Lasst Eure Kinder in Ruhe!

Schon ganz kleine Kinder sollen „gefördert“ werden, so lautet der neue Trend in der Erziehung. Das ist blühender Unsinn: Die Kleinen geraten unter Druck, es kommt zu einem Vergleichswettbewerb – und zum Schaden an ihrer Entwicklung.

Nicht alle Kinder können wirklich Freude in ihrem Alltag erleben. Denn immer mehr Eltern schicken ihre Sprösslinge in Kurse und Trainingseinheiten, die Ursache dafür liegt in einer unterschwelligen Angst um deren Zukunft. Die Angst wird von den Medien im Verbund mit allerlei Psycho-Experten geschürt und von der allgemeinen Entwicklung noch dynamisiert – die fatalen Auswirkungen von Globalisierung und entfesselten Finanzmärkten auf unsere Arbeitsplätze sind für alle zu spüren. Deshalb fragen wir uns: Werden unsere Kinder einmal einen Job bekommen? Werden sie noch den Sozialstaat vorfinden oder nur mehr einen Trümmerhaufen davon? Die Aussichten sind düster.

Daher müssen Kinder, so denken Eltern nun immer häufiger, bestmöglich auf die Härten des Erwachsenenlebens vorbereitet werden. Auch und gerade auf unsere Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft, deren psychopathische Züge gerade jetzt augenfällig werden. Welche Mutter atmet nicht insgeheim auf, wenn ihr Kind besser ist als ein anderes – schöner singt, alle Obstsorten auf Englisch kennt, fehlerfrei ein Klavierstück beherrscht? Offensichtlich macht genau diese Leistung das Kinde zu etwas, was es eigentlich ohnedies bereits ist, nämlich etwas ganz Besonderes. Und, sprechen wir es ruhig einmal aus: Das größte Stück von diesem vermeintlichen Glanz fällt damit auf die Eltern ab. Daher wird gefördert, was das Zeug hält.

Zusätzlich wächst das Interesse vieler Eltern an wissenschaftlichen Studien enorm. Der Glaube an die stets neuesten Erkentnisse der Wissenschaft verdrängt zunehmend die Intuition, die im Zusammenleben mit Kindern so bedeutsam ist. Der Blick auf das Kind, die Achtsamkeit von ehedem, wandert in die entgegengesetzte Richtung: weg vom Kind, hin zu Zahlen und Fakten, die freilich aus höchst unsicheren Quellen stammen und zudem medial aufgebauscht werden. Beinahe täglich lassen wir uns mit den ultimativen Theorien von Psychologen und Neurowissenschaftern abfüttern, die nahelegen, dass für eine optimale Entwicklung der Kinder schon so früh wie möglich etwas getan werden muss. Das führt zu seltsamen Auswüchsen, die zum Glück neuerdings auch Kritiker auf den Plan rufen. Und diese fordern: „Lasst eure Kinder in Ruhe!“

Ein Beispiel: Alexander soll in vier Monaten auf die Welt kommen. Er hat natürlich keine Ahnung davon, sondern schwebt behaglich im Fruchtwasser, schwelgt im Einssein mit seiner Mutter und kann bereits Geräusche unterscheiden. Doch plötzlich sind da stetig wiederkehrende Töne, die sich so ganz anders anhören. Was Alexander nicht weiß: Er wird gerade gefördert – mittels Musik-CD aus dem Supermarkt. Extra designt für ungeborene Genies, deren Gehirnentwicklung beschleunigt werden soll. Und wenn Alexander auf diese Weise ein Genie werden kann, dann haben die Eltern nichts dagegen.

Der Hintergrund: Die US-Psychologin Frances Rauscher entdeckte 1993 im Zuge einer Studie den sogenannten Mozart-Effekt. Bei einem Experiment schnitten Studenten bei der Lösung eines Intelligenztests besser ab, wenn ihnen Musik von Mozart vorgespielt wurde. Mit der Ruhe im Mutterleib, die im Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte bislang sozusagen ein Grundrecht des Fötus blieb, war es fortan vorbei. Hatte man bisher Kleinkinder zum Spielen von Geige und Klavier gebracht, gab es von nun an Förder-CDs zur Stimulation in der vorgeburtlichen Phase. Und so manche Mutter griff beherzt ins Regal, schließlich muss man doch bereits diese neun Monate nützen, das wäre ja – Wahnsinn – verlorene Zeit!

Der Haken bei der Sache: Der Mozart-Effekt konnte nie wiederholt werden. Sprich: Es gibt keinerlei Beweise, dass er wirklich existiert. Dennoch werben Onlineanbieter für eine solche CD: „Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass Babys, die Klassik hören, intelligentere Menschen werden, als Babys, denen man Rockmusik vorsetzt.“ Und wer bitte, will kein intelligenteres Kind? Da sind doch die 14,90 Euro auf jeden Fall gut angelegt, da brauchen wir gar nicht weiter zu überlegen.

Kaum geboren, geht es munter weiter: Stimulationsreize ohne Ende. Alexander wird überallhin mitgenommen, sei es in ein überfülltes Lokal oder auf eine Flugshow. Als Alexander krabbeln kann, folgt sogleich das erste Lernspielzeug. Klingende Bausteine, Seifenblasengerät mit einem speziellen Mundstück, das die Muskulatur für das Sprechen trainiert, ein Früchte-Memory mit passenden synthetischen Gerüchen, über deren weitreichende Folgen für Geschmackssinn und Gesundheit man gar nicht nachdenken will. Jedenfalls: kein Spielen mehr, das ohne ein vorher festgelegtes Ziel, ohne Zweck, auskommt. Alexander spielt mit diesen Sachen, ja. Der kleine Mann kennt es allerdings auch nicht anders. Und so macht er mit, klar.

Aber dann kommt er in den Kindergarten. Endlich andere Kinder, mit denen man auf alle erdenklichen Arten kommunizieren kann – das ist wunderbar für Alexander. Er geht gerne in den Kindergarten. Die Kindergartenpädagogin macht sich dennoch Sorgen, was Mama schnell beunruhigt: Alexander sei oft unwillig, sträube sich gegen die Fördermaßnahmen, er werde dann laut oder verstecke sich. Man müsse ihn erst motivieren – wieder so ein Zauberwort der Erziehungstheorie!

Warum das so ist, wusste der deutsche Pädagoge Wolfgang Bergmann. Der 2011 verstorbene Erziehungswissenschafter kritisierte in seinem Buch „Lasst eure Kinder in Ruhe!“ den Förderwahn im Kindergarten. Eindringlich warnte er vor den Konsequenzen: „Schon in Kindergarten entsteht ein unheimlicher Vergleichswettbewerb, die Kinder geraten enorm unter Druck.“

Sie werden aus ihrer Versunkenheit im spielenden Miteinander herausgerissen und müssen stattdessen die Fördermaßnahmen der Pädagoginnen über sich ergehen lassen – was Wunder, wenn sie protestieren? Dass man solcherart gezwungene Kinder dann erst „motivieren“ muss, liegt wohl auf der Hand. Und zeigt gleichzeitig, dass hier mit großem Aufwand präzise am Ziel vorbeigeschossen wird.

Der wichtigste Prozess in der Entwicklung eines Kindes ist die „Weltbegreifung“, wie es Wolfgang Bergmann formuliert. Das Erobern der Umwelt, wie etwa das kindliche Aufgehen im Be-Greifen einer Blume: wie sie riecht, wie sie sich anfühlt, der Unterschied zwischen Blüte und Stengel. Die Farben, der Größenunterschied zwischen mir und der Blume, und noch schier unendlich vieles mehr. Was lernt das Kind dabei nicht alles, und das ganz von selbst!

weinendes Kind mit schminke im Gesicht

Doch das ist offenbar nicht genug – hier muss man Eingreifen – professionell, nach den modernsten Erkenntnissen, versteht sich. Und so werden die Kleinen im Kindergarten oft in dieser Weltbegreifung gestört, um gefördert zu werden. Zumeist mit Inhalten, die außerhalb der kindlichen Realität liegen, also völlig abstrakt sind. „Hände weg“, fordert Bergmann daher zu Recht, „Hände weg von allem, was sich nicht organisch aus der jeweils aktuellen Erfahrungswelt der Kinder entfalten lässt.“

Was Alexander betrifft: Er kann mittlerweile alle wichtigen Tiere am Bauernhof auf Englisch aufsagen – nur berührt hat er noch nie eines. Dafür fehlt es seiner Mutter an Zeit – und dem Kindergarten an Organisationswillen!

Neben dieser staatlich verordneten Förderung geht es für Alexander zu Hause weiter, sozusagen buchstäblich aus Leibeskräften: Klavier an Montag und Donnerstag, dienstags und freitags Lerngruppe und Schwimmen, musikalische Früherziehung am Mittwoch. Alexanders Mutter ist zunehmend gestresst, sie muss Arbeit, Transfers und Freizeitgestaltung ihres Kindes unter einen Hut bringen. Aber: all das auch bezahlen. Unterm Strich kommt da schon einiges zusammen.

Mami bemüht sich, mit Alexander ins Gespräch zu kommen, während sie wieder einmal zum Schwimmkurs hetzen. Aber sie ist müde, kann nicht wirklich zuhören. Sie lächelt zwar pflichtbewusst, jedoch geistesabwesend. Alexander versteht das nicht, aber er weiß nicht, was er sagen soll. Liebevolle Zuwendung, und um nichts anderes geht es Kindern, bekommt er eigentlich nur, wenn er gut im Schwimmen und in Klavier ist, und Mama freut sich sehr, wenn er hin und wieder der Beste ist.

Als Alexander in die Schule kommt, wird alles noch anstrengender – nicht nur der Terminplan. Denn jetzt sind nicht gute Leistungen gefragt, nein. Jetzt muss er sehr gut sein. Schließlich soll aus dem Kind ja einmal etwas werden. Außerdem müssen sich die vielen Kurse ja auch bezahlt machen. Alexander muss auch hier Leistung erbringen. Und weil Kinder ihre Eltern nun einmal lieben, egal, was diese ihnen antun, möchte er all das Unmögliche auch zu Mamas Zufriedenheit absolvieren.

Im Gymnasium geht es in diesem Modus weiter, doch schon im zweiten Jahr meldet sich der Klassenvorstand bei den Eltern: Alexanders Leistungen hätten rapide abgenommen, er antworte nicht mehr, wenn er etwas gefragt würde. Jetzt fällt es auch Alexanders Mutter auf: Ihr Sohn hat sich verändert, ist still, häufig krank. Seit kurzem braucht es viel Überzeugungsarbeit, damit er seine Freizeitkurse weiter besucht. Auch in die Schule mag er nicht. Ja, selbst das Aufstehen in der Früh klappt nur mehr mit nervtötenden Diskussionen. Alexanders Mutter ist ratlos: Was hat mein Kind bloß?

