvertraut – verwirklichte Cipriani seinen Lebenstraum: Er wollte das absolut schönste Hotel der Lagunenstadt bauen. Er schaffte es, indem er die drei Töchter des Second Earl of Iveagh, des immens vermögenden Oberhauptes der britischen Bier-Dynastie Guinness, erfolgreich überredete, ein Luxushotel auf der Insel Guidecca gegenüber dem Markusplatz zu finanzieren.

Dort logieren heute Millionäre aus aller Welt. Filmstars wie Nicole Kidmann, George Clooney, Johnny Depp und Anthony Hopkins gelten als Stammgäste. Berühmt ist das Hotel für seinen Swimmingpool, den angeblich einzigen in Venedig. Warum er dreimal so groß wurde wie geplant? Das italienische Bauunternehmen, das ihn errichtete, „verwechselte“ angeblich „feet“ mit „meter“. Na ja, die Venezianer waren schon immer schlau.

Aber kehren wir noch einmal zu James Bond zurück. Die Schlüsselszenen in Casino Royal, die berühmte Pokerpartie, spielen im Originalroman von Ian Flemming im Hotel Splendide in Montenegro. Ein Hotel dieses Namens existiert zwar dort wirklich, ist aber nicht so mondän, wie sich die Bond-Macher das vorstellten. Und so wurde das ehrwürdige Grandhotel Pupp in Karlsbad kurzerhand zum montenegrinischen Splendide. Im Pupp ist die Liste der berühmten Gäste so lang, dass man aus dem Staunen gar nicht herauskommt. Sie reicht von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Antonin Dvorak, Richard Wagner, Franz Liszt bis zu Kaisern und Königen wie Zar Peter dem Großem, Maria Theresia oder aus jüngerer Zeit König Juan Carlos oder auch seinem norwegischen Kollegen König Harald. Gut genug für James Bond somit.

Filmhotels findet man natürlich auf der ganzen Welt. Das einst nobelste Hotel der DDR, das vom Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker persönlich in den 80er Jahren in Auftrag gegeben wurde, steht in Berlin und heißt heute Westin Grand.

Genau hier erledigt Matt Damon in einem der Filme aus der Bourne-Trilogie („Die Bourne-Verschwörung“) seinen größten Widersacher. Übrigens genau zur richtigen Zeit, denn nur vier Jahre später, 2008, wurde das 700-Betten-Haus generalrenoviert. Dabei wäre das Herzstück des Hotels, die filmreife Freitreppe in die riesige Lobby, um ein Haar den Modernisierungsplänen zum Opfer gefallen – das nostalgische Interieur ist es dagegen tatsächlich. Das neue Ambiente trifft nun eine Art Durchschnittsgeschmack, wie er bestenfalls im amerikanischen mittleren Westen vorherrscht. Echt schade!

In der Straße Unter den Linden, unweit vom Brandenburger Tor, im nahen Hotel Adlon hingegen liefern sich die Guten und die Bösen in dem Agententhriller „Unknown Identity“, der Anfang 2011 in die Kinos kam, eine wilde Schlacht, die mit einer Bombenexplosion endet, bei der das ganze Hotel in die Luft fliegt. Das echte Adlon steht selbstverständlich noch, da können wir – Special Effects sei Dank – beruhigen.

Filmszene aus "Unknown Identity"

Wer mehr auf Romantik steht, könnte zum Beispiel zum Ritz Carlton in London pilgern – genauer: vor die Picadilly Suite –, wo einige der besten Szenen der Liebeskomödie „Notting Hill“ mit Hugh Grant und Julia Roberts gedreht wurden. Oder nach Paris ins Le Bristol, das in Woody Allens 41. Film „Midnight in Paris“ jene schöne Kulisse abgibt, die in den 1920er Jahren tatsächlich in einem anderen Pariser Hotel existierte: im Ritz, das heute Mohamed al-Fayed gehört und zwischenzeitlich deutlich an Terrain verloren hat. Im Le Bristol dagegen trifft man weiterhin auf Filmstars und Promis. Die Liste reicht von Pablo Picasso bis Coco Chanel, von Marilyn Monroe bis Charlie Chaplin, von Angelina Jolie bis zu George Clooney. Und in der Stadt an der Seine findet man auch den Ort, wo die Kino-Magie ihren Anfang nahm.

Filmszene aus "Midnight in Paris"

Im Sofitel Scribe zeigten die Gebrüder August und Louis Lumiére im März 1895 einem staunenden Expertenpublikum den ersten Film der Welt. Im Dezember desselben Jahres fand dann die erste öffentliche Filmvorführung der Geschichte statt, bei der unter anderem die Ankunft eines Zuges gezeigt wurde. Das Publikum im Hotel Scribe soll sich, so die Legende, aus Angst vor der Film-Lokomotive auf den Boden geworfen haben. Der Zauber wirkte schon damals.

Weiterführende Links: Special Filmhotels

Bigger than life

15 Filmhotels zum Träumen

Park Hyatt, Tokio „Lost in Translation“ mit Scarlett Johansson und Billy Murray
Taj Lake Hotel, Udaipur „James Bond 007 – Octopussy“ mit Roger Moore und MaudAdams
Schlosshotel Fuschl „Sissi“, „Sissi, die junge Kaiserin“, „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm
Le Bistol, Paris „Midnight in Paris“ mit Owen Wilson, Marion Cotillard und Rachel McAdams
Old Cataract Hotel, Assuan „Tod auf dem Nil“ mit Peter Ustinov, Bette Davis, David Niven und Mia Farrow
Grandhotel Pupp, Karlsbad „James Bond 007 – Casino Royal“ mit Daniel Craig und Eva Green
Beverly Wilshire Hotel, Beverly Hills „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere
The Ritz, London „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant
The Westin Grand, Berlin „Die Bourne-Verschwörung“ mit Matt Damon und Joan Allen
Sofitel Scribe, Paris Die erste Filmvorführung der Welt durch die Gebrüder Lumiére 1895
Hotel de la Reconquista, Oveida „Vicky Christina Barcelona“ mit Scarlett Johansson, Rebecca Hall und Penélope Cruz
Adlon Kempinski, Berlin „Unknown Identity“ mit Liam Neeson, Diane Kruger und Bruno Ganz
Hotel del Coronado, San Diego „Manche mögen’s heiß“ mit Tony Curtis, Jack Lemmon und Marilyn Monroe
Stoke Park Country Club, Stoke Poges „Bridget Jones“ mit Renée Zellweger, Hugh Grant / „007 – Goldfinger“ mit Sean Connery
Carlton, Cannes „Über den Dächern von Nizza“ mit Grace Kelly, Cary Grant

Neues Gruselgesetz in den USA

Dass Menschen frühmorgens abgeholt werden und einfach verschwinden, ohne dass die Angehörigen wissen, wo sie sind, das kennt man aus der Nazi-Diktatur – und neuerdings auch aus den USA!

Während am 31. Dezember 2011 überall Silvester gefeiert wurde, unterschrieb Präsident Barack Obama klammheimlich ein Gesetz, das so unfassbar gruselig ist, dass man es kaum glauben kann: Der „National Defense Authorization Act“ sieht nicht nur vor, dass im Ausland weiterhin Gefangenenlager der Marke Guantanamo errichtet werden können, sondern dass US-Bürger wie Ausländer weltweit festgenommen und ohne Zeitlimit eingesperrt werden dürfen, falls sie Terroristen sein könnten. Ohne Anklage. Ohne Recht auf einen Anwalt. Ohne Gerichtsverfahren.