Bakterien machen intelligent

Dass der Kontakt mit Bakterien wichtig für die Entwicklung des Immunsystems von Kleinkindern ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen: Dürfen sie nicht im Schmutz spielen, dann leiden sie später schnell an Allergien und Atemwegserkrankungen. Bakterienkontakt macht aber auch außerordentlich klug, wie US-Wissenschaftler gerade herausgefunden haben. Zumindest Mäuse. Sie konnten sich in Labyrinthen doppelt so schnell und angstfreier zurechtfinden als Vergleichsmäuse, die zuvor keinen intensiven Kontakt mit Bodenbakterien („Mycobacterium vaccae“) hatten.

Wunder der Globalisierung

Zehn Mitarbeiter der taiwanesischen iPhone-Fabrik im chinesischen Shenzhen verübten kürzlich Selbstmord – zumeist durch Sturz vom Firmendach –, da sie mit Leistungsdruck, Hungerlöhnen und tristen Zukunftsaussichten nicht mehr fertig wurden. Die Reaktion der Firma („Foxconn“): Die Gebäude wurden mit Fangnetzen umspannt, um Todesstürze zu verhindern. Die Beschäftigten mussten sich zudem schriftlich verpflichten, sich nicht zu töten.

Knapp 300.000 Chinesen verüben alljährlich Selbstmord. China hat 72 Dollarmilliardäre, nur 10 Prozent der Bevölkerung besitzen die Hälfte des nationalen Vermögens. Auf dem Land finden junge Menschen keine Arbeit, die Fabrikjobs in den Städten sind schlecht bezahlt und ohne Zukunftsperspektiven.

Vielseitig, sommerlich: die Tomate

Wer eine Milch-, Erdbeer- oder Tomatenallergie hat, kann einem wirklich leid tun, zählen doch diese drei Nahrungsmittel zu jenen, die am meisten Emotionen hervorrufen. Während Milch für Trost und Geborgenheit steht und Erdbeeren dank diverser Filme zu erotischen Phantasien führen können, symbolisieren Tomaten den Sommer wie wohl kein anderes Gemüse. Die Collection Rolf Heyne hat nun nach den monothematischen Bänden Chili, Ingwer und Schokolade diesem „Paradiesapfel“ ein Buch gewidmet. Wieder war Luzia Ellert für die Fotos verantwortlich, wie immer stand ihr Gabriele Halper als Foodstylistin zur Seite.

Was dazu führt, dass dieses Kochbuch wie schon seine Vorgänger eine Augenweide ist: Halper füllt Seidentäschchen mit Kirschtomaten, schlichtet diese in Alvar-Aalto-Vasen oder stapelt die unterschiedlichsten Tomatensorten auf knallroten Arne-Jacobsen-Stühlen.

Foodautorin Elisabeth Ruckser recherchierte das Drumherum und beschreibt die enorme Vielfalt der leider noch immer meist nur in der roten Variante erhältlichen Frucht. Die Rezepte gliedern sich in die Kapitel „Ins Glas“, „Kalte Sommergerichte“, „Warme Sommergerichte“ und „Aus dem Glas“ und weisen so ihrerseits eine unkonventionelle Logik auf.

Ins Glas kommen etwa Kirschtomaten mit Mandelkernen und Nelkensirup, grüne Tomaten im süßen Pfeffersud, ein Rosinen-Tomaten-Chutney oder ein Auberginen-Tomaten-Püree mit gebratenem Knoblauch. Unter den kalten Gerichten wählen wir zum Beispiel zwischen einer Avocado-Joghurt-Creme auf marinierten Koriandertomaten, einem Salat vom Ochsenherz (einer alten, fleischigen Sorte) mit Pfirsichen und Honig und einer geeisten Tomatensuppe mit Granatapfel und Ziegenkäse-Wan-Tan. Weiter geht es warm: mit knusprigen Selleriestäbchen mit Tomaten-Limetten-Öl oder einer Tomaten-Tarte-tatin mit Basilikumeis. Abschließend hat Gabriele Halper Rezepte zusammengetragen, für die man ganz erlaubter Weise mit Dosen- oder eingelegten getrockneten Tomaten arbeiten darf: etwa für den Tomatengugelhupf mit Mandeln und Basilikum.

Wer das Wort Tomate jetzt für ein paar Tage nicht mehr lesen kann, schließe die Seite und bestelle das Buch. Dann geht es wieder. Versprochen.


Rezepte im PDF Format:
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Elisabeth Ruckser, Luzia Ellert und Gabriele Halper:
Tomate

Collection Rolf Heyne, 255 Seiten
41,10 Euro


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