Zinsen: Wachstum wie Krebs

Hätte jemand vor 2000 Jahren einen Euro-Cent auf ein Sparbuch mit fünf Prozent Verzinsung gelegt, dann hätte er nach 100 Jahren erst 1,32 Euro drauf. Nach 500 Jahren wären daraus immerhin 400 Millionen Euro geworden, nach 1000 Jahren schon 14.000.000.000 Milliarden Euro. Und nach 2000 Jahren nicht weniger als 195 Millionen Weltkugeln (Durchmesser 12.700 km) aus purem Gold. Bei Zinsen von einem Prozent allerdings „nur“ 400 Millionen Euro!

Hätte man aber jedes Jahr den Zinseszins behoben, sähe die Rechnung allerdings anders aus: Dann wäre gerade mal ein einziger Euro auf dem Sparbuch!

Die Substanz des Zinseszinses ist das exponentielle Wachstum, das kann man sich nur schwer vorstellen. Wahrscheinlich deshalb, weil in der Natur nur krankhafte Vorgänge wie Krebs exponentiell wachsen. Der US-Industrielle Henry Ford (1863-1947) hatte es auf den Punkt gebracht: „Es ist gut, dass die Bürger unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn wenn sie es täten, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh.“

Bleibt nur die Frage offen, ob Politiker das verstehen. Der ehemalige Präsident der deutschen Bundesbank zweifelte schon vor 15 Jahren daran: „Ich habe den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“

Adolf Hitler jedenfalls, der Massenmörder, hatte es verstanden. Vielleicht war dies auch ein Grund für seine Erfolge, dass er mit dem politischen Ziel der „Brechung der Zinsknechtschaft“ große Bevölkerungsgruppen für sich gewinnen konnte. Denn eine Bankiersfamilie wie die Rothschilds hatte in der Zwischenkriegszeit ein Jahreseinkommen aus Zinsen, das etwa viermal so groß war wie das gesamte Einkommen der deutschen Volkswirtschaft …

Kevin bleibt allein

Menschen mit klassischen Vornamen werden auf Partnersuchplattformen im Internet mehr als doppelt so häufig angeklickt wie solche, die Vornamen von Gestalten aus Film und Fernsehen haben. Das fanden Psychologen der Berliner Humboldt-Universität vor kurzem heraus. Wer einen bei sozial schwachen Familien beliebten Vornamen – darunter etwa Justin, Chantal oder Mandy – hat, der erhält deutlich weniger oder auch gar keine Klicks. „Singles bleiben wohl lieber weiterhin allein als sich mit einem Kevin zu treffen“, sagt Studienleiter Jochen Gebauer.

Tee im Kochtopf

Tee ist ein spannendes Thema, keine Frage. Leider wird er aber oft in schnarchigem „Ein Getränk mit Geschichte“-Umfeld geparkt. Wer trinkt schon Tee, nur weil irgendwelche uns unbekannten Chinesen ihn schon vor 1000 Jahren tranken? Niemand. Und umgekehrt hätte kein alter Chinese damals Tee getrunken, nur weil man ihm diesem mit „den werden einst noch die neuen Europäer trinken“ schmackhaft gemacht hat. Wir trinken Tee, weil er uns schmeckt oder weil wir uns von ihm irgendeine Wirkung erhoffen. Ob aufputschender, beruhigender oder sogar heilender Natur.

Dass man Tee aber nicht nur pur trinkt, sondern damit auch Cocktails mixt und kocht, ist ein relativ neues Phänomen, dem das Autorenpaar Tanja und Harry Bischof nun ein eigenes Kochbuch gewidmet hat. Die beiden versammeln darin Suppen auf Kräuterteebasis genauso wie Teeeis oder in Tee geschmortes Fleisch. Wer schon einmal mit Tee gekocht hat – egal ob mit echtem Tee, also schwarzem oder grünem, oder mit Kräuter-, Rooibos- oder sonst einem Aufguss –, der weiß freilich, dass es nicht ganz leicht ist, damit richtig umzugehen. Lässt man den Tee (mit dem man dann etwa ein Risotto aufgießt) zu kurz ziehen, bekommt man zu wenig Aroma, zieht er zu lang, muss man sich mitunter mit einem Übermaß an Bitterstoffen herumschlagen. Übrigens verarbeiten immer mehr Spitzenköche Gewürze als „Tee“, das heißt, sie lassen Zimt, Nelken, Pfeffer, Kardamom oder andere Aromaten nur wenige Minuten in einer Brühe ziehen, anstatt sie endlos mitzukochen. Ein frischeres, subtileres Aroma ist die Folge.

In diesem hoch aufgeschossenen Buch finden Teefreaks (an solche richtetet sich das Buch unfreiwillig, denn für rein kaffeeaffine Hobbyköche ist das Thema Tee in der Küche vermutlich genauso mäßig interessant wie die Vielfalt von Tee in der Tasse) durchaus bedenkenswerte Rezepte, etwa für eine Bouillabaisse mit Fenchel und Anis, die auf Basis von Fenchel-Anis-Tee zubereitet wird. Eine neue Idee, statt des Fischfonds mehr auf den Gewürzaspekt zu setzen. Die Füllung für Weinblätter aromatisieren wir ganz einfach mit Pfefferminztee, anstatt mühsam frische Minze aufzutreiben, Fasan glasieren wir mit Rooibostee, mit Jasmintee bereiten wir eine Panna cotta zu und mit Pu-Erh-Tee eine Art Curd.

Fazit: Eine überraschende Neuerscheinung, die selbst übersättigten Kochbuchkonsumenten noch neue Ideen liefert.

Rezepte im PDF Format:
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Tanja und Harry Bischof:
Köstlich kochen mit Tee
Systemed, 132 Seiten,
18,95 Euro

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