Huckleberry Finn darf nicht mehr Nigger sagen

In der neuen US-Ausgabe von Mark Twains „Huckleberry Finns Abenteuer” (geschrieben 1884) wird das Wort „Nigger” durch „Sklave” ersetzt, um politisch korrekt zu sein. Der schwarze Schriftsteller Ishmael Reed, der zu den wichtigsten Autoren der literarischen Postmoderne der USA zählt, meinte dazu, dass der Verlag Twains Bücher offensichtlich gar nicht verstanden habe, denn Mark Twain verachtete Rassismus und geißelte in seinen Werken die Heuchelei und Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft. Statt einzelne Wort zu zensieren, so Reed, sollten die Verantwortlichen besser die Bücher lesen, um überhaupt zu verstehen, was sie ausdrücken.

Reed verweist übrigens auch süffisant darauf, dass eine Zensur von Musiktexten den Hip-Hop umbringen würde, verwenden doch viele der schwarzen Rapper „Nigga” extrem häufig – ganz ähnlich, wie sich etwa türkische Rapper in Deutschland selbst stolz als „Kanaken” bezeichnen.

Wir jedenfalls regen eine – möglichst unter EU-Aufsicht vorzunehmende – Durchforstung der gesamten Literaturklassik zum Zweck Geschichte verfälschender Vergangenheits-Korrektheit an: Etwa die Streichung aller judenfeindlichen Passagen aus Hitlers „Mein Kampf” oder das Ersetzen des Ausdrucks „Knecht” in Peter Roseggers Heimatwerken durch „landwirtschaftliche(r) FacharbeiterIn”. Auch Pippi Langstrumpf soll nicht mehr machen dürfen, was ihr gefällt – das hat doch höchst gefährliche Vorbildwirkung auf unsere Kinder.

Wenn Vogelschwärme vom Himmel fallen

Nun sind auch im US-Bundesstaat Kentucky mehrere Tausend tote Vögel entdeckt worden. Nach dem massenhaften Vogelsterben in Arkansas, Louisiana und Schweden ist das bereits der vierte Fall binnen weniger Tage. Die Ursache ist unbekannt, Krankheiten und Vergiftungen sind jedenfalls zweifelsfrei auszuschließen. Und ob es einen Zusammenhang mit dem Fischsterben in Maryland – dort sind soeben mehr als zwei Millionen toter Fische gefunden worden – gibt, es ebenfalls ungeklärt.

Holland zahlt für Ausbürgerung

Ein lebenslange Rente erhalten integrationsunwillige Moslems aus bestimmten Staaten, wenn sie auf die niederländerische Staatsbürgerschaft verzichten und ihre Koffer packen: 470 Euro (für Ehepaare 670 Euro) monatlich, das ist in Bosnien (Durchschnittseinkommen etwa 200 Euro) sehr viel Geld. Dazu gibt’s noch einen Reisekostenzuschuss von 1.500 Euro pro Person.

Süße Zukunft

Schön langsam spricht es sich herum, dass in den Küchen von Spitzenrestaurants nicht die Chefs selbst für die Desserts zuständig sind, sondern meist ein Patissier oder gleich ein ganzes Patisserieteam. Und schön langsam machen sich diese Spezialisten für den süßen Abschluss auch einen Namen. Für viele Gäste ist ein Dessert der wichtigste und emotionalste Gang von allen, aber die Aufmerksamkeit für die hohe Kunst, die dahinter steckt, war bis vor kurzem ziemlich gering.

Martin Sieberer, der im Hotel Trofana Royal (zwei Lilien vom RELAX Guide) im Tiroler Ischgl die Paznauner Stube bekocht, hat sein neues Buch jedenfalls gemeinsam mit seinem Patissier Peter Fankhauser geschrieben. Eine Zusammenarbeit, die widerspiegelt, wie auch in der Küche selbst gearbeitet wird: Denn allein werkt ein Patissier natürlich nie vor sich hin, sollen sich doch Desserts nahtlos in die Linie des übrigen Menüs einfügen, es bedarf also einiger Konspiration zwischen Küchenchef und Nachspeisenboss.

„Von süßen Sinnen” heißt das Werk, das im Loewenzahn-Verlag erschienen ist. Gleich auf den ersten Blick fällt die ungewöhnliche Gliederung auf. Zunächst zeigen die Autoren in Kapiteln wie „Krokant und Karamell”, „Kakao und Schokolade” oder „Sorbets” Grundtechniken und eine erste Auswahl an Rezepten, etwa gebratenes Ananas-Kotelett mit Macadamianuss-Krokant und weißem Schokoladeeis, dann folgen Kapitel nach Jahreszeiten mit gemischten Zutaten. Martin Sieberer und Peter Fankhauser sind ihrer Zeit fast ein wenig voraus: mit Rezepten nämlich, die Zutaten enthalten, die man bisher aus der pikanten Küche kannte: Käse, Gemüse, Oliven … Manche halten das für die Zukunft der Desserts: eine Pikantisierung, wenn man so will, weg vom allzu Klebrigen, Einlullenden, hin zu mehr Schärfe, mehr Reibung zwischen den Geschmäckern und weniger Süße. Zu den spannendsten Rezepten zählen daher für uns solche wie der Bitterschokoladenauflauf mit geschmorten Tomaten und Schokolade-Chili-Eis oder das Tamarillosorbet in der Parmesanhippe. Noch mehr Protagonisten aus der pikanten Küche? Bitte sehr: Spargel, zu einer süßen Kaltschale verarbeitet, Rucola – als Sorbet, Curry als Würze zu geschmorten Birnen oder Oliven, in einen Schokoauflauf integriert. In dieser Spielart erweisen sich Sieberer und Fankhauser als tatsächlich visionäres Team. Und sie wissen: Die beste Art, Zukunft vorauszusagen ist, sie selbst zu gestalten.

Rezepte im PDF Format:
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Martin Sieberer, Peter Fankhauser:
Von süßen Sinnen

Edition Loewenzahn, 200 Seiten
35,95 Euro

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