Die Antwort des behandelnden Arztes wiegt schwer: ein drohendes Burnout. So wie Alexander ergeht es vielen Schülern: Jedes dritte Kind über zehn Jahren leidet massiv unter Stress, allein in Österreich droht rund 60.000 Schülern ein Burnout, der im schlimmsten Fall bis zu Depressionen und Suizidgedanken führen kann. Zumeist aber halten die Kinder und Jugendliche dem Druck einfach nicht mehr stand. Sie flüchten dann in Aggression oder komplette Leistungsverweigerung. Begleitet wird dies bei Mädchen übrigens eher mit Magersucht, bei Buben mehr durch Suizidversuche. Der Weg aus dieser Situation ist langwierig. Ein Arzt muss aufgesucht, eine Therapie begonnen werden. In Alexanders Fall führt diese wahrscheinlich in eine psychosomatische Klinik. An Tennis, Schwimmen oder Klavierspielen ist natürlich nicht mehr zu denken.

Wir brechen hier ab. Natürlich ist Alexanders Fall erfunden. Doch er steht für viele Kinder, die unter dem Förderwahn unserer Leistungsgesellschaft zu leiden haben. Nicht nur die Entwicklung des Kindes auf geistiger und emotionaler Ebene kann dadurch beeinträchtigt werden, auch die Gesundheit steht längerfristig auf dem Spiel. Dabei könnte Förderung so einfach sein, ganz ohne gequälte Kinder und abgehetzte Eltern. Denn die Basis jedes selbstbewussten, leistungs- und beziehungsfähigen Menschen ist einfach – Liebe. Lieben Sie Ihr Kind! Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit ihm, zeigen Sie ihm die Welt, beantworten Sie seine Fragen, seien Sie selbst neugierig. Vertrauen Sie auf Ihr Kind und auf seine Entwicklung. Und verlieren Sie nie den liebevollen Blick. Dann haben Sie das Wichtigste für seine Zukunft schon getan!

Zum Weiterlesen: Wolfgang Bergmann: Lasst eure Kinder in Ruhe! Gegen den Förderwahn in der Erziehung. Kösel-Verlag, München 2011, 14,99 Euro.

Neue Qualität aus der Küche

Firlefanz und exotische Hochpreisprodukte mit langen Transportwegen sind out. Eine anspruchsvolle Küche definiert sich heute über die Qualität der Zutaten, Regionalität ist das Thema. Reiters Supreme – Ein Luxushotel im Burgenland ist hier Vorreiter. Und zeigt, was das genau heißt – eigene Viehzucht inklusive.

Ohne sie geht zurzeit gar nichts: Regionalität. Sie ist in Sachen Genuss das Wort der Stunde. Dass es aber so weit kam, ist Wegbereitern wie Karl J. Reiter zu verdanken.

Den umtriebigen Gastgeber des Reiter’s Supreme in Bad Tatzmannsdorf – mit vier Lilien und zwanzig Punkten im RELAX Guide eines der allerbesten Wellnesshotels in Österreich – darf man daher getrost einen Regionalitäts-Visionär nennen. Denn Reiter hat in seinen Hotels schon in Zeiten auf frische, saisonale Küchenzutaten aus der unmittelbaren Umgebung gesetzt, als man in anderen Häusern noch damit beschäftigt war, kanadischen Hummer 1980er-like mit Ananasscheiben aus der Dose zu dekorieren und neuseeländisches Lamm per Auftauen aus dem Flugtransport-Winterschlaf zu reißen. Für solche pseudo-internationalen Verrenkungen konnte Karl J. Reiter nie Verständnis aufbringen. Trittbrettfahrern wie diversen Fastfood-Ketten oder auch Hotel-Mitbewerbern, die erst dann auf den Regionalitäts-Express aufspringen, wenn bewiesen ist, dass er in Richtung satter Zusatzgewinne fährt, hat er daher nur so viel zu sagen: „Für uns war das Thema Regionalität immer schon einer der wesentlichen Aspekte, wir haben die Sehnsucht der Gäste nach ursprünglichem Essen schon früh erkannt. Bei uns gab es nie eine Pizza Globale, von der wir uns jetzt, wo das Gegenteil Trend ist, verschämt distanzieren müssten.“

In der Küche des Luxushotels Reiter’s Supreme werden daher schon seit jeher fast ausschließlich Lebensmittel aus der Region verarbeitet. Karl J. Reiter: „Normalerweise kauft man alles über ein paar anonyme Großhändler ein. Mir ist es aber sympathischer, wenn wir unsere Zutaten von vielen kleinen Produzenten beziehen, die man persönlich kennt und denen man absolut vertrauen kann.“ Die beständig hohen Auszeichnungen von Restaurantführern – auch heuer gab es wieder zwei Hauben – bestätigen diese Linie. Und sie strafen all jene Lügen, die meinen, für eine anspruchsvolle Küche bräuchte es exotische Hochpreisprodukte mit langen Transportwegen. „Belugakaviar, Gänsestopfleber, Blattgold auf Desserts und anderer Firlefanz … ich bin dieses ganzen Brimboriums wirklich überdrüssig“, sagt Reiter. Und zeigt, dass sich Luxus heute über Frische, Qualität und heimische Herkunft definiert.

Um diesen Wert den Gästen noch mehr zu verdeutlichen, werden in der Morgenzeitung und auf den Speisekarten des Reiter’s Supreme die Lieferanten stets angeführt. Weil es schließlich nicht egal ist, woher unsere Lebensmittel kommen.


Fotos: Reiter´s Supreme

Eine kulinarische Besonderheit im Reiter’s Supreme ist Fleisch vom pannonischen Mangalitzaschwein. Ja, könnte man sagen, mit wiederentdeckten alten Rassen schmücken sich derzeit viele Küchen. Doch welches Hotel kann mit einer eigenen Zucht aufwarten? Das Reiter’s Supreme schon: Schweine, Kälber, Rinder und Schafe – die Tiere wachsen auf hoteleigenen Höfen in Tirol, im Burgenland oder in der Steiermark auf. Unter streng kontrollierten, allerbesten Bedingungen. „Das ist mir schon lange ein großes Anliegen“, sagt Reiter. „Man darf nicht nur Regionalität und Nachhaltigkeit predigen, man muss diese Werte auch vorleben.“ Soeben hat man übrigens eine ganz neue Spezialität kreiert: einen hauseigenen Mangalitza-Lardo! Weißer Speck, nach italienischer Art mit Meersalz in Basalt gereift – er macht vom ersten Blatt an süchtig.

Ein solches Engagement ist, das können die vielgereisten Tester des unabhängigen RELAX Guide bestätigen, vor allem in Hotels dieser Größenordnung etwas ganz Besonderes. Genauso wie die vielen anderen Superlativen, die das Reiter’s Supreme ausmachen.

Es liegt direkt am 27-Loch-Golfplatz (mit David-Leadbetter-Schule), verfügt über den größten privaten Lipizzanerreitstall der Welt und nicht weniger als 120 Hektar hoteleigener Grünflächen – endlose Lauf- und Spazierwege inklusive. Weltweit ist der Redaktion kein einziges Hotel bekannt, das einen größeren ausschließlich den Hausgästen vorbehaltenen Wellnessbereich zu bieten hätte als das Reiter’s Supreme. Allein schon die Wasserflächen haben ein Mehrfaches von dem, was viele öffentliche Thermen ihren Tausendschaften von Gästen offerieren können! Alles ist modern und höchst angenehm gestaltet, dazu kommen ein großer FKK-Außenbereich, eine ausreichende Anzahl an Liegen und viele Möglichkeiten, immer sein ganz persönliches Ruhe- und Kraftplätzchen zu finden.

Fazit: Es ist Wellness vom Feinsten. Das großartige Spa, die Ruhe, die weite Landschaft ringsum, die ungekünstelte Freundlichkeit der Mitarbeiter und nicht zuletzt die ausgezeichnete Küche. All das zeigt, was Verwurzelung ist, erdet uns mit regionaler Kraft. Und signalisiert: Wir müssen nicht immer versuchen, gleichzeitig woanders zu sein. Karl J. Reiter, der Hotelvirtuose aus Tirol, der durch seine Bodenhaftung beeindruckt, hat schon Recht: Regionalität ist mehr als bloß eine Modeerscheinung.

Das Reiter’s Burgenlandresort besteht aus dem Fünfsternhotel Reiter’s Supreme und dem auf Kinder und Babys spezialisierten Vierstern-superior-Hotel Reiter’s Avance, die Qualitätskriterien für die Küchenzutaten gelten in beiden Häusern.

Mehr Info: Fon +43-(0)3353-8841-607, auf www.reitersburgenlandresort.at sowie auf RELAX Guide – Reiters Supreme

Die Patchwork-Lüge

Scheidungskinder neigen stärker zu Depressionen und Drogenkonsum als Jugendliche aus intakten Familien. Die gesellschaftliche Heile-Welt-Blase ist geplatzt.

Henri Rousseau / Copyright -  The Barnes Foundation, Merion Station, Pennsylvania/Corbis
Henri Rousseau / © The Barnes Foundation, Merion Station, Pennsylvania/Corbis

Patchwork ist modern, cool und unkonventionell, das gaukeln uns die Medien in bunten Bildern Tag für Tag vor. Die Wahrheit ist eine andere: Scheidungskinder können so etwas wie psychisch tickende Zeitbomben sein: „Sie haben kein Gefühl für Bindungen, für Liebe und Solidarität. Sie sind Vagabundierende ohne feste Beziehungen, an keinem Ort verankert, sogar ohne Bezug zum eigenen Ich“, wie die deutsche Autorin Melanie Mühl resümiert. Dieser Befund lässt eine der größten gesellschaftlichen Blasen der Gegenwart platzen: Die vermeintlich heile Welt der Patchworkfamilie, wie sie uns etwa auch Hollywood-Stars regelmäßig im Vorabendfernsehen vorspielen, entpuppt sich allmählich als Scherbenhaufen.

Fast jede zweite Ehe wird heute geschieden, über die Trennungsrate von nicht verheirateten Eltern kann man nur spekulieren. Jedenfalls kennt man längst mehr Patchworksprösslinge als Mitglieder einer klassischen, traditionellen Familie. Patchwork ist Alltag geworden. Wurden solche Verbände früher noch als „Zweitfamilie“ oder „Stieffamilie“ bezeichnet, gibt es seit den 1990er Jahren den Begriff „Patchwork“. Der Unterschied ist augenfällig: Die alten Bezeichnungen suggerieren noch ein Davor, eine ursprüngliche Familie. Der Begriff Patchwork meint dagegen schlicht „Flickwerk“, stammt ursprünglich aus der Textilverarbeitung und war zunächst eher abwertend gemeint – Schrott und Ausschuss sind Synonyme –, im Duden steht er erst seit dem Jahr 2000.

Heute hingegen haftet der Patchworkfamilie nichts Negatives mehr an. Das Flicken, das Zusammenbringen von unterschiedlichsten Menschen und Bedürfnissen wird längst sogar als etwas Lässiges und Positives gewertet. Das Früher, der geplatzte Traum von der großen Liebe, ist kein Thema mehr. Patchwork heißt: Kein Problem, zurück an den Start, einfach nochmals probieren. Tschüss!

