Neue Pionierleistung der EU

Ab 2013 werden alle EU-Einwohner gezwungen, bei jeder auch noch so klitzekleinen Banküberweisung eine dreiunddreißig- bis zweiundvierzigstellige Kontonummernkombination anzugeben, selbst wenn sie nur im eigenen Land eine Überweisung tätigen wollen. Diese Pionierleistung der EU-Kommission trägt die Verordnungsnummer 924/2009.

Warnung vor Fertigsalaten

Die AK Oberösterreich hat Fertigsalate aus Supermärkten getestet: Fünf von neun Proben waren für den menschlichen Verzehr ungeeignet, drei wertgemindert. In allen Proben war der Vitamin-C-Gehalt niedrig oder gleich null. Besser schnitten frische Salate ab, hier waren von zehn Proben sieben „sauber”, drei wertgemindert und der Vitamingehalt deutlich höher.

Die Konsumentenschützer raten, zu frischer Ware zu greifen, wer dennoch verpackte Salate kauft, sollte auf verfärbte Blätter oder Wasser in der Verpackung achten, das für Bakterien einen guten Nährboden abgibt.

Mit Umzug Einkommen vervielfachen

Falls Sie in Ländern der EU-Osterweiterung leben, verdienen Sie zu Hause etwa 700 Euro, bei einer Arbeitslosenquote von bis zu 30 Prozent. Mit einem Umzug in die Schweiz können Sie Ihr Einkommen seit 1. Mai um ein Vielfaches steigern. Alles, was sie brauchen, ist ein Arbeitsvertrag, auf dem „unbefristet” draufsteht. Er kann auch von einer Fantasiefirma ausgestellt sein, da die Angaben von den Ämtern nicht überprüft werden dürfen. Jedenfalls erhalten Sie damit eine Aufenthaltsbewilligung für fünf Jahre, und mit ein etwas Glück können Sie in dieser Zeit mehr Geld verdienen als Ihre Freunde daheim im ganzen Leben.

Waren Sie vor dem Umzug in den vergangenen zwei Jahren 18 Monate angestellt, dann reicht bereits ein einziger Arbeitstag in der Schweiz, und Sie haben vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sie erhalten 400 Taggelder zu 80 Prozent Ihres Schweizer Lohns. Daheim müssten Sie dafür viele Jahre arbeiten!

Nach nur einem einzigen Arbeitstag haben Sie auch Anspruch auf Sozialhilfe. Als Ehepaar mit zwei Kindern erhalten sie beispielsweise im Kanton Zürich 4.425 Franken pro Monat – steuerfrei –, dazu werden die Kosten für Krankenkasse sowie für Hausrats- und Haftpflichtversicherung übernommen. Weiters Leistungen wie Zahnarzt, Kindergarten oder sozialpädagogisches Coaching. Unterm Strich kommen Sie auf ein Monatseinkommen von 6.000 Franken. Ohne zu arbeiten kassieren Sie dann sechsmal mehr als ihre hart schuftenden Kollegen daheim, und alles ist völlig legal!

Wenn Sie Ihren Lebensabend in der Schweiz verbringen wollen, müssen Sie spätestens mit 64 Jahren umziehen. Suchen Sie sich irgendeinen Job, egal welchen. Sobald Sie die 65 erreicht haben, erhalten Sie zwar nur eine kleine Pension, aber Sie haben Anspruch auf alle Ergänzungsleistungen (Wohnungsmiete, Krankenkasse, 1.100 Franken für den Grundbedarf), insgesamt so an die 2.300 Franken pro Monat. Also mehr als das Doppelte, was Ihre Freunde daheim verdienen!

Auf eine Invalidenpension haben Sie Anspruch, wenn Sie ein Gebrechen vorweisen können. Vielleicht wissen Sie ja noch nicht, woran Sie leiden: 40 Prozent der Pensionen werden für psychische Leiden ausgezahlt, etwa weitere 40 Prozent für Schmerzen oder angebliche Unfallfolgen, die sich objektiv nicht nachweisen lassen.

Wird Ihr Antrag abgelehnt, machen Sie ruhig einen Einspruch, das Sozialamt stellt Ihnen dann kostenlos einen Anwalt zur Verfügung.

Nach fünf Jahren in der Schweiz können Sie Ihre Aufenthaltsbewilligung um weitere fünf Jahre verlängern, egal, ob sie die ersten vier Jahre arbeitslos waren oder von der Fürsorge lebten. Sie müssen nur im fünften Jahr einen unbefristeten Job haben, dann dürfen die Behörden Ihren Antrag nicht abweisen. Nach zehn Jahren erhalten Sie die Bewilligung automatisch.

