Nicht denken!

Wer an den Wahlkampfschlachtruf „Change” von Barack Obama geglaubt hat, dürfte spätestens jetzt enttäuscht sein: Der US-Präsident arbeitet zurzeit ein Gesetz aus, das erlauben soll, alle Gespräche, die über das Internet geführt werden, abzuhören. Weltweit. Und sogar auch verschlüsselte Maildienste sowie Webseiten wie etwa Facebook, Twitter und Skype sind damit gemeint.Wer jetzt unweigerlich denken möchte, Obama sei ein Arschloch, sollte das lieber nicht tun: Vor kurzem erhielt ein 17-jähriger Teenager aus England Polizeibesuch (mit „Fototermin”) sowie ein lebenslanges Einreiseverbot in die USA, weil er Obama in einem Mail so bezeichnet hatte.

Rettung für Kopfmenschen

Im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen: das gelingt längst nicht allen. Selbst wer Berge von Fakten und Zahlen zur Entscheidungsfindung auftürmt, kann damit völlig falsch liegen – trotz aller wissenschaftlichen Absicherung. Beispiele dafür findet man jeden Tag, besonders häufig in Wirtschaft und Politik, wo mit viel Wissen und Verstand nicht selten die größten Dummheiten gemacht werden. Andererseits gibt es Menschen, die jegliche „Datenlage” ignorieren, nur auf ihre innere Stimme hören – und damit eigentlich immer Erfolg haben. Wer auf sein „Bauchgefühl” achtet, wurde allerdings bislang als unüberlegt eingestuft und nicht ernst genommen. Das könnte sich bald ändern, denn neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Intuition ein geradezu unglaubliches Potenzial zur Entscheidungsfindung hat. Intuition kommt aus dem Bauch, aus dem Magen-Darm-Trakt, wo 80 Prozent unseres Nervensystems liegen. Natürlich ist sie durch unseren zivilisatorischen Alltag verkümmert und muss erst allmählich wahrgenommen und trainiert werden. Und wahrscheinlich wird es einige Zeit dauern, bis man sie von unbewussten Ängsten und Wünschen unterscheiden kann, doch „Bauchgefühlseminare” für Künstler und Manager boomen jedenfalls.

Einfach normale Mehlspeisen …

Ganz ehrlich: Selbst wenn man kulinarischen Neuerungen noch so offen gegenübersteht – irgendwann kommt doch der Punkt, an dem man weder Chili-Cashew-Ananas-Muffins will noch einen Nashibirnen-Lakritz-Curry-Kuchen. Sondern einfach mal wieder eine normale Mehlspeise. Einen Zwetschkenstrudel, zum Beispiel. Oder einen Apfelstreuselkuchen. Eine Punschtorte, eine Biskuitroulade, gebackene Mäuse. Und zwar ohne dass kandierter Ingwer hineingewürfelt wird, ohne Zuckergespinst darüber, ohne Macadamianuss-Krokant als besonderen Gag. Will man einen dieser süßen Klassiker dann aber nachkochen, fehlt oft das Rezept. Denn es scheint für Kochbuchverlage fast gefährlich geworden zu sein, eine bewährte Nachspeise ohne „neuen Dreh” zu liefern, einfach nur als gute, ausführliche Anleitung mit zeitgemäßen Fotos. Sicher, man könnte die Frage stellen, wozu altgediente Rezepte veröffentlichen – die hat doch ohnehin schon jeder irgendwo. Eben nicht. Wer sich kochbuchtechnisch neu einrichtet, weil er gerade aus dem Hotel Mama ausgezogen ist oder aus anderen Gründen den Grundstein für eine eigene Küchenbibliothek legen will, stößt aber fast nur mehr auf Kreativbücher mit Rezepten, die mit dem Originalgericht nur mehr wenig gemein haben. Oder die Anleitungen sind, etwa wenn man Omas Backbuch oder eine Neuauflage desselben, geerbt hat, in derart Hausfrauenwissen-kompatibler Kurzform, dass sie für Anfänger nicht geeignet sind. Oder wissen Sie vielleicht auf Anhieb, was „zur Rose abziehen” heißt? Dieses Buch hingegen, das sich inhaltsgerecht „Süße Klassiker” nennt, kann man getrost jetzt schon als Standardwerk bezeichnen. Mit Dietmar Fercher hat der Wiener Residenz Verlag auch nicht irgendwen an der Angel, sondern einen der profiliertesten Konditoren der an guten Konditoreien ohnedies nicht armen österreichischen Hauptstadt. Er hat gemeinsam mit Andrea Karrer bewährte Rezepte zusammengestellt, Konrad Limbeck hat sie gekonnt in einem Stil fotografiert, der sehr treffend zwischen traditionell und neu changiert. Ausführliche Erklärungen und Anekdoten machen das Buch zu einem wirklich nützlichen und oft gebrauchten Helfer. Mit Rezepten wie Weincremetorte, Mohr im Hemd, Nusskranz, Kaisergugelhupf oder Grießschmarren.

Rezepte im PDF Format:
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Dietmar Fercher, Andrea Karrer: Residenz Verlag, 272 Seiten 29,90 Euro


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