Die Bedeutungsverschiebung setzte ein, als dieses Familienmodell gesellschaftlicher Alltag wurde – und das ist noch nicht lange her. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine Vielzahl von Männern, und damit auch Vätern, tot oder vermisst waren, hatten es die Frauen und Kinder wahrlich nicht leicht. Die Mütter, oft gar nicht oder nur schlecht ausgebildet, mussten die Familien versorgen, den „Vater-Part“ also auch übernehmen. Da kam ein neuer Mann, ob er nun eine neue Liebe war oder nicht, gerade recht. Schließlich war „Vater-Mutter-Kind“ ein Ideal, „Mutter-Kind-Stiefvater“ die zweite Wahl, aber besser als alleinerziehend – schon nur aus finanziellen Überlegungen. In der Nachkriegszeit waren Romantik und die große Liebe eher zweitrangig.

Mit der 1968er-Revolution begann das soziale Gefüge zu wanken. Gesellschaftliche Rollenbilder wurden neu überdacht, auch die der Mutter und des Vaters. Die klassische Familie stand plötzlich im Verdacht, ihre Mitglieder kaputt zu machen und ziemlich gefährlich für die emotionale Entwicklung der Kinder – und damit auch für deren zukünftige Spielräume bei der Selbstverwirklichung – zu sein, hatte sie doch eine Generation zuvor nur dumpfe Nazis hervorgebracht.

Zur gleichen Zeit begann die Individualisierung der Gesellschaft: Jeder sollte fortan sein eigenes Glück finden dürfen. Und sollte man irgendwann ernüchtert feststellen müssen, dass man nicht mehr glücklich ist, dann schaut man sich eben ganz einfach woanders um. „Anything goes“, lautete das Motto. Die radikalste Ausformung dieser Ansicht war wohl in den Kommunen der 1960er und 70er Jahre zu finden. Die meisten Mitglieder der jungen Generation waren sich in einem Punkt einig: Alles Althergebrachte strikt ablehnen, und bloß nicht die alten Muster wiederholen!

Waren Scheidung und das Gründen einer neuen Familie kurz zuvor noch das gewagte Ausprobieren eines radikal anderen Lebensentwurfes, so wurde dieses Familienmodell sukzessive vorherrschend. Und wonach die Mehrheit lebt, das kann doch nicht schlecht sein. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wurde die Patchworkfamilie umgewertet: Niemand muss mehr in einer frustrierenden Beziehung sein Leben fristen, denn die neue Liebe wartet schon! Mach dich frei, es gibt mehrere passende Partner für dich, finde dein Glück! Und auch die Kinder, so hieß es, könnten davon nur profitieren. Klar, zuerst müssen sie durch den Schmerz hindurch, denn sie werden ja vom geliebten Vater oder, weitaus seltener, von der geliebten Mutter verlassen. Dann aber, so wurde suggeriert, erleben sie, wie wunderbar bereichernd neue Geschwister, ein neuer Papi, eine zusätzliche Oma und ein dritter Opa wirken. Das Je-mehr-desto-besser machte Schule, und so gibt es heute Familienkonglomerate mit acht Omas und einer unüberschaubaren Anzahl von Cousins. Patchworkkinder müssen demnach flexibel sein – es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Sie würden, so hieß es, früher selbstständig, und sie könnten Verantwortung übernehmen. Zumindest unterschwellig war der Tenor, dass Kinder mit einer Patchworkfamilie besser dran sind als mit einer traditionellen. Diese Fülle von neuartigen sozialen Verbindungen!

All das, so zeigt sich rückblickend, war jedoch fatal. In ihrem Buch „Die Patchwork-Lüge“ entzaubert die FAZ-Journalistin Melanie Mühl dieses moderne Familienmodell. Sie stützt sich dabei auf eine Langzeitstudie der US-Psychologin Judith Wallerstein, die über 25 Jahre 131 Kinder aus Scheidungsfamilien begleitet hat. Deren Entwicklung verglich die Wissenschafterin mit Kindern, die aus einer ähnlichen Familie (kalifornischer Mittelstand) stammten, deren Eltern jedoch weiterhin verheiratet waren. Außerdem wählte sie nur solche Kinder aus, die zu Beginn der Studie psychisch robust waren.

Nun, 25 Jahre später, zeigt sich, was der gesunde Hausverstand immer schon geahnt hatte: Scheidungskinder werden signifikant häufiger depressiv, sie neigen stärker zu Drogenkonsum, zu Nikotin- und Alkoholmissbrauch, und sie begehen sogar häufiger Selbstmord als Kinder aus intakten Familien. Selbst im Erwachsenenalter leiden sie noch unter dem Verlustschmerz. Sie sehnen sich nach der echten Familie, landen dann allerdings nahezu doppelt so oft vor dem Scheidungsrichter wie die anderen.

Es geht nicht um die Beschwörung eines heilen Familienbildes, das es ohnedies nie gegeben hat. Und es ist klar, dass auch Patchworkfamilien funktionieren können, dass auch in ihnen glückliche Kinder heranwachsen, die das Leben meistern werden. „Dennoch darf man nicht vergessen“, warnt Melanie Mühl, „dass Scheidungskinder das Gegenteil von Verbindlichkeit erleben. Die Familie, die Halt gab, Geborgenheit, Sicherheit, die existiert plötzlich nicht mehr, das ist ein Schock. Die Kinder sahen zu, wie das, was sich trennend zwischen ihre Eltern geschoben hat, letztlich den Sieg davontrug.“

Diese Kinder haben das Scheitern verinnerlicht. Sie wissen nicht, wie man Konflikte beilegt, sie wissen nicht, wie man die Familie gegen Angriffe von innen und außen verteidigt. Mühl: „Sie wissen nicht, wie Familie funktioniert, wie sich Zusammengehörigkeit anfühlt, was eine Schicksalsgemeinschaft ist, sie haben es ja nie gelernt. In ihrer Vorstellungswelt ist nichts von Dauer. Alles kann jederzeit auf den Kopf gestellt werden.“

Das Glück der Eltern ist nicht das Glück der Kinder. Eltern können neu anfangen, Kinder nicht. Sie lernen, dass es keine Beständigkeit gibt, dass alles ersetzbar ist – und daher keinen Wert hat.

Scheidungskinder müssen über den Schmerz des Verlassenwerdens hinwegkommen, danach Mühsal und Hürden einer Fernbeziehung überwinden, was schon für Erwachsene kaum bewältigbar ist. Scheidungskinder müssen es schaffen, nicht in die Falle der Elternrolle zu tappen, also den verbliebenen Elternteil zu stützen, die Geschwister zu versorgen, Partnerersatz und Ratgeber sein zu wollen. Dazwischen sollten sie es aushalten, wenn die eigenen Eltern schlecht übereinander reden. Das muss gar nicht direkt passieren, schlimm genug sind schon Sticheleien wie „Wenn deine Mutter möchte, dass du reiten gehst, dann soll sie das auch selbst bezahlen.“

Hinzu kommt die Tatsache, dass Eltern zumeist eine besondere, ganz eigene Beziehung und Nähe zu ihren biologischen Kindern haben. Der Stiefmutter kommt man eben nicht immer so nahe wie die Stiefgeschwister, das muss man erst einmal verkraften! Und noch vieles andere durchleben, wenn man in ein Patchwork gesteckt wird.

„Wir sitzen in einem gesellschaftlichen Experiment fest, das wir auf den Weg gebracht und über das wir die Kontrolle verloren haben“, schreibt Melanie Mühl. Die Zahl der Scheidungskinder wächst kontinuierlich, das Trauma von Trennung, Liebesentzug und die Notwendigkeit, zum Manager der eigenen Gefühle zu werden, weil man den Vater nur an jedem zweiten Wochenende sieht und Sehnsucht in diesem Zeitplan nicht vorgesehen ist, führen unweigerlich in die innere Emigration. Mühl: „Das Gehirn fährt die Gefühle automatisch herunter, so, als handle es sich um den Lautstärkeregler einer Stereoanlage.“

Es gehe nicht um Einzelschicksale, so Mühl, vielmehr jedoch um den zukünftigen Zusammenhalt der Gesellschaft. Denn die Opfer der Vergangenheit sind die Täter der Zukunft. „Was Kindern angetan wird, das werden sie der Gesellschaft antun“, sagte der US-Psychiater Karl A. Menninger. Irgendwann werden die Kinder erwachsen sein und dann die psychische Befindlichkeit einer ganzen Generation prägen.

Zum Weiterlesen: Melanie Mühl: Die Patchwork-Lüge. Eine Streitschrift. Hanser, 16,90 Euro

© Coverbild: Henri Rousseau / © The Barnes Foundation, Merion Station, Pennsylvania/Corbis

Liegen im Überfluss

Weltrekord: Das Kranzbach in Bayern bietet im Spa mehr Ruheliegen als Betten in den Zimmern! Dazu ein höchst stilvolles Ambiente, absolute Ruhe vor gewaltigem Panorama und Wohngenuss ohne Grenzen.

Zugegeben, so spannend klingt das nicht – aber oft reicht schlicht die völlige Absenz von Ärgernissen, um einen Wellnessurlaub perfekt zu machen. Dieser Zustand ist freilich alles andere als leicht zu finden: So ist man manchmal selbst in den besten Häusern dazu gezwungen, Ruheliegen mit Handtüchern zu reservieren. Ein Ärgernis, aber dennoch die einzige Möglichkeit, zu einer wohlverdienten Ruheliege zu kommen.

Der kritische RELAX Guide prangert seit Jahren die oft geradezu schamlos kleine Anzahl an Liegen im Verhältnis zur Gästeschar an, heute eine der größten Schwächen der Wellnesshotellerie. Konsequenterweise druckt der RELAX Guide daher neben der Zahl der Betten auch die der Ruheliegen ab. Und stieß bei einem Hotel auf überraschende Zahlen: Das Kranzbach, ein Ausnahmehaus bei Garmisch-Partenkirchen, hält doch tatsächlich mehr Liegen als Betten bereit, gefühlte fünf pro Gast! Und das Kranzbach setzt gleich noch eins drauf: Der Wellnessbereich ist ausschließlich Hausgästen vorbehalten – speziell in Deutschland alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das Credo dieses stilvollen Hotels – mit der Höchstnote von 20 Punkten und vier Lilien bewertet – ist somit klar: Man will seinen Gästen das ermöglichen, worauf es bei einem Wellnessurlaub eigentlich ankommt, was aber so oft missachtet wird: wahre Erholung. Ohne Einschränkung.

