Realitätssinn bei Volkswagen

Ein echt zeitgemäßes Ding, das der VW-Tochter Bugatti da eingefallen ist: Ein Achtliter-Sechzehnzylinder mit 1.200 PS. 415 km/h schnell, allerdings sind bei dieser Geschwindigkeit die Reifen bereits nach 10 Minuten abgefahren und ist der 100-Liter-Tank leer. Bei Vollgas erzeugt das Auto übrigens 1.600 kW Abwärme, damit könnte man gut 800 Einfamilienhäuser beheizen. Egal, das Produkt passt bestens zu erdölreichen Diktatoren – blöd nur, dass diese Zielgruppe gerade schwächelt.

Rechts-links-Glücksgefälle

Konservative sind glücklicher, wie eine Studie des dänischen Wirtschaftsforschers Christian Bjørnskov zeigt: Bei 90.000 Testpersonen aus rund 70 Ländern gab es keine Ausnahme: Je weiter links eine Person in ihren politischen Einstellungen steht, desto unglücklicher ist sie, als Frauen klagen sie sogar über eine geringere Ehezufriedenheit. Unabhängig davon, wie viel sie tatsächlich verdienen, erleben linksorientierte Personen die großen Unterschiede zwischen Reichen und Armen als Anzeichen für Ungerechtigkeit, was sich wiederum auf das persönliche Lebensglücksgefühl negativ auswirkt. Konservativen sind dagegen ausgerechnet jene Ungleichheiten, die linksdenkende Menschen als unfair verurteilen ein Beweis dafür, dass es in der Gesellschaft fair und gerecht zugeht.

Glück – und wo man es findet

„Wenn ich einen anderen Job hätte, wenn ich zehn Kilo weniger hätte, wenn ich eine andere Partnerin hätte, wenn ich endlich umziehen könnte … dann wäre ich glücklich.”

Machen Sie sich lieber nicht von anderen Menschen oder Dingen abhängig, was ihr Glück betrifft. Überlassen Sie es einer absoluten Vertrauensperson, der einzigen übrigens, die wirklich Glück schaffen kann: sich selbst. Forschungsergebnisse zeigen, dass die äußeren Lebensumstände nur 10 Prozent des persönlichen Glücksempfindens beeinflussen können. Denn die Umstände ändern sich zwar, aber Sie bleiben die selbe Person. Sie gewöhnen sich schnell an die besseren Umstände und halten Sie bald für selbstverständlich.

Die gute Nachricht: Einen Großteil des Glücksempfindens haben Sie selbst in der Hand. Durch ihr tagtägliches Denken und das daraus resultierende Verhalten. Es lohnt sich also, die eigenen Denkmuster, Einstellungen und Handlungen zu hinterfragen und sie durch glückbringendere Strategien zu erweitern.

Einen Impulsabend zum Thema (mit wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Anregungen) gibt es am 7. April um 19 Uhr in 1210 Wien bei „Treffpunkt Glückspsychologie”. Mehr Infos: www.glueckspsychologie.at

Der Norden kommt

„Das spanische Jahrzehnt ist endgültig vorüber”, jubelte erst kürzlich die skandinavische Gourmetszene. Auslöser für diesen Aufruhr war die Verleihung des Koch-Preises Bocuse’Or 2011. Nicht nur siegte mit dem jungen Rasmus Kofoed ein Däne, auch Silber und Bronze gingen an Skandinavier. Und unter den ersten zehn landeten schließlich noch drei Köche aus dem Norden.

Während das vergangene Jahrzehnt von spanischen Küchenstars wie Ferran Adrià dominiert wurde, der sich mit seiner Molekularküche auch Feinde schaffte, gehört die Gegenwart der Küche den Kollegen aus Schweden, Dänemark oder Norwegen. Das „Noma” in Kopenhagen mit Küchenchef René Redzepi gilt derzeit als bestes Restaurant der Welt. Redzepi leitete eine neue Ära des Kochens ein. Bei ihm herrscht konsequentes Olivenölverbot, er verwendet fast ausschließlich Lebensmittel aus heimischen Wäldern und Meeren, von heimischen Wiesen und Feldern. Moos kommt bei ihm ebenso auf die Karte wie Birkenrindensaft und Eichenholzspäne – in Form von Eis zum Beispiel.

Grund genug, sich anzusehen, wie die traditionelle skandinavische Küche aussieht. Astrid-Lindgren-Leser und Ikea-Fans werden schon eine Vorahnung haben: Moltebeeren, Makrelen, Krebse, Dorsch und Vollkornbrot …

Das Kochbuch „Die leichte Küche Skandinaviens – von Jütland bis zum Nordkap” kommt gerade zum rechten Zeitpunkt heraus, war doch das Interesse für die Küche des Nordens nie größer. Dem Dogma der neuen Küchenstars entsprechend, lässt die Einleitung des Buches das Thema Regionalität der Zutaten nicht aus. Und eines darf natürlich nicht fehlen: Smorrebrod in allen möglichen Varianten, ob mit Hering und roter Zwiebel oder Kartoffeln und Meerrettichcreme. Weitere Rezepte: Seelachs mit Rote-Rüben-Salat, grüner Salat mit Radieschen und Räucherfisch, gebackene Meeräsche mit Stachelbeeren und Kartoffelsalat, Dinkelpfannkuchen mit Blaubeeren oder Holundersuppe mit Roggenbrotcroûtons. Manche Rezepte klingen schräg, etwa die Kombination aus Fisch und Beeren oder Holunder und Brot, passen aber gleichzeitig perfekt ins Bild, das wohl jeder Nicht-Skandinavier von den nordischen Ländern hat. Bei einem im Buch angeführten „Grundprinzip” sind wir allerdings skeptisch: 500-600 g Fleisch und Wurst pro Tag? Wenn das stimmt, müssten die Scandinavian Airlines ihre Sitze wohl breiter machen.

Rezepte im PDF Format:
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Trine Hahnemann:
Die leichte Küche Skandinaviens
von Jütland bis zum Nordkap

Umschau, 144 Seiten
16,90 Euro


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