Sollten Ihnen all das noch zu wenig sein, bietet die Schweiz auch Karrieren für Ausländerkriminalität. Das Entwicklungspotenzial ist groß, wenn Sie sich mit ein paar Landsleuten zusammentun, können Sie reiche Beute machen. Die Aufklärungsquote ist gering, und die Polizei muss im Gegensatz zu jener in Ihrer Heimat mit Verbrechern richtig anständig umgehen. Falls man Sie – was nur höchst selten vorkommt – tatsächlich aus dem Land wirft, kommen Sie einfach wieder zurück: Einreisesperren gegen EU-Bürger sind illegal.

Falls Sie all das einfach nicht glauben können, checken Sie die Gesetzeslage: www.personenfreizuegigkeit.admin.ch (Personenfreizügigkeitsgesetz), www.skos.ch (Sozialhilfe), www.ahv-iv.info (Invalidenrentenrichtlinien), www.admin.ch(Arbeitslosenversicherungsgesetz)

Mehr: www.weltwoche.ch.

Sympathisches Fast Food

Dieses Kochbuch macht schon am Titel gute Laune. Und im Innenleben wird’s noch besser. „Leon” ist eine Londoner Restaurantkette von Henry Dimbleby und John Vincent, die seit 2004 gemeinsam mit der Köchin Allegra McEvedy mit viel Erfolg ein etwas anderes Fast Food in der britischen Hauptstadt etabliert haben. Das Trio wollte nicht hinnehmen, dass es für Büromenschen und andere Schnellesser nur ungesundes und lieblos gekochtes Schnell-Futter gibt. Mittlerweile hält man bei elf Filialen, weitere Eröffnungen sind durchaus wahrscheinlich, bei dem Erfolg, den sich das „Leon” erkocht hat.

Nun ist das Kochbuch der Kette auf Deutsch erschienen: ein äußerst sympathisches, buntes Buch, das dem Trend zur Retrographik entspricht: mit vielen verschiedenen Schriften, Fünfzigerjahre-Illustrationen und scheinbar nachlässig geknipsten Fotos. Übersichtlich wird das Buch dadurch freilich nicht gerade, aber darum geht’s den „Leon”-Leuten vermutlich auch nicht. Sondern vielmehr darum, ihre Botschaft von vernünftigem und dennoch nicht altbackenem Essen zu verbreiten.

Am Beginn listen die Autoren in launiger Manier auf, womit man einen wohlsortierten Kühlschrank bestücken möge, was alles auf städtischen Fensterbanken gedeiht („Betrachten Sie das nicht als Aufforderung, aber es ist fast unmöglich, Minze kaputt zu kriegen.”) Zum Thema Schrebergarten empfehlen die „Leon”-Macher diverse andere Bücher, schließlich „gibt es Leute, die in der Kunst und Wissenschaft des Gemüseanbaus mehr Erfahrung haben als wir”, und im Kapitel „Liebe deine Speisekammer” zeigen Dimbleby und Vincent diverse „Waffen” wie Kurkuma oder Paprikapulver.

Die Rezepte des „Leon”-Kochbuchs sind dem Credo der Restaurantkette entsprechend simpel. Da findet man etwa „drei schnelle Tipps für Süßkartoffeln”, Mangoeis mit Wodka am Stiel oder Makrele mit Rosmarin und Bohnen. Rezepte sind nicht das Wichtigste an diesem Kochbuch, es gibt genügend andere Gründe, warum man es sich kaufen sollte: Das Buch ist gewissermaßen ein Porträt eines rundum sympathischen Unternehmens und birgt viele Ideen für Nachahmer. Etwa dieser Aufruf an die (Londoner) Leser: „Wenn Sie sich auf einem der Fotos in diesem Buch wiederfinden, dürfen Sie ein Jahr lang gratis im ,Leon‘ essen.” Oder die Seite mit den Wunsch-Schubladen, die man in der Filiale am Ludgate Circus findet, mit Zettelchen wie „Ich wünsche mir einen Wachtelhund namens Horst” oder „Ich wünsche mir, spießig zu sein.” Dem ist nichts hinzuzufügen.

Rezepte im PDF Format:
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Henry Dimbleby und John Vincent:
Leon. Natürlich Fast Food

Dumont, 308 Seiten
30,00 Euro


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