Dafür garantiert schon einmal die konkurrenzlos geniale Lage: Das Kranzbach liegt inmitten eines Naturschutzgebiets auf einem sonnigen Hochplateau samt eigener Bergquelle – 15 km von Garmisch-Partenkirchen entfernt, fern von jeglichen Störfaktoren der heutigen Zeit. Kein Shoppingtempel, keine Lokalmeile, kein niveauloses Vergnügungscenter lenkt den Gast hier ab. Keine Straße ist zu hören, kein Hochspannungsmast stört das Auge. Rundherum nur Bäume, Wiesen, Berge – der pure Luxus, diese Lage. Und man hat die außergewöhnliche Natur hier bestmöglich genützt: Das Spa des Kranzbach, ein moderner Anbau an das Stammhaus im „Arts & Craft“-Stil eines englischen Herrenhauses, wurde quasi in die Tannen hineingebaut. In den weiten Räumen im Obergeschoß hat man das Gefühl, buchstäblich über den Zweigen zu schweben. Wer den Blick dabei auf die überwältigende Bergwelt richtet – Zugspitze, Wetterstein, Karwendel bilden das atemberaubende Panorama –, erlebt, wie die steinernen Riesen durch ihre absolute Unverrückbarkeit das Gefühl vermitteln, bei sich selbst anzukommen.

Hotel bei Nacht
Foto: Das Kranzbach

Im Vorjahr wurde das ohnehin schon weitläufige Kranzbach-Spa noch einmal grandios erweitert: durch ein Ladys-Spa mit Dampfbad, Biosauna, finnischer Sauna, Plauderecke, Schminktisch und eigener Teestation. Und auch im neuen Teil: offene Kamine, Liegen und Ruheräume, wohin der Blick auch fällt. Dazu reichlich Kuscheldecken und Leselämpchen – an alles wurde gedacht.

Wer will, dem bietet das Kranzbach Yoga als besonderen Schwerpunkt. Im Yogastudio mit Plattformen im Freien öffnet sich das Herz freilich nicht nur durch die Übungspositionen, sondern auch durch den freien Ausblick auf die Weite der herrlichen Natur ringsum.

Auch die Zimmer im modernen Gartenflügel bestechen durch ein ganz spezielles weites Raumgefühl – eine willkommene Nebenwirkung der klugen gestalterischen Schlichtheit: ruhige Farben, hochwertige Holzböden, Lesesessel zum Versinken, großartige Betten – übrigens das heurige Guter-Schlaf-Highlight für die Tester des RELAX Guide – und viel Platz und Licht im Bad.

Hotel Kranzbach
Foto: Das Kranzbach

Im historischen Trakt indes, der nach der ursprünglichen Besitzerin, einer exzentrischen Lady, „Mary Portman House“ genannt wird, sind die Zimmer gänzlich anders gestaltet: Riesige Hummeln flattern auf schräg-nostalgischen Tapeten, klassisches englisches Karo auf dem Teppich wird mit extravaganten Chaiselongues in Knallfarben sowie Designerlampen kombiniert. Hier wurde lobenswert mutig renoviert und in einer herrlich würzigen Mischung aus Alt und Neu möbliert – besonders geeignet für urbane Querdenker mit Hang zur Neo-Bourgeoisie und Abneigungen gegen den grassierenden Hotelzimmereinheitsbrei.

Ähnlich erfrischend skurril wie die Zimmer im Mary-Portman-House sind die endlosen Salons im Erdgeschoß gestaltet: Das Interieur kommt mit einer augenzwinkernden Prise Oversize daher – seien es die überdimensioniert gedrechselten Beine eines Tisches oder raumhohe Schreibtischlampen –, es macht mit seinen gewagten Farbkombinationen staunen und sorgt dafür, dass man sich hier ein klein wenig wie bei Alice im Wunderland fühlen wird.

Bodenhaftung beweist die Küche des Kranzbach: Die hauseigene Küchenphilosophie besagt, dass man zum überwiegenden Teil regionale Produkte verwendet und nicht nur die edlen Teile eines Tieres verarbeitet, sondern möglichst alle – Stichwort „Nose to Tail“. Besonders am Herzen liegt Küchenchef Thomas Reichl, dass auch jene Gäste vorbehaltlos genießen können, die an Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden. Diese sieht der Koch, der auch Ernährungsberater ist, nämlich nicht als Hindernis, sondern als Herausforderung. Und ermöglicht somit allen Genuss ohne Einschränkung. Und das macht das Kranzbach perfekt.

RELAX Guide Hotelkritik: Hotel Kranzbach

Mehr Info: Fon +49-(0)8823-928000 und daskranzbach.de sowie RELAX Guide – Das Kranzbach

Erfolgreicher mit Charme und Stil

Ein neuer Faktor für den Erfolg eines Menschen wurde vor kurzem definiert: das „erotische Kapital“. In dieses sollte investieren, wer beruflich vorwärtskommen will.

lächelnde Frau steht im Vordergrund, Mann im Hintergrund
Foto: © Julian Rupp / Westend61 / Corbis

Barbara wurde befördert. Sie war ebenso lange in der Firma wie ihr Kollege Oliver. Im Büro fragen sich alle, was für diese Entscheidung den Ausschlag gegeben hat. Warum Barbara und nicht Oliver? Die Kollegen munkeln, können aber nur mutmaßen. Auffällig ist, dass sich Barbara vor kurzem verändert hat, und zwar just zu dem Zeitpunkt, als der Termin für das Gespräch mit dem Geschäftsführer feststand. Sie nahm ein wenig ab, wirkte durch das viele Joggen, von dem sie immer wieder erzählte, straffer und präsenter. Von zu knappen Jeans wechselte sie zu perfekt sitzenden Hosenanzügen, ihre neue Frisur verlieh ihr zusätzliche Ausstrahlung.

Sie denken, dieser Zusammenhang sei banal? Sie meinen, dass betriebliche Entscheidungen nicht auf Äußerlichkeiten basieren dürften, weil es doch um die berufliche Kompetenz geht?

Nach den Thesen der britischen Soziologin Catherine Hakim wurde der übergangene Oliver absolut fair behandelt. Barbara hat ihm lediglich eines voraus: Sie machte von einem der wertvollsten Güter des Menschen Gebrauch – dem erotischen Kapital!

Damit ist aber nicht etwa ein wogendes Dekolleté oder der Einsatz eines Minirocks gemeint. In ihrem Buch „Erotisches Kapital. Das Geheimnis erfolgreicher Menschen“ beschreibt die Wissenschafterin das erotische Kapital als „Mischung aus Charme, Stil, Lebendigkeit und sozialer Attraktivität“, was auch die Fähigkeit, sich beliebt zu machen, weiters Humor und Vitalität miteinschließt. Nach Auswertung zahlreicher Studien steht für sie fest: Das erotische Kapital ist die vierte Säule für den Erfolg eines Menschen. Die ersten drei, nämlich ökonomisches Kapital (Geld), humanes Kapital (Intelligenz, Bildung und Ausbildung) sowie soziales Kapital (Kontakte, Netzwerk) wurden bereits vor knapp 30 Jahren definiert – von Pierre Bourdieu, einem französischen Soziologen.

Jeder, so Hakim, verfügt über mehr oder weniger erotisches Kapital. Es lässt sich, wie die anderen drei auch, steigern und vergrößern – etwa durch Körperpflege, stilvolle Kleidung oder häufige Friseurbesuche. Man muss nur das Beste aus sich herausholen.

Um eines klarzustellen: Intelligenz, Bildung und Ausbildung sind die bei weitem besten Voraussetzungen auf dem Weg zu beruflichem Erfolg. Gut ausgebildete Menschen, die weiter denken können, werden wohl immer die besseren Jobs bekommen – zumindest in den meisten Organisationsstrukturen. Doch ebenfalls bedeutsam ist auch das erotische Kapital.

Unternehmen haben das längst verstanden: Bei gleicher Qualifikation wird der attraktiver aussehende Kandidat für den Job engagiert. Personalchefs machen das erotische Kapital zur Prämisse, können sie doch davon ausgehen, dass attraktive Menschen besser verkaufen. Dafür braucht man in der Privatwirtschaft keine Wissenschaft, das ist eine Sache der Erfahrung.

Dagegen scheute die Wissenschaft bislang offenbar den Blick auf die Realität. Nur so ist es zu erklären, dass sie der Wirkung des Äußeren bisher kaum Beachtung schenkte. Aus der Psychologie ist lediglich der Halo-Effekt bekannt: Er beschreibt, dass attraktiven Menschen eine höhere Intelligenz, mehr Leistungsfähigkeit und eine bessere soziale Kompetenz zugeschrieben werden als unattraktiven. Allerdings nur vermeintlich. Weil die Verpackung sohin wichtiger wird als der Inhalt, galt der Halo-Effekt als Wahrnehmungsfehler – ein Umstand, den es nun gründlich zu überdenken gilt.

Erotisches Kapital bringt beide Geschlechter beruflich voran. Aber noch ziehen Männer wesentlich mehr Vorteile daraus: Sind sie groß gewachsen, gepflegt und charmant, dann befinden sie sich in höheren Positionen als ihre äußerlich unscheinbaren Konkurrenten. Und sie verdienen auch besser: je nach Branche bis zu 20 Prozent mehr, wie Catherine Hakim herausgefunden hat. Attraktive Männer sind aber nicht nur erfolgreicher als ihre weniger attraktiven Kollegen, sondern auch erfolgreicher als gutaussehende Frauen mit gleicher Qualifikation, wenn diese ihr erotisches Kapital nicht einsetzen – und das tun die wenigsten. Dabei könnten Frauen von ihrem erotischen Kapital sogar deutlich mehr profitieren als Männer. Warum?

Laut Hakim liegt das am „Sexdefizit“ der Männer. Sie wollen stets mehr Sex als Frauen – und das in jedem Alter und quer durch alle Kulturen. Daher sind Männer auch bereit, sich für Sex anzustrengen. Machten sich mehr Frauen diesen Umstand zunutze, dann erhielten sie größere Macht.

Frauen und Macht? Das sah die Männerwelt in der Vergangenheit nicht gern, deswegen wurde das erotische Kapital der Frauen seit Jahrhunderten im Zaum gehalten: vor allem durch Kleidungsvorschriften und züchtige Verhaltensregeln. Nur so konnten die Männer die Macht für sich sichern, ja es sogar so weit bringen, dass die Frauen ihr erotisches Kapital als etwas Schlechtes, Verwerfliches zu begreifen begannen.

Paradebeispiele dafür sind heute die islamischen Staaten: von Kopf bis Fuß verhüllte Frauen, strengste moralische Regeln im Zusammenleben der Geschlechter.

In den westlichen Industriestaaten ist heute die Vorherrschaft der Männer erodiert, so aufgeweicht wie noch nie zuvor. Wieso aber klappt dann das mit dem erotischen Kapital bei den meisten Frauen noch immer nicht? Die Antwort ist ebenso kurz wie irritierend: Schuld ist der moderne (angelsächsische) Feminismus.

Er schlägt nämlich seltsamerweise in dieselbe Kerbe wie das Patriarchat und verkennt die Macht, die Frauen durch ihr erotisches Kapital haben könnten. Der Grundgedanke des Feminismus ist die absolute Gleichheit zwischen Mann und Frau. Daher muss eine Frau dieselben Werkzeuge in die Hand nehmen wie ein Mann, um erfolgreich zu sein. Das Ergebnis sind die berühmten „Karrierefrauen“, die männlicher wirken als so mancher Mann.

