Die Griechenland-Pleite, einfach erklärt

Griechenland hat hohe Schulden bei den Banken. Ungefähr so hohe wie Belgien oder Frankreich auch. Aber längst nicht so hohe wie etwa die USA oder Japan. Doch Griechenland ist jetzt pleite, weil Banken*) gesagt haben, dass Griechenland pleite ist, worauf die Zinsen auf jenes Geld, das Griechenland den Banken schuldet, geradezu verrückt angestiegen sind – und die Schulden noch viel größer geworden sind.

Jetzt könnten die Banken sagen: „Okay, wir haben windige Geschäfte gemacht und Verlust gebaut. Vergessen wir es, das ist wie bei allen Krediten unser Geschäftsrisiko.“ Und Griechenland wäre seine Schulden los. Viele Banken hätten weniger Geld.

Doch die EU will, dass die Steuerzahler so an die 135 Milliarden an die Griechen zahlen, damit diese es den Banken geben können. Doch die Steuerzahler haben kein Geld, weil ihre Regierungen hohe Schulden angehäuft haben (Österreich: knapp 200 Milliarden Euro, Deutschland: knapp 2.000 Milliarden Euro) – auch weil sie einst das Geld den Not leidenden Banken gegeben haben, weil diese gedroht hatten, andernfalls in Konkurs zu gehen, weil sie windige Geschäfte gemacht hatten. Jetzt haben die Banken das Geld, die Regierungen nicht. Daher müssen die Regierungen von den Banken Geld ausborgen, damit sie es den Griechen geben können, damit sie es den Banken geben können.

Gleichzeitig wetten Banken auf den völligen Zusammenbruch Griechenlands. Je schlechter es Griechenland geht, umso mehr Geld gewinnen diese Banken.

Die 16 EU-Euro-Staaten haben 23 mal so viel Schulden wie Griechenland, nämlich 7.200 Milliarden Euro.

*) Genauer gesagt die so genannten Rating-Agenturen der Banken. Das sind die, die den faulen, die Weltfinanzkrise auslösenden US-Immobilienschulden einst die besten aller möglichen Bewertungen bescheinigt hatten.

EU-Verbot: Aus für Speck vom Bauern

Was die Bauern seit Jahrhunderten machen, hat die EU seit Jahresbeginn so gut wie verboten: Das Schlachten von ein paar Schweinen zum Verkauf ab Hof. Erlaubt wäre es nur, wenn hohe bauliche Auflagen erfüllt würden – darunter etwa eigene Sanitärräume für den Tierarzt –, die bei Kosten von rund 100.000 Euro allerdings für diese Kleinstbetriebe kaum finanzierbar sind. Mehr als 1.000 kleine Schlachter haben inzwischen aufgegeben.

Grund ist das EU-Hygienegesetz. Zwar zerstört es regionale Strukturen, bringt Transportstress für die Tiere und böse Hormone ins Gewebe, zudem allerlei Belastungen für die Umwelt und begünstigt allein die Großindustrie, doch all das dient offiziell nur unserer Sicherheit. Aus EU-Sicht sind handgemachte Produkte nämlich unhygienisch, der Transport von Schlachttieren durch ganze Europa dagegen sogar förderungswürdig: Jungtiere aus Österreich, mästen in Polen, Hormonspritzen aus Deutschland, von slowakischen Fahrern in ukrainischen LKWs nach Albanien zum Schlachten gefahren, in Italien verwursten, in Tschechien verpacken, als „Steirisches Almfleisch“ verkaufen … und vielleicht sogar als großindustriell verschobenes „Gammelfleisch“ in Deutschland wieder auftauchen. Die Brüsseler Bürokratie setzt auf exzellent hygienisch verpackte Industrieprodukte, Qualität ist nicht das Thema.

Und wie lange dauert es noch, bis die EU das Kochen in der eigenen Küche aus Hygienegründen verbietet? Nur zur eigenen Sicherheit! Wer dann nicht unerfüllbare Auflagen erfüllen will, darf auf Fertigmenüs aus dem Supermarkt ausweichen. Die Industrie freut sich sicher.

Österreichische Zukunftsvisionen

Was Xanthana mit Apfelsaft zu tun hat, Gellan mit Schinken und Iota mit Erdäpfeln?

Geht es nach Haubenkoch Heinz Hanner und Gourmetautor Christoph Wagner, sieht so die feine österreichische Küche der Zukunft aus: heimische Spitzenprodukte mit ein paar Helferleins aus Apotheke oder Internetfachhandel in neue Formen gebracht. Verfechter des kulinarischen Patrio-Purismus werden nun aufschreien – sollte doch angesichts der diversen Molekular-Skandälchen die Küche der nächsten Jahrzehnte eine sein, die sich auf „echte“ Lebensmittel beschränkt. Die drei angeführten scheinbaren Schreckgespenster sind freilich nicht viel anderes als normale Gelatine, sie ermöglichen bloß andere Zubereitungsarten, etwa den vegetarischen Kaviar – kleine Kügelchen aus Gemüsesaftgelee, die sich im Mund genauso anfühlen wie Fischeier. Ferran Adrià, der Urvater der Molekularküche, hat diesen Kaviar erfunden, Heinz Hanner hat sich für sein Dreihauben-Restaurant in Mayerling bei Wien österreichische Varianten davon ausgedacht.

Hanner und Wagner versuchen mit dem Buch „Die feine Küche“ eine Definition, was feine Küche heute bedeuten und wie man sie in einen österreichischen Kontext stellen kann. Das Ergebnis liest sich nicht nur aufschlussreich, sondern birgt auch Rezepte für eine sehr moderne Küche (was sich allerdings im Layout leider nicht niederschlägt). So erweisen sich die Autoren etwa als Verfechter der Produktgleichwertigkeit – nicht ganz neu, aber immer wieder wichtig: Wer sagt, dass Nieren oder Zunge für die Hochküche nicht geeignet sind?

Die Rezepte sind nach Ausgangsprodukten in Kapitel unterteilt: „Es fliegt, es fliegt“ – Geflügel, „Klein, aber fein“ – Lamm, Ziege und Co oder „das Ei des Heinz Hanner“ – mit Variationen von Molekularei bis Kaviar. Für Anfänger ist das Buch nicht geeignet, für solche, die sich als halbe Profis bezeichnen würden, finden sich jedoch zahlreiche neue Ideen. Mit Rezepten wie Hechtrostbraten und Kalbskopf, Erbsen- und Schinkenkroketten, fest-flüssig, Kaninchen-Marillen-Ragout oder Milchrahmstrudel im Glas mit Rote-Rüben-Schaum.

Fazit: ein gelungener Blick in die österreichischen Kochtöpfe der Zukunft.


Rezepte im PDF Format:
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Hein Hanner, Christoph Wagner:
Die feine Küche
Erlesene Gerichte aus heimischen Spitzenprodukten

Pichler Verlag, 239 Seiten
24,95 Euro


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