Die Feministinnen verkennen aber zwei Tatsachen: Erstens ist das erotische Kapital ein Werkzeug der Männer. Zweitens sind Männer und Frauen überhaupt nicht gleich gestrickt, wie ja beispielsweise auch das männliche „Sexdefizit“ zeigt.

Seit der Veröffentlichung ihrer Arbeit muss sich Catherine Hakim, die im Übrigen als Expertin für Frauen in der Arbeitswelt gilt, gegen aufgebrachte Feministinnen wehren. Sie werfen ihr vor, alte Geschlechterrollen zu zementieren – à la „Männer sind triebgesteuert, Frauen müssen gefallen“.

Weitaus interessanter ist aber ein Ergebnis Hakims, das in der öffentlichen Debatte mehr oder weniger untergeht. Die Soziologin sieht ein „generelles Muster, dass die Privatwirtschaft mehr attraktive Menschen anzieht als der öffentliche Sektor“. Auf den Punkt gebracht: Die Hässlichen arbeiten beim Staat!

Mag sein, dass die Aussage gewagt ist. Aber die These, so erfrischend politisch unkorrekt sie auch klingen mag, leuchtet auf den zweiten Blick ein. Denn wo keine Konkurrenz herrscht, wo der Job auf Lebenszeit erhalten bleibt, ohne dass man täglich um ihn kämpfen muss, dort läuft man Gefahr, sich gehen zu lassen. Da spielen dann auch Übergewicht, geschmacklose Farbkombinationen bei der Kleidung oder eine lockere Einstellung zur Körperpflege keine Rolle mehr.

Nun mal ganz unter uns: Haben Sie noch nie mit einem Beamten, etwa am Finanzamt, Magistrat oder im Schulwesen, zu tun gehabt, dessen Kleidungsstil oder Auftreten wohlwollend als „eigentümlich“ bezeichnet werden konnte? Eben. Die Charaktere der ORF-Comedy-Serie MA 24/12 waren uns nicht fremd, sondern bestens vertraut, auch wenn sie vornehmlich am Wiener Verkehrsamt der späten 1980er Jahre ihre Anleihe nahmen. Jedenfalls kennt jeder mindestens einen Staatsbeamten, auf den Hakims These perfekt passt.

Brisant ist auch ein weiteres Studienergebnis von Catherine Hakim, die übrigens selbst einige Jahre Beamtin war: 85 Prozent der Teilnehmer, egal aus welcher sozialen Schicht oder welchem Kulturkreis sie auch stammen, stimmen darin überein, was attraktiv oder weniger attraktiv ist. Die Eckdaten in aller Kürze: symmetrische Gesichtszüge, ebenmäßiger Teint, harmonischer Körperbau. Das gilt für den Europäer ebenso wie den Asiaten, für die Lehrerin ebenso wie für die Punkerin. „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, heißt es – der Volksmund hat leider nicht immer Recht.

Egal, was man von Catherine Hakims Thesen halten mag: Gänzlich von der Hand zu weisen ist die Wirkung einer gepflegten, charmanten und stilvoll gekleideten Person nicht. Umso schwerer verständlich ist die Tatsache, dass so wenige Menschen auf ihr Äußeres achten. Auch Hakim fragt sich: „Wir gehen zwölf Jahre lang in die Schule, kaufen Bücher und verbringen viel Zeit damit, sie zu lesen. Wieso kümmern wir uns nicht etwas mehr um unsere Frisur oder um die Schuhe?“ Mit Anstrengung und persönlichem Einsatz könne, so Hakim, das erotische Kapital vergrößert werden: „Jeder hat etwas, was ihn attraktiv macht.“

Weiterführende Links: Romantik Wellness

Zum Weiterlesen: Catherine Hakim: Erotisches Kapital. Das Geheimnis erfolgreicher Menschen. Campus, 19,99 Euro

© Coverbild: © Julian Rupp / Westend61 / Corbis

Ferien bei Balu & Co

Drei wunderbare Hotels, in denen Kinder viel Ferienspaß erleben und Eltern ruhigen Gewissens ein wenig Urlaub von ihren Kindern machen können.

bemalte Kinder
Foto: Löwe & Bär

Ziemlich sicher ist: Kinder sind anstrengend, energieraubend und zuweilen sogar nervtötend, vor allem aber sind sie der beständigste Quell des Glücks im Leben. Weil das so ist, möchten Eltern im Urlaub gerne ihren Kindern eine wunderbare Zeit schenken, gleichzeitig aber auch ein bisserl Zeit für sich selbst haben und für seltene Übungen wie unbeschwert schifahren, oder bei einer Massage sanft wegschnurren. Und dann war da noch die Sache mit den drei Buchstaben, die mit X aufhört und die Eltern noch von früher kennen, als der Nachwuchs noch nicht vor der Schlafzimmertür stand. Kinder wiederum wissen ganz genau, wie ätzend langweilige Dinge Erwachsene im Urlaub machen und was sie selbst möchten: mit anderen Kindern spielen, viele lustige Sachen machen, auf jeden Fall Bewegung, Action, Spaß und nicht stundenlang ruhig am Restauranttisch sitzen müssen.

Da trifft es sich gut, dass es österreichische Hotels gibt, die sowohl Eltern als auch Kinder glücklich machen können. Eine der besten Adressen dieser Spezies besteht aus zwei Häusern mit vielversprechenden Namen: die Kinderhotels Löwe und Bär in Serfaus. Vom Ehepaar Maria und Heijo Heymich geführt, warten sie mit jeweils sieben liebevollen Kinderbetreuerinnen auf, die sich von 8 bis 21 Uhr um die Kleinen kümmern. Auf insgesamt 2.000 m2 wartet ein Spielparadies für Knirpse mit Programmen in vier Altersgruppen. Da gibt es zum Beispiel eine Zauberschule wie bei Harry Potter. Oder den neuen Kinderpool im Löwen mit der tollen Wasserrutsche. Und schließlich ist da noch das große Theater, wo Kinder mit Feuereifer lustige Rollen üben können. „Das Stück wird dann bei einer Vorstellung voller Stolz den Eltern präsentiert“, sagt Maria Heymich. Und im Winter gibt es Kinderschikurse, die direkt vor dem Haus beginnen – die Schischule Serfaus hat übrigens 300 Schilehrer! Eine Woche mit „Super-Inklusiv-Pension“ in einer Suite (zwei Erwachsene, bis zu vier Kinder) wird ab 1.047 Euro pro Erwachsenen offeriert, Kinder zahlen 260 Euro. Die luxuriösesten Suiten sind nach dem gemütlichen Dschungelbuch-Bären Balu benannt.

Löwe und  Bär
Foto: Löwe & Bär

In Südkärnten hat sich der Brennseehof vor allem auf Sportliche spezialisiert: Er bietet täglich Kinderbetreuung von 9 bis 21 Uhr – und zu jeder Jahreszeit mindestens zehn Sportarten! „Bei uns werden die Kinder eben nicht einfach abgegeben und irgendwie beschäftigt“, sagt Gastgeberin Erika Palle. „Sie sollen richtig Spaß haben und sich vor allem viel bewegen.“ Dabei spielt auch der schöne See direkt vor der Tür eine wichtige Rolle: Im Sommer stehen Schwimmen, Segeln (sogar schon für Siebenjährige) oder Surfen ganz hoch im Kurs, im Winter wird auf dem zugefrorenen See Schlittschuh gefahren. Im Brennseehof kümmert man sich aber nicht nur um die ganz Kleinen, sondern auch um Teenager. „Da ist dann nicht mehr die liebe Kindergartentante interessant, sondern der coole Surflehrer oder spannende Mountainbike-Touren, Tennis oder Beachvolleyball“, weiß Erika Palle. Für die Eltern gibt es derweil „See-Wellness“ – Freibecken direkt am Strand inklusive. Von dort kann man auch im Winter im bacherlwarmen Wasser auf den zugefrorenen, winterlichen See blicken. Eine Woche Halbpension in der besten Kategorie (Luxusapartment Himmelsstiege für vier bis sechs Personen) plus sechs Tage Schipass wird ab 719 Euro angeboten, die Kinderbetreuung ist kostenlos.

Brennseehof
Foto: Brennseehof

Das dritte Haus, das Seekarhaus bei Obertauern, ist kein „echtes“ Kinderhotel, dafür aber ein heimeliges Schifahrerdomizil, das zudem mit einer ganztägigen Kinderbetreuung aufwarten kann. Die Lage dieses Vierstern-superior-Hotels könnte schöner – und praktischer – nicht sein, nämlich mitten im Schigebiet, auf 1.800 m Seehöhe, direkt am Lift. Naturgemäß steht hier der Schisport im Mittelpunkt – auch bei den Kleinen. „Kinderschikurse sind sehr beliebt“, wissen die beiden Seekarhaus-Chefinnen Heidi und Isabella Krings. „Viele Eltern wollen erstens alleine schifahren, und sie möchten zweitens auch, dass die Kinder das Schifahren bei einem Schilehrer lernen und nicht die elterlichen Fehler übernehmen.“

Das Seekarhaus
Foto: Das Seekarhaus

Das Kinderland des Hotels steht an sieben Tagen der Woche offen – und das schon für Kinder ab 18 Monaten! Anspruchsvolle Erwachsene lockt das Schihotel am Berg dagegen nicht nur mit einem Spa, welches sowohl einen Kinder- als auch einen Erwachsenenpool bietet, sondern auch mit dreißig ganz neuen, luxuriösen Suiten im Neubauttrakt, die zwischen 50 und 80 m2 groß sind. Der kritische RELAX Guide resümiert: „Gute Küche, fabelhafte Sonnenterrasse, Gratisgarage für alle.“ Eine Woche ist ab 1.450 Euro für Erwachsene buchbar.

Mehr Info: Löwe & Bär +43-(0)5476-6058, www.loewebaer.com; Brennseehof +43-(0)4246-2495, www.brennseehof.com; Seekarhaus +43-(0)6456-20010, auf www.seekarhaus.at und relax-guide.com

RELAX Guide Wellnesshotel-Kritik: Brennseehof Familien-Sport-Hotel
RELAX Guide Wellnesshotel-Kritik: Loewe Kinderhotel
RELAX Guide Wellnesshotel-Kritik: Seekarhaus

Weiterführende Links: Baby Special

RELAX Guide Wellnesshotel-Kritik: Brennseehof Familien-Sport-Hotel

Wahnsinn auf unsere Kosten

Überlebt die EU als Konstrukt? Inhaltlich ist sie längst gescheitert. Mit einem Mix aus Überwachungswahn, Menschenverachtung und Verordnungen zum Wohl von Großkonzernen hat sie selbst ehemals glühende Europa-Fans vergrault. Ein kleiner – und keinesfalls vollständiger – Auszug aus dem Sündenregister der bürokratischen „Pioniertaten“.

Die Lebensmittel-Nicht-Kennzeichnung

Um im Supermarkt herauszufinden, was in einzelnen Produkten tatsächlich enthalten ist, braucht man eine Ausbildung zum Lebensmitteltechniker und eine Lupe. Gleichzeitig werden besonders Menschen aus bildungsärmeren Schichten immer übergewichtiger. Dank der EU wird das auch so bleiben.

Im Sommer 2010 hatte das EU-Parlament nämlich die Chance, ein leicht verständliches Kennzeichnungssystem einzuführen, bei dem Salz-, Fett- und Zuckergehalt klar ausgewiesen werden – und zwar in den Ampelfarben Grün, Gelb und Rot. Viele der unverschämten Lügen der Lebensmittelbranche wären sofort aufgeflogen: „gesunde“ Kindernahrungsmittel, die in Wahrheit aus einem Gemisch von Zucker und billigstem Fett bestehen, „Light“-Produkte, die deutlich süßer sind als normale Ware, oder Salzorgien in Snacks, Suppen, Fertiggerichten.

Was uns fair erscheint, sehen freilich die weltweit agierenden Konzerne nicht gern. Um die Ampel zu verhindern, haben die Hersteller nach eigenen Angaben eine Milliarde Euro für Lobbying ausgegeben. Das war gut investiert: Das EU-Parlament stimmte gegen seine Bevölkerung und für die Großkonzerne. Anstatt der verständlichen Ampel wurde mehr oder weniger eine Modifizierung des bestehenden Angabendschungels beschlossen. In ihren Begründungen übernahmen einzelne Abgeordnete zum Teil wortwörtlich die Argumente der Industrie.

Gentechnik-Experimente am Menschen

Dass es in Österreich – noch – keine Gentechnik in Lebensmitteln gibt, hat einen ganz einfachen Grund: Gentechnik ist derartig unbeliebt (das Volksbegehren 1997 unterschrieben 1,2 Millionen), dass die Supermärkte sich aktiv darum bemühen, ja keine derartigen Produkte in den Regalen zu haben – der Imageschaden wäre zu groß!

Bürger in anderen EU-Ländern haben diesen Vorteil nicht: Sie müssen an der breitest angelegten Versuchskette teilnehmen, die es jemals gegeben hat: über die langfristige Auswirkung von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln auf den menschlichen Organismus. Der Ausgang dieses Experiments ist völlig ungewiss.

Fest steht bisher jedenfalls, dass fremde Gene in Lebensmitteln neue Giftstoffe und Allergien verursachen, dass der Anbau von Genpflanzen die biologische Vielfalt gefährdet und zu einem vermehrten Pestizideinsatz führt, was wiederum Böden und Grundwasser zerstört. Dominiert wird der Markt von zehn internationalen Konzernen, die rund 70 Prozent des weltweiten Saatgutes kontrollieren.

Oft weiß man allerdings nicht einmal, dass man Gentech-Nahrung kauft. Denn bei der Kennzeichnungspflicht gibt es eine Reihe von Ausnahmen: So sind Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren ausgenommen, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert worden sind. Auch entsprechende Enzyme, Aromen und Zusatzstoffe müssen nicht angegeben werden, da diese von der EU gar nicht als Lebensmittel eingestuft werden. Ein feiner Trick!

Diejenigen, die die Gentech-Suppe auslöffeln, werden ignoriert. Bei einer Eurobarometer-Umfrage 2010 stimmten 61 Prozent der Europäer der Aussage zu, dass „gentechnisch veränderte Lebensmittel bei ihnen Unbehagen hervorrufen“. Wiederum 61 Prozent waren dafür, dass die Entwicklung derartiger Lebensmittel nicht länger gefördert werden sollte. Dennoch wird in der EU ein derartiges Frankenstein-Lebensmittel nach dem anderen zugelassen. Zuletzt wurde etwa der Anbau der unheimlichen BASF-Kartoffel Almflora genehmigt. Diese enthält ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum.

Auch Klonfleisch ist möglich

Wenn Sie denken, gentechnisch veränderte Lebensmittel wären unheimlich – es geht noch schlimmer: In der EU müssen Fleisch und Milch von Nachfahren geklonter Tiere nicht gekennzeichnet werden.

Tiere, die in der EU geklont werden, dürfen zwar selbst nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden, doch können durchaus Produkte von Klontiernachfahren im Handel sein, die etwa mit Bullensperma aus den USA oder aus Lateinamerika gezeugt wurden. Man weiß es schlichtweg nicht.

Pestizid-Schwindel

Im Jänner 2009 gab sich das EU-Parlament sehr konsumentenfreundlich. Von den über 500 Pestiziden, die in Europa eingesetzt wurden, wurden ganze 22 verboten, weil sie sogar für EU-Verhältnisse zu giftig waren. Sie waren nachweislich krebserregend und beeinträchtigten Hormonproduktion sowie die menschliche Fortpflanzung. Einzelne Abgeordnete meinten zwar, dass mehr als 100 weitere Pestizide genauso schädlich wären und auch auf die „schwarze Liste“ sollten, doch sie fanden kein Gehör.

Seit September 2009 sind auch die Pestizidhöchstmengen EU-weit vereinheitlicht – und zwar eher nach oben als nach unten. Laut einer Studie von Greenpeace und Global 2000 sind fast 700 der geltenden Höchstmengen für Pestizide in Obst und Gemüse zu hoch. Selbst wenn sie eingehalten werden, drohen akute und chronische Gesundheitsschäden, insbesondere für Kinder.

Doch der eigentliche Schwindel liegt im Detail. Zwar wurde von der EU die Höchstmenge von einzelnen Pestiziden festgeschrieben – allerdings nicht, wie viele verwendet werden können! Auf Pausenäpfeln für Schüler wies Global 2000 etwa gleich acht verschiedene Pestizide nach. Das Perfide an den Giftcocktails: Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich die Wirkung der einzelnen Gifte addieren und damit deutlich verstärken kann.

Atomstrahlung im Sushi? Kein Problem!

Wie die EU-Kommission auf die Atomkatastrophe in Fukushima in Japan reagiert hat, ist schier unglaublich: Per Eilverordnung wurden die Grenzwerte für radioaktive Strahlung bei Lebensmitteln drastisch erhöht. Die Maximalbelastungen mit Cäsium-134 und Cäsium-137 wurden für die meisten Lebensmittel auf mehr als das Doppelte erhöht. Für Milcherzeugnisse waren statt 370 Becquerel plötzlich 1.000 Becquerel zulässig.

Durchgebranntes Glühlampenverbot

Bräuchte es ein Beispiel, um den Irrsinn in Brüssel festzumachen, das Verbot der Glühbirne wäre eines der besten. Nicht nur, dass die mit dem Jahr 2012 vorgeschriebenen Energiesparlampen für den Umweltschutz überhaupt nichts bringen, sie sind noch dazu gesundheitsschädlich, und ihr Licht ist schlichtweg unzumutbar. Die Lampen sind sogar zu giftig für den regulären Müll und müssen aufwendig entsorgt werden.

Die Gefahr der Energiesparlampen ist offensichtlich. Sie enthalten giftiges Quecksilber. Zerbrechen sie, wird dieses freigesetzt. Die Warnung der schwedischen Chemieschutzbehörde für den Fall des Falles liest sich dann auch mehr nach einem GAU im Wohnzimmer als nach einem harmlosen Malheur.

Demnach sollte man auf gar keinen Fall einen Staubsauger benutzen, um die Splitter aufzusaugen. Denn dadurch würden die giftigen Quecksilbertropfen nur noch feiner in der Luft verteilt werden. Falls die Lampe eingeschaltet war, als sie zu Bruch ging, empfiehlt die Behörde die Evakuierung. In dem Raum müssen umgehend alle Fenster geöffnet werden, und er darf für mindestens eine halbe Stunde nicht betreten werden.

Die Empfehlungen zur Entsorgung sind auch nicht unbedingt vertrauenserweckend: Die Splitter sollen mit einem Stück Karton zusammengeschoben und mit Handschuhen in ein verschließbares Glas gelegt werden, das später entsorgt wird. Der Behälter muss dann mit einem Zettel versehen werden, auf dem steht: „Achtung, kann Quecksilberreste von Energiesparlampen enthalten.“ Los wird man das giftige Ungetüm schließlich bei einer Problemstoffsammelstelle.

Aber selbst intakt ist die Energiesparlampe für die Befindlichkeit des Menschen eine Zumutung. Während sich die gute alte (und billige!) Glühlampe in ihrem Farbspektrum an dem des Sonnenlichts orientiert, was wir deshalb als natürlich, angenehm und schön empfinden, fehlen der Energiesparlampe bestimmte Farbbereiche – wie etwa Rot – völlig. Dadurch wirkt dieses Licht kalt, steril und ungemütlich. Es gilt als Stressauslöser, außerdem gibt es Hinweise darauf, dass es hormonelle Störungen, Schwindel und neurologische Probleme zur Folge hat.

Verwendet man eine solche Lampe abends, dann schaltet die innere Uhr des Körpers auf Tag. Schon eine halbe Stunde reicht, um Probleme mit dem Einschlafen zu bekommen, da die Produktion des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird.

All das nähme man vielleicht in Kauf, wenn das Klima damit tatsächlich gerettet werden würde. Nur: Das passiert nicht, denn unterm Strich, also unter Einbeziehung von Herstellungs- und Entsorgungsaufwand, wird gar kein CO2 eingespart.

Überwachung nach Stasi-Manier

Wenn im April 2012 in Österreich die Vorratsdatenspeicherung eingeführt wird, tritt eine Überwachungsmaßnahme in Kraft, von der die DDR-Stasi nur hätte träumen können. Das erste Mal wird die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt und flächendeckend bespitzelt. Nur zur eigenen Sicherheit, natürlich. Für zumindest sechs Monate werden alle personenbezogenen elektronischen Kommunikationsdaten gespeichert. Und das Perfide daran: Man merkt es nicht.

Stellen Sie sich einmal vor, ein Mann würde Sie jeden Tag ihres Lebens 24 Stunden lang begleiten. Er schreibt sich auf, wen Sie wann treffen, was Sie sprechen, was Ihre Interessen sind und Sie politisch denken. Wenn Sie Bücher über Depressionen lesen, notiert er sich das, wenn Sie sich über das Gerücht informieren wollen, dem zufolge Cannabis auch gesundheitliche Vorteile haben soll, findet er das auch spannend. Ja, selbst während eines heimlichen Besuchs im Sexshop weicht er nicht von Ihrer Seite – ganz im Gegenteil, da ist er besonders neugierig. Wenn Sie sich beschweren, dass er Ihre Privatsphäre verletzt, erwidert er gönnerhaft: „Keine Sorge, bei mir sind Ihre Informationen sicher. Wenn Sie nichts anstellen, wird nie jemand davon erfahren. Im Gegenteil: Ich beschütze Sie vor Terroristen und Kinderschändern. Sie haben doch nichts zu verbergen?“ Und wenn Sie sich umblicken, dann sehen Sie: Jeder von uns hat einen solchen unheimlichen Begleiter.

So absurd diese Szene in der realen Welt erscheint – genau das erwartet uns. Doch da die Überwachung physisch nicht spürbar ist, vergisst man sie leicht. Dabei gibt es heute kaum etwas Intimeres als unser Verhalten im Internet oder am Handy. Wir kommunizieren beinahe ausschließlich via Mail, SMS und Mobiltelefon, wir erledigen die Bankgeschäfte im Netz, wir informieren uns über Krankheiten, wir lesen politische Seiten, wir schimpfen in irgendeinem Forum auf die Regierung, und wir frönen unseren kleinen Lastern und sexuellen Orientierungen. All diese Daten werden ab April den Behörden zur Verfügung stehen. DDR-Chef Erich Honecker wäre begeistert!

Terroristen schon im zartesten Alter

Mag ein Baby noch so unschuldig aussehen, wer weiß, ob sich hinter dem drolligen Windelpaket nicht doch ein hinterhältiger Terrorist oder ein Drahtzieher des organisierten Verbrechens verbirgt. Anstatt wie bisher bei den Eltern miteingetragen zu sein, brauchen die Kleinsten inzwischen jedenfalls einen eigenen Pass (der überdies schon bald zu erneuern ist) – natürlich mit Foto. Das Anfertigen dieses Bildes hat manche Eltern allerdings schon den letzten Nerv gekostet, denn es gelten strenge Auflagen. Lächeln darf das Kind auf gar keinen Fall!

Die Richtlinien für Babyfotos: Sie müssen 35 mm breit und 45 mm hoch sein. Der Kopf muss zwei Drittel des Bildes einnehmen und darf nicht höher als 36 mm sein.

Das Foto muss das Baby in einer Frontalaufnahme mit neutralem Gesichtsausdruck zeigen – erklären Sie das mal Ihrem Kleinsten! Eine Darstellung mit geneigtem oder gedrehtem Kopf ist nicht gestattet. Augen, Nase und Mund dürfen in keiner Form verdeckt sein.

Das Baby muss direkt in die Kamera blicken. Die Augen müssen geöffnet und gut sichtbar sein. Der Augenabstand (Abstand von der Mitte des linken Auges zur Mitte des rechten Auges) muss mindestens 8 mm betragen. Die Augenlinie muss waagrecht sein.

Das Gesicht muss gleichmäßig ausgeleuchtet und in allen Bereichen scharf abgebildet, kontrastreich und klar sein. Schattenbildung im Gesicht und Reflexionen sind unzulässig, die Hauttöne müssen natürlich wiedergegeben werden.

Der Hintergrund muss einfärbig und hell sein, außerdem ausreichend Kontrast zu Gesicht und Haaren zulassen. Seidenraster oder freigestellter Hintergrund? Nicht zulässig!

Nebulöses Licht am Tag

In Österreich wurde es wegen völliger Nutzlosigkeit abgeschafft, dank EU-Verordnung ist es wieder zurück: das verpflichtende Licht am Tag im Straßenverkehr. Eine Maßnahme mit fatalen Folgen. Denn auf helle Lichtreize reagiert unser Auge mit einer Phase der „Abblendung“, also mit einem funktionellen Defizit. Auge und Wahrnehmung wandern innerhalb des Blickfeldes automatisch dorthin, wo eine Lichtquelle erscheint. Das „Restbild“ verdunkelt sich faktisch, die Aufmerksamkeit für Nichtbeleuchtetes nimmt stark ab. Das Lichtermeer gefährdet also alles, was nicht beleuchtet ist: Fußgänger, Radfahrer, Kinder.

Zudem steigen die Kosten und CO2-Emissionen: Man braucht mehr Sprit und öfters mal Lampen, was bei vielen Autos einen Werkstättenaufenthalt und mindestens 130 Euro nötig macht, was natürlich sowohl die Mineralölwirtschaft wie auch die Lampenindustrie ob beträchtlicher Zusatzumsätze frohlocken lässt.

Obszöne Fotos aus dem Scanner

Noch ein Gedankenexperiment: Sie fragen einen Freund, ob er Sie ein Stück mit seinem Wagen mitnehmen kann, weil Sie zufällig den gleichen Weg haben. Ihr Freund sagt: „Sehr gerne, aber könntest du bitte vorher die Hose runterlassen, damit ich sehe, dass du keine Bombe versteckt hast?“ Würden Sie mitfahren oder sich fragen, ob er den Verstand verloren hat?

Genau das wird in den europäischen Flughäfen passieren, wenn der Einsatz von Nacktscannern – pardon, „Sicherheitsscannern“, wie sie offiziell heißen – einmal EU-weit durchgesetzt worden ist. Die EU-Kommission gab bereits ein Regelwerk für unsere Durchleuchtung heraus. Das Personal etwa soll in einem anderen Raum sitzen, um „unangebrachtes Verhalten“ zu verhindern.

Fingerabdrücke wie vom Mörder

Wer einen neuen Reisepass braucht, der muss eine Prozedur über sich ergehen lassen, die bisher Räubern, Mördern und Drogendealern vorbehalten war: das Abgeben der Fingerabdrücke. Der offizielle Grund dafür ist natürlich einmal mehr unsere Sicherheit, so nebenbei hat man von allen Bürgern einen Fingerabdruck. Das ist praktisch, nur die Folgen – etwa die missbräuchliche Verwendung – mag man sich nicht ausmalen. Und jubelte auch der zuständige EU-Kommissar über einen „Beitrag zur Terrorbekämpfung“, so war gleich sein nächster Satz beunruhigend: „Derzeit ist keine Rede davon, dass die Abdrücke à la ‚Big Brother‘ in einer zentralen europäischen Datenbank landen.“ Derzeit … Derzeit!

IBAN der Schreckliche

Bankgeschäfte sind lästig, Zahlscheine Ausfüllen ist richtig mühsam. Spätestens 2014 sollte man dafür aber wesentlich mehr Zeit einplanen. Nach dem Beschluss der EU-Kommission müssen wir dann auf internationale Kontonummern und Bankleitzahlen umstellen, selbst wenn wir nur fünf Euro an jemanden „ums Eck“ überweisen. Es gelten dann nur noch die Zahlenreihen IBAN und BIC – mit insgesamt 33 bis 42 Stellen! Vor allem Omi wird an der Überweisungsbox viel Freude haben!

Aus für Speck vom Bauern

Was die Bauern seit Jahrhunderten machen, hat die EU seit Jänner 2010 so gut wie verboten: das Schlachten von ein paar Schweinen zum Verkauf ab Hof. Erlaubt wäre es nur, wenn hohe bauliche Auflagen erfüllt würden – darunter etwa eigene Sanitärräume für den Tierarzt –, die bei Kosten von rund 100.000 Euro allerdings für diese Kleinstbetriebe nicht finanzierbar sind. Mehr als 1.000 kleine Schlachter haben inzwischen allein in Österreich aufgegeben.

Grund ist das EU-Hygienegesetz. Zwar zerstört es regionale Strukturen, bringt Transportstress für die Tiere und böse Hormone ins Fleisch, zudem allerlei Belastungen für die Umwelt und begünstigt allein die Großindustrie; doch all das dient offiziell nur unserer Sicherheit. Aus EU-Sicht sind handgemachte Produkte nämlich unhygienisch, der Transport von Schlachttieren durch ganz Europa ist dagegen sogar förderungswürdig: Jungtiere aus Österreich, Mästen in Polen, Hormonspritzen aus Deutschland, von slowakischen Fahrern in ukrainischen LKW nach Albanien zum Schlachten gefahren, in Italien verwursten, in Tschechien verpacken, als „Steirisches Almfleisch“ verkaufen … und vielleicht sogar als großindustriell verschobenes „Gammelfleisch“ in Deutschland wieder auftauchen. Die Brüsseler Bürokraten setzen auf exzellent hygienisch verpackte Produkte der Großindustrie, Fleischqualität ist offensichtlich nicht ihr Thema.

Irrsinn auf allen Ebenen

Sogar Schildbürger würden staunen – noch ein paar kurze Beispiele aus der langen Liste der EU-Pionierleistungen:

Bananen im europäischen Handel müssen mindestens 14 cm lang und 27 mm dick sein. Weitere Anforderungen: normale Färbung, kein Pilzbefall und glatte Schnittstelle an der Krone ohne Scharten oder Abrissspuren. Was da nicht reinpasst, muss entsorgt werden!

Jedes deutsche Bundesland ist verpflichtet, ein Seilbahngesetz zu erlassen – auch Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Nur: Dort gibt es keine einzige Seilbahn.

In einem Merkblatt fordert das EU-Parlament laut Daily Mail eine geschlechtsneutrale Sprache, Ausdrücke wie Frau oder Fräulein seien sexistisch und daher verboten. Auch etwa „firemen“ und „air hostess“ darf es nicht länger geben, aus „policeman“ oder „policewoman“ müssen geschlechtsneutrale „police officers“ werden, jeder Hinweis, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, gehört restlos ausgelöscht …

Mit Herz und Hirn

Berge, Wein und Palmen: Ein Familienbetrieb bei Meran zeigt mit seinem neuen Spa, dass mediterran und alpin einander nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil!

Hotel Hohenwart - Aussicht auf Berge
Foto: Hotel Hohenwart

Es sind die kleinen Dinge, die entscheiden: Ob wir etwas mögen oder nicht, hängt oft von minimalen Wahrnehmungen ab. Bei einem auf den ersten Blick kühlen Menschen kann das ein kaum sichtbarer warmer Zug um den Mund sein, der uns plötzlich Sympathie empfinden lässt. Und bei einem Gebäude können das sogar Herzen sein!

Das beweist Claudio Palla, der im Südtiroler Hotel Hohenwart das neue Vista-Spa gebaut hat. Ganz bewusst setzte er als Interieurdetail Herzen ein – das traditionelle Element der alpinen Tischlerkunst, seit Jahrhunderten die Zier hölzerner Betthäupter, Türen, Stühle. Kein Wunder, dass das Vista-Spa, das letztes Jahr auf 1.200 m2 Fläche eröffnet wurde, sofort die Herzen der vielen langjährigen Stammgäste des Familienhotels Hohenwart eroberte.

Dass diese mitunter seit Jahrzehnten immer wieder kommen, liegt nur zu einem Teil an der traumhaften Lage des Vierstern-superior-Betriebs, der nah bei Meran auf drei Häuser aufgeteilt zwischen Weinbergen, Rosengärten und Obsthainen gelegen ist. Keine Frage, die Aussicht auf Schloss Schenna, auf die Bergwelt, auf die üppige Vegetation ist schier überwältigend, dafür sorgen nicht zuletzt auch die riesigen Glasfronten. Der Außenpool mit satten 25 m Länge ist sowieso ein eigenes Argument, ganz zu schweigen von den großzügigen Raumverhältnissen im neuen Spa, das seine Gäste mit aus Eichenholz, Silberquarzit und Tiroler Loden stilvoll arrangierter Gemütlichkeit empfängt – und mit Solepool und 360-Grad-Panorama auf der Dachterrasse aufwarten kann.

Es sind aber besonders auch die „Software“-Aspekte, die einen Aufenthalt hier so erfüllend machen: Mitarbeiter, die schon immer das bewiesen, was jetzt im Spa Stilelement ist – Herz –, die nicht nur stets ein freundliches Wort übrig haben, sondern auch jederzeit mit Tipps für kulturelle Ausflüge oder Wanderungen zur Stelle sind. Weitere Gründe, immer wieder ins Hotel Hohenwart zurückzukehren, sind die Beauty-Behandlungen, für deren Konzeption man sich der Stärken der Landschaft besonnen hat: die „Signature Treatments“ mit Wirkstoffen aus der Meraner Rose oder der hiesigen Weintraube.

Oder die Küche, die fast vergessene Gemüsesorten sowie eine große Vielfalt an frischen Kräutern verwendet, die am benachbarten Oberhaslerhof wachsen. Hohenwart-Küchenchef Markus Marmsoler ist sich stets der Südtiroler Küchentradition bewusst, die gleichermaßen alpine wie mediterrane Elemente enthält, er weiß, welche Zutaten aus den beiden Kochkulturkreisen gut harmonieren. Und das Wichtigste: Er kocht mit Herz.

Mehr Info: Hotel Hohenwart +39-0473-944400 und www.hohenwart.com

Hier ruft der Berg

Ein Hotel in den Dolomiten bietet atem-beraubende Mountainbike-Touren und Schifahren ab der Haustüre. Die Berge sind allgegenwärtig – selbst in der Spa-Suite.

ein Paar steht auf Balkon und betrachtet die Berge
Foto: Excelsior Mountain Style Spa Resort

300 Sonnentage im Jahr und herrliche Berge, soweit das Auge reicht. Genauer gesagt, die Dolomiten – das Excelsior Mountain Style Spa Resort liegt mittendrin, am Ortsrand von St. Vigil. Architektonisch zeigt sich das familiengeführte Haus in behaglicher Größe (100 Betten) so konzipiert, dass man tatsächlich von überall Aussicht auf die so unverwechselbaren Felsformationen hat, was Hotelier Werner Call auch gern betont: „Egal, ob Sie gerade in einem der schicken Zimmer sind, im Restaurant, in einer der Spa-Suiten oder ob Sie am Pool liegen.“ Und die Lage des Vierstern-superior-Hauses erlaubt es sogar, im Winter direkt vom Schikeller zum Gondeleinstieg zu rutschen, weiter geht es dann zum bekannten Schiberg Kronplatz und zur Sellaronda nach Alta Badia.

Traumhaft, dieses Panorama! Im Excelsior ist man sich des Riesenglücks einer solchen Lage natürlich bewusst und spielt die Trumpfkarte auch aus, aber man greift nicht nach den Sternen, sondern richtet sich nach den Bergen: Excelsior-Chef Werner Call ist selbst leidenschaftlicher Mountainbiker, umso mehr freut es ihn, in seinem Haus immer wieder die Stars des Giro d’Italia als Übernachtungsgäste begrüßen zu dürfen, führt doch schließlich eine Etappe dieses legendären Radrennens von St. Vigil auf den Kronplatzgipfel. Persönlich begleitet Call seit 15 Jahren auch motivierte Nichtprofis unter seinen Gästen: durch die adrenalinstarken Mountainbike-Strecken der Dolomiten, durch das Unesco-Weltnaturerbe Naturpark Fanes-Sennes-Prags.

So sportlich der Fokus des Excelsior Mountain Resorts auch ist, Trainingslageratmosphäre wird man hier nirgendwo finden. „Sport soll nicht Mord, sondern Genuss sein“, meint Werner Call. Darum setzt man hier auch nicht auf nüchtern eingebettete Regeneration, sondern auf wohlige Entspannung und ein warmherzig gestyltes Ambiente. Und nicht zuletzt auf die Kraft von 44 gut gelaunten Mitarbeitern – für ein Haus dieser Größe eine stattliche, heute schon sehr selten gewordene Anzahl!

Das Spa wird von Gattin Tamara Call geleitet, in Sachen Kosmetik und Massagen begibt man sich hier stets in erfahrene Hände. Über fünf Etagen erstreckt sich das Wellnessschlösschen mit vielen verschiedenartigen Saunen und Ruhemöglichkeiten; es ist nach einer Heldin des ladinischen Nationalepos, Dolasilla, benannt. Apropos Ladinisch: Hier in den Dolomiten wird diese uralte romanische Sprache noch gesprochen, mit 30.000 Muttersprachlern ist das Ladinische eine der kleinsten Sprachfamilien der Welt.

Im Excelsior Mountain Resort sind jedenfalls alle stolz auf diese Eigenheit ihrer Region. Kein Wunder – die Lage in den Dolomiten ist schließlich Trumpf!

Mehr Info: Fon +39-0474-501036 und www.myexcelsior.com

Die besten Wellnesshotels in Südtirol

Schöne Landpartie

Mit einem Spa der Spitzenklasse: Den größten Wellnessbereich des Bundeslandes bietet das Fünfsternhotel Deimann Romantik-Hotel im Hochsauerland. Der ehemalige Gutshof steht heute für stimmungsvolle Land-Romantik – Schwanenteich und Fachwerkhäuschen inklusive.

Ferien auf dem Gutshof – davon träumten Generationen junger Mädchen nach Lektüre diverser Romane wie „Der Trotzkopf“. Das in dieser (und nicht nur in dieser) Literaturgattung dargestellte bürgerliche Leben auf dem Lande erschien vor allem jenen erstrebenswert, die mit weit weniger privatem Raum in beengten Verhältnissen in Städten lebten. Die halbwüchsigen Leserinnen fanden sich plötzlich zwischen Pferdestall, Himbeersträuchern und romantischen Mädchenschlafkammern im Dach des Nebentraktes wieder, träumten sich auf ausschweifenden Festen samt Dorfgemeinschaft in die Arme des Reitmeisters, sahen sich vor dem geistigen Auge mit dem heiß geliebten Haushund ausgedehnte Streifzüge unternehmen. Der dänische Maler Vilhelm Hammershoi lieferte mit seinen Bildern etwa zeitgleich zur Entstehung der meisten dieser Romane, Ende des 18. Jahrhunderts, mögliche passende Interieurs für unsere Gedankenwelt.

Frau lehnt sich aus dem Autofenster
Landschaft
Fotos: Deimann Romantik- & Wellnesshotel

In diese romantischen Leseerfahrungen aus der Jugend kann man sich selbst im Jahr 2012 noch zurückkatapultieren: im Deimann Romantik- und Wellnesshotel, einem traditionsreichen Fünfsternhaus bei Schmallenberg im Hochsauerland, auf dem Grundstück eines ehemaligen Gutshofs.

Die Mittelgebirgslage galt dank des so genannten gesunden Reizklimas schon sehr früh als ideale Adresse für Sommerfrische. 1883 bewies ein gewisser Albert Hilsmann, der ironischerweise von den Dorfbewohnern „der Schauerte“ genannt wurde, Weitblick: Er errichtete im neu errichteten Herrenhaus auf dem Gutshof das „Hotel zum Wilzenberg“ – und gilt dadurch heute als Pionier des Tourismus im Sauerland. Schon 1917 ging das Anwesen in den Besitz der Familie Deimann über, mittlerweile sind die dritte und vierte Generation am Werk.

Über die Jahre hinweg wurde das Deimann-Gutshaus vergrößert und immer wieder modernisiert, ohne dabei den ursprünglichen baulichen Charakter aus den Augen zu verlieren. Heute verfügt das Deimann über 74 Zimmer und Suiten – die meisten mit Balkon oder Terrasse – sowie elf Ferienwohnungen. Letztere liegen fast alle in entzückenden Fachwerkbauten im Park, und auch die ehemaligen Landwirtschaftsgebäude und ein umgebautes kleines Sägewerk werden als Wohnmöglichkeiten für die Gäste genutzt.

Haus mit Auto im Garten

Und wenn man schon so viel Fläche sein Eigen nennen darf, warum nicht auch noch einen 18-Loch-Golfplatz samt Clubhaus etablieren und den größten Wellnessbereich des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen als Draufgabe? Das Deimann hat’s!

Die zahlreichen langjährigen Stammgäste lieben nicht nur die schiere Fläche hier, sondern vor allem die ganz eigene gediegene Atmosphäre des Deimann, die spürbar noch den Geist des vergangenen Gutshoflebens atmet, dabei aber nie betulich oder gar altbacken wirkt. Daran hat nicht nur die engagierte, herzlich agierende und stets präsente Familie Deimann Anteil, sondern auch die beeindruckende Anlage selbst: Im weitläufigen Park lässt es sich zwischen altehrwürdigen Bäumen wunderbar flanieren – die Fachwerkhäuser des Anwesens stets im Blick – Schwäne treiben elegant über das Wasser, Libellen schweben durch das Abendlicht.

An lauen Sommerabenden sitzt man dann auf der großen Terrasse mit Blick auf Bäume, Teich und Wiese – eine ganz besondere Stimmung, die man nicht so schnell vergessen wird. Vor allem dann, wenn man einmal in den Genuss der Deimann-Küche gekommen ist. Auch die Weinkarte braucht kritische Vergleiche nicht zu scheuen: Sie listet auf zig Seiten sämtliche großen Namen, von prachtvollen Moseltropfen über die berühmten burgenländischen Rotweine bis hin zu renommierten Lagen aus Übersee – hier wird jeder Kenner fündig. Kompetente Beratung ist für die Familie Deimann selbstverständlich, schließlich hat man fünf Sterne vorzuweisen.

Zwei Liegen in der Wiese mit Sonnenschirm

Das Angebot in Sachen Wellness und Beauty wurde vom unabhängigen RELAX Guide mit drei Lilien und 17 Punkten ausgezeichnet. Kürzlich erweiterte man das Spa neuerlich. Die Tester waren vor allem vom Platzangebot begeistert, ist dem Wellnesshotelführer doch der gästefeindliche Liegenmangel in vielen Hotels ein Dorn im Auge. So notierten sie, dass das Spa des Deimann vor allem mit ansprechend gestalteten und ausreichend großen Rückzugsmöglichkeiten punktet – „der anderswo nötige Kampf um Ruheliegen bleibt einem hier mit Sicherheit erspart“.

Die Treatments in der Beautyabteilung wurden allesamt mit sehr gut bewertet – nichts anderes würde man hier erwarten.

Für sportliche Gäste bietet der Deimann ausgedehnte Jogging-Pfade, geführte Wanderungen und umfangreiche Bewegungsprogramme, für Golfer ist eine Greenfee-Ermäßigung selbstverständlich. Wer hingegen die Landschaft des Hochsauerlands lieber ohne Wanderschuhe oder Golfschläger, dafür aber im Sitz des Wiesmann-Roadsters MF4 (acht Zylinder, 420 PS) erlebt – die aufmerksame Crew des Deimann arrangiert auch das. Das Gute an solchen Autos ist ja, dass man nach der Spritztour wieder ganz schnell an den Ort der Träume zurückkehren kann …

Mehr Info: Fon +49-(0)2975-810 sowie www.deimann.de und RELAX Guide – Deimann Romantik-Hotel